Im Moment wird ja so ziemlich jeder Bundesligaspieler, der geradeaus
laufen kann, ein bisschen Entwicklungspotenzial hat und auch noch teuer
ist, als Neuzugang bei Borussia ins Gespräch gebracht. Zeit, das
Transfer-Orakel zu bemühen und schon mal einen Blick darauf zu werfen,
was davon überhaupt sinnvoll sein kann.
Im ersten Teil habe ich geschrieben, auf welchen Positionen der Verein wohl handeln wird, ohne besonders auf Namen von möglichen Neuzugängen einzugehen. Da war der Abgang von Max Kruse auch noch nicht fix.
Da ich über keinerlei Kanäle in die Entscheidungsebene verfüge, kann ich über Namen natürlich nur spekulieren und versuchen, einzuordnen, ob sie zur Gladbacher Philosophie passen.
Handlungsbedarf gibt es:
auf der Torwartposition 2, wenn Blaswich geht (bei Heimeroth sehe ich nicht den Grund, warum er nochmal wechseln sollte). Hier wird in den vergangenen Tagen auch aus seriösen Quellen Tobias Sippel aus Kaiserslautern gehandelt (Kicker), das klingt auch schon recht konkret. Ich rechne damit, dass nach dem Saisonende in der 2. Liga hier schnell Klarheit besteht. Das bedeutet wohl, dass Blaswich geht, was ich für beide Seiten nachvollziehbar finde.
in der Abwehr: Filip Daems muss ersetzt werden, hier gibt es aus meiner Sicht aber derzeit wenig Ergiebiges in der Gerüchteküche. Der immer wieder gehandelte Fabian Schär (Basel) ist noch immer recht teuer (durch die Option der Baseler bis 2017), irgendwie scheint mir das Interesse bei der Borussia auch nicht (mehr) so richtig da zu sein. Der junge Willi Orban vom FCK wird genannt, sein Teamkollege Dominik Heintz oder der Düsseldorfer Jonathan Tah (der eigentlich dem HSV gehört), aber ich rechne eher mit einem schon gestandenen Spieler, den man jederzeit ins kalte Wasser werfen kann, auch in der CL. So ein Chaos wie damals in der Saison 2010/11 mit dem bedauernswerten Bamba Anderson möchte ich nicht noch mal erleben. Aus der zweiten Liga geholt, spülten ihn die Verletzungen und Sperren unvorbereitet ins Team und er war damals damit völlig überfordert.
Als Eigengewächs sollte aus meiner Sicht Marvin Schulz den Platz des Nachwuchsmannes auf der Innenverteidigerposition einnehmen, zumal er auch auf der Sechs agieren kann.
im Mittelfeld: Torben Marx und Christoph Kramer machen zwei Plätze im Kader frei.
Nehmen wir Lars Stindl von Hannover 96 als Kramer-Ersatz, bleibt hier noch eine Stelle offen. Dass hierfür große Summen ausgegeben werden, denke ich nicht. Vielleicht kommt auch einer, der als Sechser und als Abwehrspieler eingesetzt werden kann. Oder ein Nachwuchsmann, der schon erste internationale Erfahrung gesammelt hat. Da wurden ja zuletzt zwei junge Spieler aus der polnischen Liga (der Slowake Ondrej Duda und Karol Linetty) in die Gerüchteküche gebracht. Besonders Duda scheint ein großes Talent zu sein, möglich, dass er schon in Hinblick auf den bald zu befürchtenden Abgang von Xhaka verpflichtet werden könnte. Ein Spieler, der sofort in die Stammelf drängt, scheint er nicht zu sein. Aber: Wer hat das denn schon vorher von Christoph Kramer erwartet?
im Sturm: Dort
ändert sich aus meiner Sicht nicht viel, es gibt aber traditionell umso mehr Gerüchte über mögliche Neuzugänge. Ersetzt werden muss im Prinzip nur Max Kruse. Das wird aber kaum nur mit nur einem Spieler gelingen - zumindest wäre der für Borussia nicht bezahlbar.
Lars Stindl bringt sicher mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld heraus, er könnte zudem auch eine der Stürmerrollen übernehmen. Zweistellig in einer Saison treffen kann er, vor dem Tor ist er ziemlich kalt. Sollte Gladbach noch einen Top-Sechser an Land ziehen, vom Format eines Johannes Geis etwa, dann könnte ich mir sogar vorstellen, dass Stindl dauerhaft vorne spielen könnte. Es wäre sicher eine gelungene Finte, wenn Eberl öffentlich sagt, dass er einen Stürmer sucht und dann einen Sechser einkauft.
Daneben bleiben als Kandidaten im Angriff Raffael, Hrgota, beide mit recht guten Torinstinkten ausgerüstet, sowie (mit Abstrichen) der junge Marlon Ritter und vor allem André Hahn. Auch wenn es bislang nicht von Toren gekrönt wurde, spielte Hahn in vorderster Position eine gute Rolle, auch zuletzt gegen Augsburg. Da verhinderte die Unterzahl eine effektivere Leistung, gegen die Bayern hingegen lieferte er ein bärenstarkes Spiel in vorderster Reihe ab.
Ich denke, wir Fans sollten uns davon frei machen, dass Borussia einen reinen Knipser verpflichten will. Aus diesem Grund denke ich nicht, dass es Mitrovic aus Anderlecht wird, auch nicht di Santo aus Bremen oder Drmic aus Leverkusen. Frankfurts Seferovic würde schon eher ins Raster passen, doch seine Spielweise ist durchaus foulträchtig, es kommt immer sehr auf die Linie des Schiedsrichters an, ob ihm jeder Luftzweikampf abgepfiffen wird oder nicht.
Okazaki aus Mainz ist sicher ein Kandidat - ein wuseliger Spielertyp, der Borussia noch fehlt. Freiburgs Mehmedi spielt bislang nicht konstant genug und er ist keiner, der im Strafraum den Unterschied macht. Kevin Volland ist durch seine Verlängerung in Hoffenheim vom Markt, bei Poulsen (Leipzig) und Embolo (Basel) sind es eher die derzeitigen Vereine, die kein großes Interesse haben dürften, den Spieler abzugeben - es sei denn, Borussia böte so viel Geld, dass sie weich werden. Das wiederum ist eher unwahrscheinlich.
Was sonst bisher an Namen gehandelt wurde, ist aus meiner Position nicht zu bewerten. Natürlich hoffe auch ich, dass Max Eberl noch ein Transfer-Coup gelingt. Allerdings bin ich grundsätzlich der Meinung, dass wir auch im derzeitigen Kader alle Spielertypen haben, um nächste Saison erfolgreich zu sein.
Denn eins darf man nicht vergessen: Die voraussichtlich sechs Champions-League-Spiele nächste Saison sind ein Bonus, die Hauptaufgabe ist die Bundesliga. Für die sind wir gerüstet, nur für eine größere Verletzungsserie (im Umfang wie am letzten Spieltag) nicht.
2015-05-25
2015-05-24
Vorübergehende Feierstörung
Danke Borussia! Das war ein tolles Saisonabschlussfest im und vor allem nach Spielschluss an der Bühne vor dem Borussia-Park. Ich bin froh und stolz, dabeigewesen zu sein. Aber ein bisschen nagt es doch an mir, dass das letzte i-Tüpfelchen auf diese Saison an diesem Tag gefehlt hat.
Dass das letzte Spiel der fantastischen Saison sportlich nicht mehr das halten würde, was es von Tabellenstand beider Teams versprach, war schon vorher an den Ausfällen auf beiden Seiten abzulesen gewesen. Zudem waren die tabellarischen Fronten längst geklärt. Klar, in ein paar Tagen interessiert es keinen mehr, dass am Ende die zweite blöde Heimniederlage der Saison stand (die genauso ärgerlich war wie die gegen Frankfurt) und dadurch ein oder zwei weitere Bestmarken nicht erreicht wurden. Und doch fielen ein paar leicht bittere Tropfen in den Feierwein.
Da war einerseits eine überschaubare Leistung der Mannschaft, die sich aufgrund der Umstände (einige Ausfälle, gesicherter Champions-League-Platz und am Ende auch fehlende personelle Möglichkeiten in Unterzahl) sicher erklären und verschmerzen lässt.
Borussia traf andererseits auf einen Gegner, der nach der (auch spielerisch) wohl besten Saison seiner Bundesligageschichte gerade gegen uns wieder seinen aus den vergangenen Jahren bekannten Abstiegskampf-Modus zeigte, inklusive giftigem, überhartem und provozierendem Zweikampfverhalten.
Dazu gesellte sich ein wenig konsequenter Schiedsrichter Weiner mit teils seltsamen Entscheidungen, die zumindest im Fall des Platzverweises gegen Nordtveit den Spielausgang aber merklich beeinflussten.
Dann gab es eine zwischenzeitliche "Stimmungsauszeit" in der Nordkurve (offenbar wegen einer Postbank-Fähnchenaktion), just in der Zeit, als die Mannschaft ein wenig mehr Unterstützung durchaus hätte gebrauchen können. Vielleicht hätten wir da lieber die "Augschburg"-Sprechchöre aus dem Gästeblock übertönen müssen, statt nach fünf Spielminuten (und der Kölner Führung gegen Wolfsburg) schon unangebrachte Vizemeister-Gesänge anzustimmen. Dazu passte, dass die Gästefans schon vor dem Anpfiff die Verabschiedung von Daems, Marx, Kruse und Christoph Kramer gestört hatten.
Und dann gab es noch einen eher unlustigen Trainer, der sich ziemlich lange von den Fans bitten ließ und sichtbar wenig Enthusiasmus vor der Nordkurve zeigte. Dass er Filip Daems und Thorben Marx den letzten Auftritt auf dem Feld versagte, war schade, aber vor allem der Eigendynamik im Spiel geschuldet.
Das alles verdirbt mir natürlich nicht den Gesamteindruck dieser Saison und es tat auch der Feierstimmung in der Borussia-Fangemeinde am Samstag keinen Abbruch - aber es sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Denn die Harmonie in der Mannschaft und im Verein ist ein kostbares Gut. Das steht schnell auf dem Spiel, wenn nicht alle Parteien immer 100 Prozent geben. Wie es dann läuft, haben wir vor 2011 sehr lange studieren und erleiden dürfen. Und dahin zurück will keiner.
Bundesliga, 34. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 1:3 (23.5.15)
Dass das letzte Spiel der fantastischen Saison sportlich nicht mehr das halten würde, was es von Tabellenstand beider Teams versprach, war schon vorher an den Ausfällen auf beiden Seiten abzulesen gewesen. Zudem waren die tabellarischen Fronten längst geklärt. Klar, in ein paar Tagen interessiert es keinen mehr, dass am Ende die zweite blöde Heimniederlage der Saison stand (die genauso ärgerlich war wie die gegen Frankfurt) und dadurch ein oder zwei weitere Bestmarken nicht erreicht wurden. Und doch fielen ein paar leicht bittere Tropfen in den Feierwein.Da war einerseits eine überschaubare Leistung der Mannschaft, die sich aufgrund der Umstände (einige Ausfälle, gesicherter Champions-League-Platz und am Ende auch fehlende personelle Möglichkeiten in Unterzahl) sicher erklären und verschmerzen lässt.
Borussia traf andererseits auf einen Gegner, der nach der (auch spielerisch) wohl besten Saison seiner Bundesligageschichte gerade gegen uns wieder seinen aus den vergangenen Jahren bekannten Abstiegskampf-Modus zeigte, inklusive giftigem, überhartem und provozierendem Zweikampfverhalten.
Dazu gesellte sich ein wenig konsequenter Schiedsrichter Weiner mit teils seltsamen Entscheidungen, die zumindest im Fall des Platzverweises gegen Nordtveit den Spielausgang aber merklich beeinflussten.
Dann gab es eine zwischenzeitliche "Stimmungsauszeit" in der Nordkurve (offenbar wegen einer Postbank-Fähnchenaktion), just in der Zeit, als die Mannschaft ein wenig mehr Unterstützung durchaus hätte gebrauchen können. Vielleicht hätten wir da lieber die "Augschburg"-Sprechchöre aus dem Gästeblock übertönen müssen, statt nach fünf Spielminuten (und der Kölner Führung gegen Wolfsburg) schon unangebrachte Vizemeister-Gesänge anzustimmen. Dazu passte, dass die Gästefans schon vor dem Anpfiff die Verabschiedung von Daems, Marx, Kruse und Christoph Kramer gestört hatten.
Und dann gab es noch einen eher unlustigen Trainer, der sich ziemlich lange von den Fans bitten ließ und sichtbar wenig Enthusiasmus vor der Nordkurve zeigte. Dass er Filip Daems und Thorben Marx den letzten Auftritt auf dem Feld versagte, war schade, aber vor allem der Eigendynamik im Spiel geschuldet.
Das alles verdirbt mir natürlich nicht den Gesamteindruck dieser Saison und es tat auch der Feierstimmung in der Borussia-Fangemeinde am Samstag keinen Abbruch - aber es sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Denn die Harmonie in der Mannschaft und im Verein ist ein kostbares Gut. Das steht schnell auf dem Spiel, wenn nicht alle Parteien immer 100 Prozent geben. Wie es dann läuft, haben wir vor 2011 sehr lange studieren und erleiden dürfen. Und dahin zurück will keiner.
Bundesliga, 34. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 1:3 (23.5.15)
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