Ich bin einverstanden. Einverstanden mit dem Spiel in Stuttgart, auch wenn es doch gerade in der zweiten Halbzeit viele Nerven gekostet und ordentlich Glückes bedurft hat, die wichtigen drei Punkte mitzunehmen. Wenn es nur einer geworden wäre, wäre ich daher auch noch einverstanden gewesen.
Sehr einverstanden bin ich mit der Art, Fußball zu spielen. Es ist nicht so weit von Favres Fußball entfernt, nur direkter, nicht so abwartend und langwierig, bis die entscheidende Szene kommt, sich in der Abwehr des Gegners das Loch für den "tödlichen Pass" öffnet. Sehr sehr sehr einverstanden bin ich mit dem phasenweise sehr intensiven frühen Pressing, das die Gegner von Borussia überhaupt nicht mehr gewohnt sind. Und da in vielen Mannschaften (auch in unserer) die Abwehrreihen verwundbar sind, wenn man sie gut anläuft, ist das ein erfolgversprechendes Stilmittel, das mir beim VfL unter Favre deutlich zu kurz kam.
Überhaupt nicht einverstanden bin ich mit den Elfmeterentscheidungen, die sich in Spielen des VfL schon langsam zum running gag entwickeln. Ich weiß, das muss man nicht so sehen wie ich, aber ich finde es fatal, was diese Saison schon alles an (Nicht-)Elfmetern (nicht nur gegen Borussia) gepfiffen worden ist. Ein Strafstoß ist wohl neben dem Platzverweis die schärfste Bestrafung im Fußball und sie hat aus meinem Verständnis den Sinn, entsprechend hart zu ahnden, dass zuvor eine klare Torchance verhindert wird. Inzwischen werden viel zu viele Elfmeter verhängt. Und zu oft wird wegen leichtem, teils sogar vom Stürmer gewollten Körperkontakt gepfiffen (siehe die Auflauf-Elfmeter von Bayerns Costa gegen Augsburg, Augsburgs Koo gegen uns oder der Fallsüchtige aus Sevilla, der sich bei Yann Sommer eingehakt hatte) oder für "angeschossene Handspiele", die aus kurzer Entfernung kein Verteidiger verhindern kann. Damit kann ich mich nicht anfreunden, genausowenig wie mit der Elfmeterszene in Stuttgart: Wenn Daniel Didavi uneingeschränkt zum Torschuss kommt, also dabei nicht behindert wird und erst nach dem Schuss vom Gegner, der eindeutig Richtung Ball ging, getroffen wird, muss man aus meiner Sicht keinen Elfmeter geben.
Aber egal wie ich das finde, die Entscheidungen fallen momentan so gegen uns. Das Ärgerliche daran ist, dass durch diese Einflussnahme der Schiedsrichter jetzt zweimal hintereinander gegnerische Mannschaften wiederbelebt wurden, die bis dahin mausetot schienen - vom Verlauf des Sevilla-Spiels mal ganz abgesehen.
Bei aller Freude: Die sechs Punkte aus den vergangenen beiden Spielen, von denen wir zu Beginn der vergangenen Woche ja kaum zu träumen wagten, dürfen niemanden darüber hinwegtäuschen, dass auch die so frei aufspielende Mannschaft jede Menge Fehler gemacht hat - naturgemäß auch in und vor den Elfmeterszenen. Zum Glück blieben sie sowohl von Augsburg als auch vom VfB ungenutzt, das muss gegen andere Gegner nicht so bleiben. Darf es aber natürlich gern.
Bundesliga 2015/16, 7. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 1:3 (26.9.15)
(Tore für Borussia: 0:1 Xhaka, 0:2 Eigentor Gentner (Kopfball Herrmann), 1:3 Raffael)
2015-09-28
2015-09-24
Mit den Puppen gespielt
Endlich die ersten Punkte der Bundesligasaison. Und das mit einer Leistungsexplosion, die uns das Leid der vergangenen Wochen wie ein Tornado von der Seele gefegt hat. Die erste halbe Stunde war wie das energische Abschütteln eines schweren Ballasts. Fabian Johnsons Schuss zum 1:0 habe ich vor dem Fernseher sowas von ins Tor geschrien - so laut, dass es noch im Nachbarort zu hören gewesen sein muss.
War dann also doch alles gar nicht so schlecht und so falsch, was sich in dieser Woche rund um den Borussia-Park abgespielt hat?
Na ja, nüchtern betrachtet hat der VfL das Spiel schon in den ersten 20 Minuten gewonnen, weil André Schuberts wohldurchdachte Taktik den Gegner vollkommen überrumpelt hat. Das frühe aggressive Pressing, das ich mir so oft unter Favre als eine taktische Möglichkeit gewünscht habe, Entschlossenheit und ein bisschen Glück im Abschluss - damit war Augsburg früh geknackt.
Dass so ein kraftraubendes, dominierendes Spiel nicht über die ganze Spielzeit durchgehalten werden kann, erklärt den Durchhänger in der Mitte des Spiels. Dort spielten sicher auch die frühen Wechsel eine Rolle, mit denen Schubert unnötiges Risiko bei den gerade genesenen Johnson und Herrmann und dem rotgefährdeten Granit Xhaka vermeiden wollte. Letztlich war es aber ein sicherer Sieg gegen biedere Gäste aus der Augsburger Puppenkiste, die Borussia heute wenig entgegenzusetzen hatten.
Die beiden lächerlichen Elfmeter, mit denen der Schiedsrichter die Augsburger wieder ins Spiel bringen wollte, haben mich dennoch fürchterlich aufgeregt. Auch weil diese Saison einfach schon zu viele Fehlentscheidungen gegen unsere Mannschaft gefallen sind.
Aber dieser ergebnistechnische Dämpfer hat auch sein Gutes, denn bei einem glatten 4:0 oder gar 6:0 wäre die Gefahr deutlich größer, dass Spieler und Fans das nächste Spiel wieder zu leicht nehmen, nach dem Motto: Geht doch! Diesen Fehler sollte keiner machen, denn Stuttgart wird besser vorbereitet sein als die Fuggerstädter.
Natürlich ist es nach einem Spiel zu früh, den Effekt des kuriosen Trainerwechsels zu bewerten. Aber André Schuberts positive Art, die Dinge anzugehen, war für die Mannschaft offenbar befreiend. Selten hat man einen Julian Korb so mutig (und erfolgreich) ins offensive Eins-gegen-Eins gehen sehen. Lars Stindl, im Spiel gegen den HSV noch ein Schatten seiner selbst, zeigte sich selbstbewusst. Wohl auch, weil er - von Favres engen Vorgaben befreit - spielen durfte, was er am besten kann. Xhaka, Raffael und besonders Mo Dahoud lenkten das Spiel exzellent, das kompromisslos-kämpferische Zweikampfverhalten ließ den Funken sofort aufs Publikum überspringen. Ein guter Alvaro Dominguez, der ohne Spielpraxis einen famosen Auftritt hinlegte, daneben ein abgeklärter Andreas Christensen, der natürlich heute auch nicht annähernd so gefordert war wie gegen Modeste letzen Samstag, und ein deutlich verbesserter Oscar Wendt - das war insgesamt eine richtig gute, laufstarke Mannschaftsleistung.
Jeder weiß, dass ein Trainerwechsel Kräfte freisetzen kann. Insofern war Lucien Favres Flucht vielleicht der Anstoß, den die Mannschaft gebraucht hat, um den Knoten zu lösen. Wissen werden wir das frühestens in einigen Wochen. Was wir aber jetzt schon wissen, ist, dass da immer noch zu 95 Prozent Favres Team auf dem Platz stand und gewann. Ich bin sicher, dass der Schweizer das Spiel heute am Fernseher verfolgt hat und sich über die gute Leistung und über den Dank der Fans gefreut hat.
Bundesliga 2015/16, 6. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 4:2 (23.9.15)
(Tore für Borussia: 1:0 Johnson, 2:0 Xhaka, 3:0 Stindl, 4:0 Dahoud)
War dann also doch alles gar nicht so schlecht und so falsch, was sich in dieser Woche rund um den Borussia-Park abgespielt hat?
Na ja, nüchtern betrachtet hat der VfL das Spiel schon in den ersten 20 Minuten gewonnen, weil André Schuberts wohldurchdachte Taktik den Gegner vollkommen überrumpelt hat. Das frühe aggressive Pressing, das ich mir so oft unter Favre als eine taktische Möglichkeit gewünscht habe, Entschlossenheit und ein bisschen Glück im Abschluss - damit war Augsburg früh geknackt.
Dass so ein kraftraubendes, dominierendes Spiel nicht über die ganze Spielzeit durchgehalten werden kann, erklärt den Durchhänger in der Mitte des Spiels. Dort spielten sicher auch die frühen Wechsel eine Rolle, mit denen Schubert unnötiges Risiko bei den gerade genesenen Johnson und Herrmann und dem rotgefährdeten Granit Xhaka vermeiden wollte. Letztlich war es aber ein sicherer Sieg gegen biedere Gäste aus der Augsburger Puppenkiste, die Borussia heute wenig entgegenzusetzen hatten.
Die beiden lächerlichen Elfmeter, mit denen der Schiedsrichter die Augsburger wieder ins Spiel bringen wollte, haben mich dennoch fürchterlich aufgeregt. Auch weil diese Saison einfach schon zu viele Fehlentscheidungen gegen unsere Mannschaft gefallen sind.
Aber dieser ergebnistechnische Dämpfer hat auch sein Gutes, denn bei einem glatten 4:0 oder gar 6:0 wäre die Gefahr deutlich größer, dass Spieler und Fans das nächste Spiel wieder zu leicht nehmen, nach dem Motto: Geht doch! Diesen Fehler sollte keiner machen, denn Stuttgart wird besser vorbereitet sein als die Fuggerstädter.
Natürlich ist es nach einem Spiel zu früh, den Effekt des kuriosen Trainerwechsels zu bewerten. Aber André Schuberts positive Art, die Dinge anzugehen, war für die Mannschaft offenbar befreiend. Selten hat man einen Julian Korb so mutig (und erfolgreich) ins offensive Eins-gegen-Eins gehen sehen. Lars Stindl, im Spiel gegen den HSV noch ein Schatten seiner selbst, zeigte sich selbstbewusst. Wohl auch, weil er - von Favres engen Vorgaben befreit - spielen durfte, was er am besten kann. Xhaka, Raffael und besonders Mo Dahoud lenkten das Spiel exzellent, das kompromisslos-kämpferische Zweikampfverhalten ließ den Funken sofort aufs Publikum überspringen. Ein guter Alvaro Dominguez, der ohne Spielpraxis einen famosen Auftritt hinlegte, daneben ein abgeklärter Andreas Christensen, der natürlich heute auch nicht annähernd so gefordert war wie gegen Modeste letzen Samstag, und ein deutlich verbesserter Oscar Wendt - das war insgesamt eine richtig gute, laufstarke Mannschaftsleistung.
Jeder weiß, dass ein Trainerwechsel Kräfte freisetzen kann. Insofern war Lucien Favres Flucht vielleicht der Anstoß, den die Mannschaft gebraucht hat, um den Knoten zu lösen. Wissen werden wir das frühestens in einigen Wochen. Was wir aber jetzt schon wissen, ist, dass da immer noch zu 95 Prozent Favres Team auf dem Platz stand und gewann. Ich bin sicher, dass der Schweizer das Spiel heute am Fernseher verfolgt hat und sich über die gute Leistung und über den Dank der Fans gefreut hat.
Bundesliga 2015/16, 6. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 4:2 (23.9.15)
(Tore für Borussia: 1:0 Johnson, 2:0 Xhaka, 3:0 Stindl, 4:0 Dahoud)
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