0:3, 1:1, 0:3 - nur ein Punkt und ein Tor aus drei Spielen, in denen man jeweils die klar dominierende Mannschaft war. Und das dann auch noch gegen unmittelbare Konkurrenten um die europäischen Plätze. Das ist ärgerlich, enttäuschend - und es macht auf den ersten Blick etwas ratlos.
Doch es gibt Gründe für den kleinen Durchhänger der Hecking-Elf. Manches kann man beeinflussen, anderes weniger - etwa die Wahrnehmungen des Schiedsrichtergespanns. Grund, in Panik zu verfallen, gibt es nicht. Und wie immer hilft es, bei der Analyse nicht nur schwarz und weiß zu sehen. Hier ein paar Gedanken, was mit im Moment bei Borussia fehlt:
1) Die Unantastbarkeit. Schwankungen sind normal. Keine Mannschaft kommt ohne Schwächephasen durch eine Saison, nicht einmal Bayern München und auch nicht Dortmund, wie man in den vergangenen Wochen gesehen hat. Eine solche Souveränität wie in dieser Saison ist bei unserer Borussia aber ohnehin kein Selbstläufer. Der VfL hat zwar einige Spiele nicht überzeugend gestaltet - auch gewonnene -, doch eine Ergebniskrise hat sich die Mannschaft in dieser Saison noch nicht erlaubt.
Auf Niederlagen fand sie die richtige Antwort - mit einer Ausnahme: Ende Okober folgte auf die traditionelle Auswärtsniederlage in Freiburg fünf Tage später das bittere Pokalaus gegen Leverkusen.
Selbst die Reaktion auf das 0:3 gegen Berlin war völlig im Rahmen - ein starkes Auswärtsspiel in Frankfurt. Das macht Mut, dass es auch diesmal so sein wird, selbst wenn es nun gegen den Rekordmeister geht.
2) Das Spielglück. Wenn wir ehrlich sind, kann sich der VfL in dieser Saison nicht über fehlendes Glück in einigen engen Spielen beschweren. Auch das letztlich souveräne 3:0 in München wäre nicht denkbar gewesen, wenn an diesem Tag nicht vieles gepasst hätte für Gladbach. Jetzt klebt das Pech mal stärker an den Borussenstiefeln - sei es vorne bei Lattentreffern oder anderen vergebenen Chancen, oder in der Defensive bei unglücklichen Gegentoren. Da ließe sich das reingemümmelte Kreisliga-Schüsschen von Gerhardt zum 1:0 für Wolfsburg oder das glückliche Zustandekommen des da-Costa-Treffers in Frankfurt nennen.
3) Der "letzte Einsatz". Man sagt, Spielglück könne man nicht erzwingen. Da ist sicher etwas dran. Aber man kann etwas dafür tun, dass der Ball in den entscheidenden Szenen dein Freund bleibt. Dafür braucht es den gern zitierten "letzten Einsatz", das Quäntchen Geschicklichkeit im Zweikampf, das den Unterschied machen kann und macht. Jeder, der mal selbst gespielt hat, weiß, was ich meine.
Am Beispiel des 0:2 und des 0:3 von Wolfsburg lässt sich das gut illustrieren. Hätte Nico Elvedi ein bisschen konsequenter den Weg und den Rückpass zu Sommer gesucht, hätte ihm Mehmedi nicht den Ball klauen können. Wäre der Schweizer Abwehrspieler - ohne Zweifel einer von Borussias Spieler der Saison - mit der sonst üblichen Kompromisslosigkeit ins Kopfballduell mit Brooks gegangen, hätte der den Ball nie in die Mitte bekommen, wo erneut Mehmedi gegen den (zu Recht) vor dem Zusammenprall zurückzuckenden Wendt an den Ball kam. Zwei verlorene Zweikämpfe, zwei entscheidende Gegentore.
Gleiches gilt für das 0:2 gegen Berlin, als Selke Matthias Ginter an der Außenlinie weglief und dieser ihn nicht daran hindern konnte.
Das ist der Unterschied zu den Spielen vorher. Da wurden die allermeisten solcher Szenen von Elvedi und Ginter entschärft. Und was doch durchkam, wurde mit Können und etwas Glück durch Yann Sommer und andere Mitspieler abgeräumt. Es kann natürlich sein, dass derartige Konzentrationsfehler der anstrengenden Saison geschuldet sind.
Nichtsdestominder müssen sie vermieden werden, sonst geht auch die Selbstverständlichkeit verloren, mit der der VfL bislang Offensive und defensive Absicherung so harmonisch auf den Platz gebracht hat.
4) Die Gier nach dem Tor. Solange es gelingt, hinten leichte Fehler zu vermeiden, kann man es sich leisten, sich den Gegner vorne zurechtzulegen, ihn müde zu spielen, um dann mit überraschenden Pass-Stafetten zum Erfolg zu kommen. Die richtige Balance zwischen dominierendem Passspiel und dem Abschluss zu finden, ist dabei nicht einfach. Die meisten Gegner verschieben inzwischen sehr effektiv und lassen Borussias Kreativen weniger Raum zum Kombinieren. Das führt manchmal zu langatmigen Ballzirkulationen im ungefährlichen Raum. Die Gefahr, in dieser Phase irgendwann mal unkonzentriert einen Fehlpass zu spielen, der hinten gefährlich werden kann, steigt gefühlt mit jedem weiteren Pass.
Dennoch finden die Gladbacher Spieler ja immer wieder gute Lösungen und spielten sich auch zuletzt pro Spiel eine gute Handvoll erstklassiger Chancen heraus. Wären immer drei davon drin, müsste ich den Text hier gar nicht schreiben. Auch hier gilt: Manchmal klebt das Pech am Schuh, man wählt die falsche Option oder stellt sich einfach nur mal dusselig an. Aber das ist es nicht allein.
Noch mehr gute Ansätze scheitern vorher - bevor der letzte Pass zum Torschuss kommt. Und da beschleicht mich in den vergangenen Wochen das Gefühl, dass die Spieler nach einer immer noch besseren Schussposition des Mitspielers suchen, um den Abschluss "möglichst sicher" zu gestalten. Wenn das gelingt, so wie bei Neuhaus oder Hazard am Samstag, ist das toll anzusehen. Wenn der angespielte Kollege die 100-prozentige Chance dann nicht nutzt, umso bitterer.
Ich will nicht sagen, dass vor dem Tor die Verantwortung abgeschoben werden soll, danach sieht es nicht aus. Aber es wäre sicherlich nützlicher, ab und zu einfach gieriger den eigenen Torerfolg anzupeilen. Damit meine ich nicht mal so sehr die eben genannten Szenen, sondern die, in denen dann der Querpass nicht ankommt, obwohl man selbst hätte schießen können.
Ich will nicht dahin zurück, dass ein Thorgan Hazard aus allen Lagen aufs Tor prügelt, egal wie sinnvoll es ist. Aber in einer Mannschaft, die mit so vielen Spielern gesegnet ist, die eine tolle Übersicht auf dem Feld haben, wäre es klasse, wenn sie auch im letzten Drittel des Spielfelds öfter kühlen Kopf bewahrten.
5) Gute Standards. Ganz ehrlich - ich habe lange keinen mehr gesehen. In der Vorrunde flogen riehenweise gute Ecken und Freistöße in den Strafraum, sie wurden auch mal trickreich flach in den Rückraum gepasst. Im Moment klappt da gar nichts. Und das ist gerade in Spielen fatal, wo es über Kombinationsfußball nicht so recht zündet.
6) Die Form. Matthias Ginter mit Schwächen im Spielaufbau und in der Antizipation mancher Situationen, Alassane Plea, der völlig von der Rolle scheint, egal ob es um Schnelligkeit, Zweikampf oder Torabschluss geht. Dazu Hazard und Stindl mit "Ladehemmung" und ein paar durch die schnelle Entwicklung zu Stammspielern durchaus nachvollziehbare Durchhänger bei jungen Spielern wie Flo Neuhaus oder Mickael Cuisance. Und: Erfahrene Spieler, die nicht sofort gleichwertig in die Bresche springen, auch weil ihnen die Spielpraxis fehlt (Drmic, Johnson). Eine solche Kombination ergibt eine Schwächung der Gesamtleistung, was sich in dieser Liga nicht sofort rächen muss, aber kann - an jedem Spieltag, gegen jeden Gegner.
7) Die Unterstützung der Fans. Nein, das ist jetzt vielleicht etwas zu plakativ. Grundsätzlich stimmt der Support für das Team natürlich, das hört man auch am Fernseher immer wieder. Und von einem Zerfleischen der Fangruppen wegen einiger Stadionflüchter, wie es die Blöd-Zeitung gern hätte, kann ja nun nicht die Rede sein.
Aber ab und an denke ich doch, dass die Anfeuerung noch etwas früher, etwas vehementer ausfallen könnte. Im Moment glaube ich, dass das der Mannschaft enorm helfen würde, weil es das Quäntchen sein kann, was den Ausschlag gibt.
Davon abgesehen: Wie realistisch und aufmunternd die Fans die beiden Niederlagen im eigenen Stadion gewichtet haben, das war ganz große Klasse. Positive Anfeuerung, das wirkt immer. Und gegen die Bayern sollte es sich von selbst verstehen, dass die Hütte brennt. Oh, hoffentlich habe ich jetzt nicht den zuständigen Minister zu Dummheiten animiert. ;-)
In diesem Sinne: Halt Pohl, Borussia!
2019-02-26
2019-02-23
Verschenkt, verpennt, verschaukelt
Es wäre ja zu schön gewesen, wenn Borussia Mönchengladbach mal eine Saison ohne solche surrealen Phasen durchspielen könnte. Zweites Heimspiel, zweites 0:3, und so richtig weiß man nicht, warum. Borussia war heute über 85 Minuten noch spielbestimmender, noch souveräner als gegen die Hertha vor zwei Wochen. Kramer und Co. spielten quasi nur auf ein Tor, erarbeiteten sich beste Einschusschancen, die normalerweise für zwei Spiele reichen. Und scheiterten doch - und das mehr an sich selbst als an dem jeweiligen Gegner, den man freistehend anschoss.
Ich spare mir eine umfassende Analyse des Spiels, denn es würde den Spielen zuvor weitgehend gleichen. Auch heute waren es drei individuell schwach verteidigte Situationen, die zu den Gegentoren führten. Mehr aussichtsreiche Chancen hatten die Gäste auch eigentlich nicht. Yann Sommer wurde erneut dreimal überwunden, ohne dies wirklich verhindern zu können. Und: Ohne sich in der sonstigen Spielzeit groß auszeichnen zu müssen. Das sagt genug über das Spiel aus.
Vorne die Chancen nicht genutzt, hinten bei den Gegentoren nicht griffig genug gewesen - das ist gleichbedeutend damit, dass man das Spiel nicht schuldlos verloren hat. Das gilt auch heute. Was mich allerdings rasend macht, ist, dass dazu noch eine Leistung des Schiedsrichters und seiner Videoassistenten kommt, die man so nicht stehen lassen kann.
Robert Kampka benachteiligte Gladbach in einer Reihe von falsch bewerteten Zweikämpfen. Er besaß auch kein Maß dafür, wann ein Schiedsrichter ein Zeichen setzen muss. Dass zum Beispiel Arnold relativ früh nach seinem brutalen Sprung mit dem Ellbogen voran in Kramers Rücken ohne Karte blieb, ebenso der notorisch in die Beine tretende William, das ist schon ärgerlich. Davon allein würde ich mich aber noch nicht verschaukelt fühlen.
Es war allerdings auch nur der Anfang einer Reihe von aus meiner Sicht eklatanten Fehlleistungen. Die fingen in der zweiten Halbzeit mit einem klaren Foulelfmeter an Ginter an, der nicht gegeben wurde. Der Gladbacher wurde - im Blickfeld des Schiedsrichters - von seinem Gegenspieler Brooks mit beiden Händen von hinten umgeschubst. Für eine ähnliche Szene (ein leichtes Festhalten weit abseits des Balles) bekam Schalke diese Woche einen Foulelfmeter gegen Man City. Hier aber reagierte weder der Schiri noch Benjamin Cortus im Kölner Keller.
Kurz darauf hätte es Handelfmeter geben müssen, als Weghorst einen Flankenball von Wendt beim Reingrätschen mit dem leicht abgestreckten Arm klar ablenkte. Hier überprüfte Cortus die Situation immerhin, kam aber zu der Annahme, das sei kein strafbares Handspiel. Warum auch immer. Kampka verzichtete auch darauf, sich die Szene selbst anzusehen. Der vom Körper leicht abgewinkelte Arm lag in dieser Situation nicht "natürlich" an, es lag damit eine Vergrößerung der Körperfläche vor. Dass er aus kurzer Entfernung angeschossen wird, ist somit das einzig Entlastende. Das nahm der Spieler durch seine Grätsche allerdings auch billigend in Kauf, um den Querpass blocken zu können.
Ich weiß nicht, wieviele Elfmeterentscheidungen ich in vergleichbarer Konstellation in dieser Saison schon in der Bundesliga gesehen habe - es waren einige. Und das hier hätte ebenfalls einer sein müssen.
Drittens: Als Casteels den Ball nach vorne prügelte, der kurz darauf zum vorentscheidenden 2:0 im Gladbacher Tor landete, setzte die versammelte Unparteiischen-Riege dann endgültig zum Tiefschlaf an. Denn Mehmedi, der den in dieser Szene zu passiven Elvedi überraschte, kontrollierte den hochspringenden Ball mit der hochgezogenen Faust - keine natürliche Armbewegung. Klarer kann man sich keinen Vorteil verschaffen. Das Handspiel war in jeder Wiederholung klar zu sehen - doch weder Kampka noch Cortus (noch irgendeiner bei Sky) überprüften die Szene nochmal. Zum Vergleich: Letzte Woche bekam Wolfsburg gegen Mainz einen Elfer, weil Gbamin den Ball mit dem am Körper anliegenden Arm leicht, aber in einer bewussten Bewegung mit nach vorne nahm - einen Ball, der ihm im Gewühl aus 30 Zentimetern Entfernung an den Arm sprang.
Zu schlechter Letzt war dann auch noch der Einsatz des Wolfsburgers Brooks gegen Elvedi vor dem 0:3 äußerst grenzwertig. Eine nahezu identische Szene hatte er zuvor Ginter am gegnerischen Strafraum abgepfiffen.
Das fiel ehrlicherweise dann aber kaum noch ins Gewicht. Verloren hatte Borussia das Spiel schon vorher. Natürlich zeigt uns die Erfahrung jede Woche aufs Neue, wie willkürlich die Entscheidungen vor allem beim Handspiel sind. Es wird auch nicht jeder mit meiner Meinung übereinstimmen. Aber mir war es heute in entscheidenden Szene einfach zu viel, was zu Ungunsten der Hecking-Elf ausgelegt wurde.
Das alles hätte natürlich keinesfalls mit ausschlaggebend für die Niederlage (und meinen Text) werden können, wenn Gladbach das umgesetzt hätte, was die Mannschaft in der Hinrunde und in den ersten drei Spielen nach der Winterpause ausgezeichnet hatte: Effizienz vor dem Tor, Kompromisslosigkeit und Konzentration in der Rückwärtsbewegung und im eigenen Strafraum. Doch da fehlt es inzwischen an einigen Nuancen, und dies wird derzeit brutal bestraft.
Auf 5:0 Tore und 9 Punkte folgten zuletzt trotz zweier (guter) Heimspiele 1:7 Tore bei nur einem Punkt. Und als nächsten kommen die Bayern, die wieder im alten Modus unterwegs sind. Der komfortable Vorsprung auf die Verfolger schmilzt dramatisch, der Heimnimbus, der der Mannschaft einiges an Sicherheit und Selbstvertrauen verliehen hatte, ist erstmal weg. Der VfL ist in der ersten richtigen Krise in seiner so starken Saison. Und damit muss er schnell fertig werden. Hoffen wir, dass das Team auch auf diese Herausforderung schnell eine gute Antwort findet. Und, wenn nötig, auch mal wieder in der Schiri-Lotterie etwas mehr Glück hat.
Bundesliga 2018/19, 23. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 0:3
Ich spare mir eine umfassende Analyse des Spiels, denn es würde den Spielen zuvor weitgehend gleichen. Auch heute waren es drei individuell schwach verteidigte Situationen, die zu den Gegentoren führten. Mehr aussichtsreiche Chancen hatten die Gäste auch eigentlich nicht. Yann Sommer wurde erneut dreimal überwunden, ohne dies wirklich verhindern zu können. Und: Ohne sich in der sonstigen Spielzeit groß auszeichnen zu müssen. Das sagt genug über das Spiel aus.
Vorne die Chancen nicht genutzt, hinten bei den Gegentoren nicht griffig genug gewesen - das ist gleichbedeutend damit, dass man das Spiel nicht schuldlos verloren hat. Das gilt auch heute. Was mich allerdings rasend macht, ist, dass dazu noch eine Leistung des Schiedsrichters und seiner Videoassistenten kommt, die man so nicht stehen lassen kann.
Robert Kampka benachteiligte Gladbach in einer Reihe von falsch bewerteten Zweikämpfen. Er besaß auch kein Maß dafür, wann ein Schiedsrichter ein Zeichen setzen muss. Dass zum Beispiel Arnold relativ früh nach seinem brutalen Sprung mit dem Ellbogen voran in Kramers Rücken ohne Karte blieb, ebenso der notorisch in die Beine tretende William, das ist schon ärgerlich. Davon allein würde ich mich aber noch nicht verschaukelt fühlen.
Es war allerdings auch nur der Anfang einer Reihe von aus meiner Sicht eklatanten Fehlleistungen. Die fingen in der zweiten Halbzeit mit einem klaren Foulelfmeter an Ginter an, der nicht gegeben wurde. Der Gladbacher wurde - im Blickfeld des Schiedsrichters - von seinem Gegenspieler Brooks mit beiden Händen von hinten umgeschubst. Für eine ähnliche Szene (ein leichtes Festhalten weit abseits des Balles) bekam Schalke diese Woche einen Foulelfmeter gegen Man City. Hier aber reagierte weder der Schiri noch Benjamin Cortus im Kölner Keller.
Kurz darauf hätte es Handelfmeter geben müssen, als Weghorst einen Flankenball von Wendt beim Reingrätschen mit dem leicht abgestreckten Arm klar ablenkte. Hier überprüfte Cortus die Situation immerhin, kam aber zu der Annahme, das sei kein strafbares Handspiel. Warum auch immer. Kampka verzichtete auch darauf, sich die Szene selbst anzusehen. Der vom Körper leicht abgewinkelte Arm lag in dieser Situation nicht "natürlich" an, es lag damit eine Vergrößerung der Körperfläche vor. Dass er aus kurzer Entfernung angeschossen wird, ist somit das einzig Entlastende. Das nahm der Spieler durch seine Grätsche allerdings auch billigend in Kauf, um den Querpass blocken zu können.
Ich weiß nicht, wieviele Elfmeterentscheidungen ich in vergleichbarer Konstellation in dieser Saison schon in der Bundesliga gesehen habe - es waren einige. Und das hier hätte ebenfalls einer sein müssen.
Drittens: Als Casteels den Ball nach vorne prügelte, der kurz darauf zum vorentscheidenden 2:0 im Gladbacher Tor landete, setzte die versammelte Unparteiischen-Riege dann endgültig zum Tiefschlaf an. Denn Mehmedi, der den in dieser Szene zu passiven Elvedi überraschte, kontrollierte den hochspringenden Ball mit der hochgezogenen Faust - keine natürliche Armbewegung. Klarer kann man sich keinen Vorteil verschaffen. Das Handspiel war in jeder Wiederholung klar zu sehen - doch weder Kampka noch Cortus (noch irgendeiner bei Sky) überprüften die Szene nochmal. Zum Vergleich: Letzte Woche bekam Wolfsburg gegen Mainz einen Elfer, weil Gbamin den Ball mit dem am Körper anliegenden Arm leicht, aber in einer bewussten Bewegung mit nach vorne nahm - einen Ball, der ihm im Gewühl aus 30 Zentimetern Entfernung an den Arm sprang.
Zu schlechter Letzt war dann auch noch der Einsatz des Wolfsburgers Brooks gegen Elvedi vor dem 0:3 äußerst grenzwertig. Eine nahezu identische Szene hatte er zuvor Ginter am gegnerischen Strafraum abgepfiffen.
Das fiel ehrlicherweise dann aber kaum noch ins Gewicht. Verloren hatte Borussia das Spiel schon vorher. Natürlich zeigt uns die Erfahrung jede Woche aufs Neue, wie willkürlich die Entscheidungen vor allem beim Handspiel sind. Es wird auch nicht jeder mit meiner Meinung übereinstimmen. Aber mir war es heute in entscheidenden Szene einfach zu viel, was zu Ungunsten der Hecking-Elf ausgelegt wurde.
Das alles hätte natürlich keinesfalls mit ausschlaggebend für die Niederlage (und meinen Text) werden können, wenn Gladbach das umgesetzt hätte, was die Mannschaft in der Hinrunde und in den ersten drei Spielen nach der Winterpause ausgezeichnet hatte: Effizienz vor dem Tor, Kompromisslosigkeit und Konzentration in der Rückwärtsbewegung und im eigenen Strafraum. Doch da fehlt es inzwischen an einigen Nuancen, und dies wird derzeit brutal bestraft.
Auf 5:0 Tore und 9 Punkte folgten zuletzt trotz zweier (guter) Heimspiele 1:7 Tore bei nur einem Punkt. Und als nächsten kommen die Bayern, die wieder im alten Modus unterwegs sind. Der komfortable Vorsprung auf die Verfolger schmilzt dramatisch, der Heimnimbus, der der Mannschaft einiges an Sicherheit und Selbstvertrauen verliehen hatte, ist erstmal weg. Der VfL ist in der ersten richtigen Krise in seiner so starken Saison. Und damit muss er schnell fertig werden. Hoffen wir, dass das Team auch auf diese Herausforderung schnell eine gute Antwort findet. Und, wenn nötig, auch mal wieder in der Schiri-Lotterie etwas mehr Glück hat.
Bundesliga 2018/19, 23. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 0:3
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