Ich kann es mir heute einfach machen. Es gilt all das, was ich nach dem HSV-Spiel geschrieben habe. Und es ist noch ein paar Schleifen schlimmer geworden. Aus einer Mannschaft, die nach dem ersten Saisonsieg gegen St. Pauli kurz aufblühte und bislang verschüttet geglaubte Fertigkeiten und Selbstvertrauen wiederentdeckte, ist wieder ein Häufchen mutloser, ängstlicher Profikicker geworden, die vor lauter Bemühen, nur keine Fehler zu machen ständig Fehler um Fehler macht.
War das 0:3 gegen Stuttgart schon eine negative Offenbarung, konnte man die erste Hälfte gegen gleichfalls grottenschlechte Bremer heute nur noch mit Sarkasmus ertragen. Und selbst die ihrerseits verunsicherten Werderaner brachten Borussia in der zweiten Halbzeit ein ums andre Mal in Verlegenheiten, ohne die starken Paraden von Nicolas und eine sichtbare kämpferische Steigerung hätte auch das eine deutliche Klatsche werden können.
So musste man nach der schmeichelhaften Führung durch den einzigen vernünftigen Angriff im Spiel am Ende fast darüber ärgerlich sein, dass man zwei Punkte im letzten Moment wieder hergegeben hatte. Aber natürlich war das Remis immer noch mehr als leistungsgerecht und wenigstens ein Teilerfolg nach diesem unerquicklichen Auftritt.
Jeder weiß es inzwischen: Borussia ist eine Mannschaft, die man nur hoch und entschlossen anlaufen muss, um sie jeglichen geordneten Spielaufbaus zu berauben. Eine Fußballgruppe (derzeit keine Einheit), die immer wieder in die alten schlechten Muster zwischen so risiko- wie brotlosem Ballgeschiebe in der eigenen Hälfte und wild nach vorne gedroschenen Bällen pendelt und dabei alles andere als souverän auftritt. Das Unverständliche daran: Sie hat genau das alles auch schon viel, viel besser gemacht.
Und jetzt wieder der alte Trott, den es phasenweise auch schon unter Seoane, Farke, Hütter gab: Zu wenig Bewegung ohne Ball, zu wenig füreinander einstehen, indem man stets anspielbar ist, unpräzise Pässe zum Haare raufen und viele andere Unzulänglichkeiten mehr machen das Verfolgen von Borussia-Spielen momentan zur unschönen Pflicht.
Dazu (erfahrene) Spieler, die spieleweise völlig neben sich stehen und danach aber wieder ganz stabil auftreten können (wie heute Elvedi). Unter dem Strich scheinen da zahlenmäßig 11 Spieler auf dem Platz zu stehen, aber diese müssen immer einen oder mehrere Ausfälle mitschleppen bzw. ausgleichen, oft auch bei eingewechselten Spielern. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Ohne Moritz Nicolas im Tor und die zehn Tore von Haris Tabakovic sähe es jetzt schon noch düsterer aus. Und ohne offensiv so ineffiziente Gegner wie den HSV und Bremen heute auch.
Stuttgart und Hoffenheim haben gezeigt, wie schnell das uninspirierte Gesicht der Borussia in seine Einzelteile zerlegt werden kann, und das, obwohl auch in diesen Spielen durchaus Chancen bestanden hätten, sich besser aus der Affäre zu ziehen.
Ich kann nicht sagen, woran dieser Leistungsabfall im einzelnen liegt, es scheinen aber viele Baustellen (in den Köpfen der Spieler) zu sein. Vielleicht stößt Eugen Polanski auch gerade (vorerst) an seine Grenzen, was das Jonglieren mit einer unrunden Fußballgemeinschaft angeht.
Aber wenn sich nicht ganz schnell die stets schnell ausgesprochenen Worte der Erkenntnis in Taten verwandeln, ist Mönchengladbach nach den nächsten fünf Spielen (Leverkusen, Frankfurt, Freiburg, Union und FC Bayern) ein heißer Anwärter auf den Relegationsplatz oder schlechter. Und im Moment lassen sich wenige Argumente finden, die für einen schnellen Umschwung sprechen.
Möglicherweise ist Borussia mal wieder auf einen Glücksgriff in den finalen Stunden des Transferfensters angewiesen. Dass es so kommt, ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich. Gut, Kota Takai hat seine hervorragenden Anlagen schon ein wenig zeigen können, aber erstens bremste ihn diesmal eine Krankheit aus und zweitens ist er in dieser Situation als junger neuer Spieler ebensowenig ein Heilsbringer wie dies der von Leverkusen ausgeliehene Sarco oder Borussen-Talent Wael Mohya sein können.
Dass letztere heute nicht einmal die Chance bekommen haben, sich anstelle der blassen Neuhaus, Honorat, Machino oder Stöger im Spiel noch ein paar Minuten zu zeigen, lag nicht nur am Spielstand, sondern auch daran, dass man niemandem einen Gefallen tut, ihn mit den natürlich noch vorhandenen Defiziten in eine so desorientierte, verunsicherte Mannschaft zu werfen.
Ob sich die Mannschaft zum Ende der Transferphase nominell und nach taktischen Erwägungen besser präsentiert als im Moment, lässt sich in zwei Tagen sagen. Es spricht aber wenig dafür, dass ausgerechnet jetzt der Dominostein in Borussias Richtung fällt, der die Mannschaft aus ihrer seit Jahren immer wiederkehrenden Lethargie reißt. Mehr spricht dafür, dass die harte Kost von Bremen - leidliche Stabilität nach hinten und Stückwerk nach vorne erstmal weiter unser Begleiter ist.
Aber zum Glück ist der Fußball manchmal unberechenbar. Das erhält zumindest die Hoffnung darauf, dass es beim nächsten Spiel plötzlich wieder gelingt, an die starke Phase im vergangenen Jahr anzuknüpfen und schnell die notwendigen Ergebnisse für den rechtzeitigen Klassenerhalt zu sammeln.
Gelingt das nicht, müssen wir mit allem rechnen, denn für den Druck eines drohenden Abstiegs sehe ich diese Mannschaft nicht ausreichend mental gerüstet. Der kalte Hauch der 2. Liga, er war heute jedenfalls schon mal im Weserstadion spürbar. Das immerhin dürfte auch der Gegner gespürt haben, der einer der Konkurrenten ist, die es zu distanzieren gilt.
Bundesliga, 19. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart 0:3.
Bundesliga, 20. Spieltag: Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 1:1. Tor für Borussia: 0:1 Tabakovic.
Saisonspende: 1 mageres Törchen erhöhen die Bilanz homöopathisch auf 57 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.