2026-03-22

Sieben Punkte - Sieben Spiele

Das Schöne daran, nur noch alle paar Wochen einen Text über Borussia zu schreiben, ist, dass das Geschwätz von vorvorgestern von der Realität oft schon wieder überholt wurde. Letztes Mal hatte ich gerade nichts Hoffnungsvolles mehr zur Hand. Heute sieht es nicht mehr ganz so finster aus, ein vorsichtiger Optimismus aka "Wird schon werden" ist nicht ganz unberechtigt.  

Natürlich, Borussia hat für den Klassenerhalt auch jetzt noch einiges zu tun. Doch die Mannschaft machte zuletzt wieder einen robusteren und gefestigteren Eindruck. Und nach zuletzt sieben Punkten aus vier Spielen sieht die Konstellation nicht viel besser, aber angesichts der weniger werdenden Spiele doch wieder etwas freundlicher aus. Mit den jetzt 29 Punkten steht man sieben Spieltage vor Saisonende vor allem aber so da, dass man sich den Abstieg redlich verdient hätte, wenn man diese Ausgangsposition noch verspielen würde. 

Heidenheim (H), Leipzig (A), Mainz (H), Wolfsburg (A), Dortmund (H), Augsburg (A), Hoffenheim (H) - das klingt jetzt nicht nach einem vergnüglichen und kinderleichten Restprogramm. Aber wenn man den anspruch hat, in der ersten Liga bleiben zu wollen, müssen aus diesen Spielen sieben Punkte zu holen sein; und die sollten reichen, um über dem Strich zu bleiben. 

Ob vier Heimspiele da ein Vorteil sind oder die Chance, gegen direkte Konkurrenten (Heidenheim, Mainz, Wolfsburg) Big Points machen zu können, sei dahingestellt. Eng geht es nunmal in der Bundesliga immer zu. Aber es ist eine Aufgabe, der die Mannschaft von Eugen Polanski gerecht werden können sollte - vor allem vor dem Hintergrund der jüngsten Auftritte.

Die waren bei weitem nicht fehlerfrei und oft auch nicht schön anzuschauen. Aber sie haben gezeigt, dass die Mannschaft in der Lage ist, die im Abstiegskampf notwendigen Leistungen abzurufen. Und darauf sollte sich auch alles fokussieren. Es ist vielleicht möglich, den 12. Platz zu halten, bei idealem Verlauf wäre vielleicht auch die Einstelligkeit noch denkbar. 

Aber darauf darf sich der erste Blick gar nicht gehen. Ziel muss zuallererst sein, den Abstand zu den letzten drei Plätzen komfortabel oder wenigstens ausreichend groß zu gestalten. Sollten am Ende mehr als die erwähnten sieben Punkte verbucht werden, dann können wir am Ende schauen, wofür das reicht. Doch egal wo die Mannschaft landet, es ist unabdingbar, die Saison richtig und ehrlich zu analysieren und sich nicht wieder selbst Sand in die Augen zu streuen.

Borussia 2026/27 muss ein anderes Gesicht haben, mit personellen Veränderungen, die dem Kader Tiefe und Variabilität, aber vor allem vergleichbare Qualität geben. Diese Veränderungen müssen aber auch das Mindset aller Beteiligten, den Ehrgeiz, Willen, Einsatz  umfassen, damit die Wettbewerbsfähigkeit auch unter Druck vorhanden oder abrufbar ist.    

Daran hat man auch mit dem vorhandenen Team sichtbar gearbeitet, sonst wären die jüngsten Spiele nicht so ausgegangen. Dass man die einzige punktlose Partie - gegen die Bayern - schon vorher mit der erwartbaren Niederlage abhaken konnte, war klar. Und Borussia hatte tatsächlich ehrlicherweise nicht den Hauch einer Chance in diesem Spiel. Dennoch gab es auch ein paar gute Erkenntnisse und im Ehren- und Debüttor von Wael Mohya auch ein kleines Erfolgserlebnis. 

Die Siege gegen Union und St. Pauli haben Nerven gekostet, sie waren aber umso wichtiger für die Moral und zugleich nicht denkbar ohne die richtige Einstellung zur Situation und zum Spiel. 

Die Rolle, die der abstiegskampferfahrene Kevin Stöger dabei eingenommen hat, sollte nicht unterschätzt werden. Ich habe ihn auch oft kritisiert und ich meine nach wie vor: zu Recht. Doch er scheint mittlerweile verinnerlicht zu haben, dass er bei einem Abstiegskandidaten spielt und nicht bei einem Europacupaspiranten, wo man vielleicht mit extravaganten Pässen und komplizierten Ideen auf Spieler trifft, die das zu verwerten wissen. Der aktuelle Kevin Stöger macht überwiegend eine bodenständige gute, konzentrierte Arbeit nach hinten und nach vorne und schon das stabilisiert das Rückgrat der Mannschaft merklich.

Die steht im Vergleich zu den Spielen vorher phasenweise (im Gesamtverbund oder durch einzelne Spieler) zwar immer noch merkwürdig fahrig neben sich oder verfällt in alte Muster, dem Gegnerdruck auszuweichen und den Ballbesitz im ungefährlichen Regionen im Quer- und Rückwärtsgang zu halten.

Doch es gibt eben auch zunehmend wieder die guten Phasen, wo sie wach und effektiv agieren und sich durch Einsatz und Griffigkeit auch eine gute Prise Glück verdienen - damit ein "Dosenöffner" wie Stögers Freistoß zum 1:0 gegen St. Pauli oder Castrops Knaller zum 3:2 gegen Köln dann auch mal zur richtigen Zeit reinfällt.

Ich spare mir die Details, wer wann nicht auf der Höhe war und wer wann doch. Klar ist, dass sich die Mannschaft das Leben noch immer oft selbst schwer macht, wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie leicht sie den Kölnern im Derby ihre drei Tore erlaubt haben. Aber da die Ergebnisgestaltung beim Fußball vor allem auf Fehlern und ihrer Ausnutzung basiert, reicht es mir vorerst, wenn Elvedi und Co. weniger ergebnisrelevant verwertete Fehler - zumindest nicht mehr - als der Gegner machen.  

Deshalb kann ich unter die vergangenen vier Spiele einen halbwegs zufriedenen Haken machen. Das Derby war zwar kein hochklassiges Spiel, aber doch ein würdiges Spektakel, bei dem das Team unter dem Strich auch dem Druck und der Atmosphäre Stand gehalten hat. Gleiches gilt für die schwierigen und teils holprigen Spiele gegen die Konkurrenten aus Berlin und Hamburg. 

Dass auch das zweite Aufeinandertreffen mit dem Dauermeister (inklusive manch fragwürdiger Schiedsrichterdarbietung) eine Qual werden würde, musste man angesichts der Dominanz des FC Bayern befürchten. Aber da muss man auch durch, wenn man nicht mehr als Bayernschreck taugt. 

Und was die Bilanz gegen die Tabellennachbarn angeht, macht Borussia bis jetzt die Hausaufgaben recht zuverlässig. Damit kann man durchaus ins nächste Fußballjahr in der Bundesliga versetzt werden. Darauf zu vertrauen, wenn nötig schon ausgewählte wichtige Spiele gegen die "Kleinen" gewinnen zu können, darauf kann man sich auf Dauer allerdings nicht verlassen. Ich hoffe und denke, dass das auch allen Handelnden längst klar ist.

Bundesliga, 24. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Union Berlin 1:0. Tor für Borussia: 1:0 Diks (FEM, Bolin).

Bundesliga, 25. Spieltag: Bayern München - Borussia Mönchengladbach 4:1. Tor für Borussia: 4:1 Mohya. 

Bundesliga, 26. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC St. Pauli 2:0. Tore für Borussia: 1:0 Stöger, 2:0 Honorat. 

Bundesliga, 27. Spieltag: 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach 3:3. Tore für Borussia: 0:1 Castrop, 2:2 Sander, 2:3 Castrop.

Saisonspende: 7 Tore und 7 Euro zahlen auf Konto ein, dazu 4 Euro für zwei weitere weiße Westen von Moritz Nicolas: Damit sind wir bei 70 Euro angekommen. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2026-02-22

Gerade koa Hoffnungsschimmer

Es tut mir leid, aber ich habe heute keine Hoffnungsschimmer übrig für euch.

7 Spiele ohne Sieg, nur einer aus den letzten 10 Spielen. Das ist die Realität. Nein, ich bin nicht wütend, ich bin nicht enttäuscht, ich bin nicht fassungslos und auch nicht mehr alarmiert. Ich sehe der Wahrheit ins Auge: Wenn nicht sehr schnell noch etwas Außergewöhnliches geschieht, rechne ich mit dem Abstieg. 

Ja, es sind noch viele Spiele und andere Teams sind auch nicht besser oder punkten zumindest bis jetzt nicht besser. Aber was Borussia in den Spielen seit dem Jahresauftaktsieg gegen Augsburg gezeigt hat, lässt nur Schlimmes erahnen. 

Trainer Eugen Polanski hat viel versucht, sehr viel. Und nach dem kleinen Zwischenhoch im Spätjahr 2025 hatte man kurz das Gefühl, es könne einen Schwenk zum Besseren geben. Doch auch der Übungsleiter mit seiner positiven Ausstrahlung wirkt zunehmend ratlos, und man weiß nicht, ob er aus den Untrainierbaren nochmaö rechtzeitig genügend Qualität herauskitzeln kann, um wenigstens die Klasse für ein weiteres Jahr zu sichern. Zumal der Druck mit jedem Misserfolg wächst.

Eins kann sich der VfL aus den Spielen gegen die durchweg höher einzuschätzenden Gegner Leverkusen, Frankfurt und Freiburg an die Brust heften - wenn man wollwollend ist: Man hat diese Gegner im direkten Duell auf das eigene ambitionslose Niveau herunterziehen können.

Gebracht hat das bis auf den glücklich verdienten Punkt gegen die Bayer-Werksmannschaft nichts. Frankfurt und Freiburg reichte eine fast ebenso uninspirierte Leistung, wie sie Borussia bot, zu ungefährdeten Siegen. Und das, weil sie nur auf die Fehler des Gegner warten mussten, um ausreichend oft zuzuschlagen, währen die Gladbacher Offensive das Prädikat harmlos nur mit Abstrichen verdient hatte.

Nun kann man sich einzelne Sündenböcke aus dem Teams dafür herauspicken, wie man will. Das hilft bei der Vielfalt der Unzulänglichkeiten allerdings kaum weiter. Mal war es ein Haris Tabakovic, der Bälle verstolpert oder Elfmeter versemmelt hatte, mal Stöger, der nach wie vor in seiner eigenen Welt mit "Hacke, Spitze, eins, zwei, drei" schön blumige Kringel auf die Leinwand pinseln möchte, während einfach nur Wand anstreichen gefragt wäre. Ein Honorat, der es verlernt zu haben scheint, eine Flanke oder einen flachen Pass in die Spitze zu spielen, mit dem ein Stürmer irgendetwas anfangen könnte. Ein Ullrich, der nach Vertragsverlängerung und Weggang des Konkurrenten auftritt wie ein auif die Rente wartender Beamter im Einwohnermeldeamt (sorry an jene Berufsgruppe). Ein Scally... Ihr wisst es selbst, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Da sind Defensivspielerketten, die sich in der Begleitung von gegnerischen Angriffen gefallen, aber nicht im robusten Unterbinden von Tormöglichkeiten. Da sind Aussetzer hier, Aussetzer da. Und durch die Bank Spieler, die eine Woche passabel oder gar gut spielen, und in der Woche darauf nicht mehr wissen, was sie da auf dem Rasen tun. Leider offenbart sich die Tagesform oder Nichtform erst, wenn diejenigen auf dem Platz und neben sich stehen.

Neuzugängen wie Bolin und Takai merkt man zwar an, dass sie mit Elan und Frische dazugekommen sind, doch Takai hatte sich heute schon dem schwachen Niveau seiner Mitspieler angepasst, wie lange es bei Bolin und beim Hofnungsträger Wael Mohya noch dauert, bis sie im allgemeinen Quer- und Zurückgeschiebe in Sichtweite jedes anlaufenden Gegners gekonnt miteinstimmen, weiß man nicht. 

Leihgabe Sarco ist schon wieder verletzt, von Reyna ganz zu schweigen. Neuhaus hat sich nach zwei erfrischenden Auftritten offenbar gechillt wieder aus dem Team trainiert und gespielmachert, und damit ist der Konkurrenzkampf im Team weitgehend ausgehebelt. Maschino findet nicht zu seinen Stärken, Stöger darf auch immer mal wieder, und der Rest ist Schweigen.

Jede Woche werden ab jetzt Spieler wegen Gelbsperren fehlen und wir können davon ausgehen, dass selbst im günstigsten Fall Tim Kleindienst und Robin Hack erst in den letzten Saisonspielen eine Option für mehr als heranführende Kurzeinsätze sein werden. Das war ganz sicher in keinem Szenario der Vereinsführung eingeplant. Und wir verdanken es den inzwischen elf Toren des glücklicherweise überperformenden Haris Tabakovic, dass Borussia trotzdem immer noch "über dem Strich" steht.

Was vielleicht aber noch schwerer wiegt als die individuelle Überforderung und die Unwucht des Kaders: Die Mannschaft hat ihr "Gemeinsam" verloren, sie tritt von Spiel zu Spiel weniger als Einheit auf. Geschlossenheit in jeder Situation, der Wille, für den anderen immer anspielbar und laufbereit zu sein, Fehler mit aller Macht ausbügeln zu wollen, das ist von außen immer weniger spürbar. Und das ist nun mal die Grundessenz für einen erfolgreichen Abstiegskampf, nein für jeden Erfolg in einem Mannschaftssport. Das macht große Sorgen.

Was also tun? Den glücklosen Trainer kicken, der vielleicht schon wieder zu viel geändert oder experimentiert hat, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen und zu anderen Gelegenheiten vielleicht wieder zu wenig Mut gezeigt hat? Möglicherweise wird und muss es so kommen. Doch Eugen Polanski trifft auch dann die geringste Schuld an dem Schlamassel, in das sich Borussia als Team und als Verein über Jahre hineinmanövriert hat. Aber das spielt jetzt eine untergeordnete Rolle, denn korrigieren lässt sich das Personal erst wieder für die neue Saison. Und jetzt geht es ums "Überleben". 

Und da spielt in die Misere schnell noch ein anderes Problem hinein. Es wird Spieler geben, die gerade jetzt anfangen darüber nachdenken, ob es sie nicht in eine besseren Verhandlungsposition für ein Engagement in der kommenden Saison (wo auch immer) bringen würde, wenn Mönchengladbach absteigt und der Vertrag möglicherweise endet oder ein Ausstieg lukrativer wird. 
Ich weiß nicht, ob es so ist, aber Borussia wäre nicht der erste Verein, der damit konfrontiert wäre. Sollte es so sein, wäre das natürlich Gift für alle Bemühungen, gemeinsam auf dem Platz den Abstieg zu vermeiden.

Für Borussia Mönchengladbach bedeutet all das, dass der Verein bereit sein muss, wirklich alle Register zu ziehen, um diese Saison in der ersten Liga mit ausreichendem Erfolg abzuschließen. Denn scheitert das Team, bricht noch sehr viel mehr auseinander, auch das, was vielleicht erst kommende Saison erste Früchte zu tragen verspräche. Denn der Verein hat Spieler, die in ihre Rolle hineinwachsen könnten und sollen. Und er ist dabei, den Kader Schritt für Schritt in eine bessere Balance zu bringen, auch wenn er aus finanziellen Gründen sportliches Talent verlieren wird und muss.

Wenn das bedeutet, als letzte Patrone einen Trainer-Feuerwehrmann zu holen, der schon nachgewiesen hat, dass er Spielern schnell und für einen begrenzten Zeitraum Beine machen kann, dann wird Eugen Polanski dem zum Opfer fallen müssen. Und er wird es nachvollziehen und vielleicht auch verstehen können. Er wird seinen Weg auch dann machen, da bin ich mir sicher. Eine sympathischere, schönere, nachhaltigere Perspektive wäre zweifellos, wenn es ihm gelänge, den Schalter anders umzulegen. Stand heute sehe ich aber beim besten Willen nicht, wie das geschehen soll. 

Wie gesagt, die Hoffnungsschimmer sind für heute bei mir aus.   

Bundesliga, 21. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:1. Tor für Borussia: 1:0 Engelhardt. Tor gegen Borussia: 1:1 Sander (ET).

Bundesliga, 22. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 3:0.

Bundesliga, 23. Spieltag: SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach 2:1. Tor für Borussia: 2:1 Tabakovic.

Saisonspende: 2 Tore-Euro kommen dazu: 59 Euro ist der aktuelle Spendenstand. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.