2026-01-31

Der kalte Hauch der 2. Liga

Ich kann es mir heute einfach machen. Es gilt all das, was ich nach dem HSV-Spiel geschrieben habe. Und es ist noch ein paar Schleifen schlimmer geworden. Aus einer Mannschaft, die nach dem ersten Saisonsieg gegen St. Pauli kurz aufblühte und bislang verschüttet geglaubte Fertigkeiten und Selbstvertrauen wiederentdeckte, ist wieder ein Häufchen mutloser, ängstlicher Profikicker geworden, die vor lauter Bemühen, nur keine Fehler zu machen ständig Fehler um Fehler macht. 

War das 0:3 gegen Stuttgart schon eine negative Offenbarung, konnte man die erste Hälfte gegen gleichfalls grottenschlechte Bremer heute nur noch mit Sarkasmus ertragen. Und selbst die ihrerseits verunsicherten Werderaner brachten Borussia in der zweiten Halbzeit ein ums andre Mal in Verlegenheiten, ohne die starken Paraden von Nicolas und eine sichtbare kämpferische Steigerung hätte auch das eine deutliche Klatsche werden können. 

So musste man nach der schmeichelhaften Führung durch den einzigen vernünftigen Angriff im Spiel am Ende fast darüber ärgerlich sein, dass man zwei Punkte im letzten Moment wieder hergegeben hatte. Aber natürlich war das Remis immer noch mehr als leistungsgerecht und wenigstens ein Teilerfolg nach diesem unerquicklichen Auftritt.  

Jeder weiß es inzwischen: Borussia ist eine Mannschaft, die man nur hoch und entschlossen anlaufen muss, um sie jeglichen geordneten Spielaufbaus zu berauben. Eine Fußballgruppe (derzeit keine Einheit), die immer wieder in die alten schlechten Muster zwischen so risiko- wie brotlosem Ballgeschiebe in der eigenen Hälfte und wild nach vorne gedroschenen Bällen pendelt und dabei alles andere als souverän auftritt. Das Unverständliche daran: Sie hat genau das alles auch schon viel, viel besser gemacht.

Und jetzt wieder der alte Trott, den es phasenweise auch schon unter Seoane, Farke, Hütter gab: Zu wenig Bewegung ohne Ball, zu wenig füreinander einstehen, indem man stets anspielbar ist, unpräzise Pässe zum Haare raufen und viele andere Unzulänglichkeiten mehr machen das Verfolgen von Borussia-Spielen momentan zur unschönen Pflicht. 

Dazu (erfahrene) Spieler, die spieleweise völlig neben sich stehen und danach aber wieder ganz stabil auftreten können (wie heute Elvedi). Unter dem Strich scheinen da zahlenmäßig 11 Spieler auf dem Platz zu stehen, aber diese müssen immer einen oder mehrere Ausfälle mitschleppen bzw. ausgleichen, oft auch bei eingewechselten Spielern. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Ohne Moritz Nicolas im Tor und die zehn Tore von Haris Tabakovic sähe es jetzt schon noch düsterer aus. Und ohne offensiv so ineffiziente Gegner wie den HSV und Bremen heute auch.

Stuttgart und Hoffenheim haben gezeigt, wie schnell das uninspirierte Gesicht der Borussia in seine Einzelteile zerlegt werden kann, und das, obwohl auch in diesen Spielen durchaus Chancen bestanden hätten, sich besser aus der Affäre zu ziehen. 

Ich kann nicht sagen, woran dieser Leistungsabfall im einzelnen liegt, es scheinen aber viele Baustellen (in den Köpfen der Spieler) zu sein. Vielleicht stößt Eugen Polanski auch gerade (vorerst) an seine Grenzen, was das Jonglieren mit einer unrunden Fußballgemeinschaft angeht.  

Aber wenn sich nicht ganz schnell die stets schnell ausgesprochenen Worte der Erkenntnis in Taten verwandeln, ist Mönchengladbach nach den nächsten fünf Spielen (Leverkusen, Frankfurt, Freiburg, Union und FC Bayern) ein heißer Anwärter auf den Relegationsplatz oder schlechter. Und im Moment lassen sich wenige Argumente finden, die für einen schnellen Umschwung sprechen. 

Möglicherweise ist Borussia mal wieder auf einen Glücksgriff in den finalen Stunden des Transferfensters angewiesen. Dass es so kommt, ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich. Gut, Kota Takai hat seine hervorragenden Anlagen schon ein wenig zeigen können, aber erstens bremste ihn diesmal eine Krankheit aus und zweitens ist er in dieser Situation als junger neuer Spieler ebensowenig ein Heilsbringer wie dies der von Leverkusen ausgeliehene Sarco oder Borussen-Talent Wael Mohya sein können. 

Dass letztere heute nicht einmal die Chance bekommen haben, sich anstelle der blassen Neuhaus, Honorat, Machino oder Stöger im Spiel noch ein paar Minuten zu zeigen, lag nicht nur am Spielstand, sondern auch daran, dass man niemandem einen Gefallen tut, ihn mit den natürlich noch vorhandenen Defiziten in eine so desorientierte, verunsicherte Mannschaft zu werfen.

Ob sich die Mannschaft zum Ende der Transferphase nominell und nach taktischen Erwägungen besser präsentiert als im Moment, lässt sich in zwei Tagen sagen. Es spricht aber wenig dafür, dass ausgerechnet jetzt der Dominostein in Borussias Richtung fällt, der die Mannschaft aus ihrer seit Jahren immer wiederkehrenden Lethargie reißt. Mehr spricht dafür, dass die harte Kost von Bremen - leidliche Stabilität nach hinten und Stückwerk nach vorne erstmal weiter unser Begleiter ist.

Aber zum Glück ist der Fußball manchmal unberechenbar. Das erhält zumindest die Hoffnung darauf, dass es beim nächsten Spiel plötzlich wieder gelingt, an die starke Phase im vergangenen Jahr anzuknüpfen und schnell die notwendigen Ergebnisse für den rechtzeitigen Klassenerhalt zu sammeln. 

Gelingt das nicht, müssen wir mit allem rechnen, denn für den Druck eines drohenden Abstiegs sehe ich diese Mannschaft nicht ausreichend mental gerüstet. Der kalte Hauch der 2. Liga, er war heute jedenfalls schon mal im Weserstadion spürbar. Das immerhin dürfte auch der Gegner gespürt haben, der einer der Konkurrenten ist, die es zu distanzieren gilt.   

Bundesliga, 19. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart 0:3.

Bundesliga, 20. Spieltag: Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 1:1. Tor für Borussia: 0:1 Tabakovic.

Saisonspende: 1 mageres Törchen erhöhen die Bilanz homöopathisch auf 57 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2026-01-18

Neues Jahr, alte Befürchtungen

Und wieder grüßt das Murmeltier.

Das Jahr 2026 beginnt mit einem - wieder einmal - äußerst rätselhaften Saisonabschnitt. Einem in allen Belangen klar und deutlichen 4:0 gegen den schwachen FC Augsburg folgt drei Tage später ein kläglicher Auftritt in Sinsheim, der folgerichtig auch in der Höhe verdient mit 1:5 verloren geht. Der Besuch in der Hansestadt Hamburg mit einem torlosen Punktgewinn könnte man unter "okay" einordnen, wenn nicht der fatale Eindruck wäre, den die Mannschaft auch da über mehr als eine Stunde vermittelte.

Borussia kann sich offenbar nicht dreimal innerhalb einer Woche so konzentrieren, wie es fürs Überleben in der Bundesliga notwendig wäre. Oder wie muss man das sonst verstehen?

Wieder hat jeder Spieler vorher "gewusst, was auf uns zukommt", wie es nach dem Spiel heißt. Und doch steht wieder die gesamte Mannschaft komplett neben sich, kommt in der ersten Hälfte in keinen vernünftigen Zweikampf und ist letztlich Spielball für die gut eingespielte Hoffenheimer Mannschaft, die sich in dieser Saison offenbar deutlich weiter oben in der Tabelle einreihen kann als Borussia.

Das hat auch damit zu tun, dass es auch Eugen Polanski nach der ersten Siegesserie im Herbst nicht mehr gelungen ist, wirklich Konstanz in die Leistungen seiner Mannschaft zu bringen. Zum Glück geht die defensive Stabilität nur alle paar Spiele dermaßen flöten wie am Mittwoch. 

Zum Glück nutzt nicht jede Mannschaft die Einladungen so aus wie Hoffenheim. Der HSV hätte in der ersten Halbzeit locker ebensoviele Tore schießen können, ließ aber jegliche Präzision beim Torschuss vermissen oder scheiterte am sicheren Moritz Nicolas. 

Zum Glück trifft die Mannschaft selbst (meist) noch verlässlich das Tor. Doch ausruhen lässt sich auf den hart erkämpften Punkten nicht. Von den letzten fünf Spielen gingen drei klar und überwiegend verdient verloren, wobei man ausgerechnet gegen Dortmund noch als einziges die Chance hatte, das Spiel bis in die Schlussphase erfreulicher zu gestalten.   

Und wenn man ehrlich ist, war auch der Sieg gegen Augsburg nicht ohne Wackler. Borussia ließ viel zu viel Unsicherheit im Aufbau erkennen, am Ende übertünchen die vier Tore eine insgesamt sehr dürftige Darbietung beider Teams.

Fahrlässig wäre, wenn man das jetzt mit "Es ist nur eine Phase, Hase!" abtun würde. Die Abstiegszone ist in den letzten drei Spielen dank der Schwäche der Konkurrenz nicht erheblich nähergerückt, aber immer noch nah genug, dass man sich viele Aussetzer nicht erlauben darf. Und die nächsten Spiele werden härtere Prüfsteine als der HSV.

Zum Glück machen die Verantwortlichen absolut nicht den Eindruck, irgendetwas schönreden zu wollen. Sie legen den Finger in die Wunde. Auch die Mannschaft betont, dass sie weiß, was zu tun ist. Doch da sich die Spiele mit Komplettaussetzern in den vergangenen Jahren konsequent durch alle Traineretappen gezogen haben, ist es langsam schwer, hier nicht an einen wie auch immer gearteten Vodoo zu glauben.

Dass in dieser Saison mit Frankfurt (4:6), Bremen (0:4), Hoffenheim (1:5) und auch den schwachen Auftritten gegen Union und Wolfsburg diese Spiele wieder häufiger aufzutreten scheinen, zeigt nur, dass es für Borussia immer noch und an erster und einziger Stelle zählt, möglichst schnell den Klassenerhalt zu erreichen. Das wird noch schwer genug. 

Und wenn es hoffentlich geschafft ist, reden wir darüber, wie man als fast Ertrunkener wieder vor die Welle kommen kann und sein Schicksal besser selbst bestimmen kann, als es in den letzten Jahren der Fall war.

Bis dahin heißt es wieder nur hoffen, hoffen, hoffen: dass sich das Team am Riemen reißt und der Trainer mit den Spielern den Weg zurück zur alten Stabilität findet. Dass die hoffentlich bald zurückkehrenden Tim Kleindienst und Robin Hack den notwendigen neuen Impact haben, vielleicht noch ein, zwei Transfers die Unwucht im Kader mildern helfen. Dass die Spieler gemeinsam wieder in die Spur finden.

In drei oder vier Wochen wissen wir vielleicht etwas mehr.  

Bundesliga, 16. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 4:0. Tore für Borussia: 1:0 Scally, 2:0 Diks (HEM), 3:0 Tabakovic, 4:0 Tabakovic.

Bundesliga, 17. Spieltag: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 5:1. Tor für Borussia: 4:1 Machino.

Bundesliga, 18. Spieltag: Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 0:0.

Saisonspende: 5 Euro für 5 Tore und 4 weitere für das Zu-Null gegen Augsburg und den HSV. Damit stehen wir bei 56 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.