2023-06-04

Umbruch - jetzt aber wirklich

Seit einer guten Woche ist die Bundesliga-Saison 2022/23 Geschichte. Und Borussia steht - um einige zwiespältige Erfahrungen reicher - fast wieder da, wo sie vor einem Jahr stand: zwischen allen Stühlen. Der Neustart, erst ohne Marco Rose, dann auch noch ohne Max Eberl, er will dem Verein nicht so recht gelingen. 

Die Ära Farke, die den Borussia-Weg neu planieren und dessen Leitplanken neu einziehen sollte - sie endet nach einem Jahr, also genauso schnell und unbefriedigend wie die Ära Hütter. Über die Gründe will ich hier nicht viel Worte verlieren. Das haben andere schon ausgiebig getan, man kann sich stunden- oder tagelang darüber streiten, wer nun was nicht richtig gemacht hat, und wo was besser gewesen wäre. Ich persönlich habe da aber keine Lust mehr drauf, die Saison ist rum - und von meiner (vereinsfernen) Seite wäre alles, was sich nicht direkt mit der Beobachtung der Leistungen in den Spielen beschäftigt, auch mehr Spekulation als wissende Analyse. 

Mir geht es mehr darum, nach vorne zu blicken, mit dem, was Borussia derzeit anbietet. Und da ist leider Stand heute noch nicht allzuviel, das hoffen lässt.

Denn am Ende dieser Saison, die mit anderen Personen, anderen fußballerischen Mitteln und anderen Nebengeräuschen nahezu das gleiche mittelmäßige Ergebnis eingebracht hat wie die davor, steht Borussia wieder am Anfang des Neuanfangs. 

Der ist natürlich bei weitem nicht so dramatisch wie bei einem Team, das abgestiegen ist und erst wieder aufsteigen muss. Doch als Gladbach-Fan hat man genau dieses Szenario und die Furcht davor im Hinterkopf fest eintätowiert. Wir wissen schließlich, wo wir herkommen.

Bei uns wird sich nun ab Juli ein weiterer hochqualifizierter Übungsleiter - erwartet wird allenthalben Gerardo Seoane - an diesem Kader versuchen. Der wird diesmal immerhin schon deutlich anders aussehen als der Champions-League-Kader, den man bis in dieses Jahr hinweg noch hoffte, ab und zu im Borussia-Dress neu aufflackern zu sehen.

Aber es ist besser, sich von solchen Erwartungen für die nächste Zeit zu verabschieden. Sommer, Ginter, Zakaria, Embolo, jetzt Stindl, Thuram und Bensebaini, weitere Abgänge wie Plea, Elvedi nicht ausgeschlossen: bei diesem Aderlass verblassen die aufregenden Europapokalabende schon fast von selbst in der Erinnerung. Endlich, möchte man sagen. Denn so lässt sich leichter auch mit hakeligem Spiel und Rückschlägen umgehen.

Vorerst aber bleibt viel Ratlosigkeit, denn der wortgewaltige Trainer, von dem der neue Sportdirektor gleich so angefixt war, hätte ja eigentlich mehr Zeit und Vertrauen bekommen und eine neue Ära einleiten sollen, mit einem borussiaaffinen schönen Kombinationsfußball. Wie das aussehen sollte, konnte man immer wieder mal kurzzeitig sehen. Viel zu oft sah man aber das, was auch schon zeitweise unter Favre und Hecking die geneigte Fanseele gelangweilt und erzürnt hatte: billigen Ballbesitz mit viel Ballgeschiebe in der eigenen Hälfte und wenig Durchschlagskraft nach vorne. 

Die richtige Balance für seine Fußballidee mit dem einen oder anderen neuen Spieler zu finden, das bleibt Daniel Farke nun versagt, genauso wie ein Jahr zuvor schon Adi Hütter.
Wahrscheinlich gibt es im Verein gute fachliche Gründe dafür, die nichts mit den Pfiffen im Stadion und dem Furor in sozialen Medien zu tun haben. Ich will das auch gar nicht bewerten. Ich hätte mir aber durchaus vorstellen können, dass Team und Trainer in der zweiten Saison in die Spur gefunden hätten. Insofern bedauere ich die Trennung auch eher, als dass ich sie begrüße. Allerdings: Ich kenne die gesamte Geschichte nicht und weiß daher nicht, was aus Vereinssicht sonst noch gegen Daniel Farke gesprochen haben könnte.

Für mich stellt sich nun aber grundsätzlich die Frage, wie resilient und geduldig Vereinsführung und Management wirklich sind, wenn es um den schwierigen Umbruch und Neuaufbau bei einer über die Zeit sehr in sich verwachsenen Mannschaft geht. Ein Vorhaben, das möglicherweise eben auch mal mehr als 12 Monate Zeit benötigt und das man gegenüber Fans und Öffentlichkeit eben auch gut moderieren muss. 

Das hat unter beiden Trainern zuletzt gefehlt, und beide wurden am Ende ziemlich alleingelassen und teilweise sozusagen stellvertretend mit der Außenkommunikation betraut, während der Verein sich vornehm zurückhielt. Das lief insbesondere zuletzt unter Daniel Farke nicht besonders gut, wobei ihn an den Misstönen, die sich aus manchen seiner weitschweifigen Aussagen heraus entwickelten, auch nicht die alleinige Schuld trifft.

Wie dem auch sei: Viel weitergebracht haben die beiden Trainerexperimente Borussia am Ende nicht. Es bleiben viele Fragen und hohe Abfindungen für Trainer, die den ohnenhin nicht so üppigen Spielraum für die Neuentwicklung des Kaders wieder etwas einschränken. 

Der notwendige personelle Umbruch, von dem seit drei Jahren gesprochen und geschrieben wird, muss nun aber wirklich kommen. Und die nächste Trainerentscheidug muss passen, sonst wird es auch für Roland Virkus ungemütlich. Doch um wirklich viel bewegen zu können und dem Team neue Qualitäten hinzufügen zu können, muss man auch einen Teil der vorhandenen Qualität zu Geld machen, etwa, indem man Manu Koné oder Lasso Plea bei anständigen Angeboten ziehen lässt.

Ob dafür adäquater Ersatz zu finden ist, ist völlig offen. Am Scouting sollte es eigentlich nicht liegen, wohl aber an Konkurrenz, die bessere Perspektiven zu bieten hat - und an der Frage, wer wann als Trainer feststeht.

Viel mehr lässt sich jetzt nicht seriös sagen. Erst, wenn Trainer und und mehr Zugänge bekannt sind, lässt sich damit so etwas wie Aufbruchsstimmung erzeugen. Die Grundlagen sind da: Mit Omlin, Itakura, Weigl, Neuhaus und Hofmann ist - Stand heute - eine Achse da, an der die neue Borussia sich ausrichten ließe. Der Rest ist gutes Scouting, Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick. 

Und vielleicht lässt sich dann in einem Jahr sagen, dass der Umbruch funktioniert. Aber bis dahin braucht es von uns Fans noch viel Vertrauen und Geduld.

2023-05-28

Einigkeit mit Recht - und Kleingeist

Zurück aus Mönchengladbach, bin ich am Tag nach dem Saisonende froh und auch halbwegs versöhnt mit einem schwierigen Spieljahr. Borussia hat ganz zum Schluss dann doch noch ganz viel richtig gemacht, was uns alle mit einem erheblich besseren Gefühl in die Sommerpause gehen lässt, als das vor zwei Wochen noch abzusehen gewesen wäre.

Es gibt noch viel zu sagen, deshalb muss ich das heute thematisch etwas gliedern. Fangen wir mit dem emotionalsten Erlebnis an.

Der Lars: Es gab eine Phase in dieser Saison, da hätte ich die schon vor langer Zeit gekauften Karten für das letzte Heimspiel der Saison abgeben wollen. Meine emotionale Bindung an das, was da auf und neben dem Platz vor sich ging, hatte sich sehr gelockert, und Stand heute hat sich das auch noch nicht wieder normalisiert. Das jüngste von drei überwiegend frustrierenden Jahren mit wenig Kontinuität hat mich borussia-emotional einfach leergesaugt.

Aber da war ja auch der anstehende Abschied von drei Spielern, die ich sehr liebgewonnnen habe. Dazu gehören Marcus Thuram und Ramy Bensebaini, aber viel mehr natürlich - zusammen mit Flaco und Tony Jantschke - der "menschliche Kitt" zwischen Fans und Team, unser Kapitän Lars Stindl.

Er war am Ende der einzige wirkliche Grund, warum ich mir nicht einen sonnigen Samstag zuhause gemacht habe, sondern den 500-Kilometer-Ritt nach Gladbach und zurück angetreten habe. Es hat sich gelohnt. Denn neben dem schönen Gefühl eines Sieges (da war ich bei meinen letzten Stadionbesuchen nicht so erfolgreich) erlebte ich einen der schönsten Tage, die ich in einem Stadion verbracht habe. Der Dank aus vollem Herzen, der Dank aus über 50000 lauten Kehlen, Tränchen in sehr vielen Augen dabei, natürlich auch in meinen. Das war der Abschied, den du dir verdient hast, Capitano!



Ich brauche das für keinen Fan des VfL zu schreiben, es ist sonnenklar. Lars Stindl steht für Borussia, vor allem dafür, wie der Verein sich selbst sehen will. Er steht authentisch für das, was Fans sich von einem Fußballprofi ihrer Mannschaft ersehnen. Er war hochbezahlter Angestellter des Vereins, aber zugleich  immer "einer von uns", einer mit dem offenen Ohr in die Kurve genauso wie im Umgang mit jedem anderen, mit dem er zu tun hatte. Ein Modellathlet und Modellmensch.

Lars Stindl hat in diesen acht Jahren keinen einzigen Titel geholt, er war nicht einmal nahe dran, wenn wir uns das ehrlich eingestehen. Das hat er sicher manchmal bedauert, aber es war sein Weg, trotz magischer Nächte und Tage gemeinsam mit uns einmal (oder mehrmals) mehr tragisch zu scheitern. Er hat nicht jeden Ball so getroffen, wie es für Borussia vielleicht perfekt gewesen wäre. Er hat lange nicht so viel "Zählbares" erreicht wie manche andere Klublegende. Und doch steht er für mich auf einer Stufe mit titelreicheren Borussen wie Netzer, Vogts oder Heynckes.

Denn weil er immer alles rausgehauen hat, was im Tank war, ist er einer der herausragenden Borussen in der Vereinsgeschichte. Er hat die Mannschaft geführt, mit Taten, mit Worten. Er hat viele Tore geschossen, viele vor- oder vorvorbereitet, er hat gepresst, Gegenspieler giftig gestindelt und gepiesackt, oft mal vehement abgerätscht, gemeckert und gelobt. Er war acht Jahre lang Borusse mit jeder Faser seines Körpers. Und das bedeutet: Lars Stindl hat hier alles richtig gemacht!

Deshalb war ein ganzes Spiel diesem Abschied gewidmet, deshalb wurde ein Schlachtruf der Mannschaft von "Mönchengladbach olé" zu "Lars Stindl olè" umgedichtet und viele minutenlang inbrünstig durchgesungen - in einem Verein, in dem immer wieder gesagt wird, dass kein einzelner über dem Verein stehen darf.
Und deshalb kann ich mir heute noch in keiner Weise ausmalen, dass beim Anpfiff der neuen Saison nicht Lars Stindl als Mannschaftskapitän auf den Platz laufen wird.

Sicher, der sportliche Verlust von Bensebaini und Thuram wiegt schwer. Aber der von Lars Stindl wiegt schwerer. Menschlich, als Bindeglied in einem teilweise sehr inhomogenen Team. Und sportlich natürlich auch. Denn gerade der entfesselte Auftritt gestern und die starken Spiele, die Stindl in den vergangenen Wochen als Joker absolviert hat, haben auch noch einmal offenbart, welche fußballerischen Qualitäten uns ohne ihn künftig fehlen - und dass da sehr viel mehr als ein langjähriger Stammspieler ersetzt werden muss.


 

Die Unverbesserlichen: Wie schön wäre es gewesen, wenn sich alle an diesem Tag so benommen hätten, wie es sich für das Saisonende gehört. Ich habe meinen Blog mal angefangen wegen der unsäglichen Auspfeiferei von Fans gegen eigene Spieler oder die Mannschaft. Das wurde mit dem Erfolg der vergangenen Jahre besser. Mit der zuletzt ausbleibenden Weiterentwicklung von Mannschaft und Verein wurde dies auch im Borussia Park aber auch wieder schlechter, natürlich auch diese Saison.

Ich sage es immer wieder, ich bleibe dabei und sage es in aller Deutlichkeit: Ich habe kein Verständnis dafür, dass man Spieler, Trainer oder die Mannschaft wegen ihrer Leistung auspfeift. In keiner Phase ist es hilfreich, in keiner Phase ist es angebracht. Echter Fußball ist kein Computerspiel, die Aktiven auf und neben dem Rasen sind Menschen, keine Roboter. Wenn sie ihre besten Leistungen nicht erreichen, wenn sie Fehler machen, wenn sie uns "enttäuschen", dann tun sie das nicht aus Boshaftigkeit gegenüber den eigenen Fans oder aus Kalkül. Es ist unverschämt und respektlos, ihnen das zu unterstellen. 

Diese "Brot-und-Spiele-Einstellung" in Teilen des Publikums, die sich - aus verständlicher Enttäuschung heraus - Bahn bricht, das Maß verliert und in Ablehnung, Pfiffen, Häme, Unterstellungen und Kommentaren unter der Gürtelllinie ausdrückt, widert mich an.
Ich habe mich gestern (wieder einmal) geschämt für die Pfiffe, die von meiner Position in der Südkurve viel zu laut zu hören waren, wo genau auch immer sie herkamen. Gellende Pfiffe bei der Aufstellung, einem der heiligsten Rituale vor dem Anpfiff, gegen Daniel Farke. Sehr laut vernehmlich gegen Ramy Bensebaini und schon erheblich weniger gegen Marcus Thuram. 

Das ist nicht die Borussia-Familie, wie ich sie oft erlebt habe, und wie sie sich gern selbst darstellt. Ich weiß, es ist eine Minderheit, auch gestern im Stadion. Aber sie ist laut, zu laut. Und sie wird nicht einsehen wollen, dass das gestern peinlich war für den Verein. Und unwürdig gegenüber Spielern, die vielleicht nicht immer auf Topniveau abgeliefert haben, die vielleicht auch nicht immer so aussahen, als würden sie alles geben. Die aber natürlich dennoch nie mit angezogener Handbremse gespielt haben, wie mancher ihnen vielleicht vorwirft. 

Sie haben es nicht immer so hinbekommen, wie wir es von ihnen erwartet haben und vielleicht auch erwarten konnten. Aber wir wissen nie, unter welchen Begleitumständen sie in ein Spiel gegangen sind. Ob sie Ärger, Sorgen oder Schicksalsschläge mit ins Spiel genommen haben - so wie zuletzt Jonas Hofmann, der mit seiner Frau damit fertigwerden musste, dass sie das ungeborene Kind verloren haben.
Vielleicht waren es andere persönliche Gründe, die manchen Spieler gehemmt haben. Ängste vor dem Versagen, vor Pfiffen oder weiß der Teufel.
Oder körperliche Blessuren, trotz derer man ins nächste Spiel gehen will oder muss.  

Es gibt so viele handfeste Gründe, warum man vor den Augen von Millionen kritischer Augen im Stadion oder vor den Fernsehgeräten etwas nicht so hinbekommen kann, wie man es von sich selbst erwartet. Wir alle wissen vieles davon nicht, wir wissen aber inzwischen, dass Körpersprache nicht immer zeigt, wie die Einstellung zum Spiel ist. Fragt Raffael, fragt Özil.
Und, das richtet sich natürlich nur an die Leute auf den Rängen, die pfeifen für in Ordnung halten: Bringt  Respekt auf, lieber einmal mehr als einmal zu wenig - auch Spielern wie Plea, Wolf, Bensebaini oder Thuram gegenüber, selbst wenn die manchmal wie Ritter von der traurigen Gestalt gewirkt haben mögen. Den Menschen vom Fußballprofi zu trennen und ihn wie einen Leistungsroboter zu behandeln, das sollten wir uns heutzutage echt verkneifen. Es kann uns als Fans nur aufwerten. In guten wie in schlechten Tagen.

 

Das Spiel: Man musste es nach dem Auf und Ab in dieser Saison wirklich nicht erwarten, aber am letzten Spieltag zeigte die Mannschaft von Daniel Farke eine komplette Halbzeit lang genau das, was sie zu leisten imstande ist. Das war der Fußball, für den dieser Trainer stehene will und den seine Jungs in der Saison zu selten über mehr als 20 Minuten im Spiel umsetzen konnten. Der FC Augsburg, für den es ja noch um das Vermeiden des Relegationsranges ging, war in den ersten Minuten völlig überfordert mit dem, was das Team um den wie aufgedreht spielenden Lars Stindl ihnen abverlangte. Das 2:0 zur Pause hätte locker ein 5:0 sein müssen, ganz nebenbei hätte Tikus sich in dieser Zeit nochmal ins Rennen um die Torjägerkrone einschalten können. 

Die zweite Hälfte war nach dem Platzverweis für Augsburg nicht mehr von Belang, weil der VfL zwar auch diesma ein wenig zu sehr in den Verwaltungsmodus schaltete und das Spiel verflachte. Der Gegner war allerdings trotz einer Reihe von Standardsituationen nicht in der Lage, große Chancen herauszuspielen. Bei Borussia hingegen zeigte vom Torwart bis zum Mittelstürmer jeder durchweg eine tadellose Leistung. Keiner ließ schleifen, keiner machte leichte Fehler oder war unkonzentriert. Es war ein souveräner Sieg, ein runder und sehr anständiger sportlicher Abschluss, der uns in dieser Hinsicht positiv in den Sommer gehen lässt - auch wenn diese Mannschaft natürlich so nie mehr zusammenspielen wird. 

Kein Extra-Kapitel gibt's für Schiri Matthias Jöllenbeck, was ich auch gut finde. Er wollte zwar etwas zu sehr ganz ohne Karten auskommen. Dabei half ihm, dass die Gladbacher in der ersten halben Stunde viel zu handlungsschnell für die Augsburger waren, selbst um gefoult zu werden. Dennoch musste der Unparteiische dann als erste Karte gleich Rot ziehen. Insgesamt war das aber alles in Ordnung. Es war allerdings auch in dem Spiel kein großes Konfliktpotential mehr vorhanden. Sehr anständig, dass er die ausgiebigen Verabschiedungen bei den Auswechslungen von Thuram und Stindl zuließ.  

So, damit ist die Saison beendet. Um die Zukunft von Borussia, des Trainers und das Kommen und Gehen von Spielern beim anstehenden Umbruch im Kader wird es noch genug zu sagen geben. Das spare ich mir heute. Und bis eine Entscheidung in Sachen Farke gefallen ist, halte ich mich auch da zurück. Ich denke, dass es kein guter Weg wäre, sich nach einem Jahr schon wieder zu trennen, wo man das Projekt doch vor der Saison auf längere Sicht angelegt hatte. Aber ich weiß auch nicht, was intern möglicherweise vorgefallen ist, oder was sonst für einen Trainerwechsel sprechen könnte. Schade fände ich es, bei aller verständlichen Kritik an mancher  übertriebenen Aussage, etwa zu einer angeblich zu hohen Erwartungshaltung im Umfeld des Vereins. Dass Borussias Fans wertschätzen, was geleistet wird, wenn sie das Gefühl haben, dass alles gegeben wurde, zeigt das Beispiel Lars Stindl vielleicht am besten. 

Es gibt also Lernpotenzial auf allen Seiten. Damit Borussia sich weiter stabilisiert und auf einen guten Weg zurückfindet, sollte sich jeder an die eigenen Nase fassen und bald wieder seinen Beitrag dazu leisten. Die Seele brennt!

Saison 2022/23, Bundesliga, 34. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 2:0. Tore für Borussia: 1:0 Netz, 2:0 Hofmann. 

Zum Schluss noch zur Saisonspende: Zwei Tore, ein letztes Zu-Null in dieser Saison und keine Prämie für die Saisonziele - auch die Spendensaison mit Borussia endet unterdurchschnittlich. Glatte 120 Euro sind es geworden.
In den beiden Jahren zuvor waren es immerhin 142,50 und 137 Euro, die ich dann jeweils auf 150 Euro aufgerundet habe. Das werde ich auch diesmal tun, es geht schließlich darum, gute Zwecke zu unterstützen. Wohin das Geld geht, verrate ich in einem späteren Beitrag.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer, Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-05-21

Gastgebergeschenke

Was begann wie die nächste derbe Klatsche, endete mit zwei lauten Lachern und einem seltsamen 2:2, das man nach dem Spielverlauf nun wirklich nicht hatte erwarten können. Aber was kann man schon erwarten in diesem Jahr?

Die erste Hälfte ist schnell erzählt: In den gemütlichen ersten 15 Minuten mitgehalten, mit der ersten Tempoverschärfung der Leverkusener in Rückstand geraten, nach 20 Minuten schon wieder mit 0:2 hinten und zur Halbzeit glücklich, dass es nicht schlimmer geworden war. Auch im vorletzten Saisonspiel zeigte Borussia eine erste Hälfte zum Kopfschütteln. 

Daniel Farke hatte von vornherein in Hofmann und Thuram nur zwei Offensivkräfte aufgeboten, dies führte in den ersten 45 Minuten insgesamt dreimal zu abgeschlossenen Angriffen, deren Torgefahr aber überschaubar war. Gegen den Ball hatte der VfL allerdings trotz der verstärkten Defensive immer wieder Probleme. Bayer schien nach dem 2:0 einem ungefährdeten Kantersieg entgegenzusteuern, das nächste Tor nur eine Frage der Zeit.
Doch das Team von Xabi Alonso ließ es in Halbzeit zwei vielleicht im Gefühl des sicheren Sieges etwas zu locker angehen. Das war durchaus nachzuvollziehen, denn zunächst war von der personell unverändert aus der Kabine gekommenen Borussia keine weitere Gefahr auszumachen.

Dass das Spiel dennoch ins nahezu Absurde kippte, lag an zwei eigentlich unfassbaren Aussetzern in der Leverkusener Abwehr und an den Wechseln, die zwischen der 64. und 72. Minute passierten. Erst profitierte Jonas Hofmann von einem unmotiviert und schlampig gespielten Rückpass von Bakker auf Torwart Hradecky, den der mit seinen limitierten fußballerischen Mitteln nicht kontrollieren konnte, aber offensichtlich auch nicht ins Aus klären wollte. Hofmann erlief den Ball und schoss ihn zum so überraschenden wie unverdienten Anschlusstreffer ins Tor (58.). Beeindruckt schien davon aber keine der beiden Mannschaften, das Spiel plätscherte weiter seinem scheinbar unvermeidlichen Ende und dem Heimsieg der Bayer-Elf entgegen. 

Nach knapp 65 Minuten kam dann Lars Stindl ins Spiel und damit auch mehr Herz in die Mannschaft. Kurz darauf gingen auf der anderen Seite die angeschlagenen Adli und Wirtz vom Feld, zwei Spieler, die in der ersten Hälfte den Unterschied gemacht hatten. Der Gladbacher Kapitän brauchte etwas, um seine Mannschaft zu wecken, doch der Gegner half, indem er schläfriger und passiver wurde und seine Stärken - Schnelligkeit und effiziente Zweikampfführung - nicht mehr ausspielte. 

Borussia nutzte dieses leichte Zurückweichen des Gegners, das in den Schlussminuten vielleicht auch mit dem Europacup-Spiel am Donnerstag zu tun hatte und kam etwas besser ins Spiel. Lars Stindl vergab in der 85. Minute die beste Chance zum möglichen Ausgleich. Und fünf Minuten später krönte er seinen erneuten Jokereinsatz auf Vorlage von Marcus Thuram zum 2:2-Endstand.

Dass und wie dieses Tor fiel, kann man eigentlich nicht glauben. Erneut liefen die Gladbacher sehr hoch an und Nadiem Amiri spielte unter Druck den Ball zurück zum Torwart. Doch vor diesem stand Thuram, der zuvor eine Hereingabe des eigewechselten Patrick Herrmann verpasst hatte, sich im Tornetz darüber eine Weile ärgerte, langsam zurück ins Spiel chillte und zum richtigen Zeitpunkt auf Höhe von Hradecky ankam, um Amiris Pass in Empfang zu nehmen und für den nachrückenden Lars Stindl aufzulegen.

Dieses Slapstick-Tor hatte damit auch irgendwie alles, wofür die verkorkste Saison von Borussia steht. Dass die Gäste nach diesem Treffer dem 3:2 näher gewesen wären als Bayer, wundert nicht wirklich, es wäre aber tatsächlich nach der Leistung der ersten 60 Minuten sehr peinlich gewesen, hier auch noch einen Sieg mitnehmen zu wollen. Daniel Farke kam dennoch nach dem Spiel wortreich zum Schluss, dass ein Sieg nicht unverdient gewesen wäre, was - sagen wir mal - eine sehr exklusive Sichtweise war. 

Den Schlusspunkt sezte aber ein anderer. Leverkusens Hincapie zog in der Nachspielzeit mit gestrecktem Bein wie ein Geistesgestörter gegen Weigl durch, sodass man sich echte Sorgen um den Gladbacher Mittelfeldgestalter machen musste. Zum Glück konnte er weiterspielen, im Gegensatz zu seinem Kontrahenten, den Schiri Daniel Siebert (dem die Gelbe Karte ansonsten ein bisschen zu locker saß) ohne Zögern und hochverdient mit Rot vom Platz schickte. Einmal mehr eine unnötige Entgleisung in dieser Mannschaft, die in jüngster Zeit einfach schon zu viele Gladbacher aus dem Spiel getreten hat.

Immerhin: Einmal noch, dann haben wir diese Saison endlich geschafft. Im Heimspiel gegen Augsburg heißt es noch einmal eine Einheit im Borussia Park zu sein und dem Kapitän Lars Stindl den verdienten warmen Abschied zu bieten. Wenn nichts mehr dazwischen kommt, werde ich auch im Stadion sein. Danach beginnt - wieder - eine neue Zeit, mit einer sichtbar veränderten Mannschaft, vielleicht auch schon wieder mit einem neuen Trainer und natürlich mit den üblichen Hoffnungen, dass es nach diesen turbulenten Jahren mal wieder in ruhige und gute Fahrwasser zurück geht. Den darin sind wir ja alle unverbesserlich - sonst wären wir keine Borussen.          

Saison 2022/23, Bundesliga, 33. Spieltag: Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 2:2. Tore für Borussia: 1:2 Hofmann, 2:2 Stindl. 

Zwei Tor plus = neuer Spendenstand 117 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer, Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

 

2023-05-13

Überfordert und überfordernd

Den Klassenerhalt gerade geschafft und deshalb eigentlich frei aufspielen können: Es gibt Mannschaften, die verstehen, was damit gemeint ist. Die Borussia aus Mönchengladbach nicht.
Sie kann es in der derzeitigen Zusammensetzung - trotz einiger sichtlich engagierter Spieler auf dem Platz - noch nicht einmal so aussehen lassen, als bemühe sie sich darum. Der VfL blamierte sich stattdessen heute in Dortmund innerhalb weniger Minuten vor den Augen aller "Top-Spiel"-Zuschauer bis auf die Knochen und reißt damit fast mutwillig selbst die kleinen Hoffnungspflänzchen aus, die die zuletzt stabileren Auftritte wieder hatten sprießen lassen.

Dreieinhalb Minuten befand man sich in dieser Partie auf Augenhöhe, wurde dabei bereits zweimal vom gewohnt unterirdischen Schiri Daniel Schlager regelwidrig an einem aussichtsreichen Angriff gehindert, nur um dann mit dem ersten ernstzunehmenden Angriff in Rückstand geraten - durch ein halbes Eigentor des wahrscheinlich bald im schwarz-gelben Dress auflaufenden Ramy Bensebaini. Der fälschte einen Dortmunder Schuss unglücklich ab, was Omlin-Ersatz Jan Olschowsky gegen Donyel Malen nicht mehr ausbügeln konnte.
Auch danach präsentierte sich Bensebaini mal wieder in jener Form, in der man ihn nicht so sehr vermissen wird. Daran änderte auch der sicher verwandelte Elfmeter zum 1:4 in der Schlussphase nichts (der im übrigen genausowenig einer war wie zuvor der vorentscheidendere auf der anderen Seite).

Der Algerier reihte sich damit aber nur ein in eine Slapstick-Abwehr, die wenig richtig machte in der ersten halben Stunde. Und die, wie offenbar das gesamte Team, nicht verstanden hatte, was der eigentliche Plan gewesen war. Bis die Mannschaft das begriffen hatte, war das Spiel entschieden, auch wenn es am Ende kurzzeitig gar nicht mehr so danach aussah.
Denn selbst mit diesem Trümmerauftritt wäre es am Ende möglich gewesen, dem Ausgleich ganz nah zu kommen und den BVB aus seinen Meisterträumen jäh zu wecken. Luca Netz und Lars Stindl hatten spät die besten Chancen, um den BVB noch mal richtig nervös zu machen. Doch das wäre heute wahrlich um einiges zu viel des Glücklichen gewesen, denn in der ersten Halbzeit musste man ja zeitweise noch mit einem zweistelligen Ergebnis rechnen.

Negativ beeinflusst wurde das Ergebnis zugegebenermaßen auch vom Schiedsrichter, der einmal mehr eindrucksvoll bewies, dass er auf diesem Niveau nichts verloren hat, weil er keinerlei Gefühl für die Bewertung von Zweikämpfen hat und (auf beiden Seiten) viele Entscheidungen zum Kopfschütteln fabrizierte.

Ergebnisrelevant war letztlich ein Handspiel von Malen vor dem 0:1, das man Schlager allerdings nicht anlasten kann, weil er es nicht sehen konnte, wohl aber der Kölner Keller. Malens Kopfball parierte der tapfere Olschowsky nämlich noch, dann drückte der Dortmunder Angreifer den Ball aber mit seinem Körper über die Linie und berührte dabei den Ball mit der Hand.
Vorentscheidend war der "Foul"-Elfmeter zum 0:2, für dessen ausschlaggebende Berührung es wahrscheinlich nirgendwo sonst auf dem Feld einen Pfiff gegeben hätte. Die Entscheidung blieb aber trotzdem bestehen, weil Schlager eben gepfiffen hatte. Hätte er es nicht getan, wäre aus Köln ziemlich sicher auch kein Signal gekommen, auf Elfer zu entscheiden. Genauso verhielt es sich später mit dem zweiten Elfmeter des Tages.
Das alte Lied.

Aber das ist am Ende alles auch egal. Denn dieses Spiel hat Borussia ganz allein verloren, in einer Art und Weise, die einen wahnsinnig machen kann. Anstatt sich nach dem schnellen 0:2-Rückstand erstmal aufs Stabilisieren der Defensive zu konzentrieren, wurde am gegnerischen Strafraum weiter munter und unsinnig gepresst und vom Gegner dann mit oft nur einem langen Pass das komplette Gladbacher Mittelfeld überspielt und die Abwehr überrannt. 

Einfach dumm gelaufen? Wohl kaum. Denn wenn ich vorher weiß, dass ich mit meinen Spielern kein Laufduell gegen Malen, Adeyemi und Co gewinne - was soll das dann? Immerhin, um auch einen Kalauer in dieses Trauerspiel zu bringen: Dass es so einfach werden würde, hätte sich der BVB vorher sicher auch nicht aus-Malen können.
Stellungsfehler, überforderte Spieler - und was genauso schlimm war: es gab in Halbzeit eins keine sichtbare Reaktion von der Bank. Und das nach diesem Saisonverlauf, nach diesem Auf und Ab - ein einziger ausbleibender Lerneffekt auch noch (oder wieder) am 32. Spieltag. Es fällt immer schwerer, das zu erklären oder zu verteidigen. Das Team spielt manchmal bodenlos und kann schon im nächsten Moment sein großes Können hervorkramen. Und man weiß nicht, wem man mehr Schuld dafür zuweisen soll, dass es nicht gelingt, hier irgendeine Konstanz reinzubekommen.  

Sicher, es war auch vor dem Spiel klar, dass Borussia in Dortmund gegen ein anderes Kaliber antreten musste als es zuletzt Wolfsburg, Stuttgart oder Bochum dargestellt hatten. Und die personelle Situation ohne Omlin, Plea und Thuram ließ einen Auswärtssieg der Auswärtsschwachen noch weniger wahrscheinlich aussehen. Doch dass man sich in der ersten Hälfte so abschlachten lassen würde, war auch damit nicht absehbar. 

Umso fragwürdiger ist im Nachhinein, dass Daniel Farke sich zum Beispiel für Hannes Wolf und gegen Lars Stindl in der Startelf entschied. Nicht, dass Wolf der Alleinschuldige gewesen wäre. Doch was der Kapitän immer noch mehr auf den Platz bringt, zeigte er eindrucksvoll nach seiner Einwechslung. Da steckte der Karren aber schon zu tief im Dreck.
Und ausgerechnet jetzt, nach dieser ersten Katastrophenhalbzeit, stellte der Trainer plötzlich auf Dreier-/Fünferkette um, was er die ganze Saison über so gut es ging vermieden hatte. Die Mannschaft zeigte nach der Pause, dass sie damit ganz gut zurecht kommen kann. Das Spiel lief deutlich sicherer, natürlich aber auch, weil der Gegner nicht mehr mit der gleichen Intensität auf das nächste Tor ging wie vor der Pause. 

Doch warum gibt es immer erst Änderungen vonder Bank, wenn eigentlich alles schon zu spät ist? Dass nach den klaren Worten zum Umbruch mit Farke und den sichtbaren Transferbemühungen der vergangenen Tage gleich nach dem Spiel Spekulationen über eine bevorstehende Entlassung des Trainers laut wurden, erklärt sich daraus allerdings auch wieder nicht. Und es würde aus meiner Sicht auch keinen Sinn ergeben.

Aber was weiß ich schon? Nicht erst seit heute zweifele und verzweifele ich an meiner aktuell überforderten und uns Fans überfordernden Borussia. Scheint wohl so, als ob das auch noch ein Weilchen so bleibt.  

Saison 2022/23, Bundesliga, 32. Spieltag: BVB - Borussia Mönchengladbach 5:2. Tore für die wahre Borussia: 1:4 Bensebaini (FEM), 2:4 Stindl. 

Zwei Tor plus = neuer Spendenstand 115 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-05-07

Die Weichen auf Zukunft

Es ist vollbracht: Am viertletzten Spieltag der Übergangssaison beseitigt Borussia letzte Zweifel am Klassenerhalt. Und, das gehört zu dieser seltsamen Spielzeit dazu, steht damit wieder auf Platz 10 und hat den einstelligen Tabellenplatz plötzlich theoretisch mit vier Punkten Rückstand wieder in Reichweite. Nicht, dass ich dieses Ziel damit ausrufgen möchte - aber möglich wäre es angesichts schwächelnder Frankfurter auf Platz 9.

Davon, unter dem Strich mehr als Durchschnitt zu sein, war die Mannschaft von Daniel Farke auch heute ein gutes Stück entfernt. Zwar erspielte sie sich im Gegensatz zu den Spielen zuvor einen fast verschwenderischen Strauß an erstklassigen Torchancen, traf durch Ngoumou und Bensebaini gar zweimal die Latte.

Doch zugleich ließ sie immer wieder auch sehr gute Chancen der ansonsten recht wild auftretenden Gäste aus Bochum zu. Es brauchte wieder einmal einen hervorragend aufgelegten Jonas Omlin, die robusten Zweikämpfe von Nico Elvedi, Stevie Lainer und des für den rotgesperrten Ko Itakura ins Team gerutschten Marvin Friedrich, um ohne Gegentor aus dem Spiel gehen zu können. Und eine gehörige Portion Glück.

Einmal war sogar der heute oft zu großzügige Schiedsrichter Robert Schröder ein Helfer in der Not. Denn Alassane Pleas ungeschickter Einsatz im Strafraum gegen Schlotterbeck hätte kurz vor der Pause durchaus einen Elfmeter zur Folge haben können.

Doch so lief das Spiel am Ende doch in die Richtung des gastgebenden VfL. Nach einer soliden ersten Hälfte in der Defensive und mit ganz vernünftigen Torchancen in der Offensive, die nicht zuletzt aus haarsträubenden Fehlern des Gegners herrührten, gelang es Weigl und Co., die zwischenzeitliche Führung durch Jonas Hofmann (auf feine Flanke von Ramy Bensebaini) heil in die Pause zu bringen.

Nach dem Wiederanpfiff allerdings zeigte sich einmal mehr das pomadige Borussengesicht. Bis zur 60. Minute hätte Bochum das Spiel leicht gedreht haben können, die Gladbacher ließen sich in der eigenen Hälfte von einem spielerisch kaum konkurrenzfähigen Gegner zeitweise einschnüren und fand phasenweise sehr wenig Zugriff.

Erst nach einer Stunde befreiten sich die Farke-Schützlinge zunehmend aus der misslichen Situation und setzten gegen einen im Mittelfeld dann immer offener agierenden Gegner einen Konter nach dem anderen. Doch einer nach dem anderen blieb auch ungenutzt, teilweise in schon tragikkomischer Art und Weise. 

So war es erst kurz vor Schluss dem eingewechselten Kapitän vorbehalten, das erlösende 2:0 zu erzielen und noch einmal sehr emotional vor der Nordkurve zu bejubeln - sooo verdient und soo gegönnt, lieber Lars!

Dank der anderen Ergebnisse des Spieltags ist Borussia nun auch rechnerisch nicht mehr in der Lage, sich auf einen der letzten drei Tabellenplätze durchreichen zu lassen. Das ist sehr erleichternd! Nun gilt es, in den letzten drei Partien gegen Leverkusen, den BVB und Augsburg einen anständigen Abschluss hinzubekommen, damit sowohl die abwandernden Spieler ihren verdienten freundlichen Abschied bekommen als auch die Hypothek für die neue Saison nicht zu hoch wird. Denn was am Schluss war, daran erinnert man sich noch länger.

Was die Zukunft angeht, hat der Verein ja gerade diese Woche einen guten Job gemacht. Julian Weigl fest und recht günstig langfristig zu verpflichten und ihm den Umbruch im Tema und Verein schmackhaft zu machen, ist bemerkenswert. Dazu der deutsche U-19-Kapitän Ullrich von der Hertha als einen Baustein der Zukunft - das lässt manche Falte auf der Stirn etwas entspannen. Roland Virkus und sein Team konnten damit die gröbsten Zweifel an der Handlungsfähigkeit des Vereins jedenfalls erstmal zerstreuen. Doch wie gut der Kader im Sommer 2023 dastehen wird, hängt von einigen weiteren guten Entscheidungen ab. Darauf können wir nach diesem Spieltag etwas entspannter schauen. Und das tut auch echt gut.          

Saison 2022/23, Bundesliga, 31. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 2:0. Tore für Borussia: 1:0 Hofmann, 2:0 Stindl.

Ein hart erkämpftes Zu-Null bringt insgesamt drei weitere Euro. Neuer Stand: 113 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-30

Emotionsentladen

Leider oder Gott sei Dank: Ich konnte das Spiel am Samstag nicht live sehen, und nach dem Verlauf des Spiel-Tickers und dem anschließenden Twitter-Scherbengericht über die Farke-Elf habe ich lange mit mir gerungen, ob ich mir die Partie im Re-Live  überhaupt anschauen und etwas dazu schreiben wollte. Natürlich habe ich es am Ende doch getan. 

Und erneut habe ich festgestellt: Ohne die emotionale Ungewissheit eines Livespiels erscheint manches dann doch nicht so dramatisch schlecht, wie es im Eifer des Gefechts wahrgenommen und später wiedergegeben wird. Man schaut "emotionsentladener"  zu.

Fakt ist und bleibt aber: Es kommt zu wenig rum, in allen Belangen, zumal für die Besetzung eines Kaders, der für deutlich mehr als Platz 10 oder schlechter gedacht und in der Lage ist. Zu viele Spieler bringen ihre Klasse nicht auf den Rasen - oder wenn, dann nur phasenweise.

Auch in Stuttgart zeigte sich eine bis in die wilde Schlussphase stabile, geordnete Borussia, die sich wie in den vergangenen Wochen defensiv nicht fehlerlos, aber doch konsequent und aufmerksam präsentierte und auch die Konter der Schwaben bis auf einzelne Situationen gut entschärfen konnte.
Das immerhin ist eine Eigenschaft, die wir im mittleren Drittel der Saison beklagt und schmerzlich vermisst haben. Damals spielte Borussia durchaus forsch und fordernd nach vorne, arbeitete sich auch in jedem Spiel eine Reihe von Chancen heraus - nutzte davon aber meist weniger, als sie sich hinten durch sorgloses Verteidigen einfing.

Insofern ist nicht alles schlecht an dieser letzten Phase einer unter dem Strich verkorksten Saison. Doch allein mit konzentriertem Verschieben gegen den Ball und auf der anderen Seite Ballbesitz, der nicht zwingend und im Passspiel Richtung Tor nicht sauber genug ist, tut man dem Gegner nur selten weh. Und so gewinnt man auch keine Spiele.

Dass eine Kombination von guter Defensive und durchschlagskräftiger Offensive nicht drin ist, sieht man nicht erst unter Farkes Leitung beim VfL. Die richtige Balance fehlt seit Jahren in entscheidenden Saisonphasen oder sie wurde nur bei einigen wenigen Highlight-Spielen erreicht.

Der VfL schafft es seit Wochen nicht mehr, zumindest so viele hochkarätige Chancen herauszuspielen, dass man wenigstens von unglücklicher Niederlage reden könnte, wenn der Gegner mehr Tore schießt. Das war mit Thuram, Koné und Bensebaini so. Und es ist nachvollziehbar, dass es gestern ohne diese Topspieler eben auch viel anders war. 

Dass der zweite Anzug nicht so passt, wie er es eigentlich für die angepassten Ziele müsste, ist auch nichts Neues. Umso glücklicher können wir sein, dass das Verletzungspech uns bislang nicht so übel mitgespielt hat wie in manchem Jahr zuvor. Denn dann wäre ein Abrutschen nach unten angesichts der gezeigten (oder nicht gezeigten) Leistungen um einiges wahrscheinlicher gewesen.

Dabei ist es nicht so, dass die Borussen nicht nach vorne spielen wollten. Doch sie tun es nur dann mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Vehemenz, wenn sie durch Rückstände dazu gezwungen werden.

So nach dem 0:1, wo nach der 30. Minute über Netz und Neuhaus der erste gute Spielzug mit einem gefährlichen Torschuss zu verzeichnen war, dem zwei, drei weitere gute Angriffe folgten - weil Gladbach plötzlich mehr Zug zum Tor entwickelte. Gleiches ließ sich auch in den Partien zuvor beobachten.
Das wiederum wirft andere Fragen auf, nämlich die nach der richtigen Einstellung zum Ziel des Spiels, Tore zu erzielen und Spiele für sich zu entscheiden. Stattdessen wirkt es oft so, dass man sich mit einem 0:0 ganz wohl fühlt - als hätte man das Gefühl (oder gar die Sicherheit), immer dann zulegen zu können, wenn es darauf ankommt. Und das, liebe Fohlenelf, wäre ein fataler Irrtum, wie jeder besichtigen kann, der euch öfter zuschaut.

Unter dem Strich hatte Gladbach aber auch in diesem Spiel zu wenige Phasen wie diese. Es liegt nicht an fehlenden Ideen, wohl aber an der Ausführung. Durchweg ungefährliche Hofmann-Standards, obwohl mit Netz ein ebensoguter Standardschütze bereitstünde. Es gab ausreichend gut gedachte Pässe in die gefährliche Zone der gegnerischen Abwehr, doch keine kommt an. entweder sind die Zuspiele nicht präzise genug, sie werden nicht sauber angenommen oder im Zweikampf zeigt der Gegner die stärkere Widerstandskraft und geht mit Ball aus dem Duell hervor. So fallen letztlich auch Gegentore oder entstehen Situationen wie die, die zu Itakuras Platzverweis führte.

Fazit: Es ist nicht leicht, der Mannschaft beim "Trial and error" zuzusehen. Ich sehe schon, was draus werden soll und werden könnte. Doch es fehlt aktuell in allen Mannschaftsteilen an der Wucht, das Spielglück zu erzwingen und zurückzuholen. Daran, sich durchzubeißen und dem Gegner das aufzuzwingen, was man selbst spielen kann. Diese Eigenschaften zeigen die Gegner durch die Bank im Moment mehr, und deshalb holen sie in der Regel auch verdiente Punkte gegen unsere Borussia.

Zur Schirileistung: Es gab die gewohnten Kleinigkeiten, die man anders sehen konnte als Tobias Welz, aber nichts Dramatisches - abgesehen vielleicht von einem Zweifel am 0:1, das aber am wenigsten dem Feldschiri anzulasten wäre. Man kann auch der Meinung sein, dass Tomás im Duell mit Itakura trotz dessen Haltens weitgehend frei zum Abschluss kam und ein Elfmeter nicht zwingend zu verhängen war. Aber so war es auch nachvollziehbar, und dann entscheidet der Zufall, gegen welche nicht klar falsche Entscheidung der VAR sein Veto eben nicht einlegt.

Es verbietet sich ohnehin eigentlich, das groß ins Feld zu führen, da Neuhaus und Co. sich die Niederlage schon über die 90 Minuten selbst eingebrockt haben.

Dessen ungeachtet war das Stuttgarter Führungstor trotzdem ein Abseitstor. Kein Abseits konnte es nur sein, wenn Neuhaus den Ball zum Gegner gespielt hätte, was die Zeitlupe in keiner Weise bestätigt. Der Ball wird von Waldemar Anton mit der Fußspitze gespielt, Neuhaus kann den Ball nur berührt, aber sicher nicht komplett gespielt oder entscheidend abgelenkt haben. Das zumindest gibt keine Kameraeinstellung her, die ich gesehen habe. 

Das internationale Schiedsrichterboard IFAB hat das hier angewendete absichtliche Ball spielen ("deliberate play") vor der Saison präzisiert. Und aus meiner Sicht trifft dies nicht auf diese Szene zu. Denn: In Regel 11 heißt es unter 2. (Abseitsvergehen):

"Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus einer seiner Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt (auch per absichtlichem Handspiel), es sei denn, es handelt sich dabei um eine absichtliche Torverhinderungsaktion eines gegnerischen Spielers."
 

Die  IFAB präzisierte daraus die Unterscheidung zwischen „absichtlicher Aktion“ und „abgefälschtem Ball“:

Eine „absichtliche Aktion“ liegt vor, wenn ein Spieler den Ball unter Kontrolle bringen könnte und die Möglichkeit hat:

    den Ball einem Mitspieler zuzuspielen oder
    in Ballbesitz zu gelangen oder
    zu befreien (z. B. mit dem Fuss oder dem Kopf).

Wenn der Pass, der Versuch, in Ballbesitz zu gelangen, oder die Befreiung durch den Spieler, der den Ball unter Kontrolle bringen könnte, ungenau ist oder misslingt, ändert dies nichts daran, dass der Spieler den Ball „absichtlich“ gespielt hat.

Ob ein Spieler den Ball unter Kontrolle bringen könnte und folglich „absichtlich spielt“, ist anhand folgender Kriterien zu beurteilen:
 

  • Der Ball legte eine gewisse Distanz zurück, und der Spieler hatte klare Sicht auf den Ball.
  • Der Ball bewegte sich langsam.
  • Der Ball ging in eine zu erwartende Richtung.
  • Der Spieler hatte Zeit, seine Körperbewegungen zu koordinieren (d. h. keine instinktiven Streck-, Sprung- oder sonstigen Bewegungen mit begrenzter Ballberührung/-kontrolle).
  • Ein Ball am Boden ist einfacher zu spielen als ein Ball in der Luft."

Der Versuch einer "absichtlichen Torverhinderungsaktion" trifft auf Neuhaus Einsatz zu, er will den Pass oder Schuss von Anton blocken. Auch die letztgenannten fünf Punkte treffen zu, nicht jedoch der entscheidende Teil. Neuhaus konnte den Ball weder gezielt noch absichtlich spielen, er tat es auch nicht. Hätte er ihn geblockt und der Ball wäre von dort zum im Abseits stehenden Millot gekommen, wäre die Entscheidung, das Tor zu zählen, korrekt gewesen. So aber nicht. 

Die einzige logische Erklärung für die VAR-Entscheidung wäre demnach, dass man in Köln anhand der Bilder nicht zu einer zweifelsfreien Entscheidung pro oder contra Abseits gekommen ist und damit die Tatsachenentscheidung auf dem Feld stehen blieb. Das hätte allerdings dann zwingend nach dem Spiel kommuniziert werden müssen.

Das alles ist doppelt bitter, weil Borussia in dieser Saison in Bochum schon einmal von der Falschauslegung der "deliberate play"-Regel benachteiligt worden ist. Damals war es aber der Bochumer, dessen verunglückten Ball man nachträglich nicht als absichtliches Spiel einordnete. 

Mit der Natur des Fußballspiels hat die jetzt getroffene Unterscheidung ohnehin nicht viel zu tun. Es ist eine technokratische Zombieregel, die das sonst notwendige (große) Ermessen des Schiedsrichters ersetzen soll. Dieses Ermessen und das Verständnis für die (Bewegungs-)Abläufe in einem Fußballspiel funktioniert bei der derzeitigen Schiri-Qualität ja ohnehin erschreckend schlecht. Aber wenn man sieht, dass selbst nach dieser Präzisierung Zufall und Fehlern Tür und Tor geöffnet sind, ist es einfach nur ein weiterer Sargnagel auf den Fußballspaß, auf solche Entscheidungen angewiesen zu sein.

Und damit endet das Fußballwochenende auch diesmal frustrierend. Undwieder kann man nur hoffen, dass Borussia nächste Woche einen Schritt nach vorn macht. Wo der Optimismus herkommen soll, muss ich mir aber erst noch überlegen.

Saison 2022/23, Bundesliga, 30. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 2:1. Tor für Borussia: 1:1 Weigl (HEM).

Der Spendenstand erreicht durch "Jule" Weigls Elfmetertor 110 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-23

Abrieb

Es kam wie erwartet. Ein 0:1 gegen Union Berlin nach einem unattraktiven Spiel. Ein Ergebnis, das man nicht einmal mit Vereinsbrille als unverdient bezeichnen kann, weil Borussia trotz guten ersten 20 Minuten und ein paar druckvollen Versuchen nach dem Rückstand einfach nichts produziert hatte, was man ernsthaft als Torgefahr bezeichnen konnte.

Dass das Spiel dennoch nicht torlos endete, lag an einem Angriff, der so typisch ist für eine Mannschaft, die offensiv zu 90 Prozent von Flanken, Standardsituationen und lang rausgedroschenen Bällen auf schnelle Stürmer lebt. Und genauso typisch für die andere Mannschaft, die trotz sonst heute recht konzentrierter Verteidigung immer wieder dafür anfällig ist, sich dann doch vom Gegner wie Schuljungen dastehen zu lassen. 

Diesmal reichte eine unbedrängte Halbfeldflanke von Roussillon auf Becker, die keiner verhinderte und die Elvedi unterschätzte. Selbst wenn nicht, wäre das aus dem Nichts eine 1gegen1-Situation im Strafraum gewesen - so aber stand Becker ganz allein vor Omlin und vollendete durchaus sehenswert ins Eck, ohne den Ball vorher anzunehmen. Ein schicker Abschluss, außer für Gladbach-Fans.

Der Rest ist unangenehme Pflicht. Denn wieder schaffte es die Elf von Daniel Farke nicht, die gute Anfangsphase zu nutzen oder gar auszubauen. Nach einer halben Stunde hatte Union sich auf den variablen Spielaufbau der Borussia eingestellt, und nahm dem Gegner damit wie gewohnt den Raum zum Spielen und sorgte in den Zweikämpfen für viel Abrieb. Und wie so oft fand der VfL im Anschluss keine Mittel mehr, den Gegner zu beeindrucken. Und auch nicht, wirklich zwingende Chancen herauszuarbeiten.

Etwas Bewegung verschaffte nach dem Rückstand nochmal ein Vierfachwechsel von Farke (!!) schon in der 69. Minute (!!!), doch er wirkte weniger selbst inspiriert, sondern eher wie ein Nachgeben gegenüber all jenen, die dauernd fordern, dass Bensebaini und Thuram raus und stattdessen Netz und Ngoumou als Zukunftslösungen in die Startelf sollen. Das ist aus meiner Sicht so nicht gerechtfertigt, aber immerhin ging noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Doch besser wurde es unter dem Strich dadurch auch nicht.

Der Tiefpunkt der Partie war dann die verletzungsbedingte Auswechslung von Marcus Thuram kurz vor Schluss, bei dem Daniel Farke den Innenverteidiger Marvin Friedrich ins Sturmzentrum beorderte, also den Spieler, dem er in der Defensive seit Monaten sichtbar gar nichts zutraut. Er sollte also ernsthaft die erste Option sein, um vielleicht doch noch einen Punkt zu ergattern. Ein schlechter Witz, sonst nichts. Dabei hätte mit Herrmann jemand bereitgestanden, der wenigstens vernünftige Standards schießen kann, dafür hätten Plea oder Ngoumou ins Sturmzentrum wechseln können. Es kam wie erwartet: Friedrich jedenfalls gewann auch offensiv keinen (Kopf-)Ball. 

Und als Jonas Hofmann dann die vielleicht letzte Chance hatte, einen guten Freistoß in den Strafraum der Gäste zu treten, wo inzwischen auch der Gladbacher Torwart lauerte, löffelte er den Ball - fast typisch für dieses Spiel - zu kurz und zu weich mitten in den Pulk von Union-Schwerathleten, sodass der fast logische Konter vom eingewechselten Ex-Gladbacher Sven Michel (ausgerechnet!) zum vermeintlichen 2:0 ins Tor geschossen wurde.

Dass dieser Treffer dann doch keine Anerkennung fand, und die an diesem Abend wieder einmal unsäglich inkompetenten DAZN-Kommentatoren sich nicht zu blöd waren, sich noch ein weiteres Mal zu blamieren, diesmal durch Nichtverstehen der Abseitsregel (Torwart Omlin befand sich ja weit hinter dem Ball, und nur ein Gladbacher in der eigenen Hälfte), das war dann mein persönliches Highlight der Partie. Und das meint alles. 

Dass die Gäste ihre Art "Fußball" dann nächste Saison voraussichtlich in die Champions League bringen wird, kann ich nicht ändern. Auch wer Meister wird, ist mir scheißegal. Für mich zählt Borussia, und da sehe ich bisher herzlich wenig, was mir Hoffnung für einen guten Abschluss der Saison und eine Verbesserung in der nächsten macht. Für diese Saison bleibt nur noch ein Ziel, an das ich aber derzeit auch nicht mehr so recht glaube: am Ende vor dem 1.FC K*** einzulaufen. Wir werden sehen, ob wenigstens das gelingt.

Schiedsrichter Martin Petersen spielt diesmal keine Rolle. Nicht, weil er gut gepfiffen hätte - da war durchaus viel Luft nach oben. Er war aber auch kein entscheidender Faktor in diesem Spiel, und deshalb auch in diesem Text nicht.

Saison 2022/23, Bundesliga, 29. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC erfolgreicher Terrorfußball Berlin 0:1.

Der Spendenstand bleibt bei 109 Euro stehen.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-15

Es ist, wie es ist

Nach 95 Minuten ist klar: Dieser eine Punkt beim Europa-League-Sieger ist ein Gewinn. Zur Halbzeit wäre er das nicht gewesen. Da hätte eine gut sortierte, konzentrierte Borussia durchaus mit mehr als 1:0 (durch einen zauberhaften Angriff über Neuhaus, Thuram und Hofmann) führen können. Das sah mit dem Ball und gegen den Ball tatsächlich so souverän aus wie lange nicht: Keine Unsicherheiten, klares, schnelles Spiel, gutes Verschieben, beherztes Verteidigen.

Doch auch aus dem sicheren eigenen Ballbesitz gelang es der Farke-Elf wieder nicht, mehr als zwei Chancen herauszuspielen. Und nach etwas mehr als 30 Minuten gab sie das Heft des Handelns Stück für Stück an die Gastgeber ab. Angesichts der letzten Minuten vor der Pause konnte man also schon froh sein, dass das Ergebnis bis zum Seitenwechsel so blieb.
Recht stabile fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff gelangen dann noch, aber spätestens ab da musste man als Gladbach-Fan jederzeit mit dem Ausgleich oder Schlimmerem rechnen.
Die Eintracht hatte sich auf den Gegner eingestellt und spielte sich auch ohne Götze und Lindström langsam in den Offensiv-Flow und kam zu immer mehr Chancen. Borussia widerstand zwar auch weiterhin defensiv mit viel Einsatz, aber bis zum Schlusspfiff gelang es kaum noch, Entlastung über die Mittellinie zu bringen.

Ein langer Ball nach dem anderen flog aus der Verteidigungszone des VfL, und ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Gladbacher Tor zu. Es brauchte mehrere Weltklasseparaden von Jonas Omlin und das eine oder andere Stück Glück, um die Führung überhaupt bis in die letzten Minuten festzuhalten.

Der späte Ausgleich dann war aber doppelt unglücklich. Denn erstens pfiff Schiedsrichter Sven Jablonski das wohl entscheidende 2:0 von Thuram auf  der anderen Seite zurück, weil er zuvor ein Stürmerfoul von Bensebaini im Kopfball gegen Hasebe gesehen hatte. Angesichts seiner sonst recht großzügigen Regelauslegung war das sicher kein Pfiff, der unbedingt hätte sein müssen. Umgekehrt hätte es dafür auch keinen Elfmeter gegeben.
Doch während der Qualitätspremiumsender Sky diese Szene weder hinterfragte noch auch nur ein zweites Mal zeigte, lief das Spiel schon weiter.

Und auf der anderen Seite traf Kolo Muani mit einem Drehschuss, den der eingewechselte Alario so gut verdeckte, dass Omlin ihn erst spät sah und ihn vergleichsweise leicht passieren ließ - zumindest, wenn man die Monsterparaden vorher zum Vergleich nimmt. Omlin nahm das 1:1 mit auf seine Kappe, aber das musste er eigentlich nicht, denn es hätte auch vorher besser verteidigt werden können und vielleicht müssen. Dummerweise war diesmal auch die allerletzte Rettung nicht zur Stelle. Alario hatte (knapp) nicht im Abseits gestanden, das Tor zählte.

Danach entwickelte sich nochmal eine packende, weil offenere Schlussphase, in der sich auch Borussia nochmal gefährlich vor Trapps Tor zeigte. In einer Szene hätte es sogar Elfmeter geben können, weil Alidou Hofmanns Bein blockte, als der zum Schuss ansetzte, doch Jablonski pfiff nicht (nachvollziehbar aus seiner Position) und Köln meldete sich nicht - was nach den geltenden Regeln (klare Fehlentscheidung) ok war, aber wieder einmal den Unsinn dieser VAR-Absprache zeigt. Hätte Jablonski gepfiffen, wäre auch dagegen kein Einspruch gekommen. Es bleibt kompliziert.

Insgesamt war ich mit der Leistung des Schiedsrichters aber einverstanden. Er pfiff meist richtig, auch wenn das Frankfurts Dauerpöbler selbst bei klarsten Fouls immer wieder in Frage stellen wollten. Die klare Foulstatistik von 16:5 ging durchaus in Ordnung.
Am Ende allerdings verlor Jablonski ein wenig die Linie. Und das führte dann wieder einmal dazu, dass Gladbach mit mehr Karten als der Gegner vom Platz ging. Beide waren fragwürdig.
Lars Stindls Foul war sein erstes, zudem kein überhartes Einsteigen. Koné Gelb wegen Schwalbe zu zeigen, war falsch. Denn der Franzose wurde von zwei Frankfurtern so bedrängt, dass er zu Boden gehen musste. Das war kein Elfmeter, aber den hatte Koné auch gar nicht gefordert oder ohne Kontakt provozieren wollen. So sammelte Stindl Karte 8 und Koné die 11., eine weitere Sperre ist also durchaus noch dirnn diese Saison. Und das ist bei beiden Spielern einfach nicht angemessen.

Auf der anderen Seite ging Rode ohne Karte raus, obwohl er in einer Szene gegen Neuhaus ziemlich heftig den Schlappen drauf gehalten hatte. Jablonski hatte da nicht einmal Foul gepfiffen.
Aber wie gesagt: alles im Rahmen, und von der Ausstrahlung und der Art, mit Spielern umzugehen, ist er eindeutig der besseren Schiedsrichter in der Liga.  

Was bleibt vom Ausflug an den Main? Eine gute erste Hälfte, ein ordentliches Aufblitzen dessen, was man sich von Borussia mit diesem Kader und Farkes Fußballansatz versprechen kann. Eine stressresistente Verteidigungsleistung, und durchweg hohen, leidenschaftlichen Einsatz des Teams, auch und gerade von oft gescholtenen Spielern wie Bensebaini und Thuram. 

Ein klarer Fingerzeig, wie wichtig der lange fehlende Julian Weigl für das derzeitige Gladbacher Spiel ist. Die erneute Einsicht, was für einen geilen Keeper und Führungsspieler uns der winterliche Sommer-Wechselzufall in die Mannschaft gespült hat.

Die Erkenntnis, dass noch viel dazu fehlt, ein Spiel über 90 Minuten so durchzubringen, wie man es sich vorstellt. Und die Befürchtung, dass das nicht zuletzt an der fehlenden Bereitschaft des Trainers liegt, sich im Spiel zu sehr von Veränderungen im Spiel des Gegners treiben zu lassen. Auch heute hätte ich mir durchaus gewünscht, Borussia hätte ein Mittel gefunden, sich aus dem Dauerdruck des Gegners besser zu befreien. Von der Bank nehme ich da einfach zu wenig Impulse wahr. Aber möglicherweise ist auch das ein Weg zu mehr Widerstandsfähigkeit im Spiel. Wer weiß.

Am Ende nehmen wir den Punkt an und begraben zugleich die letzten vielleicht noch irgendwo gebunkerten Hoffnungen auf einen europanahen Tabellenplatz. Im Moment ist das, was Borussia bietet, dafür auch einfach nicht genug - bei allem ehrlichen Engagement.

Saison 2022/23, Bundesliga, 28. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:1. Tor: 0:1 Hofmann. 

Geht doch: Der Spendenstand steigt um einen weiteren Euro auf 109 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-09

Erstens kommt es anders...

... und zweitens, als man denkt.

Glückwunsch Gladbach! Ein Zu-Null-Sieg über Wolfsburg bedeutet fast schon den frühzeitigen Klassenerhalt. Das ist nicht nur gefühlt eine wichtige Nachricht am Osterwochenende. 

Aber Vorsicht: Das am Ende verdiente 2:0 könnte manch beunruhigende Beobachtung der vergangenen Wochen kaschieren - wenn man nicht so genau hinsieht.

Aber egal. Zuerst freue ich mich für die gesamte Mannschaft, die sich mit eigenen Mitteln aus einer schlechten Anfangsphase herausmanövriert hat. 
Ich freue mich für Nathan Ngoumou, der bisher kein einfaches erstes Jahr bei Borussia verlebt hat und gönne ihm das schöne erste Bundesligator. Es deutet an, warum man den Franzosen für relativ viel Geld an den Niederrhein gelotst hat. 

Ich freue mich für Jonas Omlin, der seinen Kasten zum zweiten Mal in Folge sauber halten konnte, und für Nico Elvedi, der heute daran einen großen Anteil hatte.

Ich freue mich für Flo Neuhaus, der sich seiner alten Form annähert und für Tikus und Alassane Plea, denen es sichtlich gut tat, auch mal wieder mit einer schönen Torkombination aufzufallen.

Allerdings bleibe ich auch nach dem letztlch ungefährdeten Sieg gegen die VW-Werksmannschaft skeptisch, was die Übertragbarkeit auf die nächsten Spiele angeht. Zu oft hat sich da ein Aufwärtstrend schon als Strohfeuer erwiesen.

Auch heute schien das Drehbuch ein ganz anderes zu sein. Die ersten 30 Minuten waren mit das Schlechteste, was die Farke-Elf in dieser Saison gezeigt hat. Kein Selbstvertrauen, zu wenig Bewegung im Spielaufbau, dadurch keine vernünftige Anspielstationen und durch schlampiges Spiel und wenig Hilfe vom Nebenmann dann auch teils haarsträubende Fehler. 

Das Offensivspiel war eine Farce, bis zur 21. Minute tauchten die Gladbacher überhaupt nicht mit einem zielführenden Angriff in der Hälfte der Gäste auf. Danach auch noch eher zufällig. Der hasenfüßige Auftritt des Teams und das Abtauchen auch von erfahrenen Spielern wie Kramer und Stindl in dieser Phase ließ nichts Gutes ahnen. 

Und es wirkte überspitzt gesagt teilweise so, als hätten die Spieler untereinander eine Wette laufen, wer es schaffen würde, dass Daniel Farke ihn noch vor der Pause leistungsbedingt auswechselt.

Somit war das Wolfsburger 1:0 nach einem Ballverlust zum Haare-Raufen von Kramer und Bensebaini nichts anderes als verdient. Und es war ausschließlich das Glück der vorgeschobenen Fußspitze, dass es dann doch nicht zählte. 

War das - inklusive der Unterbrechung durch den VAR-Check - schon der Game-Changer? 

Schwer zu sagen, denn Borussia kam danach zwar zu ersten Torschüssen. Doch das 1:0 durch Ngoumous beherzten Schuss in die Ecke kam nun wirklich aus dem Nichts. Wölfe-Torwart Casteels präsentierte den entscheidenden Fehlpass auf dem Silbertablett, und dass Ngoumou tatsächlich so kaltschnäuzig abschließen würde, hielten selbst die Wolfsburger offenbar nicht für möglich.

Das Gegentor brachte die Gäste allerdings aus dem Konzept, und sie suchten fortan vergeblich nach der Selbstverständlichkeit, mit der sie die bräsigen Gladbacher in der Anfangsphase nach Belieben dominiert hatten. Sie fanden sie nicht wieder, das wurde von Minuten zu Minute deutlicher. Borussia hingegen kam immer besser in die Zweikämpfe, profitierte dabei das eine oder andere Mal auch von der großzügigen Linie des guten Schiris Timo Gerach, der das Spiel angenehm sachlich und ruhig leitete und auch Aggro-Maxi Arnold schnell den Wind aus den Segeln nahm, wenn der zum Beschweren vorbeikam.

Das 2:0 nach einer hübschen Franzosen-Kombination aus Flanke Ngoumou, Kopfball-Ablage Plea und Kopfball-Vollendung durch Thuram entschied dann das Spiel relativ früh nach gut einer Stunde, denn auch wenn Gästetrainer Kovac wechselte, was das Zeug hielt, seine Mannschaft fand kaum noch in gefährliche Zonen. Mit ein wenig Glück des Tüchtigen verteidigten Itakura und Co. alles, was Richtung Omlins Tor kam, relativ sicher weg.

Tatsächlich wechselte der Trainer diesmal auch früher als erwartet, leider auch einmal gezwungenermaßen wegen Scallys Verletzung. Auch das hatte wenig Einfluss aufs Spiel, und das ist ja auch eine halbwegs gute Nachricht.

Gibt das Erfolgserlebnis jetzt nochmal Auftrieb für einen beherzten Schlussspurt einer Mannschaft, die ihr Gesicht im Sommer gehörig verändern wird? Ich hoffe es auch nach diesem Spieltag wieder. Sicher bin ich mir nicht. 

Allerdings fand ich es bemerkenswert, dass heute nach dem Spiel in Marcus Thuram einer der zuletzt am meisten kritisierten Spieler zu einem seiner seltenen Interviews kam und sich sehr vernünftig verkaufte, inklusive Dank an die Fans. So ganz egal scheint es eben doch keinem zu sein, wie er gesehen wird. 

Am meisten Pluspunkte können Tikus und seine Kollegen allerdings natürlich auf dem Spielfeld machen. 

Es wäre für uns alle gut, wenn ihnen das zum Ende der Saison noch mal gelingen würde. Denn auch die Fanszene wirkt zunehmend zerrissen im Wechselbad der Gefühle, das in diesem Jahr zur Normalität geworden ist.  

Saison 2022/23, Bundesliga, 27. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 2:0. Tore: 1:0 Ngoumou, 2:0 Thuram. 

Geht doch: Der Spendenstand steigt um drei Euro auf 108 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-02

Nur Nieten in der Derbylotterie

Es kommt nicht so oft vor, dass ich mir wünsche, ein Spiel meiner Mannschaft wird vorzeitig abgepfiffen. Heute war so ein Tag. Das Derby in der verbotenen Stadt, beide Teams in der Tabelle so nichtsreißend unterwegs, dass sie motiviert sein mussten, wenigstens noch die Derbywertung irgendwie auf ihre Seite zu ziehen. Es hätte also ein packender, sogar ein hochklassiger Fußballnachmittag werden können.

Aber stattdessen gab es eine grausam fehlerhafte Kickerei, bei der Köln auch nur um Nuancen weniger kopflos agierte als der VfL. Immerhin brachten Baumgarts Rasenumpflüger ihre normale Arbeitshaltung auf den Platz, während es bei Daniel Farkes Elf ein Auftritt war, bei dem man nie wusste, ob gerade das Nicht-Wollen oder das Nicht-Wissen-Wie die Oberhand behalten würde.
Am Ende ist das 0:0 für Borussia noch das bestmögliche und auch das aussagekräftigste Ergebnis für diese Derby-Lotterie mit Nietengarantie.

Die Chancen waren auf beiden Seiten überschaubar, es wäre ein Märchen, wenn man glaubte, dass die Gastgeber aufgrund mehr Torgefahr den Sieg verdient gehabt hätten. Sie waren einfach nur präsenter, wirkten williger, bissiger - und deshalb hätte sich kein Gladbacher beschweren können, wenn auch dieses Auswärtsspiel verloren gegangen wäre.

Damit wäre eigentlich genug gesagt. Denn eine Erklärung für die zeitweise unsichere, zeitweise uninspiriert-lethargische und zeitweise schlampige Spielerei zu finden, die sich in dieser Rückrunde auf aufreibende Art und in unterschiedlicher Deutlichkeit durch die Leistungen fast aller Borussen zieht, überfordert mich schlichtweg. Wie viele andere Fans habe ich diese Saison aufgegeben, hoffe, dass Sie schnell und möglichst glimpflich vorbei- und ausgeht.

Doch so scheint es vielen Spielern auch zu gehen. Die auf dem Platz machen schon lange nicht mehr den Eindruck, dass sie gemeinsam etwas bewegen können (und wollen?). Der Trainer gibt wenig Impulse von außen, er verzichtet auf Auswechslungen, wo es nur geht und redet die Spiele schöner als sie sind. 

Das heute war "kein Filetstück von Fußball" - da hat Daniel Farke ja durchaus recht. Er könnte aber auch sagen - und das wäre ehrlicher und treffender -, dass das heute für alle Beteiligten und auch für Unbeteiligte so war, als ob man 90 Minuten auf einer schweißfüßigen Schuhsohle rumkauen musste. Soviel zum Vergleich mit einem feinen und zart gebratenen Stück Fleisch.

Am Ende kann man dieses missratene Gericht also nur schnell in die Tonne kloppen und sich ein Loch in den Bauch freuen, dass man noch mit einem Punkt in der Tasche aus dem Lokal rausspaziert ist - also quasi einen Teil der Zeche geprellt hat.

Das und die Hoffnung auf eine neue Saison, die wie durch ein Wunder eine Neuerfindung Borussias bereithalten könnte (wer daran im Moment glaubt, für den gilt wirklich die Diagnose "Optimismus-positiv") lässt mich im Moment die Spiele noch durchhalten. Aber die Enttäuschungen schlagen langsam ins Kontor.

Aber als wäre das alles noch nicht genug der Qual, hatte der DFB heute auch noch extra für uns einen weiteren Sargnagel für den Fußball nach Köln geschickt. Felix Zwayer und seine "unparteiischen" Kollegen bewiesen einmal mehr, dass bei Bundesliga-Referees Qualität kein Kriterium ist. Es war an Fehlentscheidungen alles dabei - Foul, Abseits, Aus, mal Gelb, mal nicht - es war eine unterirdische Leistung auf dem Platz, an der Seitenlinie und im Keller. 

Doch die Krönung war die Szene in der 15. Minute, die das Spiel merklich hätte beeinflussen können, nein - müssen. Da trat Kölns Hübers direkt vor den Augen des Schiris Florian Neuhaus im Strafraum von hinten das Standbein weg, ohne auch nur in der Nähe einer Ballaktion gewesen zu sein. Ein 350-prozentiger Elfmeter, den jeder in der Echtzeit und auch in jeder folgenden Zeitlupe problemlos erkennen konnte. 

Nur Zwayer nicht - und, was noch schwerer wiegt: VAR Sören Storks auch nicht, der sämtliche Zeitlupen zur Verfügung hatte und trotzdem keine Fehlentscheidung erkennen wollte. Wenn man diese Szene mal davon löst, ob Gladbach den Elfer überhaupt reingeschossen hätte oder auch von den Gesamtleistungen der Fußballer auf dem Platz - dann müsste so ein Versagen endlich einmal klare Konsequenzen haben. Solche Schiedsrichter haben in keiner oberen Spielklasse etwas zu suchen. Sie schaden dem Fußball, sie erschüttern die Glaubwürdigkeit und sie nehmen einem den Glauben daran, dass im Profifußball immer alles mit rechten Dingen zugeht. 

Fehlentscheidungen gehören zum Sport dazu. Das ist nunmal so. Um diese aber möglichst weit zu reduzieren, gibt es Hilfsmittel wie den Videoassistenten. Manche Streitfälle im Fußball sind interpretationsfähig, manche Regeln sind auch nicht scharf genug gefasst oder hilfreich, manchmal sind Szenen vielleicht auch durch Zeitlupen nicht eindeutig zu klären.
In diesem Fall bleibt mir allerdings keine andere Erklärung außer fehlendem Sachverstand und Absicht. Es ist für mich ungeachtet des weiteren Spielverlaufs ein Skandal, der nicht passieren darf, der aber wahrscheinlich doch wieder keine Konsequenzen für die beteiligten Referees hat. Und das macht mich heute auch Stunden nach dem Spiel noch genauso wütend wie die blinde Kickerei meiner Mannschaft. Habe fertig!                 

Saison 2022/23, Bundesliga, 26. Spieltag: 1. FC Dings - Borussia Mönchengladbach 0:0. 

Eine Nullnummer fast auch hier. Der Spendenstand steigt dank Jonas Omlins weißer Weste aber um einen Euro auf 105 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-03-18

Der Verzweiflung nah

Irgendjemand überrascht, dass Borussia trotz zweimaliger Führung und zeitweise hochüberlegen geführtem Spiel durch ein spätes Gegentor noch zwei wichtige Punkte liegen lässt? Als Gladbach-Fan kann das eigentlich nicht sein. 

Nach dem Spielverlauf des Freitagsspiels musste jedem eigentlich klar sein, dass es so kommen würde. Die Farke-Elf hatte Chancen in Hülle und Fülle, zeigte sich gegen die langen Bälle von der Waterkant aber ebenso immer wieder anfällig. Und hätte Füllkrug in der Nachspielzeit eine Flanke nicht abgefälscht und damit seinem Sturmpartner nicht etwas übereifrig den Kopfball zum 2:3 versaut, dann wäre die Stimmung im Borussia Park wohl so richtig in den Keller gegangen. 

Und das, obwohl die ersatzgeschwächten Gäste in diesem Spiel sonst sehr, sehr wenig zu bieten hatten, was einen Punktgewinn gerechtfertigt hätte. Und doch kamen sie mit zweieinhalb Torschüssen zu zwei Toren, wofür die Borussia 21 Torschüsse, davon 9 aufs Tor der Bremer, brauchte. Das ist einfach zu wenig, um die späten Punktverluste dann noch wirklich als ungerecht zu bezeichnen. Denn der VfL hat sich heute einzig und allein selbst um den Sieg gebracht. 

Es ist schwer zu sagen, gegen wen Borussia Mönchengladbach in dieser Saison noch gewinnen will, wenn sie die eigenen Schwächen nicht besser in den Griff bekommt - die individuellen Fehler, die schlechte Konterabsicherung und taktische Eseleien, in der Schlussphase viel zu viel ins Risiko zu gehen, statt den Ball zu kontrollieren und die Partie nach Hause zu schaukeln.
Nicht, dass der heutige Gegner Werder Bremen total schlecht gewesen wäre. Aber er lud den VfL zu einem fehlergespickten und phasenweise vogelwilden Spiel ein, das beide Teams bereitwillig annahmen, mit dem sie aber beide auch nicht so richtig zurecht kamen.

30 relativ geordnete Anfangsminuten gehörten noch Borussias gepflegtem, aber fürs gegnerische Tor meist ungefährlichem Spiel. Schon da war Bremen durchaus in der Lage, mit langen Bällen und manchem kurzen Pressinganfall leichte Panik in der Gladbacher Hintermannschaft auszulösen. Doch auch Bremens Offensive war in diesen wenigen Szenen lange Zeit zu unpräzise, um selbst in Führung gehen zu können.

Borussias Chancen waren über die gesamte Spielzeit deutlich größer und häufiger, meist durch hohe Ballgewinne und forcierte Bremer Fehler selbst erarbeitet. Doch die Chancenverwertung scheint von Spiel zu Spiel schwächer zu werden. Marcus Thuram nutzte nach eine Reihe verpasster guter Torchancen ausgerechnet die schwierigste von allen zum Führungstreffer.
Doch danach ging der Chancenwucher weiter, und es folgte wie so oft ein Gegentor nach einem schlampigen Pass, der über zwei Stationen zum Konter und zum 1:1 führte. Ein Gegentor, was wir in den vergangenen drei Jahren schon xmal gesehen haben.

Ganz ähnlich fiel das zweite Gegentor, nachdem sich Flo Neuhaus zuvor noch ein verdientes und im Park ausgiebig bejubeltes Erfolgserlebnis zum 2:1 gegönnt hatte - auch dieser Abschluss war eine viel schwierigere Angelegenheit als eine Handvoll Chancen zuvor, mit denen das Spiel längst hätte entschieden sein müssen. Bremen hatte heute wirklich alles bereitgelegt, damit Borussia nach dem Sieg greifen konnte. Und überraschenderweise behielten vor allem Stindl und Co. in der Chaos-Phase der zweiten Halbzeit eher den Überblick als die Gäste. Und doch behielt am Ende jeder typische Gladbach-Fan recht, der das späte Unheil förmlich herannahen und riechen konnte.

Es ist angesichts dieser fortwährenden Berg- und Talfahrt und den enormen Leistungsschwankungen schwierig, dieser Mannschaft noch gerecht zu werden. Mal spielt sie sich gar keine Chancen heraus, mal ganz wenige, nutzt die aber. Dann spielt sie viele heraus, verdaddelt sie aber leichtfertig.
Sie hat immer wieder verzückende Momente, sie kann Gegner mit Passkombinationen in Stücke schneiden, sie kann zaubern. Aber sie ist auch prädestiniert dafür, sich alles Gute sofort wieder durch grandiose Dummheiten einzureißen. Und die sind offenbar nicht abzustellen - sie wiederholen sich regelmäßig.

Es ist eine Saison, in der man das Verzweifeln lernt, wenn man es als Borusse ohnehin nicht schon längst  beherrscht.

Was mich heute positiv stimmt, ist, dass Florian Neuhaus auch emotional mal weit über das Normale hinaus reagiert hat. Dass Jonas Hofmann giftig ist, auch mal gegen Gegner und Schiri. Dass Schiedsrichter Tobias Reichel heute eine solide Leistung abgeliefert hat, bei der er nur in der hitzigen Schlussphase mit seiner ruhigen Spielleitung etwas ins Schwimmen geriet. Es war aber nichts Gravierendes dabei, was zu kriutisieren wäre. Das ist doch auch mal schön.
Und schließlich freut mich, dass wir in Jonas Omlin einen Torwart mit echtem Führungsanspruch bekommen haben, der selbstkritisch ist, nicht drumherum redet und die richtige Einstellung zeigt. Das sind absolut positive Erscheinungen, vor allem, wenn man über diese Saison hinaus blickt. Sie schießen unser Team aber derzeit auch nicht zum Sieg. Das ist das Bittere. Denn da springt im Moment leider auch kein anderer in die Bresche.   
 

Saison 2022/23, Bundesliga, 25. Spieltag:  Borussia Mönchengladbach - SV Werder Bremen 2:2. 

Der Spendenstand steigt um zwei Euro auf 104 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

 

2023-03-11

Drei Tore zu hoch

Es gibt Auswärtsfahrten, die könnten sich die Lizenzspieler von Borussia Mönchengladbach getrost schenken. Wie Freiburg ist Leipzig für den VfL ein schlechtes Pflaster, wo offenbar kein Sieg zu holen ist, egal wie der Spielverlauf sich darstellt. Auch heute war es ein Spielverlauf zum Vergessen.

Es war natürlich sehr ärgerlich, wie die Farke-Elf das Spiel hergegeben hat: durch einen kapitalen Fehler im Spielaufbau, kurz nachdem man eine eigene Elfmeterchance vergeben hatte. Durch einen ungeschickten Einsatz im eigenen Strafraum und eine schwach verteidigte Standardsituation.
Was die Sache für mich etwas erträglicher gestaltet, ist, dass zwischen den Leistungen in Mainz und Leipzig am Ende zwar nur ein Gegentor liegt, aber ein erheblicher Unterschied in den Leistungen. Es wird besser - wenn auch vielleicht nicht schnell genug.

Die konzentrierte Defensivarbeit der beiden jüngsten Spiele zeigt, dass Borussia auf einem richtigen Weg ist - auch wenn die drei Gegentreffer von heute dagegen sprechen mögen. Und ja: Der heutige Gegner hatte in Nkunku und Schlager zwei aggressive Offensivspieler nicht zur Verfügung, die Borussia in der Verfassung dieser Saison schon im Spielaufbau hätten weh tun können. Davon abgesehen machten es Kramer und Co. aber auch erheblich besser als noch vor zwei Wochen in Mainz.

Ob es wirklich Farkes neue Überzeugung ist, mit einem vorsichtigerem Ansatz die Räume in der eigenen Hälfte kompakter zu verteidigen, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht ist es auch ein Ergebnis interner Diskussionsprozesse nach den doch viel zu vielen Gegentoren in der bisherigen Saison. Gegen Freiburg stand dann ja auch die Null hinten. 

Auch heute hätte sie stehen können, denn der Gegner hatte im gesamten Spiel nicht viel Furchterregendes zu bieten. Dennoch gab es am Ende wieder drei Gegentore, bedröppelte Gesichter und jetzt 0:7 Tore aus den letzten drei Spielen. Die Jahresbilanz sieht mit 8 Punkten aus 9 Spielen aus wie die eines Abstiegskandidaten.

Heute war Leipzig fraglos besser im Nutzen der Torchancen, Gladbach darin enttäuschend. Daher ist der Sieg der Dosen am Ende auch irgendwo verdient. Andererseits war Borussia über 75 Minuten die bessere Mannschaft, der Spielausgang also irgendwie auch wieder nicht verdient; in jedem Fall aber drei Tore zu hoch, wenn Ihr versteht, was ich meine.

Wenn eins von Woche zu Woche gleich bleibt, ist es die Unbeständigkeit der Mannschaft. Das lässt sich an Formschwankungen und abwechselnd heldenhaften und wieder sehr unglücklichen Auftritten von Spielern wie Plea oder Koné ablesen. Alassane Plea hatte vor einer Woche noch die späte Niederlage mit einer tollen Abwehraktion verhindert. Heute vergab er den Elfmeter leichtfertig und verschuldete zudem den Strafstoß zum vorentscheidenden 0:2. 

Aber es bringt nichts, sich jede Woche irgendwelche Spieler als Sündenböcke herauszupicken. Es ist das ganze Team, das keine Konstanz in die Auftritte bekommt. Immerhin: Zwei Siege sollten reichen, um nicht mehr in die ganz unerfreulichen Tabellen-Gefilde abzurutschen. Dazu gehört zwingend das Derby, das versteht sich. Nach oben könnte es aber nur mit einer richtigen Serie gewonnener Spiele nochmal gehen. Und daran glaube ich nicht, trotz mancher Fortschritte im Spiel.

Positives gab es auch: Tobi Sippel scheint wieder der alte zu sein, er zeigte heute wieder eine sehr ansprechende und sichere Leistung. Dazu kam das Debüt von Oscar Fraulo in der Bundesliga und ein paar weitere Minuten für Semir Telalovic, der vor nicht allzulanger Zeit noch in der sechsten Liga unterwegs war, sich aber an den Bundesligakader herangearbeitet hat. Das ist sehr schön und ich gönne das den Jungs! Bis sie wirklich Alternativen für die Startelf sind, wird es aber noch ein Weilchen dauern.

Was war schlecht, außer dem Ergebnis? Dass der moderne Fußball-Todesstern wieder durchgekommen ist mit seinem Spiel. Dass sich dieses ganze Konstrukt inklusive des jämmerlichen Supports seiner Anhänger und Kunden in einem halbleeren, aber ausverkauft gemeldeten Stadion weiter durchsetzen und nach und nach Blechernes sammeln und mithilfe von DFB und DFL und der übertragenden Sender ehrlich wirtschaftende Vereine nach und nach an den Rand drängen wird. Aber das wissen wir ja alles schon. 

Und dann lief vor dem Spiel dort auch noch "Die Elf vom Niederrhein". Das ist dann die andere, peinliche Seite derer von Leipzig-Fuschl am See. Es ist der Versuch, sich durch Anbiederung dazugehörig machen zu wollen. Ganz ehrlich: Ich brauche keine Gladbach-Songs in fremden Stadien. Auswärts ist auswärts. Es ist dann eine Ehre, wenn befreundete Clubs sie dort spielen, wie es der FC Liverpool regelmäßig tut. Aber keinesfalls und niemals Red Bull Leipzig!

Dass es zwischen dem Ex-Manager und Borussia(s Fanszene) keinen Weg mehr für ein normalen Umgang miteinander geben wird, ist in den vergangenen Monaten auch immer wieder deutlich geworden. Bei diesem Spiel, dem ersten direkten Aufeinandertreffen seit Eberls Abgang, kochten die Emotionen daher absehbar wieder hoch. Ich bin froh, dass es von Seiten der Fanszene weitgehend im Rahmen blieb. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Dafür goss Max Eberl vor dem Sky-Mikrofon unnötig Öl ins Feuer und trieb sofort wieder den Puls aller Gladbacher in die Höhe.

Das korrekte Zitat lautete: "Wenn diese Thematik dann einfach negiert wird und es einfach nur als Wechsel von Gladbach zu Leipzig zusammengefasst wird, ist es einfach verkehrt. Das passiert von Menschen, die andere ins Fadenkreuz nehmen, mit Eisenstangen durch die Städte laufen und Feuer zünden. Da braucht es keine weiteren Kommentare dazu."

In den "sozialen Medien" machte dann aber eine falsche Wiedergabe die Runde und entzündete den Furor vieler Fans aufs Neue. Da hieß es dann "Gladbach-Fans sind Menschen, die Leute ins Fadenkreuz nehmen, mit Eisenstangen durch die Straßen laufen und Feuer zünden." Beides ist absolut unter der Gürtellinie und sehr enttäuschend, zumal es nicht aus der Emotion heraus, sondern mit Bedacht so gesagt wurde. Und Max Eberl es besser weiß. Aber es ist ein Unterschied, ob Eberl alle Gladbachfans so bezeichnet oder "nur" eine Gruppierung, die zugegeben auch nicht zimperlich mit ihm umgegangen ist.

Mich nervt dieses ständige Vorwürfe-Pingpong inzwischen nur noch, und ich fände es wichtig, wir würden das endlich ruhen und hinter uns lassen, um unsere ganze Kraft wieder in den eigenen Verein stecken. Die Argumente und auch die Beschimpfungen sind ausgetauscht - keiner gewinnt in dieser Konstellation mehr etwas, es geht nur noch um die eitle Selbstbestätigung, dass man vor sich selbst recht haben will

Die letzten Worte gehören auch heute dem Schiri. Dr. Matthias Jöllenbeck gehört aus meiner Sicht zu den besseren Schiedsrichtern in der Bundesliga. Heute war es aber sicher nicht sein bester Tag. Nichts Spielentscheidendes dabei, aber seine Pfiffe hatten einen merklichen RB-Drall. Katastrophal fand ich allerdings, dass er den VAR-Hinweis und den Gang zum Monitor brauchte, um Gladbach den klarsten Elfmeter seit langer Zeit zuzusprechen. Da lag er in Realgeschwindigkeit bemerkenswert daneben. Und weil ja sonst immer schnell gemotzt wird: Was wäre das erst für eine Diskussion gewesen, wenn es keinen VAR gäbe und dieser Elfmeter nicht gegeben worden wäre? Ich bin nach wie vor froh, dass es ihn gibt.

Der Rest ist zu vernachlässigen, von mir aus auch die wieder lächerlich kurze Nachspielzeit. Positiv ist immerhin, dass der Schiri es tatsächlich schaffte, mal keinem Gladbacher eine Verwarnung zu zeigen. Das war auch völlig ok, aber doch sehr ungewöhnlich. Es ist, glaube ich, noch keinem anderen Referee der Liga in dieser Saison geglückt. Was nicht immer an den Borussen liegt.
 

Saison 2022/23, Bundesliga, 24. Spieltag: "RB" Leipzig - Borussia Mönchengladbach 3:0. 

Der Spendenstand bewegt sich nicht weiter: 102 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.