2023-04-30

Emotionsentladen

Leider oder Gott sei Dank: Ich konnte das Spiel am Samstag nicht live sehen, und nach dem Verlauf des Spiel-Tickers und dem anschließenden Twitter-Scherbengericht über die Farke-Elf habe ich lange mit mir gerungen, ob ich mir die Partie im Re-Live  überhaupt anschauen und etwas dazu schreiben wollte. Natürlich habe ich es am Ende doch getan. 

Und erneut habe ich festgestellt: Ohne die emotionale Ungewissheit eines Livespiels erscheint manches dann doch nicht so dramatisch schlecht, wie es im Eifer des Gefechts wahrgenommen und später wiedergegeben wird. Man schaut "emotionsentladener"  zu.

Fakt ist und bleibt aber: Es kommt zu wenig rum, in allen Belangen, zumal für die Besetzung eines Kaders, der für deutlich mehr als Platz 10 oder schlechter gedacht und in der Lage ist. Zu viele Spieler bringen ihre Klasse nicht auf den Rasen - oder wenn, dann nur phasenweise.

Auch in Stuttgart zeigte sich eine bis in die wilde Schlussphase stabile, geordnete Borussia, die sich wie in den vergangenen Wochen defensiv nicht fehlerlos, aber doch konsequent und aufmerksam präsentierte und auch die Konter der Schwaben bis auf einzelne Situationen gut entschärfen konnte.
Das immerhin ist eine Eigenschaft, die wir im mittleren Drittel der Saison beklagt und schmerzlich vermisst haben. Damals spielte Borussia durchaus forsch und fordernd nach vorne, arbeitete sich auch in jedem Spiel eine Reihe von Chancen heraus - nutzte davon aber meist weniger, als sie sich hinten durch sorgloses Verteidigen einfing.

Insofern ist nicht alles schlecht an dieser letzten Phase einer unter dem Strich verkorksten Saison. Doch allein mit konzentriertem Verschieben gegen den Ball und auf der anderen Seite Ballbesitz, der nicht zwingend und im Passspiel Richtung Tor nicht sauber genug ist, tut man dem Gegner nur selten weh. Und so gewinnt man auch keine Spiele.

Dass eine Kombination von guter Defensive und durchschlagskräftiger Offensive nicht drin ist, sieht man nicht erst unter Farkes Leitung beim VfL. Die richtige Balance fehlt seit Jahren in entscheidenden Saisonphasen oder sie wurde nur bei einigen wenigen Highlight-Spielen erreicht.

Der VfL schafft es seit Wochen nicht mehr, zumindest so viele hochkarätige Chancen herauszuspielen, dass man wenigstens von unglücklicher Niederlage reden könnte, wenn der Gegner mehr Tore schießt. Das war mit Thuram, Koné und Bensebaini so. Und es ist nachvollziehbar, dass es gestern ohne diese Topspieler eben auch viel anders war. 

Dass der zweite Anzug nicht so passt, wie er es eigentlich für die angepassten Ziele müsste, ist auch nichts Neues. Umso glücklicher können wir sein, dass das Verletzungspech uns bislang nicht so übel mitgespielt hat wie in manchem Jahr zuvor. Denn dann wäre ein Abrutschen nach unten angesichts der gezeigten (oder nicht gezeigten) Leistungen um einiges wahrscheinlicher gewesen.

Dabei ist es nicht so, dass die Borussen nicht nach vorne spielen wollten. Doch sie tun es nur dann mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Vehemenz, wenn sie durch Rückstände dazu gezwungen werden.

So nach dem 0:1, wo nach der 30. Minute über Netz und Neuhaus der erste gute Spielzug mit einem gefährlichen Torschuss zu verzeichnen war, dem zwei, drei weitere gute Angriffe folgten - weil Gladbach plötzlich mehr Zug zum Tor entwickelte. Gleiches ließ sich auch in den Partien zuvor beobachten.
Das wiederum wirft andere Fragen auf, nämlich die nach der richtigen Einstellung zum Ziel des Spiels, Tore zu erzielen und Spiele für sich zu entscheiden. Stattdessen wirkt es oft so, dass man sich mit einem 0:0 ganz wohl fühlt - als hätte man das Gefühl (oder gar die Sicherheit), immer dann zulegen zu können, wenn es darauf ankommt. Und das, liebe Fohlenelf, wäre ein fataler Irrtum, wie jeder besichtigen kann, der euch öfter zuschaut.

Unter dem Strich hatte Gladbach aber auch in diesem Spiel zu wenige Phasen wie diese. Es liegt nicht an fehlenden Ideen, wohl aber an der Ausführung. Durchweg ungefährliche Hofmann-Standards, obwohl mit Netz ein ebensoguter Standardschütze bereitstünde. Es gab ausreichend gut gedachte Pässe in die gefährliche Zone der gegnerischen Abwehr, doch keine kommt an. entweder sind die Zuspiele nicht präzise genug, sie werden nicht sauber angenommen oder im Zweikampf zeigt der Gegner die stärkere Widerstandskraft und geht mit Ball aus dem Duell hervor. So fallen letztlich auch Gegentore oder entstehen Situationen wie die, die zu Itakuras Platzverweis führte.

Fazit: Es ist nicht leicht, der Mannschaft beim "Trial and error" zuzusehen. Ich sehe schon, was draus werden soll und werden könnte. Doch es fehlt aktuell in allen Mannschaftsteilen an der Wucht, das Spielglück zu erzwingen und zurückzuholen. Daran, sich durchzubeißen und dem Gegner das aufzuzwingen, was man selbst spielen kann. Diese Eigenschaften zeigen die Gegner durch die Bank im Moment mehr, und deshalb holen sie in der Regel auch verdiente Punkte gegen unsere Borussia.

Zur Schirileistung: Es gab die gewohnten Kleinigkeiten, die man anders sehen konnte als Tobias Welz, aber nichts Dramatisches - abgesehen vielleicht von einem Zweifel am 0:1, das aber am wenigsten dem Feldschiri anzulasten wäre. Man kann auch der Meinung sein, dass Tomás im Duell mit Itakura trotz dessen Haltens weitgehend frei zum Abschluss kam und ein Elfmeter nicht zwingend zu verhängen war. Aber so war es auch nachvollziehbar, und dann entscheidet der Zufall, gegen welche nicht klar falsche Entscheidung der VAR sein Veto eben nicht einlegt.

Es verbietet sich ohnehin eigentlich, das groß ins Feld zu führen, da Neuhaus und Co. sich die Niederlage schon über die 90 Minuten selbst eingebrockt haben.

Dessen ungeachtet war das Stuttgarter Führungstor trotzdem ein Abseitstor. Kein Abseits konnte es nur sein, wenn Neuhaus den Ball zum Gegner gespielt hätte, was die Zeitlupe in keiner Weise bestätigt. Der Ball wird von Waldemar Anton mit der Fußspitze gespielt, Neuhaus kann den Ball nur berührt, aber sicher nicht komplett gespielt oder entscheidend abgelenkt haben. Das zumindest gibt keine Kameraeinstellung her, die ich gesehen habe. 

Das internationale Schiedsrichterboard IFAB hat das hier angewendete absichtliche Ball spielen ("deliberate play") vor der Saison präzisiert. Und aus meiner Sicht trifft dies nicht auf diese Szene zu. Denn: In Regel 11 heißt es unter 2. (Abseitsvergehen):

"Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus einer seiner Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt (auch per absichtlichem Handspiel), es sei denn, es handelt sich dabei um eine absichtliche Torverhinderungsaktion eines gegnerischen Spielers."
 

Die  IFAB präzisierte daraus die Unterscheidung zwischen „absichtlicher Aktion“ und „abgefälschtem Ball“:

Eine „absichtliche Aktion“ liegt vor, wenn ein Spieler den Ball unter Kontrolle bringen könnte und die Möglichkeit hat:

    den Ball einem Mitspieler zuzuspielen oder
    in Ballbesitz zu gelangen oder
    zu befreien (z. B. mit dem Fuss oder dem Kopf).

Wenn der Pass, der Versuch, in Ballbesitz zu gelangen, oder die Befreiung durch den Spieler, der den Ball unter Kontrolle bringen könnte, ungenau ist oder misslingt, ändert dies nichts daran, dass der Spieler den Ball „absichtlich“ gespielt hat.

Ob ein Spieler den Ball unter Kontrolle bringen könnte und folglich „absichtlich spielt“, ist anhand folgender Kriterien zu beurteilen:
 

  • Der Ball legte eine gewisse Distanz zurück, und der Spieler hatte klare Sicht auf den Ball.
  • Der Ball bewegte sich langsam.
  • Der Ball ging in eine zu erwartende Richtung.
  • Der Spieler hatte Zeit, seine Körperbewegungen zu koordinieren (d. h. keine instinktiven Streck-, Sprung- oder sonstigen Bewegungen mit begrenzter Ballberührung/-kontrolle).
  • Ein Ball am Boden ist einfacher zu spielen als ein Ball in der Luft."

Der Versuch einer "absichtlichen Torverhinderungsaktion" trifft auf Neuhaus Einsatz zu, er will den Pass oder Schuss von Anton blocken. Auch die letztgenannten fünf Punkte treffen zu, nicht jedoch der entscheidende Teil. Neuhaus konnte den Ball weder gezielt noch absichtlich spielen, er tat es auch nicht. Hätte er ihn geblockt und der Ball wäre von dort zum im Abseits stehenden Millot gekommen, wäre die Entscheidung, das Tor zu zählen, korrekt gewesen. So aber nicht. 

Die einzige logische Erklärung für die VAR-Entscheidung wäre demnach, dass man in Köln anhand der Bilder nicht zu einer zweifelsfreien Entscheidung pro oder contra Abseits gekommen ist und damit die Tatsachenentscheidung auf dem Feld stehen blieb. Das hätte allerdings dann zwingend nach dem Spiel kommuniziert werden müssen.

Das alles ist doppelt bitter, weil Borussia in dieser Saison in Bochum schon einmal von der Falschauslegung der "deliberate play"-Regel benachteiligt worden ist. Damals war es aber der Bochumer, dessen verunglückten Ball man nachträglich nicht als absichtliches Spiel einordnete. 

Mit der Natur des Fußballspiels hat die jetzt getroffene Unterscheidung ohnehin nicht viel zu tun. Es ist eine technokratische Zombieregel, die das sonst notwendige (große) Ermessen des Schiedsrichters ersetzen soll. Dieses Ermessen und das Verständnis für die (Bewegungs-)Abläufe in einem Fußballspiel funktioniert bei der derzeitigen Schiri-Qualität ja ohnehin erschreckend schlecht. Aber wenn man sieht, dass selbst nach dieser Präzisierung Zufall und Fehlern Tür und Tor geöffnet sind, ist es einfach nur ein weiterer Sargnagel auf den Fußballspaß, auf solche Entscheidungen angewiesen zu sein.

Und damit endet das Fußballwochenende auch diesmal frustrierend. Undwieder kann man nur hoffen, dass Borussia nächste Woche einen Schritt nach vorn macht. Wo der Optimismus herkommen soll, muss ich mir aber erst noch überlegen.

Saison 2022/23, Bundesliga, 30. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 2:1. Tor für Borussia: 1:1 Weigl (HEM).

Der Spendenstand erreicht durch "Jule" Weigls Elfmetertor 110 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-23

Abrieb

Es kam wie erwartet. Ein 0:1 gegen Union Berlin nach einem unattraktiven Spiel. Ein Ergebnis, das man nicht einmal mit Vereinsbrille als unverdient bezeichnen kann, weil Borussia trotz guten ersten 20 Minuten und ein paar druckvollen Versuchen nach dem Rückstand einfach nichts produziert hatte, was man ernsthaft als Torgefahr bezeichnen konnte.

Dass das Spiel dennoch nicht torlos endete, lag an einem Angriff, der so typisch ist für eine Mannschaft, die offensiv zu 90 Prozent von Flanken, Standardsituationen und lang rausgedroschenen Bällen auf schnelle Stürmer lebt. Und genauso typisch für die andere Mannschaft, die trotz sonst heute recht konzentrierter Verteidigung immer wieder dafür anfällig ist, sich dann doch vom Gegner wie Schuljungen dastehen zu lassen. 

Diesmal reichte eine unbedrängte Halbfeldflanke von Roussillon auf Becker, die keiner verhinderte und die Elvedi unterschätzte. Selbst wenn nicht, wäre das aus dem Nichts eine 1gegen1-Situation im Strafraum gewesen - so aber stand Becker ganz allein vor Omlin und vollendete durchaus sehenswert ins Eck, ohne den Ball vorher anzunehmen. Ein schicker Abschluss, außer für Gladbach-Fans.

Der Rest ist unangenehme Pflicht. Denn wieder schaffte es die Elf von Daniel Farke nicht, die gute Anfangsphase zu nutzen oder gar auszubauen. Nach einer halben Stunde hatte Union sich auf den variablen Spielaufbau der Borussia eingestellt, und nahm dem Gegner damit wie gewohnt den Raum zum Spielen und sorgte in den Zweikämpfen für viel Abrieb. Und wie so oft fand der VfL im Anschluss keine Mittel mehr, den Gegner zu beeindrucken. Und auch nicht, wirklich zwingende Chancen herauszuarbeiten.

Etwas Bewegung verschaffte nach dem Rückstand nochmal ein Vierfachwechsel von Farke (!!) schon in der 69. Minute (!!!), doch er wirkte weniger selbst inspiriert, sondern eher wie ein Nachgeben gegenüber all jenen, die dauernd fordern, dass Bensebaini und Thuram raus und stattdessen Netz und Ngoumou als Zukunftslösungen in die Startelf sollen. Das ist aus meiner Sicht so nicht gerechtfertigt, aber immerhin ging noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Doch besser wurde es unter dem Strich dadurch auch nicht.

Der Tiefpunkt der Partie war dann die verletzungsbedingte Auswechslung von Marcus Thuram kurz vor Schluss, bei dem Daniel Farke den Innenverteidiger Marvin Friedrich ins Sturmzentrum beorderte, also den Spieler, dem er in der Defensive seit Monaten sichtbar gar nichts zutraut. Er sollte also ernsthaft die erste Option sein, um vielleicht doch noch einen Punkt zu ergattern. Ein schlechter Witz, sonst nichts. Dabei hätte mit Herrmann jemand bereitgestanden, der wenigstens vernünftige Standards schießen kann, dafür hätten Plea oder Ngoumou ins Sturmzentrum wechseln können. Es kam wie erwartet: Friedrich jedenfalls gewann auch offensiv keinen (Kopf-)Ball. 

Und als Jonas Hofmann dann die vielleicht letzte Chance hatte, einen guten Freistoß in den Strafraum der Gäste zu treten, wo inzwischen auch der Gladbacher Torwart lauerte, löffelte er den Ball - fast typisch für dieses Spiel - zu kurz und zu weich mitten in den Pulk von Union-Schwerathleten, sodass der fast logische Konter vom eingewechselten Ex-Gladbacher Sven Michel (ausgerechnet!) zum vermeintlichen 2:0 ins Tor geschossen wurde.

Dass dieser Treffer dann doch keine Anerkennung fand, und die an diesem Abend wieder einmal unsäglich inkompetenten DAZN-Kommentatoren sich nicht zu blöd waren, sich noch ein weiteres Mal zu blamieren, diesmal durch Nichtverstehen der Abseitsregel (Torwart Omlin befand sich ja weit hinter dem Ball, und nur ein Gladbacher in der eigenen Hälfte), das war dann mein persönliches Highlight der Partie. Und das meint alles. 

Dass die Gäste ihre Art "Fußball" dann nächste Saison voraussichtlich in die Champions League bringen wird, kann ich nicht ändern. Auch wer Meister wird, ist mir scheißegal. Für mich zählt Borussia, und da sehe ich bisher herzlich wenig, was mir Hoffnung für einen guten Abschluss der Saison und eine Verbesserung in der nächsten macht. Für diese Saison bleibt nur noch ein Ziel, an das ich aber derzeit auch nicht mehr so recht glaube: am Ende vor dem 1.FC K*** einzulaufen. Wir werden sehen, ob wenigstens das gelingt.

Schiedsrichter Martin Petersen spielt diesmal keine Rolle. Nicht, weil er gut gepfiffen hätte - da war durchaus viel Luft nach oben. Er war aber auch kein entscheidender Faktor in diesem Spiel, und deshalb auch in diesem Text nicht.

Saison 2022/23, Bundesliga, 29. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC erfolgreicher Terrorfußball Berlin 0:1.

Der Spendenstand bleibt bei 109 Euro stehen.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-15

Es ist, wie es ist

Nach 95 Minuten ist klar: Dieser eine Punkt beim Europa-League-Sieger ist ein Gewinn. Zur Halbzeit wäre er das nicht gewesen. Da hätte eine gut sortierte, konzentrierte Borussia durchaus mit mehr als 1:0 (durch einen zauberhaften Angriff über Neuhaus, Thuram und Hofmann) führen können. Das sah mit dem Ball und gegen den Ball tatsächlich so souverän aus wie lange nicht: Keine Unsicherheiten, klares, schnelles Spiel, gutes Verschieben, beherztes Verteidigen.

Doch auch aus dem sicheren eigenen Ballbesitz gelang es der Farke-Elf wieder nicht, mehr als zwei Chancen herauszuspielen. Und nach etwas mehr als 30 Minuten gab sie das Heft des Handelns Stück für Stück an die Gastgeber ab. Angesichts der letzten Minuten vor der Pause konnte man also schon froh sein, dass das Ergebnis bis zum Seitenwechsel so blieb.
Recht stabile fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff gelangen dann noch, aber spätestens ab da musste man als Gladbach-Fan jederzeit mit dem Ausgleich oder Schlimmerem rechnen.
Die Eintracht hatte sich auf den Gegner eingestellt und spielte sich auch ohne Götze und Lindström langsam in den Offensiv-Flow und kam zu immer mehr Chancen. Borussia widerstand zwar auch weiterhin defensiv mit viel Einsatz, aber bis zum Schlusspfiff gelang es kaum noch, Entlastung über die Mittellinie zu bringen.

Ein langer Ball nach dem anderen flog aus der Verteidigungszone des VfL, und ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Gladbacher Tor zu. Es brauchte mehrere Weltklasseparaden von Jonas Omlin und das eine oder andere Stück Glück, um die Führung überhaupt bis in die letzten Minuten festzuhalten.

Der späte Ausgleich dann war aber doppelt unglücklich. Denn erstens pfiff Schiedsrichter Sven Jablonski das wohl entscheidende 2:0 von Thuram auf  der anderen Seite zurück, weil er zuvor ein Stürmerfoul von Bensebaini im Kopfball gegen Hasebe gesehen hatte. Angesichts seiner sonst recht großzügigen Regelauslegung war das sicher kein Pfiff, der unbedingt hätte sein müssen. Umgekehrt hätte es dafür auch keinen Elfmeter gegeben.
Doch während der Qualitätspremiumsender Sky diese Szene weder hinterfragte noch auch nur ein zweites Mal zeigte, lief das Spiel schon weiter.

Und auf der anderen Seite traf Kolo Muani mit einem Drehschuss, den der eingewechselte Alario so gut verdeckte, dass Omlin ihn erst spät sah und ihn vergleichsweise leicht passieren ließ - zumindest, wenn man die Monsterparaden vorher zum Vergleich nimmt. Omlin nahm das 1:1 mit auf seine Kappe, aber das musste er eigentlich nicht, denn es hätte auch vorher besser verteidigt werden können und vielleicht müssen. Dummerweise war diesmal auch die allerletzte Rettung nicht zur Stelle. Alario hatte (knapp) nicht im Abseits gestanden, das Tor zählte.

Danach entwickelte sich nochmal eine packende, weil offenere Schlussphase, in der sich auch Borussia nochmal gefährlich vor Trapps Tor zeigte. In einer Szene hätte es sogar Elfmeter geben können, weil Alidou Hofmanns Bein blockte, als der zum Schuss ansetzte, doch Jablonski pfiff nicht (nachvollziehbar aus seiner Position) und Köln meldete sich nicht - was nach den geltenden Regeln (klare Fehlentscheidung) ok war, aber wieder einmal den Unsinn dieser VAR-Absprache zeigt. Hätte Jablonski gepfiffen, wäre auch dagegen kein Einspruch gekommen. Es bleibt kompliziert.

Insgesamt war ich mit der Leistung des Schiedsrichters aber einverstanden. Er pfiff meist richtig, auch wenn das Frankfurts Dauerpöbler selbst bei klarsten Fouls immer wieder in Frage stellen wollten. Die klare Foulstatistik von 16:5 ging durchaus in Ordnung.
Am Ende allerdings verlor Jablonski ein wenig die Linie. Und das führte dann wieder einmal dazu, dass Gladbach mit mehr Karten als der Gegner vom Platz ging. Beide waren fragwürdig.
Lars Stindls Foul war sein erstes, zudem kein überhartes Einsteigen. Koné Gelb wegen Schwalbe zu zeigen, war falsch. Denn der Franzose wurde von zwei Frankfurtern so bedrängt, dass er zu Boden gehen musste. Das war kein Elfmeter, aber den hatte Koné auch gar nicht gefordert oder ohne Kontakt provozieren wollen. So sammelte Stindl Karte 8 und Koné die 11., eine weitere Sperre ist also durchaus noch dirnn diese Saison. Und das ist bei beiden Spielern einfach nicht angemessen.

Auf der anderen Seite ging Rode ohne Karte raus, obwohl er in einer Szene gegen Neuhaus ziemlich heftig den Schlappen drauf gehalten hatte. Jablonski hatte da nicht einmal Foul gepfiffen.
Aber wie gesagt: alles im Rahmen, und von der Ausstrahlung und der Art, mit Spielern umzugehen, ist er eindeutig der besseren Schiedsrichter in der Liga.  

Was bleibt vom Ausflug an den Main? Eine gute erste Hälfte, ein ordentliches Aufblitzen dessen, was man sich von Borussia mit diesem Kader und Farkes Fußballansatz versprechen kann. Eine stressresistente Verteidigungsleistung, und durchweg hohen, leidenschaftlichen Einsatz des Teams, auch und gerade von oft gescholtenen Spielern wie Bensebaini und Thuram. 

Ein klarer Fingerzeig, wie wichtig der lange fehlende Julian Weigl für das derzeitige Gladbacher Spiel ist. Die erneute Einsicht, was für einen geilen Keeper und Führungsspieler uns der winterliche Sommer-Wechselzufall in die Mannschaft gespült hat.

Die Erkenntnis, dass noch viel dazu fehlt, ein Spiel über 90 Minuten so durchzubringen, wie man es sich vorstellt. Und die Befürchtung, dass das nicht zuletzt an der fehlenden Bereitschaft des Trainers liegt, sich im Spiel zu sehr von Veränderungen im Spiel des Gegners treiben zu lassen. Auch heute hätte ich mir durchaus gewünscht, Borussia hätte ein Mittel gefunden, sich aus dem Dauerdruck des Gegners besser zu befreien. Von der Bank nehme ich da einfach zu wenig Impulse wahr. Aber möglicherweise ist auch das ein Weg zu mehr Widerstandsfähigkeit im Spiel. Wer weiß.

Am Ende nehmen wir den Punkt an und begraben zugleich die letzten vielleicht noch irgendwo gebunkerten Hoffnungen auf einen europanahen Tabellenplatz. Im Moment ist das, was Borussia bietet, dafür auch einfach nicht genug - bei allem ehrlichen Engagement.

Saison 2022/23, Bundesliga, 28. Spieltag: Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:1. Tor: 0:1 Hofmann. 

Geht doch: Der Spendenstand steigt um einen weiteren Euro auf 109 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-09

Erstens kommt es anders...

... und zweitens, als man denkt.

Glückwunsch Gladbach! Ein Zu-Null-Sieg über Wolfsburg bedeutet fast schon den frühzeitigen Klassenerhalt. Das ist nicht nur gefühlt eine wichtige Nachricht am Osterwochenende. 

Aber Vorsicht: Das am Ende verdiente 2:0 könnte manch beunruhigende Beobachtung der vergangenen Wochen kaschieren - wenn man nicht so genau hinsieht.

Aber egal. Zuerst freue ich mich für die gesamte Mannschaft, die sich mit eigenen Mitteln aus einer schlechten Anfangsphase herausmanövriert hat. 
Ich freue mich für Nathan Ngoumou, der bisher kein einfaches erstes Jahr bei Borussia verlebt hat und gönne ihm das schöne erste Bundesligator. Es deutet an, warum man den Franzosen für relativ viel Geld an den Niederrhein gelotst hat. 

Ich freue mich für Jonas Omlin, der seinen Kasten zum zweiten Mal in Folge sauber halten konnte, und für Nico Elvedi, der heute daran einen großen Anteil hatte.

Ich freue mich für Flo Neuhaus, der sich seiner alten Form annähert und für Tikus und Alassane Plea, denen es sichtlich gut tat, auch mal wieder mit einer schönen Torkombination aufzufallen.

Allerdings bleibe ich auch nach dem letztlch ungefährdeten Sieg gegen die VW-Werksmannschaft skeptisch, was die Übertragbarkeit auf die nächsten Spiele angeht. Zu oft hat sich da ein Aufwärtstrend schon als Strohfeuer erwiesen.

Auch heute schien das Drehbuch ein ganz anderes zu sein. Die ersten 30 Minuten waren mit das Schlechteste, was die Farke-Elf in dieser Saison gezeigt hat. Kein Selbstvertrauen, zu wenig Bewegung im Spielaufbau, dadurch keine vernünftige Anspielstationen und durch schlampiges Spiel und wenig Hilfe vom Nebenmann dann auch teils haarsträubende Fehler. 

Das Offensivspiel war eine Farce, bis zur 21. Minute tauchten die Gladbacher überhaupt nicht mit einem zielführenden Angriff in der Hälfte der Gäste auf. Danach auch noch eher zufällig. Der hasenfüßige Auftritt des Teams und das Abtauchen auch von erfahrenen Spielern wie Kramer und Stindl in dieser Phase ließ nichts Gutes ahnen. 

Und es wirkte überspitzt gesagt teilweise so, als hätten die Spieler untereinander eine Wette laufen, wer es schaffen würde, dass Daniel Farke ihn noch vor der Pause leistungsbedingt auswechselt.

Somit war das Wolfsburger 1:0 nach einem Ballverlust zum Haare-Raufen von Kramer und Bensebaini nichts anderes als verdient. Und es war ausschließlich das Glück der vorgeschobenen Fußspitze, dass es dann doch nicht zählte. 

War das - inklusive der Unterbrechung durch den VAR-Check - schon der Game-Changer? 

Schwer zu sagen, denn Borussia kam danach zwar zu ersten Torschüssen. Doch das 1:0 durch Ngoumous beherzten Schuss in die Ecke kam nun wirklich aus dem Nichts. Wölfe-Torwart Casteels präsentierte den entscheidenden Fehlpass auf dem Silbertablett, und dass Ngoumou tatsächlich so kaltschnäuzig abschließen würde, hielten selbst die Wolfsburger offenbar nicht für möglich.

Das Gegentor brachte die Gäste allerdings aus dem Konzept, und sie suchten fortan vergeblich nach der Selbstverständlichkeit, mit der sie die bräsigen Gladbacher in der Anfangsphase nach Belieben dominiert hatten. Sie fanden sie nicht wieder, das wurde von Minuten zu Minute deutlicher. Borussia hingegen kam immer besser in die Zweikämpfe, profitierte dabei das eine oder andere Mal auch von der großzügigen Linie des guten Schiris Timo Gerach, der das Spiel angenehm sachlich und ruhig leitete und auch Aggro-Maxi Arnold schnell den Wind aus den Segeln nahm, wenn der zum Beschweren vorbeikam.

Das 2:0 nach einer hübschen Franzosen-Kombination aus Flanke Ngoumou, Kopfball-Ablage Plea und Kopfball-Vollendung durch Thuram entschied dann das Spiel relativ früh nach gut einer Stunde, denn auch wenn Gästetrainer Kovac wechselte, was das Zeug hielt, seine Mannschaft fand kaum noch in gefährliche Zonen. Mit ein wenig Glück des Tüchtigen verteidigten Itakura und Co. alles, was Richtung Omlins Tor kam, relativ sicher weg.

Tatsächlich wechselte der Trainer diesmal auch früher als erwartet, leider auch einmal gezwungenermaßen wegen Scallys Verletzung. Auch das hatte wenig Einfluss aufs Spiel, und das ist ja auch eine halbwegs gute Nachricht.

Gibt das Erfolgserlebnis jetzt nochmal Auftrieb für einen beherzten Schlussspurt einer Mannschaft, die ihr Gesicht im Sommer gehörig verändern wird? Ich hoffe es auch nach diesem Spieltag wieder. Sicher bin ich mir nicht. 

Allerdings fand ich es bemerkenswert, dass heute nach dem Spiel in Marcus Thuram einer der zuletzt am meisten kritisierten Spieler zu einem seiner seltenen Interviews kam und sich sehr vernünftig verkaufte, inklusive Dank an die Fans. So ganz egal scheint es eben doch keinem zu sein, wie er gesehen wird. 

Am meisten Pluspunkte können Tikus und seine Kollegen allerdings natürlich auf dem Spielfeld machen. 

Es wäre für uns alle gut, wenn ihnen das zum Ende der Saison noch mal gelingen würde. Denn auch die Fanszene wirkt zunehmend zerrissen im Wechselbad der Gefühle, das in diesem Jahr zur Normalität geworden ist.  

Saison 2022/23, Bundesliga, 27. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 2:0. Tore: 1:0 Ngoumou, 2:0 Thuram. 

Geht doch: Der Spendenstand steigt um drei Euro auf 108 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-02

Nur Nieten in der Derbylotterie

Es kommt nicht so oft vor, dass ich mir wünsche, ein Spiel meiner Mannschaft wird vorzeitig abgepfiffen. Heute war so ein Tag. Das Derby in der verbotenen Stadt, beide Teams in der Tabelle so nichtsreißend unterwegs, dass sie motiviert sein mussten, wenigstens noch die Derbywertung irgendwie auf ihre Seite zu ziehen. Es hätte also ein packender, sogar ein hochklassiger Fußballnachmittag werden können.

Aber stattdessen gab es eine grausam fehlerhafte Kickerei, bei der Köln auch nur um Nuancen weniger kopflos agierte als der VfL. Immerhin brachten Baumgarts Rasenumpflüger ihre normale Arbeitshaltung auf den Platz, während es bei Daniel Farkes Elf ein Auftritt war, bei dem man nie wusste, ob gerade das Nicht-Wollen oder das Nicht-Wissen-Wie die Oberhand behalten würde.
Am Ende ist das 0:0 für Borussia noch das bestmögliche und auch das aussagekräftigste Ergebnis für diese Derby-Lotterie mit Nietengarantie.

Die Chancen waren auf beiden Seiten überschaubar, es wäre ein Märchen, wenn man glaubte, dass die Gastgeber aufgrund mehr Torgefahr den Sieg verdient gehabt hätten. Sie waren einfach nur präsenter, wirkten williger, bissiger - und deshalb hätte sich kein Gladbacher beschweren können, wenn auch dieses Auswärtsspiel verloren gegangen wäre.

Damit wäre eigentlich genug gesagt. Denn eine Erklärung für die zeitweise unsichere, zeitweise uninspiriert-lethargische und zeitweise schlampige Spielerei zu finden, die sich in dieser Rückrunde auf aufreibende Art und in unterschiedlicher Deutlichkeit durch die Leistungen fast aller Borussen zieht, überfordert mich schlichtweg. Wie viele andere Fans habe ich diese Saison aufgegeben, hoffe, dass Sie schnell und möglichst glimpflich vorbei- und ausgeht.

Doch so scheint es vielen Spielern auch zu gehen. Die auf dem Platz machen schon lange nicht mehr den Eindruck, dass sie gemeinsam etwas bewegen können (und wollen?). Der Trainer gibt wenig Impulse von außen, er verzichtet auf Auswechslungen, wo es nur geht und redet die Spiele schöner als sie sind. 

Das heute war "kein Filetstück von Fußball" - da hat Daniel Farke ja durchaus recht. Er könnte aber auch sagen - und das wäre ehrlicher und treffender -, dass das heute für alle Beteiligten und auch für Unbeteiligte so war, als ob man 90 Minuten auf einer schweißfüßigen Schuhsohle rumkauen musste. Soviel zum Vergleich mit einem feinen und zart gebratenen Stück Fleisch.

Am Ende kann man dieses missratene Gericht also nur schnell in die Tonne kloppen und sich ein Loch in den Bauch freuen, dass man noch mit einem Punkt in der Tasche aus dem Lokal rausspaziert ist - also quasi einen Teil der Zeche geprellt hat.

Das und die Hoffnung auf eine neue Saison, die wie durch ein Wunder eine Neuerfindung Borussias bereithalten könnte (wer daran im Moment glaubt, für den gilt wirklich die Diagnose "Optimismus-positiv") lässt mich im Moment die Spiele noch durchhalten. Aber die Enttäuschungen schlagen langsam ins Kontor.

Aber als wäre das alles noch nicht genug der Qual, hatte der DFB heute auch noch extra für uns einen weiteren Sargnagel für den Fußball nach Köln geschickt. Felix Zwayer und seine "unparteiischen" Kollegen bewiesen einmal mehr, dass bei Bundesliga-Referees Qualität kein Kriterium ist. Es war an Fehlentscheidungen alles dabei - Foul, Abseits, Aus, mal Gelb, mal nicht - es war eine unterirdische Leistung auf dem Platz, an der Seitenlinie und im Keller. 

Doch die Krönung war die Szene in der 15. Minute, die das Spiel merklich hätte beeinflussen können, nein - müssen. Da trat Kölns Hübers direkt vor den Augen des Schiris Florian Neuhaus im Strafraum von hinten das Standbein weg, ohne auch nur in der Nähe einer Ballaktion gewesen zu sein. Ein 350-prozentiger Elfmeter, den jeder in der Echtzeit und auch in jeder folgenden Zeitlupe problemlos erkennen konnte. 

Nur Zwayer nicht - und, was noch schwerer wiegt: VAR Sören Storks auch nicht, der sämtliche Zeitlupen zur Verfügung hatte und trotzdem keine Fehlentscheidung erkennen wollte. Wenn man diese Szene mal davon löst, ob Gladbach den Elfer überhaupt reingeschossen hätte oder auch von den Gesamtleistungen der Fußballer auf dem Platz - dann müsste so ein Versagen endlich einmal klare Konsequenzen haben. Solche Schiedsrichter haben in keiner oberen Spielklasse etwas zu suchen. Sie schaden dem Fußball, sie erschüttern die Glaubwürdigkeit und sie nehmen einem den Glauben daran, dass im Profifußball immer alles mit rechten Dingen zugeht. 

Fehlentscheidungen gehören zum Sport dazu. Das ist nunmal so. Um diese aber möglichst weit zu reduzieren, gibt es Hilfsmittel wie den Videoassistenten. Manche Streitfälle im Fußball sind interpretationsfähig, manche Regeln sind auch nicht scharf genug gefasst oder hilfreich, manchmal sind Szenen vielleicht auch durch Zeitlupen nicht eindeutig zu klären.
In diesem Fall bleibt mir allerdings keine andere Erklärung außer fehlendem Sachverstand und Absicht. Es ist für mich ungeachtet des weiteren Spielverlaufs ein Skandal, der nicht passieren darf, der aber wahrscheinlich doch wieder keine Konsequenzen für die beteiligten Referees hat. Und das macht mich heute auch Stunden nach dem Spiel noch genauso wütend wie die blinde Kickerei meiner Mannschaft. Habe fertig!                 

Saison 2022/23, Bundesliga, 26. Spieltag: 1. FC Dings - Borussia Mönchengladbach 0:0. 

Eine Nullnummer fast auch hier. Der Spendenstand steigt dank Jonas Omlins weißer Weste aber um einen Euro auf 105 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.