2021-09-26

Dieser Mut tut gut

Die Rückkehr des Ex-Trainers in den Borussia Park mit der (in der Vergangenheit oft auch noch ungerecht bevorteilten) ungeliebten Namenscousine, eine schwierige Ausgangslage - Ergebniskrise, Verunsicherung, Verletzungen, launischen Auftritten und viel Unruhe. Und dann das: Die wahre Borussia zündete von Beginn an ein Feuerwerk an Mut, unbändiger Willenskraft, Kampfeslust. Und brachte so sehr schnell den Schulterschluss mit den Fans zustande. Das ganze Stadion stand endlich wieder wie ein zwölfter Mann bedingungslos hinter der Hütter-Truppe.

Das war eine richtig gute Erfahrung, ein wohltuendes Spektakel, das man nicht erwarten durfte oder musste. Es hatte seinen Ausgangspunkt aber auch darin, dass an diesem Abend sehr viel zugunsten des VfL zusammenlief.

Da war Adi Hütters Mut, weiter auf Netz und Scally zu vertrauen, dazu den ebensojungen Manu Koné ins kalte Wasser zu werfen und Kramer und Neuhaus draußen zu lassen. Und sofort wieder den wiedergenesenen Jonas Hofmann in die Startelf zu schicken, dessen Interviewaussagen unter der Woche für das eine oder andere Fragezeichen gesorgt hatten. Sein Kokettieren mit einem Wechsel und die freundlichen Wörter über Marco Rose irritierten den einen oder anderen. Doch auf dem Platz wurde klar, auf welcher Seite der Kreativspieler steht. Wie alles anderen lieferte er eine aufopferungsvolle, bemerkenswerte Leistung ab.

Doch wäre dies auch der Matchplan A gewesen, wenn Dortmund mit Reus und Haaland auf dem Feld gewesen wären? Man kann es sich kaum vorstellen. Denn gegen diese Kaliber wäre es sehr, sehr mutig gewesen, eine verspielt und vertikal nach vorn orientierte Doppelsechs Koné/Zakaria aufzubieten. Es war ein entscheidender Faktor, dass der Ex-Gladbacher und der nicht zu verteidigende Norweger fehlten. Und es legte offen, wie abhängig auch eine Mannschaft wie diese von einem oder zwei Spielern sein kann.

Der wahren Borussia konnte es recht sein, denn so brachte der Gegner - von Beginn an heftig beharkt - kaum etwas Notierenswertes hervor, Gladbach dominierte das Spiel, wenn auch mithilfe vieler Fouls und der konsequenten Unterbrechung des Spielflusses.

Nach dem Leverkusen-Spiel hatte ich Schiedsrichter Deniz Aytekin kritisiert, weil er nicht konsequent genug vorgegangen war. Gestern nun überzeugte er mich wieder, in einem deutlich schwieriger zu leitenden Spiel, bei dem er fast keine Fehler in der Foulbewertung und der Vergabe von Karten machte. Ein Knackpunkt des Spiels war dennoch durch ihn beeinflusst, der Platzverweis für Mo Dahoud. Man kann lange darüber streiten, ob das nun zu hart oder unnötig war, für das Abwinken nach dem Foulpfiff eine Verwarnung zu geben. Unzweifelhaft ist es regelkonform und auch die Begründung von Aytekin, damit ein Stück weit den fehlenden Respekt gegenüber den Schiris zu ahnden, kann ich gut nachvollziehen.

Allerdings ist der Eingriff in ein solches Spiel doch sehr hoch, und die Konsequenz durch die Riege der Schiedsrichter ist einfach nicht ausreichend da, um diese vereinzelten Exempel guten Gewissens gut zu finden. Da gibt es mal einen Stieler, der wie in Leipzig damals bei Plea völlig überreagiert, da gibt es einen wie den  anerkannten und mit Autorität ausgestatteten Deniz Aytekin, der seine Entscheidung auch mit klaren Worten und Gesten erklärt. Es gibt aber auch viele Spitzenschiris, die sich eben keinen Respekt zu verschaffen vermögen, die sich anbrüllen lassen, und körperliche Distanz nicht durchsetzen und über Unsportlichkeiten leicht hinwegsehen. So lange es da immer nur ab und zu mal klare Kante gibt, werden solche Entscheidungen wie gestern immer ein Geschmäckle haben. Hätte es uns getroffen, wäre ich damit sicher unzufrieden gewesen, auch wenn Aytekin in der Sache sicher korrekt gehandelt hat. Denn entscheidend war die Ermahnung zuvor gegen Guerreiro, dessen Abwinken noch um einiges respektloser gewesen war.

Wie dem auch sei. Der Platzverweis war ein wichtiger Baustein dafür, dass das Spiel so lief, wie es lief. Denn es verschaffte der Hütter-Elf die Möglichkeit, relativ komfortabel die Kontrolle über das Mittelfeld zu behalten. Und da der BVB in den Duellen zuvor relativ oft die diskutablen Entscheidungen auf seiner Seite wusste, muss man auch nicht deswegen ein schlechtes Gewissen haben, zumal die Mannschaft sich den Rest ehrlich und mit großem Aufwand erkämpfte.

Es war ein emotionales Spiel mit viel Aggressivität und Hin und Her, und es war sicher kein spielerischer Leckerbissen. Vor allem war es keine Blaupause für die Saison. Es war eine Aufstellung und eine Leistung, die für den Abend im Borussia Park gepasst hat, auch wenn es wieder nicht gelang, den Sack frühzeitig zuzumachen oder die Partie gegen 10 Mann ohne nervenraubende Schlussphase mit der ständigen Angst vor einem doch noch drohenden späten Ausgleichstreffer herunterzuspielen. Jede Woche kann man so einen läuferischen Aufwand, gepaart mit einem oft gelbträchtigen Zweikampfverhalten, nicht leisten - oder zumindest kann man so nicht jedes Spiel siegreich gestalten.

Aber es war das richtige Signal zur richtigen Zeit. Auch gegen einen ungewöhnlich defensiv organisierten Spitzenclub aus Dortmund kann man Lösungen finden. Auch dann, wenn man selbst nicht die vermeintlich beste Elf aufbieten kann. Denn nicht nur dem BVB fehlten in Haaland, Reus und Brandt wichtige Kreativspieler. Borussia musste auch weiterhin auf Unterschiedsspieler wie Thuram, Bensebaini und Lainer verzichten.

Mehr möchte ich zum Spiel gar nicht schreiben. Es wäre müßig, aus einer geschlossen starken Mannschaftsleistung jemanden herauszuheben. Aber auffällig war dennoch, wie abgezockt und selbstbewusst Luca Netz und Joe Scally jede Herausforderung angehen. Bemerkenswerter noch, was für ein freches und starkes Debüt Manu Koné zeigte. Bei allen drei zeigt sich jetzt schon, dass hier eine gute Zukunft für Borussia heranwächst. Da hat Max Eberl wieder einiges sehr richtig gemacht, das zeigte die Partie gestern. Um die Jungs in den Himmel zu heben, ist es viel zu früh, aber das sind Spieler, denen man vertrauen kann. Etwas Angst hatte ich anfangs nur um den Routinier Tony Jantschke, der als linker Mann in der Dreierkette doch arge Probleme hatte, vor allem, wenn Bellingham über die Seite kam. Doch der Fußballgott, ohne Spielpraxis in die Startelf katapultiert, fing sich und lieferte schließlich gewohnt kompromisslos. Wobei er sicher nicht unglücklich darüber war, dass Dortmund lange in Unterzahl spielen musste und nicht so viele Angriffswellen über seine Seite inszenieren konnte.

Bleibt noch das Thema Marco R. Ich hatte viel Hässliches befürchtet, doch die Regie des Abends sorgte erfreulicherweise dafür, dass die Fanrache am Ex im Rahmen blieb. Ich bleibe bei meiner Position. Rose und sein Team haben zwei Jahre vernünftig und mit viel Aufwand für die wahre Borussia gearbeitet. Es lief nicht alles so erfolgreich, wie es hätte sein können, aber auch nicht alles so schlecht, wie es im Nachhinein gemacht wurde. Enttäuschung und Frust über den Abgang teile ich, Beleidigungen und Hass nicht. Es wird immer wieder schnell vergessen oder nur bei tragischen Anlässen wieder ins Gedächtnis gerufen, dass hier Menschen arbeiten, keine seelenlosen Roboter, denen man ohne Konsequenzen nahezu alles an den Kopf werfen könnte. Auch hier geht es letztendlich um das Thema Respekt.

Dass der Ex-Trainer erst zum Anpfiff im Innenraum erschien und wie er sich nach Abpfiff sofort auf dem Platz mit den früheren Spielern und Mitarbeitern umarmt und diesen gratuliert hat, das trug sicher genauso zu einem etwas unaufgeregterem Umgang im Stadion bei, natürlich noch mehr der ersehnte Sieg, der uns allen eine Genugtuung war. Aber es blieb auch genug Spielraum für die auf den Rängen, die ihrem Unmut Luft machen wollten. Ich denke, damit sollten alle leben können und auch dieses ständige Trara um die die Borussenseele verletzende Wechselaktion kann damit langsam ad acta gelegt werden.

Lasst und darauf konzentrieren, wie wir den Faden zwischen Mannschaft und Fans, wie er gestern wieder eindrucksvoll zusammengesponnen wurde, noch dicker und dauerhafter machen. Auf dem Platz, neben dem Platz, auf den Rängen - wenn es diese Einheit öfter gibt, dann ist mir vor den nächsten Wochen nicht bange.

Ach übrigens: ES GIBT NUR EINE BORUSSIA, eine Borussia - Borussia Mönchengladbach 1:0! ;-)

Bundesliga, 6. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - BVB 1:0. Tor für Borussia: 1:0 Zakaria.

Saisonspende: Ein toll erkämpfter Sieg. Zwar nur ein Tor, aber da Dortmund und Zu-Null steigt der Jackpot erheblich: von 7 Euro um 12 weitere auf 19 Euro. Weiter so! 

Folgendes gilt für die Saison 2021/22: Ich spende am Ende der Saison einen Betrag X für einen (oder mehrere) gute(n) Zweck(e), auf den/die ich mich später festlege. Die Spendensumme setzt sich wie folgt zusammen: Jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal: 1 Euro. Jedes Tor von Tony Jantschke: 10 Euro. Platzverweis von Max Eberl: 2,50 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 5 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg oder Wolfsburg: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 121 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2021-09-18

Im alten Trott

Einmal mehr Augsburg. Es ist Borussia gegen den FCA ja noch nie leichtgefallen, Punkte zu holen. Es waren gute und überlegene Leistungen dabei, wie letzte Saison. Es waren Grottenkicks dabei oder solch wenig mitreißenden Mittelklassepartien wie heute. 

Dass die Gastgeber auch heute wieder das bessere Ende für sich hatten, war am Ende aufgrund der Chancen nicht unverdient. Aber es war aus Gladbacher Sicht überflüssig wie lange nicht.

Dieses Augsburg war bei weitem die schwächste Mannschaft aus den bisherigen Duellen der beiden Vereine. Wenig Selbstvertrauen, bei jeder schnellen Kombination des Gegners überfordert, im Konterspiel im Zweifel überhastet oder ungenau.

Hätte Borussia heute nur ein bisschen gespielt wie in der zweiten Halbzeit gegen Bielefeld, es hätte nichts anbrennen dürfen.

Dass das Spiel dennoch verloren wurde, lag an den gleichen Dingen, die auch schon in den Spielen zuvor (mit Ausnahme des Bayern-Spiels) zu kritisieren waren. Es wirkt fast so, als hätte Adi Hütter das Launische von der Diva aus Frankfurt mitgebracht.

Punkt 1: Individuelle Fehler entscheiden Spiele. Immer wieder. Es ist egal, ob es jetzt Elvedi war, der vor dem 0:1 gepatzt hat. Es wurden auch vorher schon teils krasse Aussetzer im letzten Moment noch repariert – und nicht jeder Schiri hätte wohl die Szene zwischen Neuhaus und Vargas abgepfiffen. Aber es ist auch klar: Wenn man vorne nicht trifft, kann jede Ungenauigkeit hinten die Entscheidung gegen einen sein.

Punkt 2: Die Strafraumbesetzung war zwar auch heute besser als noch ganz zu Beginn der Saison. Das nützt allerdings nichts, wenn jede Flanke weit über den Strafraum segelt oder hängenbleibt. Die Standards waren eine Katastrophe – auch weil bis zu Benes‘ später Einwechslung kein einziger Spezialist in der Fohlenelf stand. Herrmanns gute Vorlagen aus der Vorwoche nahmen sich angesichts seiner heutigen Versuche fast schon wie Zufallsprodukte aus. Es ist fraglich, warum hier nicht ein stärkerer Fokus drauf liegt, wo man doch sieht, dass auch aufgrund der Ausfälle derzeit nur wenig Durchschlagskraft im Angriff kreiert werden kann.

Immerhin: Hätte der tolle Angriff beim Abseitstor doch gegolten, hätte der Gegner das Spiel wohl genausowenig
noch drehen können wie es der VfL heute vermochte.

Und das führt zum Hauptpunkt, dem Punkt 3:
Borussia verplempert zu viel vom Spiel, weil sie zu schnell zu zufrieden mit dem sicheren Ballkreisen in der eigenen Hälfte ist. Jeder Gegner, der entschlossen auf einen ballführenden Spieler zuläuft, erreicht, was er will – den Quer- oder Rückpass, mit dem sich auch der Gegner wohlfühlt, weil er dann bequem ohne Lücken verschieben kann. 

Das sorgt oft dafür, dass selbst ein Einwurf auf Höhe des gegnerischen Strafraums binnen kürzester Zeit wieder bei Yann Sommer landet. Gegen die Bayern war zu sehen, dass die Mannschaft es anders kann. Da war der Wille erkennbar, auch auf engstem Raum nach vorne zu kombinieren und den Gegner damit in die Unordnung zu zwingen. So knackt man auch biedere Gegner wie Bielefeld oder Augsburg. Aber man muss präzise und schnell spielen. Und mutig. Das alles zusammen bekommt die Hütter-Elf zu selten auf die Reihe.

Das fehlte nicht nur heute, man konnte das zähe Ballgeschiebe auch in der Vorsaison unter Rose oft beobachten. Aber es zog sich heute wieder durch das gesamte Spiel. Das sieht statistisch im Ballbesitz dann hübsch aus, bringt aber nichts ein. 

Im Gegenteil: Man öffnet so Tür und Tor dafür, dass am Ende ein individueller Fehler den Unterschied machen kann, obwohl man das Spiel vorher sicher in der Hand hatte.

Punkt 4: Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Wie immer gibt es einen Strauß an Dingen, die man dafür verantwortlich machen kann. Fakt ist: Es liegt offenbar mehr als uns lieb ist auch an den fehlenden Spielern. Thuram, Hofmann in der Offensive, aber auch Bensebaini und vor allem Lainer mit ihrer aggressiven Art und den tiefen Vorstößen sind offenbar die Bindeglieder, die einem Stindl oder Neuhaus derzeit fehlen. Manchmal lässt sich das kompensieren wie gegen Bielefeld. Aber starke Einzelaktionen klappen eben nicht jede Woche und gegen jeden Gegner, wie auch Denis Zakaria heute einmal mehr aufgezeigt bekam.

Auch wenn sich die Nachrücker wirklich alle Mühe geben, und man etwa einem Joe Scally sowieso nichts vorwerfen kann: Es reicht derzeit insgesamt nicht, um eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel souverän zu bespielen und vor allem glatt zu besiegen.

Das ist der Grund, warum Borussia derzeit selbst nicht unverdient zu diesen Teams zählt, und es sich jetzt, nach dem 5. Spieltag, bereits abzeichnet, dass es eine sehr komplizierte Saison werden wird.

Ich bin gespannt auf die Reaktion und die Ideen des Trainerteams. Denn die habe ich heute trotz offensichtlicher Probleme auf dem Rasen nicht wirklich ausmachen können.

Ein Lob will ich dennoch loswerden, auch wenn es keinem Gladbacher gilt. Schiedsrichter Badstübner war für mich heute der beste Mann auf dem Platz. Er pfiff zwar äußerst großzügig, lag aber bei allen kniffligen Entscheidungen richtig oder fällte nachvollziehbare Entscheidungen. Vor allem aber ließ er zu keiner Zeit Hektik aufkommen, war klar und ruhig in der Gestik. Allein das zu frühe Abpfeifen der Nachspielzeit störte mich, wobei dies an diesem Nachmittag wohl auch keinen Gladbacher Ausgleich mehr verhinderte. Das war ein durchweg souveräner Auftritt.

Bundesliga, 5. Spieltag: FC Augsburg – Borussia Mönchengladbach 1:0.

Saisonspende: Leere Hände nach dem Auswärtsspiel, somit bleibt der Spendenstand ebenfalls bei 7 Euro. 

Folgendes gilt für die Saison 2021/22: Ich spende am Ende der Saison einen Betrag X für einen (oder mehrere) gute(n) Zweck(e), auf den/die ich mich später festlege. Die Spendensumme setzt sich wie folgt zusammen: Jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal: 1 Euro. Jedes Tor von Tony Jantschke: 10 Euro. Platzverweis von Max Eberl: 2,50 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 5 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg oder Wolfsburg: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 121 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2021-09-13

Auf der Rasierklinge

Da ich im Moment nur über eingeschränkte technische Möglichkeiten verfüge, kommt mein Bericht zum ersten Saisonsieg diesmal in etwas improvisierter Form.


Es war teilweise ein Spiel zum Verzweifeln, phasenweise aber auch begeisternd, was der überragende Kapitän Lars Stindl und seine Jungs vor wieder einmal ansehnlicher Kulisse auf den Rasen brachten. Alles irgendwie zwischen Genie und Wahnsinn, manchmal Weltklasse, dann aber leider auch wieder mal eher unterklassig.

Egal: Ein klarer Aufwärtstrend war erkennbar, vor allem im Spiel nach vorne, und bei dem dazugehörigen „Stressen“ des Gegners, um diesen zu Fehlern zu zwingen. Da gab es schon viel Gutes zu sehen. 
Die kämpferische Einstellung war top, die herausgespielten Abschlüsse, nicht nur die am Ende erfolgreichen, bewiesen, welches spielerische Potenzial auch in dieser – erneut ja nicht in Idealbesetzung aufgestellten Mannschaft – schlummert.

Doch so erfreulich das war: Es gibt auch die schlampige, unerklärlich fehlerhafte Seite der Medaille. Natürlich, es sind junge Spieler dabei, die Fehler machen und Fehler machen dürfen. Doch das, was Borussia in den Spielen zuvor und gestern fast wieder um die Früchte der Arbeit gebracht hatte, hat leider oft den Ausgangspunkt bei arrivierten Spielern, die teils schon mehrere Jahre bei Borussia zusammenspielen.

Sei es der unfassbare Fauxpas von Hofmann und Plea, einen 2-gegen-den-Torwart-Konter mit einem Pass ins Abseits zu vernichten.
Seien es leichte Ballverluste, die jeden Gegner zu Kontern einladen, und die anschließende Konfusion in der Rückwärtsbewegung, bei denen der Gegner förmlich beim Toreschießen begleitet wird. 

So ein leichtes Gegentor wie beim 1:1 nach fatalem Neuhaus-Fehlpass, zumal noch in den letzten Sekunden der Nachspielzeit, das darf man sich gegen keinen Gegner leisten. Aber mit Borussias Ambitionen muss man vor allem in der Lage sein, sich von einem spielerisch unterlegenen Gegner wie Bielefeld nicht immer wieder so billig unter Druck setzen zu lassen. 

Drei aggressive Forechecker in der Gladbacher Hälfte reichten gestern, um den Spielaufbau in der Anfangsphase im Keim zu Ersticken, Ginter und Co nervös zu machen, sodass die Gäste ihr Spiel spielen konnten. Zwar bekam die Hütter-Elf das Spiel später viel besser in den Griff, doch schlechte Chancenverwertung und die Anfälligkeit gegen klare Konter verhinderte, dass sich die Borussen mal beruhigend absetzen und zu einem ruhigeren, gepflegteren Spiel kommen konnten.

Die Tore fielen – nach sehenswerten, aber engen Spielzügen– jeweils goldrichtig, aber auch mit jeder Menge Dusel. Klar: Wenn es gut geht, wird man gefeiert und wer trifft, hat Recht. Aber mit welcher Risikobereitschaft Zakaria zum Beispiel vor dem 3:1 in ein Harakiri-Dribbling tief in der eigenen Hälfte ging, das er nur mit etwas Glück gewann, das zeigt den derzeit oft zu beobachtenden Ritt auf der Rasierklinge, den das Team – natürlich mit den besten Absichten – abliefert.

Aber wer ehrlich ist, weiß, dass so ein Spiel im Normalfall schnell ernüchternd enden kann. Und Bielefeld hatte gestern wahrlich genügend erstklassige Gelegenheiten, das Spiel zu gewinnen und für Katzenjammer am Borussia Park zu sorgen.

Wir sind alle erleichtert, dass es anders kam, und ich nehme gern vor allem die guten Erkenntnisse mit in die Woche. Denn es muss ja auch berücksichtigt werden, dass erneut keine eingespielte Mannschaft auf dem Platz stand, wieder zwei verletzungsbedingte Wechsel verhinderten, dass über 90 Minuten mal konstant eine einzige taktische Aufstellung gespielt werden konnte. Und dass im Moment nicht die Zeit für großartige Spielkultur, sondern für durchbeißen und punkten ist.

Ich sehe die Mannschaft trotz aller gestern wieder offensichtlichen Schwierigkeiten auf dem richtigen Weg. Für den braucht es aber auf jeden Fall Geduld und starke Nerven. Und die müssen wir einfach jetzt im eigenen Interesse „zur Verfügung stellen".

Bundesliga, Saison 21/22, 4. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Arminia Bielefeld 3:1. Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:1 Stindl, 3:1 Zakaria.

Saisonspende: Drei Tore erhöhen den Topf auf nun 7 Euro. 

Folgendes gilt für die Saison 2021/22: Ich spende am Ende der Saison einen Betrag X für einen (oder mehrere) gute(n) Zweck(e), auf den/die ich mich später festlege. Die Spendensumme setzt sich wie folgt zusammen: Jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal: 1 Euro. Jedes Tor von Tony Jantschke: 10 Euro. Platzverweis von Max Eberl: 2,50 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 5 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg oder Wolfsburg: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 121 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.