2021-09-13

Auf der Rasierklinge

Da ich im Moment nur über eingeschränkte technische Möglichkeiten verfüge, kommt mein Bericht zum ersten Saisonsieg diesmal in etwas improvisierter Form.


Es war teilweise ein Spiel zum Verzweifeln, phasenweise aber auch begeisternd, was der überragende Kapitän Lars Stindl und seine Jungs vor wieder einmal ansehnlicher Kulisse auf den Rasen brachten. Alles irgendwie zwischen Genie und Wahnsinn, manchmal Weltklasse, dann aber leider auch wieder mal eher unterklassig.

Egal: Ein klarer Aufwärtstrend war erkennbar, vor allem im Spiel nach vorne, und bei dem dazugehörigen „Stressen“ des Gegners, um diesen zu Fehlern zu zwingen. Da gab es schon viel Gutes zu sehen. 
Die kämpferische Einstellung war top, die herausgespielten Abschlüsse, nicht nur die am Ende erfolgreichen, bewiesen, welches spielerische Potenzial auch in dieser – erneut ja nicht in Idealbesetzung aufgestellten Mannschaft – schlummert.

Doch so erfreulich das war: Es gibt auch die schlampige, unerklärlich fehlerhafte Seite der Medaille. Natürlich, es sind junge Spieler dabei, die Fehler machen und Fehler machen dürfen. Doch das, was Borussia in den Spielen zuvor und gestern fast wieder um die Früchte der Arbeit gebracht hatte, hat leider oft den Ausgangspunkt bei arrivierten Spielern, die teils schon mehrere Jahre bei Borussia zusammenspielen.

Sei es der unfassbare Fauxpas von Hofmann und Plea, einen 2-gegen-den-Torwart-Konter mit einem Pass ins Abseits zu vernichten.
Seien es leichte Ballverluste, die jeden Gegner zu Kontern einladen, und die anschließende Konfusion in der Rückwärtsbewegung, bei denen der Gegner förmlich beim Toreschießen begleitet wird. 

So ein leichtes Gegentor wie beim 1:1 nach fatalem Neuhaus-Fehlpass, zumal noch in den letzten Sekunden der Nachspielzeit, das darf man sich gegen keinen Gegner leisten. Aber mit Borussias Ambitionen muss man vor allem in der Lage sein, sich von einem spielerisch unterlegenen Gegner wie Bielefeld nicht immer wieder so billig unter Druck setzen zu lassen. 

Drei aggressive Forechecker in der Gladbacher Hälfte reichten gestern, um den Spielaufbau in der Anfangsphase im Keim zu Ersticken, Ginter und Co nervös zu machen, sodass die Gäste ihr Spiel spielen konnten. Zwar bekam die Hütter-Elf das Spiel später viel besser in den Griff, doch schlechte Chancenverwertung und die Anfälligkeit gegen klare Konter verhinderte, dass sich die Borussen mal beruhigend absetzen und zu einem ruhigeren, gepflegteren Spiel kommen konnten.

Die Tore fielen – nach sehenswerten, aber engen Spielzügen– jeweils goldrichtig, aber auch mit jeder Menge Dusel. Klar: Wenn es gut geht, wird man gefeiert und wer trifft, hat Recht. Aber mit welcher Risikobereitschaft Zakaria zum Beispiel vor dem 3:1 in ein Harakiri-Dribbling tief in der eigenen Hälfte ging, das er nur mit etwas Glück gewann, das zeigt den derzeit oft zu beobachtenden Ritt auf der Rasierklinge, den das Team – natürlich mit den besten Absichten – abliefert.

Aber wer ehrlich ist, weiß, dass so ein Spiel im Normalfall schnell ernüchternd enden kann. Und Bielefeld hatte gestern wahrlich genügend erstklassige Gelegenheiten, das Spiel zu gewinnen und für Katzenjammer am Borussia Park zu sorgen.

Wir sind alle erleichtert, dass es anders kam, und ich nehme gern vor allem die guten Erkenntnisse mit in die Woche. Denn es muss ja auch berücksichtigt werden, dass erneut keine eingespielte Mannschaft auf dem Platz stand, wieder zwei verletzungsbedingte Wechsel verhinderten, dass über 90 Minuten mal konstant eine einzige taktische Aufstellung gespielt werden konnte. Und dass im Moment nicht die Zeit für großartige Spielkultur, sondern für durchbeißen und punkten ist.

Ich sehe die Mannschaft trotz aller gestern wieder offensichtlichen Schwierigkeiten auf dem richtigen Weg. Für den braucht es aber auf jeden Fall Geduld und starke Nerven. Und die müssen wir einfach jetzt im eigenen Interesse „zur Verfügung

Bundesliga, Saison 21/22, 4. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Arminia Bielefeld 3:1. Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:1 Stindl, 3:1 Zakaria.

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