2021-04-22

Einmal mehr Aufbaugegner

Es gibt Spieltage, da kann man nur immer wieder mit dem Kopf schütteln. Heute war so einer. 

Man musste ja nicht gleich erwarten, dass die Mannschaft von Marco Rose mitten in einer englischen Woche gleich nochmal so eine Energieleistung wie beim 4:0 gegen Frankfurt abrufen würde. Aber dass es so aussah, als hätten Flo Neuhaus und Co. alles, aber auch alles vergessen, was sie noch am Samstag gut gemacht hatten, das habe ich nun wirklich nicht erwartet.

Die TSG Hoffenheim hat sehr verdient gewonnen, daran gibt es keinen Zweifel. Und das ist eigentlich unglaublich, wenn man berücksichtigt, dass die Mannschaft zwar nicht so schlecht ist wie ihre Punkteausbeute und der Tabellenplatz es nahe legen. Dass sie keine Übermannschaft ist, vor der man Angst haben müsste, ist aber genauso klar. Borussia hat trotzdem gegen diesen Gegner in dieser Saison in zwei Spielen genau 0 Punkte eingefahren. 

Im Hinspiel mag die Unterzahl nach Thurams Platzverweis eine entscheidende Rolle gespielt haben. Heute aber gab es keinen einzigen Grund, warum die drei Punkte nicht an den Niederrhein hätten gehen sollen. Vor allem dann nicht, wenn man trotz passiv-schläfrigem Spiel zur Halbzeit eine 2:0-Führung in der Tasche hat - weil man eben beide Torschüsse, die vor allem auf starke Einzelleistungen von Thuram zurückgingen, genutzt hatte, während der Gegner seinerseits drei gute Chancen nicht ins Tor brachte.

Zur Erinnerung: Der Gegner war die Mannschaft, die zuvor in zwei Spielen zusammen genau einmal aufs gegnerische Tor geschossen hatte. Zur Halbzeit gegen Gladbach waren es schon vier Schüsse aufs Tor, mit den drei Toren und weiteren Chancen aus der zweiten Hälfte war dieser Wert zweistellig. Es war wieder einmal mit zunehmendem Entsetzen zu beobachten, wie die Mannschaft einen zu Beginn des Spiels noch nervösen Gegner von Minute zu Minute mehr aufbaute, weil sie ihn spielen ließ, ihn nicht richtig attackierte, nicht richtig auf seinen breiten Spielaufbau aus der Dreier-/Fünferkette heraus reagierte und selbst zu wenig Geschwindigkeit ins eigenen Offensivspiel brachte.

Wenn man dann in die zweite Halbzeit geht, und genauso langsam, unsauber und unaufmerksam weiterspielt, muss man sich nicht wundern, wenn man die Butter vom Brot genommen bekommt.  

Und nicht zum ersten Mal war es Pavel Kaderabek über Hoffenheims rechte Seite, der das Gladbacher Unglück einleitete. Zwar waren Kramaric und Bebou die, die die Tore schossen. Aber das Spiel lief, wenn es gefährlich wurde, immer wieder über den Tschechen, und es war schon in der ersten Halbzeit zu sehen, dass Ramy Bensebaini als Außenspieler in der Viererkette große Probleme hatte, diese Räume zuzulaufen und Kaderabeks Flanken zu unterbinden. 

Es ist ja auch nicht so, dass man Schwierigkeiten einer Gladbacher Viererkette gegen einen Gegner mit Dreierkette heute zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hätte. Die besseren Spiele der jüngsten Zeit gelangen vor allem, wenn man selbst aus der Dreier-Abwehr und mit zwei vorgezogenen Außen dagegen agierte. Warum Marco Rose dennoch so spielen ließ und viel zu spät - erst nach dem dritten Gegentor - umgestellt wurde? Ich weiß es nicht.

Vor allem half es nicht. Vom VfL war auch in der zweiten Halbzeit kaum ein vernünftiger Angriff mit gutem Abschluss zu notieren. Beste Chance war noch Herrmanns Tor aus klarer Abseitsposition. Ansonsten blieg vieles rätselhaft. 

Die Auswechslungen verpufften, weder Embolo noch Wolf waren im konfuser werdenden Spiel nach vorne eine Hilfe, auch nicht Herrmann, der notgedrungen nach Kramers verletzungsbedingten Ausfall kam und zu einer weiteren Umstellung auf den Positionen nötigte. Warum Traoré dann noch kam und nicht Wendt oder Jantschke, um vielleicht in der Schlussphase noch Denis Zakaria aus der Libero-Rolle nach vorne ziehen zu können. Ich. Weiß. Es. Nicht. Immerhin verhinderte Zakaria als zweikampfstarker Abfangjäger noch einiges Schlimmeres.

Stellvertretend für ein verhunztes Spiel kann heute der Hoffenheimer Anschlusstreffer stehen. Der Ball prallt von Thuram Kramaric vor die Füße, der trifft ihn gar nicht richtig, und im Toreck kann sich Matthias Ginter nicht entscheiden, ob er den Ball lieber mit dem Kopf oder dem Bein abwehren will. Daher versucht er es artistisch mit beiden gleichzeitig und der Ball fällt genau zwischen Bein und Kopf ins Tor. Besonders bitter: Wäre Ginter nicht zur Stelle gewesen, hätte Tobi Sippel vielleicht sogar selbst die Möglichkeit gehabt, den Ball noch aus dem Eck zu fischen. Slapstick pur. Nur, dass ich da nicht mehr drüber lachen kann, weil es einfach schon zu oft passiert ist in dieser Saison.

Nun ist es so. Eine große Chance, doch noch mal aus nächster Nähe an der Euro-League-Qualifikation zu schnuppern, ist vertan. 

"Was wäre, wenn" bringt nichts mehr. Zur Schiedsrichterleistung muss ich aber trotzdem etwas sagen. Denn natürlich hat Borussia sich die Niederlage selbst zuzuschreiben. Aber das Spiel hätte wohl auch eine andere Wendung genommen, wenn Schiri Daniel Siebert in der 13. Minute auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte, als Grillitsch Flo Neuhaus auf den Fuß trampelte. 

Das war ein so glasklarer Elfmeter, dass er sogar das Ballfangen von Ilsanker am vergangenen Samstag noch weit in den Schatten stellte. Trotzdem kam auch von Bastian Dankert im VAR-Keller keine Korrektur der falschen "Weiterspielen"-Entscheidung Sieberts. Und an dieser Stelle fehlen mir dann als VAR-Befürworter auch langsam die Argumente, wofür man ihn denn dann braucht. Gut, dieser Elfmeter wäre früher ohne Hilfsmittel wohl auch nicht gegeben worden. Aber wenn er trotz Nahaufnahme und Zeitlupe heute nicht gepfiffen wird, was soll das Ganze dann?

Statt Strafstoß und der gelb-roten Karte für den zuvor schon verwarnten Grillitsch gab es also: nichts. Das war aber nicht das einzige, was mich an Sieberts Spielleitung gestört hat. Er hatte ein wirklich einfach zu lenkendes Spiel erwischt, bei dem es kaum knifflige Zweikämpfe gab. Dennoch ließ er Baumgartner ungestraft Tobi Sippel umflexen - ein Zweikampf, für den es, Ball gespielt oder nicht, im Mittelfeld in 8 von 10 Fällen Gelb gibt. Später ließ er Baumgartner im Luftkampf mit dem ausgefahrenen Arm Nico Elvedi niederstrecken. Beides ließ Siebert ungerührt weiterlaufen. Es gab noch mehr, bis hin zur wieder zu kurzen Nachspielzeit und den Abpfiff vor einem Eckball. Aber ich will den Fokus auch nicht zu sehr auf den Schiri verschieben, weil die Mannschaft sich das Ergebnis am Ende ja selbst eingebrockt hat. Er ist nur leider - wieder einmal - nicht hilfreich, solche Referees und VARs zu haben.

Egal: Zum wiederholten Mal heißt es jetzt: die richtigen Schlüsse ziehen. Bielefeld wird es den Borussen am Sonntag kein bisschen angenehmer machen wollen. Ob es ihnen gelingt - das haben wir ja auch schon oft genug gesehen in dieser Saison - liegt allein an Hofmann und Co.

Bundesliga, 30. Spieltag: TSG Hoppelheim - Borussia Mönchengladbach 3:2. Tore für Borussia: 0:1 Plea, 0:2 Lazaro.

Saisonspende: Heute gibt's 1 Euro ins Sparschwein. Hätte ich mal noch eine Prämie für Dummheit ausgelobt... Na ja. Gesamtstand immerhin: 107,50 Euro.

Zur Erinnerung, darum geht's: Ich spende am Ende der Saison einen Betrag X für einen (oder mehrere) gute(n) Zweck(e), auf den/die ich mich später festlege. Die Spendensumme setzt sich wie folgt zusammen: Jedes erzielte Tor von Borussia in den drei Wettbewerben: 50 Cent. Jedes Tor von Tony Jantschke: 10 Euro. Platzverweis von Max Eberl oder Marco Rose: 2,50 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 5 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg oder Wolfsburg: 10 Euro. Tore oder Vorlagen von Gladbacher Spielern in der deutschen Nationalelf: 1 Euro. Erreichen der K.o-Phase und für jede weitere erreichte CL-Runde: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Meisterschaft oder Finalsieg in CL oder EL: 50 Euro. DFB-Pokalsieg: 30 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

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