2025-12-21

Ein Jahr so la la

Nicht so gut, wie es hätte sein können. Nicht so schlecht, wie es hätte werden können. 

Borussia Mönchengladbach ist am Ende dieses Jahres unter dem Strich nicht viel weiter als am Anfang. So ganz zufrieden sein kann man mit den vergangenen Wochen dank mancher Ausreißer nach unten dann doch nicht, punktemäßig war vielleicht auch etwas mehr drin. 

Andererseits hat sich die Mannschaft innerhalb kürzester Zeit - trotz vieler personeller Rochaden wegen ständiger Verletzungen von Stammspielern - aus dem größten Schlamassel im Tabellenkeller herausgezogen und sogar spielerisch einige Beweise geliefert, dass deutlich mehr in der Mannschaft steckt als das, was in der Bilanz steht. Und das sollte man nicht kleinreden.

Es gibt also einige Hinweise darauf, dass etwas besser geworden ist. Andererseits ist der Abstand auf Platz 16 mit vier Punkten noch lange nicht beruhigend. Insofern war es zum Ende des Jahres schon ärgerlich, dass gegen Wolfsburg und den BVB jeweils die Null auf der Habenseite stand.

Zum Wolfsburg-Kick kann ich nichts sagen, ich hatte in der Zeit Besseres zu tun und nach den Schilderungen dann auch leichten Herzens darauf verzichtet, die Partie nachzusitzen.

Das Spiel bei den Schwarz-Gelben war spannend bis zum Schluss und bot einiges. Was die Merkwürdigkeiten des Schiedsrichterteams anging, allerdings auch einiges, bei dem uns das Murmeltier grüßte. Der Auftritt des gerade zum Fifa-Schiedsrichter hochgelobten Sven Jablonski war bemerkenswert schlecht, und das nicht nur gegen unser Team. 

Warum er zum Beispiel den unglücklichen Zweikampf des ansonsten bärenstarken Nico Elvedi gegen Beier nicht als Foul wertete, kann er nur sich selbst beantworten. Es war ein Foul und ein klarer Elfmeter. Spannend war allerdings die Begründung. Weil der Stürmer das Bein absichtlich reingestellt habe, sei deutlich gewesen, dass er nur den Elfmeter bekommen wollte, deshalb wurde der Pfiff versagt. 

Das Witzige ist, dass eine Hand nicht ausreichen würde, um Elfmeter gegen Gladbach aufzuzählen, bei denen der Stürmer tatsächlich nichts anderes getan hatte, als sich auf diese Weise foulen zu lassen. Das spielte bisher nie eine Rolle, und dafür gibt es durchaus Argumente (dagegen natürlich auch). Beier hingegen war trotz Ausfallschritt klar vor Elvedi und ballorientiert. Ohne dessen Grätsche wäre er sicher zum Torschuss gekommen. 

Hier also nun so zu entscheiden, war genauso willkürlich wie sonst stets automatisch auf den Punkt zu zeigen.

Das war wie bei Spielen in Dortmund üblich aber noch nicht die Spitze des Irrsinns. Das Umreißen von Sander vor dem Führungstor des BVB blieb angeblich unerkannt, weil nur Sky die Bilder gehabt habe, auf denen dies gut zu sehen war. Ich würde das mit Vorsicht genießen, wie so vieles, was die Laberbacken des übertragenden Senders von sich geben. 

Vor nicht allzulanger Zeit wurden wir schließlich auch damit überrascht, dass der VAR offenbar zusätzliche Perspektiven zur Verfügung hatte, die die Fernsehsender nicht haben. Und auf diesen geheimnisvollen Bildern war dann etwas zu sehen, was zu einer unverständlichen Entscheidung gegen Borussia genutzt werden konnte.

Es bleibt also spannend, womit wir als nächstes von VAR und Feldschiri durch den Kakao gezogen werden. Die letzten Wochen haben da jetzt schon ein kleines Feuerwerk des Absurden vorgelegt.

Schiedsrichter Jablonski konnte mich jedenfalls an diesem Nachmittag nicht davon überzeugen, dass er kein Heimschiri sein wollte. Abgesehen von der Szene vor dem 1:0, wo er deutlich signalisierte, dass ihm das nicht als Foulspiel reichte und somit auch gleich die Grundlage für ein Einschreiten des VAR entzog, gab es eine Reihe weiterer Seltsamkeiten. Etwa zwei Eckbälle, die sehr klar zu erkennen waren, aber doch zu Abstößen von Dortmund umgedeutet wurden. 

Oder zwei angebliche Handspiele von Tabakovic und Neuhaus jeweils in aussichtsreicher Kontersituation, die vom Schiri quasi auf Zuruf der Gegenspieler  zurückgepfiffen wurden. Während sonst Angriffe oft trotz klarer Abseitsstellungen bis zum Ende durchlaufen dürfen (und erst dann gecheckt würden), nahm der Referee Borussia hier zweimal eine sehr gute Chance weg. Das angebliche Handspiel von Neuhaus wurde sicherheitshalber bei Sky nicht nochmal gezeigt, bei Tabakovic bestätigte sich der Eindruck, den man schon in Realgeschwindigkeit gehabt hatte. Der Ball sprang auf das Schultergelenk, eine klarer Fehler des Schiedsrichters also.

Das alles war zum Aufregen und natürlich begünstigte es den Spielverlauf, genauso wie die Tatsache, dass das Foul an Ranos vor dem 2:0 nicht geahndet wurde, während viele andere Szenen mit weniger Intensität in diesem Spiel zu Freistößen führten.

Aber um Zählbares mitzunehmen, hätte der VfL einfach vor dem Tor effektiver sein müssen. Das 1:0 ging auf eine schläfrige Abwehr zurück, bei der Netz plötzlich links gegen zwei Gegner stand, den einen vorsichtig anlief und, als der zu seinem Kollegen passte, den Widerstand aufgab und ihn unbedrängt flanken ließ. Im Strafraum war die Staffelung nicht gut genug, und das hatte nur zum Teil mit dem Foul an Sander zu tun, der dann aber zu spät kam, um den Torschuss von Brandt noch abzuwehren.

Nach 30 harten Minuten, in denen sich Borussia nur mit viel Mühe aus der eigenen Hälfte lösen konnte,  weil Adeyemi und seine Offensivkollegen ihre Gegner am Strafraum wie unter Drogen attackierten, bekam die Mannschaft von Eugen Polanski das Spiel immer besser in den Griff. 

In den Minuten vor der Pause fanden sie mit Neuhaus, Reitz, Reyna und den passstarken Engelhardt und Sander gute Wege durch die absolut nicht sichere BVB-Defensive. Es sprang da und in der zweiten Hälfte trotz einiger sehr sehenswerter Spielzüge, mit denen man sich aus der Bedrängnis in der eigenen Hälfte mit Direktpässen bis in den Dortmunder Strafraum kombinierte, aber dennoch nichts Zählbares heraus. 

Das war das, was am Ende den Unterschied machte - und, dass Dortmund mehr Erfahrung und Power einwechseln konnte als Polanski mit nur einem Außenverteidiger für die komplette Defensive und vielen Youngstern auf der Bank. 

Wael Mohya immerhin zeigte mit seinen noch nicht 17 Jahren (wie wohl schon in Wolfsburg), dass er körperlich und vom Kopf her schon deutlich weiter ist, als zu erwarten ist. Beinahe wäre ausgerechnet ihm kurz nach der Einwechslung mit einem guten Schuss gegen Kobel sogar der Ausgleich gelungen. Es wäre das beste gewesen, was ihm, Borussia und auch dem Spiel hätte passieren können. Und verdient wäre es obendrein gewesen.

Und was nehmen wir nun in die kurze Weihnachtspause mit?

Rouven Schröder ist gefordert, nach den guten verbalen Auftritten seit seinem Amtsantritt nun auch in seiner Kernaufgabe zu liefern. Er muss den Kader verbessern, mit Abgängen und Zugängen.

Friedrich, Ranos, Fraulo, Netz, Ullrich, sogar Stöger - es gibt einige, die den Verein aus unterschiedlichen Gründen auf Zeit oder für immer verlassen könnten. Womöglich muss er auch einen neuen Pflegeplatz für Tomas Cvancara suchen, der in der Türkei nicht mit Leistung überzeugen konnte, wegen nicht gezahlter Gehälter aber zusätzlich mit dem jetzigen Club im Clinch liegt und weder da noch bei Borussia eine Zukunft haben dürfte.

Demgegenüber müssen vor allem die quantitativ-qualitativen Schwachstellen in der Abwehr angegangen werden. In Dortmund standen nur zwei gelernte Innenverteidiger spielfit im Kader. Die dritte Position wird je nach Ausfällen von Außenverteidigern oder Mittelfeldspielern ausgefüllt. Dies machen das keineswegs schlecht, aber auf Dauer ist darauf zu vertrauen sehr riskant. Friedrich und Chiarodia bringen zu den Stammspielern keinen Mehrwert und sind auch gern mal verletzt. Und weil keiner weiß, ob nicht Netz, Ulrich und Scally auch anderswo Ziele im Blick haben, ist hier viel zu bedenken und zu handeln. 

Gleiches gilt für den Offensivbereich, zumindest wenn die Unterschiedsspieler Kleindienst, Honorat, Hack (und Ngoumou) fehlen, für deren Skills und Profil es im Kader keine Doppelgänger gibt. Borussia hat das unter Eugen Polanski pragmatisch und sehr ehrenwert über die zur Verfügung stehenden Spieler gelöst. Aber angesichts der vielen Verletzungsausfälle stößt auch das an Grenzen, trotz aller guter Ansätze. 

Solange Machino seine Stärke noch nicht wieder gefunden hat, Stöger nicht weiß, worum es bei diesem Fußball in Gladbach geht und was seine Rolle ist und Reyna noch kein 90-Minuten-Spieler ist und zudem gedanklich der Bundesligageschwindigkeit noch hinterherläuft, ist jedes Spiel eine Gratwanderung.

Und der bewundernswerte Tabakovic mus alleine die Fahne vorne hochhalten und viel Drecksarbeit erledigen, ohne selbst glänzen zu können. Schaffen es alle, ans Maximum ranzukommen, sind auch bessere Gegner schlagbar. Wenn nicht, passiert leicht ein Rückschritt wie gegen Wolfsburg oder Union.

Was Mannschaft und Trainer immerhin im letzten Vierteljahr geschafft haben, ist uns Hoffnung zu geben, dass doch noch mehr in diesem Team schlummert, dass mit jedem Spiel ein bisschen mehr verinnerlicht und auf den Platz gebracht werden kann.

Borussia ist noch lange nicht so weit, nach oben schauen zu können. Mit Konzentration und harter Arbeit ist man aber hoffentlich auch bald in der Lage, nicht so genau nach unten schauen zu müssen. Nur dauerhafte Höhenflüge sollte man so schnell nicht erwarten. Rückschläge wird es geben - doch wenn Rouven Schröder gute Lösungen auf dem Spielermarkt findet, kann das Risiko dafür schnell kleiner werden. Es wäre uns allen für das neue Jahr zu wünschen.

Frohes Fest und ein tolles Jahr 2026 für euch alle!  

Bundesliga, 14. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL  Wolfsburg 1:3. Tor für Borussia: 1:1 Eigentor Koulierakis (Reyna)

Bundesliga, 15. Spieltag: Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:0. 

Saisonspende: Einen Euro gibts drauf, wir überwintern mit 47 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2025-12-06

Zwei aus Drei und die Regelung des Ungeregelten

Das war wohl eine der wichtigsten Wochen in diesem Jahr für Borussia. Drei wegweisende Spiele in 7 Tagen, mit glücklicherweise am Ende zwei bestandenen Bewährungsproben. 

Am Ende lässt sich sagen: Ja, das Ausscheiden aus dem Pokal ist so unnötig wie ärgerlich, sportlich und finanziell. Aber es ist verkraftbar, wenn die Konzentration in der Liga so konserviert werden kann wie in den anderen beiden Spielen. Ich bin fein damit, dieses Aus als kleineres Übel zu akzeptieren, denn es ist nicht selbstverständlich, dass der VfL so erfolgreich ist, wie er in der Liga zuletzt aufgetreten ist.

Gegen den Tabellenzweiten aus Leipzig fand Borussia zwar nur selten gute Lösungen nach vorn, viele Ungenauigkeiten im Spiel und unter Druck viele überhastete Befreiungsschläge verhinderten vielleicht sogar einen Überraschungserfolg. Doch das hatte keine negativen Auswirkungen. 

Leipzig hatte zwar wie Mainz am gestrigen Abend zwei, drei wirklich hochkarätige Chancen, die das Spiel in die andere Richtung hätten kippen lassen können. Beide Gegner ließen sie aber liegen oder scheiterten an Moritz Nicolas. Und so blieben es defensiv über jeweils 90 Minuten reife Leistungen, trotz diverser personeller Ausfälle, die sich nach dem Leipzig-Spiel nochmals verschärften.

Unter dem Strich stehen ein erkämpfter Punkt gegen eine spielerisch deutlich überlegene Spitzenmannschaft und ein trotz des glücklichen Zustandekommens des Tores verdienter Auswärtssieg beim Tabellenletzten, ein Sieg, der in der aktuellen Situation buchstäblich doppelt zählt. Denn einen direkten Konkurrenten hinter sich zu distanzieren, das ist etwas, was Borussia auch in besseren Zeiten nur selten (oder wenig überzeugend) gelang. 

Das alles spricht dafür, dass die Mannschaft im Moment fast optimal abrufen kann, was sie zu leisten in der Lage ist - trotz einiger widriger Umstände. Denn auch trotz der tadellosen Bilanz aus den letzten 5 Bundesligaspielen mit 4 Siegen und einem Remis, 4 mal zu Null bei einem Torverhältnis von 11:1 (und das einzige Gegentor durch den lächerlichen Elfmeter beim 3:1 im Derby), muss man festhalten, dass aus Borussia nicht über Nacht auf wundersame Weise eine Topmannschaft geworden ist - nur eine außerordentlich erfolgreiche. 

Jeder Punkt musste hart erkämpft werden, das Spielglück ist (noch) oft auf unserer Seite, das hilft natürlich. Aber Ausfälle in der Startelf sind nicht gleichwertig ersetzbar. Und es gibt keine Garantie, das knappe Spiele auch weiterhin zugunsten von Borussia ausgehen. In wenigen Wochen könnte es genauso auch wieder sieglose Phasen geben.

Eine wichtige Rolle spielt dabei sicher die personelle Lage. In Mainz fehlten in Kleindienst und Hack plötzlich auch wieder die, auf deren Genesung man so lange schon gehofft hatte. Dazu Honorat, Sander, Neuhaus, das ist zu viel, um auf dem Feld eine dominantere Rolle spielen zu können. Dass auf der Bank in Swider, Mohja und Herrmann drei Jugendspieler saßen, und Eugen Polanski nur drei seiner fünf möglichen Wechseloptionen nutzte, sagt viel aus. 

Zum Glück kam wenigstens Jens Castrop zurück und fügte sich auch ohne grobe Fouls mit einem beherzten Auftritt nahtlos wieder ein. Und Giovanni Reyna zeigte neben dem übrragenden Rocco Reitz sein bisher vielleicht bestes Spiel, war auch defensiv erheblich verbessert. Es reicht bei ihm aber immer noch nicht für ein ganzes Spiel, auch das muss berücksichtigt werden, zumal Stöger als Einwechseloption seine Rolle einfach nicht zu finden scheint.  

Und das nächste Loch wartet schon. Durch die 5. Verwarnung (nach einem dummen Ballhochwurf) nahm ihn Schiri Benjamin Brand für die Partie gegen Wolfsburg aus dem Spiel. Es wird also nicht einfacher, aber Eugen Polanski und die Borussia klagen auch nicht darüber. Sie nehmen es an und machen das Beste daraus. Und das zu beobachten, macht Spaß.   

Mit den Erfolgserlebnissen der vergangenen Wochen im Rücken lässt sich auch die Heimsuchung durch VAR-Entscheidungen  - oder sagen wir durch unausgegorene bis absurde Regeln - besser verkraften. Ein nur mikroskopisch nachweisbares Abseitstor kostete gegen Leipzig ein sehenswertes Führungstor, das erste Mainzer Abseitstor setzte den absurden Verwirrungen, die die Handregel bereithält, dann gestern die Krone auf. 

Ich würde es sicher nicht so entspannt sehen, hätte Borussia dieses Spiel aufgrund dieser Entscheidung verloren. Es ist dennoch an Widersinnigkeit nicht zu überbieten, dass ein lupenreines selbstverschuldetes Mainzer Eigentor annulliert wird, weil der Ball des Mainzer Spielers kurz vor der Torlinie noch leicht den Finger des Gladbachers Yannik Engelhardt berührt hatte.

Nur kurz: Ich halte die Entscheidung für regelwidrig, auch wenn die Handregel inzwischen jedes Handspiel des Schützen bei einer Torerzielung verbietet. So heißt es jedenfalls immer.

Das ist der Wortlaut der Regel: 

"Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler
(...) ins gegnerische Tor trifft:
• direkt mit der Hand/dem Arm (auch wenn dies versehentlich geschieht)
(gilt auch für den Torhüter),
• unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat
(auch wenn dies versehentlich geschieht)."

Diese Formulierung geht ausschließlich von einer bewussten oder zufälligen Torerzielung durch den Angreifer aus ("ins gegnerische Tor trifft"). Beide Fälle sind nicht auf das Tor in Mainz anwendbar. 

Die Regel ist nicht für Eigentore präzisiert ("gegnerische Tor"). In der Szene handelt sich aber ungeachtet des leichten Berührens an der Engelhardtschen Hand um ein Eigentor ohne Fremdeinwirkung - und nicht den Versuch des Stürmers, ein Tor zu erzielen. Engelhardt hat dieses Tor nicht erzielt, er hat es auch nicht versucht. Deshalb hat er den Ball nicht absichtlich oder unabsichtlich direkt ins Tor befördert. Er hat ihn auch nicht nach einer Handberührung ins Tor befördert. Nichts davon trifft zu. Der Ball geht ohne sein Zutun ins Tor. 

Davon abgesehen, dass jedem Fußballer einleuchtet, wie absurd es ist, dieses Tor zurückzunehmen, besteht Regelungsbedarf, auch wenn dieses Beispiel natürlich sehr ungewöhnlich ist. Das ließe sich textlich ergänzen und präzisieren (z.B. sinngemäß: im Zuge einer Torerzielung ist jedes Handspiel zu ahnden, auch bei Eigentor). 

Es hätte umgekehrt so eigentlich aber nicht zum Nachteil des Stürmers aberkannt werden dürfen. Da wir aber wissen, wie Schiedsrichter arbeiten, überrascht uns aber auch die Antwort von Benjamin Brand nicht: "Regel ist Regel". Nur: Manchmal eben auch nicht.

Die beste Nachricht für alle Beteiligten war, dass Borussia das am Ende für sich und den Schiedsrichter verträglich selbst noch regeln konnte. Ein wichtiger weiterer kleiner Sieg auf dem richtigen Weg zurück in die Normalität.    

Bundesliga, 12. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - RB Konstrukt Leipzig 0:0. 

DfB-Pokal, Achtelfinale: Borussia Mönchengladbach - FC St. Pauli 1:2. Tor für Borussia: 1:1 Tabakovic.

Bundesliga, 13. Spieltag: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 0:1. Tor für Borussia: 0:1 Eigentor da Costa (Tabakovic). 

Saisonspende: Nur zwei Tore aus drei Spielen, aber zwei weiße Westen für Moritz Nicolas und wichtige Punkte im Abstiegskampf. Macht unter dem Strich 46 Euro (+6). Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2025-11-22

Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen

Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen! 

Was ist hier eigentlich los? Borussia gewinnt das erste Derby seit Jahren - und das recht souverän! Gewinnt dann auch noch das vierte Pflichtspiel hintereinander und das dritte Bundesligaspiel in Folge! Und ist, was Stabilität und Kontrolle des Gegners angeht, Welten von dem entfernt, was die vorherigen Trainer über mehrere Jahre in dieser Hinsicht erreicht haben.

Der gerade nach den ersten Spielen doch unerwartet klar durchschlagende Polanski-Effekt hat eine Mannschaft wachgeküsst, der man eigentlich schon das wenig schmeichelhafte Prädikat untrainierbar verleihen wollte.

Man kommt als geübter Beobachter von Borussia Mönchengladbach aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. 

Phoenix Florian Neuhaus hat, nach immer tieferen Tiefpunkten in den vergangenen Jahren, seit dem Sommer in einem flexiblen und derzeit außergewöhnlich gut eingespielten Mittelfeld mit Yannick Engelhardt und Rocco Reitz seine Form aus den Zeiten wiedergefunden, als sein Marktwert satt zweistellig war. 

Und wie? Ich habe keine Ahnung. Möglicherweise hat er dem Teufel seine Seele oder die Trikotsammlung von seinem Freund Chris Kramer verkauft. Anders ist eine solche Wiedergeburt als Träger der legendären Nummer 10 bei Borussia fast nicht erklärbar.

Alles, was Roland Virkus noch an Verstärkungen nach Gladbach gebracht hatte, und was von vielen als von "Na ja" bis "Um Gottes Willen!" eher skeptisch wahrgenommen wurde, funktioniert derzeit so einfach wie selbstverständlich. Ein Zeichen, dass doch nicht alles im Verein amateurhaft geworden war? Ein Zeichen, dass intern im Team einiges gerade- und zusammengerückt sein muss. Und auch ein Zeichen, wieviel im Fußball am Ende von kleinen Zufällen, "dem Momentum", zurechtgerückten Köpfen und aufgepäppeltem Selbstbewusstsein abhängt.

Natürlich, zu so einem Aufstehen aus dem Ringstaub nach dem ersten Anzählen gehören auch einige richtig fallende Würfel. Günstige Spielverläufe mit Elfmetern zu richtigen Zeit, Spiel- und ein bisschen Schiedsrichterglück, ein passender Spielplan, der zum richtigen Zeitpunkt auch die Gegner vor die Füße spülte, die man auch bei eigener Unpässlichkeit auf Augenhöhe einordnen kann (und sowieso schlagen muss, um in der Liga zu bleiben). Die aber auch jeweils an diesen Tagen gegen die in vielen Bereichen verbesserten Borussen einfach nicht mehr zuzusetzen hatten und somit verdient besiegt wurden.  

Doch es gehört natürlich mehr dazu als glückliche Umstände.

Etwa eine Mannschaft, die auf dem Rasen Leidenschaft am  engen und konsequenten Verteidigen entdeckt hat, die Geduld im Spiel genauso beherrscht wie das gierige Losgaloppieren Richtung gegnerisches Tor, wenn der Ball nach gewonnenen Zweikämpfen in die eigenen Reihen wechselt. Das mitanzusehen macht gerade sehr viel Spaß.

Den Hauptanteil an dem Aufschwung hat sicher ein cleverer Trainer, der seine Spieler (wahrscheinlich nicht erst seit einigen Wochen) gut beobachtet hat, zum Teil auch schon gut kennt und der mit seinem Staff offensichtlich die richtigen Schlüsse gezogen hat. Und der echtes Vertrauen schenkt, wie es scheint.

Der nicht jammert, wenn ihm aus der neu gefundenen und so stabilisierten Dreierkette wieder ein Stück rausbricht, wie vor dem Heidenheim-Spiel Philipp Sander. Der mutige Entscheidungen trifft. Und zumindest für heute dann zum Beispiel einen Joe Scally so stark einstellen konnte, dass der auf typische Joe-Scally-Fehler verzichtete und eins seiner besten Spiele ablieferte.

Es lässt sich anders gar nicht sagen. Eugen Polanski hat aus Borussia wieder einen ernstzunehmenden Bundesligisten gemacht. Und aus verunsicherten und sehr formschwankenden Spielern ein Kollektiv, das zusammen atmet und wächst, das füreinander rennt und beißt. 

Nicht mehr, nicht weniger. Bei aller Freude: Noch immer sind wir dem Abstiegsbereich noch zu nahe, um aufatmen oder schon andere Träume zulassen zu dürfen. 

Aber mit dieser Siegesserie ist auch mehr als eine Wiederbelebung einer ziemlich toten Mannschaft geglückt. Der Patient ist auf einem guten Weg der Heilung. Der Glaube daran, das alles wieder in den Griff zu bekommen, was in den letzten Jahren Stück für Stück dahin ging, der ist wieder spürbar. Überall, im Verein, auf dem Platz, auf den Rängen. Und der Hunger auf Erfolgserlebnisse auch. 

Darauf lässt sich prima aufbauen - wenn der Fokus so streng wie im Moment nur von Aufgabe zu Aufgabe beibehalten wird. Denn: Die ersten Pflichtsiege in der prekären Situation sind zwar eingefahren. Doch ob die Spielkontrolle auch gegen höher einzuschätzende Gegner funktioniert, muss sich zeigen. Wie nächste Woche in der Partie gegen das leider diese Saison gut performende Konstrukt, mit der übrigens die unglaublichen Freitagswochen eingeläutet werden. Drei von vier Spielen bis zur Winterpause finden freitagabends statt. DFL - hast du eigentlich noch alle Tassen im Schrank?  

Egal, ich freue mich jedenfalls wieder auf die nächsten Spiele meiner Mannschaft. Das war in der jüngeren Vergangenheit längst nicht immer so. Gibt es ein besseres Kompliment für Team und Trainer?

 

Bundesliga, 10. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - 1. FC K*** 3:1. Tore für Borussia: 1:0 Sander, 2:0 Diks (HEM), 3:0 Tabakovic.

Bundesliga, 11. Spieltag: FC Heidenheim - Borussia Mönchengladbach 0:3. Tore 0:1 Diks (FEM), 0:2 Tabakovic, 0:3 Machino. 

Saisonspende: 6 Tore aus zwei Spielen, ein weiteres zu Null von Mo Nicolas und die 10 Euro für den Derbysieg erhöhen die Spendensumme auf glatte 40 Euro. Ein schöner Sprung nach vorn. 
Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2025-11-01

Aufgestanden in Ruinen

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. 

Für diese Binsenweisheit müsste ich eigentlich ein bisschen Geld ins Phrasenschwein werfen. Aber was nützt es, wenn es doch so ist. Nach dem 7. Spieltag und der unerquicklichen Niederlage gegen die selbst fußballerisch sehr dünnen Unioner schien Borussia endgültig am Boden. Auch die erneute Trainerfrage - ob man sich Eugen Polanski gerade überhaupt als "Experiment an der Seitenlinie" leisten könne, wurde und wird rund um unseren Verein intensiv diskutiert. Diese Stimmen könnten nun etwas leiser werden.

Bis dahin sprach ergebnistechnisch aber in der Tat nichts für ihn außer dem Hinweis, dass die bisherigen Gegner in seiner Amtszeit eben auch kein Fallobst waren. Dass er viel versuchte, war zu sehen, dass auch ihm dabei nicht alles gelang, was er personell und taktisch aufbot, war ebenso unübersehbar. 

Dass es Zeit und viel Arbeit braucht, um eine verunsicherte Mannschaft in einer üblen Abwärtsspirale zu stabilisieren, wusste auch jeder. Aber ob der Verein die haben würde, wenn man Gefahr lief, am Tabellenende im Oktober/November schon den Anschluss zu verlieren, das war (und bleibt noch) offen.

Nun sind wir ein paar Wochen weiter und auch ein Stück schlauer. Gegen die Übermannschaft aus München hielt das Abwehrbollwerk trotz früher selbstverschuldeter Unterzahl mit konzentrierter Arbeit immerhin etwas mehr als eine Stunde. Es war hilfreich, dass der Gegner es im Anschluss recht gut meinte mit dem VfL und an diesem Tag nicht seine ehrgeizigste Einstellung in den Borussia Park gebracht hatte. Aber immerhin: Das Spiel zeigte einen leichten Aufwärtstrend, den man in die nächste Partie mitnehmen konnte.

Der 3:1-Pokalerfolg über den kampfstarken Zweitligisten aus Karlsruhe könnte sich im Nachhinein als ein Wendepunkt herausstellen - wenn denn die Entwicklung weiter in die richtige Richtung geht. Auch hier ging Polanski mit verschiedenen personellen Wechseln in Vorleistung (er wagt da durchaus einiges und bleibt sich treu, auch vor großen Namen nicht zurückzuschrecken). 

Doch die Mannschaft zahlte es mit der bis dahin besten Leistung der Saison zurück. Sicher, der KSC blieb seinerseits vieles schuldig, das frühe 1:0 spielte Borussia in die Karten und auch hier gab es Phasen, in denen sich das Team zu sehr in Bedrängnis bringen ließ. Doch es war am Ende ein verdienter und auch kaum gefährdeter Sieg, der zwar erstmal "nur" Geld und eine weitere Partie im Pokal einbringt. Aber in Borussias Situation möchte man natürlich auch auf solche finanziellen Bausteine gerade nicht verzichten.

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg gegen den KSC war, dass Reitz und Co. es schafften, sich in der Defensive geschickt und diszipliniert in den Räumen zu bewegen und dem Gegner nicht so absurde Wege zu Toren zu öffnen, wie sie in den Spielen zuvor Punkt um Punkt und Selbstvertrauen um Selbstvertrauen gekostet hatten. 

Den Fokus der Spieler darauf zu richten, ihre Aufgaben zu erfüllen, ohne sich ablenken zu lassen oder zu überdrehen und überall auf dem Platz alles löschen oder im Spiel ankurbeln zu wollen - das muss man Polanski und seinem Trainerteam zurechnen. 

Und solche Dinge sind es auch, die eben ihre Zeit und Übung brauchen, um sicher abrufbar zu sein. Das hatte unter Seoane gefehlt und auch in den ersten Spielen, in denen sich der neue Trainer und das desillusionierte Team erst noch finden mussten. 

Dass dieses Gefüge gegen St. Pauli heute dann gleich wieder funktioniert hat und das Team einen unerwartet hohen und nie gefährdeten 4:0-Sieg am Millerntor verdient und teilweise richtig stark herausgespielt hat, ist dennoch keine Selbstverständlichkeit. 

Klar, Honorat ist wieder da und fit, Maschino macht Fortschritte, insgesamt stellen sich die personellen Möglichkeiten schon etwas angenehmer dar als vor einigen Wochen.

Denn auch Stöger und Neuhaus sind Spieler, die mit ihren individuellen Fähigkeiten inzwischen wieder den Unterschied machen können, auch wenn ersterer weiterhin im Spiel oft einem anderem Navi zu folgen scheint als seine Kollegen. Er macht vieles gut, zum Beispiel in der Balleroberung, doch es kam auch gegen den KSC aus dem Spiel heraus nahezu nichts Gefährliches dabei rum - immerhin aber eine Sahneflanke zu Elvedis vorentscheidendem 2:0. Zum Sieg heute konnte er daher (nicht ganz unerwartet) heute erst spät von der Bank aus etwas beitragen.

Stattdessen waren es Rocco Reitz mit einer sehr fokussierten Leistung und eben jener Florian Neuhaus, der endlich gewillt scheint, sich selbst am feinen Passfüßchen aus dem Schlammassel und Leistungsloch- und Mallorca-Sumpf der letzten Monate und Jahre zu ziehen. Für diese hellwachen Momente vor dem 0:1, für seine Spielintelligenz und die Auffassungsgabe bei der Ballverteilung haben wir ihn einst bewundert und waren von einer bevorstehenden Topkarriere überzeugt. 

Wenn dieser ganze Downfall bei Borussia in den letzten Jahren sicher auch mit seinem Namen verbunden ist, dann muss man ihn hier auch heute als einen der Matchwinner nennen. Eine Entwicklung, die vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre. 

Ein anderer ist sicher Haris Tabakovic. Bei der Verpflichtung noch belächelt, nach den ersten unglücklichen Auftritten in der Fanszene schon "haareberauft" und von manchem für zu ungelenk und zu leicht für die Liga befunden, hat er nahezu alle Kritiker verstummen lassen. Ein Tor und eine Vorlage beim Sieg im Pokal sowie in acht Bundesligaspielen zwei Assists und fünf Tore (von insgesamt zehn Gladbacher Toren), das ist eine Spitzenquote. 

Man sieht außerdem, dass er in der Mannschaft auf dem Platz voran geht, sich vorne wie hinten reinwirft und auch in die Prellbock- und Verteilerrolle bei langen Bällen immer besser reinkommt. Diese Leihe ist, wie die von Yannik Engelhardt, sicher etwas, was Roland Virkus vor dem Fernseher zu Recht als zwei seiner guten Entscheidungen abhaken dürfte.

Für mich ist eine der zentralen Entscheidungen für den jüngsten Aufschwung aber eine andere. Polanski hat gesehen, dass er mit Philipp Sander und Yannik Engelhardt zwei hervorragende Zweikämpfer und auch Spielgestalter in der Mittelfeldzentrale hat, dazu einen Rocco Reitz, dessen Fähigkeiten unbestritten sind, der sich aber als Kapitän der Mannschaft einfach zu viel zugemutet und auf die Schultern geladen hatte, weil er überall eingreifen, helfen, vorangehen wollte. Mit diesen drei Spielern das Zentrum effektiv zu verdichten, das gelang so einfach nicht, das war deutlich zu sehen.

Mit dem Zurückziehen von Sander in die Dreierkette löste Polanski gleich mehrere Probleme: die Abwehrkette bekam in den beiden letzten Spielen erheblich mehr Stabilität, der Spielaufbau über den ballsicheren Sander brachte mehr Variation und Gefährlichkeit ins Spiel nach vorn. Zugleich standen sich die ähnlich veranlagten und agierenden, sehr spielintelligenten Sechser nicht mehr im zentralen Mittelfeld auf den Füßen und steckten ihre Reviere besser aufeinander abgestimmt ab. 

Engelhardt ist so zum Dreh- und Angelpunkt in der Zentrale geworden, er und Reitz interpretieren ihre Rolle mit Druck und Drang, aber auch mit Risiko nach vorne. Das können sie aber auch tun, weil hinter ihnen in Sander noch eine gute Lebensversicherung für den Fall eines Ballverlustes steht. Das entlastet auch Diks, Elvedi und die Außen, die gerade in den intensiven Verteidigungsphasen oft erheblich unter Druck geraten sind und dann auch entsprechend Fehler machten. Das hat sich gegen den KSC und St. Pauli deutlich reduziert.

Philipp Sander kann sich bei wenig Gegnerdruck zudem auch zusätzlich in den Angriff einschalten, was die Variabilität noch erhöht und auch anderen Mitspielern Räume öffnen kann. Ich könnte mir deshalb gut vorstellen, dass das eine Dauerlösung werden könnte.     

Und was sind die letzten Spiele unter dem Strich nun für die Gesamtentwicklung wert? Das wissen wir noch immer nicht. Dazu ist sie noch zu kurz und fragil. Und die beiden ersten Siege sind fraglos gegen Gegner zustandegekommen, die nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Gelänge ein Spiele wie heute auch gegen stärkere und vor allem besser pressende Gegner? Wir wissen es nicht. 

Aber die Zielrichtung muss sein, dass wirklich auch weiterhin nur ein Schritt nach dem anderen gemacht wird, Spiel für Spiel angegangen und sich auf die dort anstehenden Herauasforderungen fokussiert wird. Und das wird es intern sicher auch. 

Nun steht das Derby vor der Tür, für das Verein und Mannschaft zum Glück rechtzeitig ordentlich Selbstvertrauen tanken konnten. Zu holen gibt es dort aber nur etwas, wenn es wie heute gelingt, die Spielkontrolle und die Ruhe am Ball auch dann zu behalten, wenn man selbst unter Druck gerät. Und wenn man einfach bei sich und im Teamverbund verankert bleibt. 

Ob das gelingt, vermag ich nicht zu prognostizieren. Aber nach dieser Woche bin ich etwas optimistischer. Borussia ist noch lange nicht wieder auferstanden. Aber etwas aufgerichtet hat man sich wenigstens schon, in den Ruinen der Champions-League-Borussia, die in den vergangenen Jahren so fatal zerbröselt sind. Und mehr kann man in diesen paar Tagen nun wirklich noch nicht erwarten.

Also, volle Kraft voraus, zum überfälligen Derbysieg!         

Bundesliga, 7. Spieltag: Union Berlin - Borussia Mönchengladbach 3:1. Tor für Borussia: 2:1 Tabakovic.

Bundesliga, 8. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayern München 0:3. 

DFB-Pokal, 2. Runde: Borussia Mönchengladbach - Karlsruher SC 3:1. Tore: 1:0 Maschino, 2:0 Elvedi, 3:1 Tabakovic.  

Bundesliga, 9. Spieltag: FC St. Pauli - Borussia Mönchengladbach 0:4. Tore für Borussia: 0:1 Tabakovic, 0:2 Tabakovic, 0:3 Maschino, 0:4 Fraulo.

Saisonspende: 8 Tore aus vier Spielen, darunter auch ein zu Null. Damit sind wir jetzt bei 22 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2025-10-13

Hochgelobte Länderspielpausetaste

Thank god it's Länderspielpause.

Man kann es nicht anders sagen: Für Borussia zählt im Moment nur eins - Zeit gewinnen. Zeit, um die in relativ kurzer Zeit panisch neu aufgemachten Baustellen im Verein nicht noch größer werden zu lassen; um andere Baustellen zu schließen; um daran zu arbeiten, den Verein sportlich wieder sicher auf die Beine zu stellen - und um insgesamt auf Besserung zu hoffen.

Zugegeben: Es ist schon krass, dass ich jetzt das schreibe, nachdem ich vor drei Wochen noch den Eindruck hatte, dass mit der Demission von Gerardo Seoane und unter dem Eindruck des 1:1 gegen Leverkusen ein erster Schritt zurück aus dem Koma gelungen war, in das der Verein sich hatte fallen lassen.

Aber wie sich zeigte, ließ sich auch Roland Virkus nicht halten, nachdem Seoane weg und kein Konzept zu erkennen war, wie es denn jetzt kurzfristig mit der Perspektive Borussia in der ersten Liga aussehen soll.

Es ist im Verein fraglos einiges in Bewegung, nicht nur erdbebenmäßig im Führungspersonal. Die Jugendarbeit verspricht einiges in den kommenden Jahren, auch die Neuzugänge haben das Potenzial, den Club mehr als nur in der Liga zu halten. Aber wohl erst mittelfristig, wie die ersten Saisonspiele andeuten. Oder zumindest, solange wichtige Stammkräfte wie Kleindienst und Honorat sie nicht ergänzen oder entlasten können.

Dass sich der Fokus deshalb jetzt endlich auf die Schritte richtet, die unmittelbar bevorstehen, ist wichtig und richtig. Leider macht die Vereinsführung auch hier keine gute Figur. Es scheint so, als sei man nicht nur vom lange verschleppten Seoane-Aus unvorbereitet getroffen worden, sondern stehe auch nach dem freiwilligen oder nicht so freiwilligen Rückzug von Roland Virkus (das kann und will ich nicht beurteilen) blank und unvorbereitet da.

Wer soll nachfolgen, auf der wichtigen Position des Sportvorstands oder Sportdirektors, je nachdem, wie und wo man sich neu aufstellen will? Damit kann und will ich mich an dieser Stelle nicht beschäftigen, weil mir dazu die Einblicke in den Verein fehlen.

Zu der Personalie Rouven Schröder, der ja offenbar Favorit auf den freien Posten ist, aber mit einer Ablösesumme erst aus Salzburg freigekauft werden muss, will ich dennoch zwei, drei Sätze schreiben.

Bekanntermaßen war Schröder schon in der Zeit von Max Eberl Thema bei Borussia, als Ergänzung, wohl auch später als möglicher Ersatz. Ein Mann mit einem guten Ruf, der nachweislich gute Arbeit in Fürth, Bremen und Mainz geleistet hat. Dann folgten immer kürzere Intervalle, bei Schalke, sein vorzeitiges Aus wegen eines Burnouts dort und mit den folgenden fragwürdigen Engagements bei den Dosenclubs Leipzig und Salzburg, wo er jeweils nach kurzer Zeit offenbar schon verzichtbar war.

Fraglos ist Schröder ein Fachmann und kann für eine Phase der Konsolidierung bei Borussia stehen. Nach der Art und Weise, wie er von Verein zu Verein hüpfte, wenn es für ihn Angebote gab, gefällt es mir dennoch nicht, vor allem, weil er eher der Typ Rose zu sein scheint, der den möglichen Absprung schon eingeplant hat, wenn er kommt. 

Das wirft für mich schon zu früh einen Schatten auf eine solche Verpflichtung. Denn ob Schröder an seine guten Zeiten als Manager anknüpfen kann, ist nach den letzten drei Jahren nicht sicher. 

Es tut mir leid, das zu sagen, aber es ist tatsächlich eine nicht unwichtige Frage, ob sich ein angeschlagener Verein auf Schlüsselpositionen Personal leisten kann, von dem man nicht weiß, ob es die Kurve nochmal kriegt. Das mag bei einem Gio Reyna weniger Risiko bergen als bei einem Sportdirektor. Aber es zeigt auch, dass Borussia entweder keine Wahl hat oder zu schlecht vorbereitet ist, um auf dem Markt besser zu agieren.

Aber das sind wie gesagt nur die Gedanken eines vereinsfernen Beobachters.  

Mein Blick richtet sich ansonsten eher auf Eugen Polanski und die Mannschaft, denn das ist das, was sich von außen für mich noch halbwegs nachvollziehen lässt. Und damit zum sportlichen Eindruck.

Die Heimspiele gegen die Eintracht und den SC Freiburg waren insofern sehr aufschlussreich, weil sie gezeigt haben, was geht und was nicht. Sie haben deutlich gemacht, dass es in dieser Saison nur ums Überleben gehen kann, zumindest in dieser Phase der Saison. 

Möglicherweise tun sich schon in einem halben Jahr andere personelle und taktische Möglichkeiten auf. Aber darauf verlassen darf man sich nicht. Es gibt keine Garantie, dass die Langzeitverletzten Kleindienst, Ngoumou, Hack (und zunächst noch Honorat) das Blatt sofort wieder mit herausragenden Leistungen wenden können, sobald sie spielfit sind.  

Für die nächsten Spiele muss Eugen Polanski das Maximum aus dem Kader herausholen, der ihm zur Verfügung steht. Dass er das mit Bedacht, aber auch mit Mut zum Risiko angeht, hat er in seiner kurzen Amtszeit schon mehr als angedeutet. 

Der Einsatz von Charles Herrmann und Jan Urbich, aber auch die Reaktivierung von Flo Neuhaus zeigt, dass er klare Vorstellungen hat, denen sich auch mancher arrivierte Spieler beugen muss. Das kann natürlich auch nach hinten losgehen. Mir gefällt es aber erstmal sehr gut, vor allem, nachdem dieses Leistungs- und Vertrauensprinzip in den Jahren zuvor bei Borussias Übungsleitern doch einfach zu häufig unter die Räder gekommen ist.

Das heißt nicht, dass ich erwarte, dass die jungen Wilden und der Teilzeit-Regisseur Neuhaus in den nächsten Wochen auf märchenhafte Weise das Ruder rumreißen können werden. Auch dazu fehlt sichtlich noch einiges. Doch wenn sich der eine oder andere jetzt im Ernstkampf bewährt, wird es für ihn auch dann eher Einsatz-Chancen geben, wenn Kleindienst und Co wieder da sind. Was wiederum nur gut sein kann für die Entwicklung aller.

Nun muss Polanski aber auch noch die in der Gruppe in die Spur bringen, die unter seiner Verantwortung bisher die Verlierer sind (und es teilweise auch unter Seoane waren). Bislang sieht es aber so aus, als würden alle so mitziehen, wie es der Situation angemessen ist. Was wiederum die Chancen erhöht, dass irgendwann doch die Ketchupflasche aufgeht und die ersten Punkte fließen.   

Gegen Union wird Eugen Polanski auf jeden Fall nochmals an der Linie stehen. Und ich gehe auch einfach mal davon aus, dass er dies auf absehbare Zeit weiterhin tun darf, sofern er anfängt, mit dem Team auch dreifach zu punkten. Bislang ist mir auch ehrlicherweise kein realistischer Trainername untergekommen, dem ich mehr Zuneigung und Vertrauen entgegenbringen würde.

Aber das muss nichts heißen. Lucien Favre war auch keiner, den ich vor seiner Verpflichtung hätte einschätzen können oder den ich auf dem Zettel gehabt hätte. Das zu bewerten, dafür sind ja auch andere zuständig. Das Vertrauen in manche der handelnden Personen ist im Moment bei mir allerdings eher mittelmäßig ausgeprägt. Deshalb ist hoffen alles, was für die nächste Zeit bleibt. Aber das soll ja mitunter auch Berge versetzen können. 

Bundesliga, 5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 4:6. Tore für Borussia: 1:6 Castrop, 2:6 Tabakovic, 3:6 Engelhardt, 4:6 Ranos.

Bundesliga, 6. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - SC Freiburg 0:0. 


Saisonspende: 6 Spiele sind gespielt, vier weitere Tore geschossen und ein weiteres zu Null eingefahren. Damit verdoppelt sich der Spendenstand auf 12 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2025-09-21

Erleichtert, aber noch nicht beruhigt

Ein guter Monat ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Und seitdem sind bei Borussia nur noch der Vorstand, Roland Virkus und das neue Stahlfohlen an seinem angestammten Platz.

Bundesliga-Fehlstart im viel bemühten Jubiläumsjahr, Torlospanik. Leistungen, die Rätsel aufgeben. Eine Trainerentlassung, die sich über Monate immer wieder angebahnt hatte und dann die Führenden des Vereins doch sehr überraschend getroffen zu haben schien. Am Freitag zuvor war es noch der "richtige Trainer" und Ergebnisse nicht alles, zwei Tage später nach der zehnten sieglosen Bundesligapartie in Folge dann wohl doch alles etwas anders. 

So unlogisch der Weg dahin in den vergangenen Monaten war: Das war vielleicht der Schritt, der einen im eigenen Gespinst verfangenen Club wieder freilegen und befreien könnte. Aber nicht sofort, nicht im Hurra-Stil und ohne weitere mutige und notwendige Entscheidungen. Und natürlich mit der ausdrücklich bestehenden Gefahr, daran zu scheitern und nächste Saison eine Etage tiefer wieder angreifen zu müssen. Denn auch wenn die Erkenntnisse aus dem Spiel heute überwiegend erfreulich waren: Das war nur ein kleiner Schritt aus dem Schlamassel.

Nun soll also mit Eugen Polanski ein neuer (Vielleicht-Zwischen)-Trainer (man weiß es ja nicht) den halb entgleisten Zug wieder auf die Gleise stellen - mit einem für einen anderen Trainer so halbundhalb fertig zusammengestellten Kader - und mit einigen langfristigen Verletzungen an Schlüsselstellen. 

Dafür wünschen wir ihm alle - natürlich - maximalen Erfolg, und wohl niemand hätte etwas gegen eine Dauerlösung, sofern der bisherige U23-Trainer sein Talent auch in die Profimannschaft und auf den Platz bringen kann.

Der verdiente Punktgewinn in Leverkusen kann dafür aber nur ein Fingerzeig sein. Zu kurz war seine Vorbereitungszeit, zu eingeschränkt seine personellen Möglichkeiten durch die Verletzung von Robin Hack und das Fehlen von Honorat. Am Ende tat es gut, mit einer sehr ordentlichen Leistung gepunktet und den Torbann gebrochen zu haben. Im Normalfall wäre aber auch das Spiel verloren gegangen, ohne dass man Borussia eine schlechte Leistung hätte attestieren können. Und das sind immer schlechte Vorzeichen. 

Dass sich das Team für ein mutiges und giftiges Auftreten in Leverkusen in letzter Minute noch belohnt hat, ist ein gutes Omen, auf jeden Fall aber eine ganz wichtige Botschaft, die Mut macht. Weil es wieder an die Torgefahr von Haris Tabakovic glauben lässt, der bei den ersten Fans schon nach eineinhalb eher rumpeligen Spielen unten durch war und auch heute bis auf die eine Szene eher schwer in seinen Kurzeinsatz fand.

Es bringt aber vor allem ein wenig Selbstvertrauen zurück, und die Gewissheit, dass dann doch nicht alles gegen einen laufen muss, so wie es gegen Stuttgart war und heute nach dem späten Bayer-Führungstreffer schien. Die Blamage gegen Bremen und das maue 0:0 gegen den HSV dürfte auch den Spielern selbst manch unbeantwortete Zweifel ins Gehirn gebohrt haben und dem Nervenkostüm nicht zuträglich gewesen sein. 

Doch auch durch einen Punktgewinn in Leverkusen ist das nicht alles mit einem Schlag vorbei. Auch heute gab es noch genug zu sehen, was die Mannschaft und einzelne Spieler abstellen müssen. 

Aber die Struktur in der Defensive und die Laufwege und das Pressing in der Offensive wirkten über weite Strecken der Partie robuster und konzentrierter als zuletzt. Darauf lässt sich aufbauen. Vor allem, wenn Rocco Reitz nicht wie zuletzt als hyperaktives Eichhörnchen überall auf dem Platz nach versteckten Nüssen sucht, sondern sich wie heute primär auf klare Aufgaben und daher zuerst auf die Verteidigung wichtiger Räume konzentriert. 

Ich denke, dass Polanski das explizit von ihm eingefordert hat, und nur so hat er auch bei der U21-EM ein tragende Rolle in der Mannschaft spielen können: Mit vollem Einsatz, wo es Sinn ergibt, aber mit kühlem Kopf dort, wo die Hauptaufgabe liegt. Das ist das, was man als Kapitän einschätzen können muss, um ein Teams zu führen. Auch Granit Xhaka hat ein bisschen gebraucht, bis er das verinnerlicht hatte.

Als nächstes wird Polanski das auch Kevin Stöger noch näherbringen müssen. Der blüht als Freigeist im Mittelfeld merklich auf, macht viel Überraschendes, aber auch er will oft zu viel und zerschießt sich damit selbst den Impact, den er haben könnte. Er ist nicht geholt worden, im Alleingang das spielerische Herz Borussias zu sein. Er muss abgeben lernen, um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu gehen.

Das sind zwei Beispiele dafür, was der neue Trainer angehen muss und wird und was er in den nächsten Tagen - schnell - korrigieren kann, neben der Verbesserung der taktischen Struktur natürlich. Und dann sehen wir in ein paar Wochen, welche Früchte das trägt. Bis dahin gehe ich weiterhin von der schwerstmöglichen Saison (oder zumindest Halbserie) seit vielen Jahren aus. 

Erleichterung heute ja - aber für eine Entwarnung ist es mir nach den letzten Wochen noch viel zu früh.

DFB-Pokal, 1. Runde: Atlas Delmenhorst - Borussia Mönchengladbach 2:3. Tore für Borussia: 0:1 Hack, 1:2 Hack, 2:3 Elvedi.

Bundesliga, 1. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - HSV 0:0.

Bundesliga, 2. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach - 1:0.

Bundesliga, 3. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 0:4.

Bundesliga, 4. Spieltag: Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach - 1:1. Tor für Borussia: 1:1 Tabakovic.


Saisonspende: Fünf Spiele sind gespielt, vier Tore geschossen. Dazu kommt das zu Null zum Auftakt gegen den HSV (danke für den Hinweis an die treue Leserin Elke, sonst hätte ich das vergessen). Der Spendenstand somit: 6 Euro. Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

 

2025-08-17

Gut vorbereitet, aber auf was?

Borussia, straf’ mich Lügen, aber ich sehe unser Team zum Start in die neue Saison doch besser gerüstet, als lange zu befürchten war.

Die Transfers von Team Virkus ergeben Sinn, und auch die wenig Vertrauen erweckende Verhandlungstaktik, sich erstmal öffentlich für handlungsunfähig zu erklären, bis eigene Verkäufe getätigt sind, scheint am Ende nicht geschadet zu haben.

Ob mehr drin gewesen wäre, ist wie immer Spekulation, aber ich kann mit den Neuzugängen gut leben und habe genug Fantasie, um mit ihnen eine Mannschaft entstehen zu sehen, die auch mehr erreichen kann als das neue Normalziel, sicheres Mittelfeld mit Tendenz zur Einstelligkeit.

Dazu muss zugegebenermaßen viel passen, außer einer zusammenwachsenden Einheit auf dem Platz sollten dafür auch sonst viele Würfel günstig fallen: eine nicht zu punktgeile Konkurrenz, gute Trainerentscheidungen, wenig eVerletzungen und wenn, dann nur kurze Ausfälle oder dann auf Positionen, wo sie weniger weh tun als anderswo etc.

Das intakte Mannschaftsgefüge ist entscheidend, wenn man sich nicht nur behaupten will, sondern auch einen oder zwei Schritte weiter gehen möchte. Damit schien es in der Vergangenheit nicht immer zum Besten bestellt zu sein. 

Im Moment wirkt die Mannschaft intern (nach außen) sehr harmonisch. Dass mit Itakura und Plea zwei in dieser Hinsicht wichtige Harmonie-Player weg sind, haben die Abschiedsvideos von Borussia ganz gut belegt. Aber das muss kein Nachteil sein.

Ein wichtiger Faktor wird dabei der neu zusammengestellte Mannschaftsrat sein. Dass Tim Kleindienst und Rocco Reitz dabei die Kapitänsrollen erhalten, ist fast logisch. Sie sind auf und neben dem Platz sichtbare Leistungsträger und motivierende Lautsprecher. Stellen sich auch in nicht so guten Phasen. Und sie spielen auch in der Mannschaft sicher mit den richtigen Reizen und rütteln den Haufen auf, wenn man sich zu wohlfühlig in der Mittelmäßigkeit suhlen sollte.

Auch das hat natürlich Grenzen. Wenn die Leistung mal nicht stimmen sollte, können fordernde Charaktere wie die beiden auch Unfrieden oder Irritationen ins Team bringen. Das sollten sie als selbstkritische Geister aber hinbekommen. Ansonsten müssen die anderen drei im Mannschaftsrat entsprechend ausgleichen und moderieren. 

Die kommen augenscheinlich allesamt von der Fraktion Vernunft und Sachlichkeit.
Mit der Besetzung Sander, Diks und Elvedi sehe ich den Mannschaftsrat auch hinter den beiden Kapitänen gut aufgestellt. Diks und Sander waren bei ihren früheren Vereinen schließlich auch schon Anführer, und Elvedi spielt - bei allen persönlichen Leistungs-Aufs und Abs in den letzten Jahren - als Mensch offensichtlich eine gute und wichtige Rolle im Team.

Dass Gerardo Seoane diese meinungsstarke Führungsriege im Team zulässt, die ihm selbst durchaus aus Parolie bieten kann und intern vielleicht manchmal weniger diplomatisch auftritt als die Omlin und Weigl, das spricht für ihn. Hoffentlich führt das am Ende auch immer zu guten Entscheidungen für Borussia.

Wofür das am Ende reicht, ist schwierig zu sagen. Aber der Verein hat in diesem Sommer (und den Monaten zuvor, wenn man Diks und Castrop dazuzählt) wichtige Entscheidungen getroffen und dem Kader weitere wichtige (neue) Elemente hinzugefügt. Sicher, es hätter mehr sein müssen, um wirklich mit einem runden Kader in die Saison zu gehen. Aber die Mittel fließen nicht so üppig, dass man mehr hätte erwarten dürfen.

Und letztlich folgt die Vorgehensweise ziemlich genau dem, was man vor einiger Zeit ausgegeben hat: Der Umbruch wird einige Transferperioden in Anspruch nehmen. Und er wird nicht ohne Rückschritte sein, möchte ich ergänzen. 

Denn dass nur Volltreffer gelandet werden, kann von niemandem vorausgesetzt werden. Dazu ist das Geschäft von hzu vielen Variablen abhängig, die man nur bedingt beeinflussen kann.

Aus meiner Sicht sind die bisherigen Transfers jedenfalls gut gelöst.

  • Ko Itakura wurde zum angemessenen Preis verkauft, der auch ein wenig Spielraum für einen weiteren Transfer lässt. 

  • Alassane Plea wurde zu einem fairen Kurs abgegeben, damit ging zwar hohe spielerische Intelligenz und Torgefahr verloren, aber es eröffnet sich auch die Chance, sich hinter den Spitzen neu aufzustellen.

  • Stefan Lainers Abgang ergibt für beide Seiten sportlich Sinn.

  • Tomas Cvancara ist ohne Verlust für ein Jahr aus dem ihm gegenüber äußerst kritischen Blickfeld gebracht, mit der Chance, sich zu fangen.
  • Noah Pesch kann sich in der zweiten Liga mit hoffentlich viel Einsatzzeit entwickeln und zur Option für die nächsten Jahre werden

  • Mit Jan Olschowsky bleibt ein weiterer entwicklungsfähiger Torwart in der Nähe. Er könnte nächstes Jahr nach seiner Aachen-Leihe noch einmal ins Spiel kommen, je nachdem, wie sich die neue Saison gestaltet.

  • Kevin Diks ist ein möglicher Führungsspieler mit viel Erfahrung und einem guten Start in der Vorbereitung. Er fängt mit seinem Profil als Rechts- und Innenverteidiger den Lainer-Transfer mit ab und ersetzt auch gute Elfmeterschützen wie Plea und Itakura vom Punkt recht gut.

  • Jens Castrop ist ein spannender Spieler, der im zentralen Mittelfeld sowohl kämpferische als auch spielerische Elemente einbringen kann. Er ist einer, der auch mal grenzwertig resolut dazwischenfunkt und den bad boy geben kann - ein Spieler, der uns so in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. Es ist gut, ihn als Backup für Reitz zu haben, und wer weiß, vielleicht spielt er sich auch fest. Von der Entschlossenheit und Bissigkeit her ist er nicht nur eine Wette auf die Zukunft, sondern kann sofort helfen, und das auch auf anderen Positionen wie hinten rechts.  

  • Shuto Maschino als sehr schneller, vielseitiger Offensivspieler mit gutem Torriecher verspricht kurzfristig eine schnell funktionierende Lösung, um die fehlenden Tore von Kleindienst und Plea aus der letzten Saison auszugleichen. Mittelfristig ist er nach der Kleindienst-Rückkehr auch ein wichtiger Baustein einer unberechenbareren Borussenoffensive.

  • Haris Tabakovic ist ein fast risikoloser, aber auch vorab schwer zu bewertender Transfer. Zeigt er sich so treffsicher wie bei Hertha und gegen uns zuletzt, ist er ein guter Ersatz für Kleindienst und eine Alternative, wenn es im Sturm auf Körperlichkeit ankommt. Bleibt er blass, ist er keine keine teure Fehlinvestition. Ob er überzeugt, da bin ich noch nicht so sicher. Weniger aufgrund seines Könnens, eher weil ich nicht weiß, ob er wirklich ins System passt, das Seoane spielen lassen will. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren.


Neben den personellen Auffrischungen bleiben aber auch noch ungelöste Problemfelder oder Konstellationen, die sich dazu entwickeln könnten.

1) Die Doppelsechs, die ich nicht allein an Julian Weigl festzumachen möchte. Doch auch trotz Castrop ist hier für mich noch nicht der fehlende Baustein gefunden, der die defensive Stabilität über einen längeren Zeitraum garantieren kann. Derzeit würde ich Sander mit Reitz oder mit Weigl als die beste Wahl ansehen. Da lasse ich mich aber gern eines Besseren belehren, es wäre gut, wenn es hier verschiedene Lösungen
 gäbe, mit denen man gezielt auch gegen wechselnde Gegnertaktiken arbeiten kann. 

2) Die Innenverteidigung, in der Marvin Friedrich noch immer derjenige ist, der am wenigsten ins Borussia-Konzept passt. Sollten Diks und Chiarodia rechts oder links in der Kette gefordert werden oder ausfallen, blieben nach dem heutigen Stand Elvedi und Friedrich - ein Duo, mit dem man am liebsten nicht in eine längere Saisonphase gehen möchte. Kommt also hier nach dem Itakura-Transfer noch jemand? Etwas wohler wäre mir damit, weil ich auch in der eigenen Jugend niemanden sehe, der da kurzfristig in dieser Saison reinwächst.

3) Florian Neuhaus und Kevin Stöger: Ob Neuhaus noch eine Chance bekommt und die auch nutzt? Falls ja, wäre er eine Option, die das Spiel von Borussia vor allem nach Pleas Abgang noch stärken könnte. Falls nein, könnte er toxisch wirken. Kevin Stöger wiederum muss seine Rolle immer noch finden und ist auch in der Ära nach Lasso für mich nicht gesetzt. Was ist bisher in den Spielen gesehen habe, war das Bild der Vorsaison. Ein klasse Typ, um Gegner zu verwirren. Allerdings auch einer, der zugleich Durcheinander in der eigenen Mannschaft kreieren kann. Und das kann sich Borussia gar nicht leisten. Insgesamt jedenfalls ist für beide die Konkurrenz nicht weniger geworden, und das war ihrer Entwicklung bisher nicht zuträglich. 

4) Die Torwartfrage. Omlin und Nicolas haben beide Ambitionen, dahinter steht mit Tiago Perreira ein dritter starker Anwärter in den Startlöchern. Schwer zu sagen, ob das auf Dauer ohne Probleme über die Bühne geht oder ob wir vielleicht froh sein können, wenn bei Verletzungen so starke Ersatzleute parat stehen. Bei der einen oder anderen Personalie aus dieser Reihe (Weigl, Friedrich, Neuhaus, Omlin) steht sicher in den nächsten Transferfenstern die Fortsetzung des Kaderumbaus an. Ob das gut funktioniert ist offen. Schon jetzt mangelte es offenbar ja an Ointeressenten für die Spieler, die in Gladbach keine große Zukunft mehr haben dürften. 

Was heißt das aus der heutigen Sicht für mich?
Ich denke, dass Borussia stark genug ist, um die Vorjahresplatzierung zu erreichen. Findet sich das Team schnell und kann die Ausfälle kompensieren und sind Kleindienst und Ngoumou nach der Reha schnell wieder in Form, kann auch mehr drin sein. Wetten sollte man darauf nicht. 

Läuft viel schief, kann es durchaus auch Richtung Abstiegskampf gehen, das sollte man aber niemals ganz ausschließen, wenn man nicht Bayern München heißt. Für meinen Eindruck ist die  Mannschaft aber auch mit den Neuen gefestigt genug, um sich da abseits halten zu können.

Heißt: Für Euphorie gibt es keinen Grund. Aber positiv überrascht werden, vor dem Hintergrund realistischer Erwartungen, das wäre schon schön. Packen wir es an, am besten mit einem schönen Auftakt im DFB-Pokal! Davon würde auch die neue Saisonspende profitieren. 


Saisonspende:
Das gilt in der Saison 25/26: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für Derbysiege gegen K*** gibt es 10 Euro. Gehaltener Elfmeter: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 20 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 125 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2025-08-03

Lange Zeit, langer Weg: Happy birthday, Borussia!

Die neue Saison rückt näher, einiges ist klar, anderes weiter offen - und wie das Spieljahr 2025/26 für die Elf vom Niederrhein enden wird, darüber lässt sich auch heute nur spekulieren.

Hier und heute aber soll es um das gehen, was in den letzten Wochen gefühlt die Hauptbeschäftigung innerhalb des Vereins gewesen zu sein schien: die Jubiläumsvorbereitungen und dann das rauschende Fest am Wochenende, mit dem die Vereinsgründung vor 125 Jahren und die wechselvolle Klubgeschichte zelebriert wurde.

Zunächst also auch an dieser Stelle, wie es sich gehört: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und alles Gute für die Zukunft, lieber Fußball-Club Borussia, lieber Verein für Leibesübungen 1900 e.V. aus München Gladbach bzw. Mönchengladbach! 

Du einzige und eigenartige Borussia! Du nervige Zauderprinzessin, du draufgängerische Fohlenherde, du Provinzglück und Wohlfühloase, du schnell Zufriedene und meist Unvollendete, du Unglückliche in großen Dramen, Stolperexpertin mit Ansage, du vernünftige Realistin und selbstangemaltes Mauerblümchen. 

Du verzückender, verrückter und vereint so großer, glänzender, herzlicher Verein - du Freund wie Feind in den Wahnsinn treiben könnender unvergleichlicher VfL!

Borussia blickt zweifellos zurück auf eine äußerst spannende Geschichte, die mit der Gründung am 1. August 1900 ihren Anfang nahm. Und hat es verdient, dies auch jetzt angemessen zu begehen, trotz oder obwohl es in der Gegenwart nicht so rund läuft, wie es alle, die es mit der Borussia halten, so gern hätten.

Aber vielleicht ist es auch ganz gut, sich die Historie dieses stolzen Vereins immer mal wieder zu Gemüte zu führen, um den einen oder anderen Fehlschuss richtig einzuordnen.

Ich bin jetzt seit fast einem halben Jahrhundert Gladbach-Fan. Als kleines Kind habe ich, eher am Rande, das Aushauchen der 70er-Erfolgsjahre erlebt.

Ich habe in den Achtzigern an jedem Wochenende mit meinen Idolen gefiebert und versucht, ihnen so gut es ging auf den Sportplätzen meiner Umgebung nachzueifern. Siege trugen mich fröhlich durch die Woche, Niederlagen drückten die Laune tagelang, vor allem, wenn auf dem Pausenhof das Thema auf Fußball kam.

Es gab auch in diesen Jahren viele begeisternde Momente und ein paar schlimme Niederlagen, die es verhinderten, dass eine mit wirklich talentierten Spielern ausgestattete Gladbacher Mannschaft in diesem Jahrzehnt etwas "Blechernes" in die Höhe strecken durfte. Dennoch war es eine gute Zeit für alle, die die Raute im Herzen tragen.

Ich habe in den 90ern mit Ausnahme der zweiten "Effenberg-Ära" und in den Nuller-Jahren mehr und mehr verzweifelt den Weg in die Bedeutungslosigkeit verfolgt, und doch jedes Jahr aufs Neue auf eine gute neue Saison gehofft, nach dem Motto "Es kann doch nicht immer jedes Jahr wieder so viel falsch laufen". Doch, es konnte. Immer wieder. Aber auch das waren Erfahrungen, die bleiben, und die heute als Anekdoten leicht von der Zunge gehen und nicht mehr wehtun.

In den Zehnerjahren konnte ich vieles aufholen, was mir als Kind und junger Erwachsener in Sachen Borussia verwehrt geblieben ist, einfach weil 250 Kilometer bis zum Niederrhein damals zu weit weg und eigentlich nie genug Geld für große Sprünge zum Stadion oder für ein Trikot da waren. 

Ich - wir alle - haben in diesen Jahren viel miterlebt, was uns für die graueren Jahrzehnte mehr als entschädigt hat. Vom Fast-Abstieg zur Champions-League, von Aue bis Barca, diese Jahre haben mich (und einen meiner Söhne) vielleicht am meisten geprägt. Oder sie blieben besser im Geächtnis haften. 

Oder ich konnte einfach nur live im Stadion und im Fernsehen viel mehr davon selbst sehen, schließlich bestand meine Gladbachwelt früher überwiegend aus der Samstagnachmittag-Radiokonferenz und den Kurzfilmen aus Sportschau und Sportstudio. 

Dass es nicht auf Dauer so weitergehen würde und konnte, das war absehbar. Und als vorsichtiger, skeptischer Mensch befürchtete ich schon in der Favre-Ära jederzeit einen erneuten Absturz. Es lief nach dem Befreiungsschlag in der Relegation gegen Bochum einfach zu plötzlich zu gut. Wie im Stoppok-Song "Ärger" blieben große Rückschläge aber aus, Borussia spielte wieder eine Rolle, auch international. Und scheiterte genauso in Schönheit wie früher. 

Das alles geschah schon gegen alle Wetten, gegen die normalen Regeln des Geschäfts. Das durchkommerzialisierte Business Profifußball füttert, nein stopft mit dem Gros der Einnahmen nur die, die schon oben stehen. Es erlaubt Außenseiter nur der Folklore willen, um den Eindruck zu erwecken, dass der Wettbewerb fair und offen und märchenhafte Aufstiege jederzeit möglich sind. 

Sie sind es natürlich nicht. Das haben alle deutschen Vereine erfahren, die mal ein wenig bei den Großen mitspielen durften und die nicht Bayern oder Dortmund heißen. Selbst Vereine, die für ihren Weg in die nationale Spitze einen dauerhaften Geldzugang von außen gelegt bekamen, stagnieren irgendwann, weil die Dauerteilnahme an den großen europäischen Geldtöpfen und die ungleichen Erlössituationen eben den Unterschied machen.

Unsere Borussia hat in diesen Jahren sehr viel richtig gemacht und ist im Rückblick doch nur wenige Schritte vorangekommen - zu wenige, um dagegen gefeit zu sein, die Erfolgstreppe auch wieder ein ganzes Stück hinunterzupurzeln. 

Trotz des zwischenzeitlichen Gladbacher Höhenfluges gab es wohl nur einmal eine wirkliche Chance, sich mit einem gewagten nächsten Schritt sich länger oben festsetzen zu können. Das war die Zeit der Rose-Verpflichtung, als der Verein so sexy war, dass auch Spieler kamen, die einen sehr großen sportlichen Impact und zugleich bislang ungeahnte finanzielle Möglichkeiten bei einem Verkauf versprachen. 

Wie es im Idealfall hätte laufen können, zeigt Eintracht Frankfurt, das momentan mit Glück und Geschick ganz andere Transfersummen jongliert als Borussia. Doch: Zwei Jahre ohne entsprechendes Fortune in diesem Spieler-Karussell, dann kann es auch dort wieder anders aussehen. Shit always happens.  

Der mutige Schritt wurde bei Borussia jedenfalls nicht konsequent genug gegangen, für die jahrelange Aufbauarbeit belohnte sich der Verein nicht. Oder vielleicht wäre es ohnehin vergebens gewesen, wer weiß das schon. Dazu kamen negative äußere Einflüsse, die zu weiteren Fehlern führten. Seitdem ging mehr schief, als für den Verein in dieser Phase verkraftbar war. Und doch war es wahrscheinlich richtig, diese einzigartige Chance beim Schopfe packen zu wollen.

Der Rest ist bekannt. Wir sind wieder da, wo wir herkamen. Aber auch doch noch nicht wieder da unten, wo wir nie wieder hinwollen. 

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr passt die sportliche Lage nicht mit dem glanzvoll in Rückblenden erzählten Fest, der Selbstbespiegelung einer trägen sportlichen Führung und dem trotzigen Eintauchen in eine mit Tradition und Erfolgen gespickte Vergangenheit zusammen. 

Die neue Führung schwankt zwischen Aussitzen und Neustart, zwischen ausprobieren, neu ausrichten und "das haben wir schon immer so gemacht". Aber die Bilanz ist mit etwas Abstand auch wieder nicht so verheerend, wie sie oft gemacht wird. Borussia ist nicht abgeschmiert wie andere Vereine, die mal in ähnlichen Sphären unterwegs waren. Der Verein scheint sich zu festigen, was auch immer das für die nähere und fernere Zukunft bedeutet. 

Denn es ändert nichts daran, dass das derzeit realistische Ziel "Mittelfeld ohne Kontakt zur Abstiegszone" nicht ausreichen wird, um die Tradition des Clubs in der höchsten deutschen Liga dauerhaft fortführen zu können. 

Das moderne Fußballsystem ist elitär und ungerecht, es belohnt nicht vernünftige Wachstum und gesunde Entwicklung, sondern die Potenz, jeden Schritt bei der Monetarisierung des Spiels mitzugehen und auch sportlich bei jedem Irrsinn mithalten zu können. Das moderne Fußballsystem erlaubt keine Bräsigkeit, es bestraft Fehler und das zu lange Festhalten daran oft sehr brutal. Manchmal bestraft es auch, ohne dass jemand viel falsch gemacht hat. 

Trifft das auch unsere Borussia, und am Ende noch ausgerechnet im Jubiläumsjahr? Das ist eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten und Variablen. Ich kann mir zwischen Platz 5 und 17 vieles vorstellen. Seriös abschätzen lässt sich das allerdings von Jahr zu Jahr immer schlechter, finde ich. In dieser Saison kommen mit Köln und Hamburg noch zwei Konkurrenten hinzu, die ein anderes Potenzial haben als kleinere Auch-mal-dabei-Vereine wie Kiel.  

In den vergangenen Jahren hat mich vieles von dem, was ich bereits geschrieben habe, vom Profifußball entfremdet. Es ist ein Geschäft, das zunehmend von Geldgebern von außen bestimmt wird, von Spielverderbern, die aber immer mehr Fäden in die Hand bekommen. Warum? Weil sie bereit sind, permanent irre Summen in ein Spiel hineinzupumpen, das längst kein Spiel mehr ist. 

Wo Fußballer in erster Linie Sportunternehmer sind (oder werden mussten?), die das Spielen auf der Klaviatur der Gefühle von Fans genauso erlernt haben wie den exakten Pass in den richtigen Fuß des Mitspielers. Die mit gewinnmaximierend ablösefreien Wechseln das Geschäftsmodell von Vereinen aushebeln, die ihren Etat komplett selbst erwirtschaften müssen - und das kann man den Akteuren nicht einmal vorwerfen, weil es erstens vertragsgemäß ist und zweitens zum unternehmerischen Handeln dazugehört, den eigenen Marktwert bestmöglich zu nutzen. Schön ist es dennoch nicht.

In meiner Jugend hätte ich mir eher vorstellen können, dass 40 Jahre später nicht mehr Menschen, sondern Roboter gegeneinander spielen, als dass dieses unberechenbare Hin und Her, was wir als Fußball lieben, Million für Million korrumpiert, für die Besten sehr lukraktiv und für wenige Auserwählte sogar hablwegs berechenbar gemacht wird. Die Zeche zahlen wir alle, und auch wenn wir nur noch als stimungsvolle Wettbewerbs-Staffage erwünscht sind, packt uns dann doch jeder kleine Höhenflug wieder emotional und lässt unsere Portemonnaies aufspringen, für Merch, Karten, Pay-TV etc.    

So betrachtet, und damit komme ich zurück zum Vereinsjubiläum, lässt sich auch so ein Fest wie das am Wochenende mit Fug und Recht als reines Kommerz-Event betrachten. 

Ich denke zum Beispiel nicht, dass wir eine massive Fohlenskulptur gebraucht hätten, für die jetzt 1900 Paten gesucht werden, die für einen Umsatz von 1,8 Mio. Euro sorgen sollen. Was an diesem Wochenende konsumiert und geshoppt wurde, kann ich nicht annähernd schätzen. Doch trotz hoher Kosten wird am Ende ein hübsches Sümmchen übrig bleiben, das den fürs Geld zuständigen Geschäftsführer bis zur nächsten Jahreshauptversammlung vielleicht auch ein wenig ruhiger wird schlafen lassen. Vielleicht erweitert es auch die finanziellen Möglichkeiten so, das wir am Ende sagen, auch dafür hat es sich gelohnt.

Das Jubiläum also als Verkaufsveranstaltung, quasi eine Kaffeefahrt, zu der die Teilnehmer freiwillig selbst und mit gelockertem Geldbeutel anreisen. Sicherlich. Und jeder hat ja die Wahl, ob er daran teilnimmt und was er in den Warenkorb legt oder auch nicht.

Ich habe für mich aus verschiedenen Gründen entschieden, dass ich das diesmal auslasse. Mir haben die Impressionen über Social Media und in der Sky-Übertragung gereicht. Aber ich verstehe gerade deshalb auch jeden, der Teil davon sein wollte. Und darin steckt die wirkliche Chance, die diese Veranstaltung bot.

Denn wir brauchen keine Fohlen-Bronze, kein goldgerändertes Real-Madrid-Imitat als Trikot - aber wir brauchen einander. 

Um zusammenzurücken, wenn der Opa dem Enkel von den tollen und den tragischen Kapiteln der Vereinsgeschichte erzählt und auch hier wieder den Funken der Begeisterung erweckt, der bei manchem anderen nur noch manchmal leise aufglimmt. 
Um einig zu sein - dort, wo zusammen gelacht, geweint, gefightet und gejubelt wird, denn dort entsteht die Kraft, die einen Verein und eine Mannschaft trägt, auch wenn es gerade mal nicht so gut steht.

Das hat Borussia Mönchengladbach nach den letzten Jahren bitter nötig, die doch eher von zerbröselnder Liebe denn von unerschütterlichem Zusammenhalt geprägt waren. 

Nach allem, was ich aus der Ferne von diesen zwei Tagen mitbekommen habe, hat hier am Ende vieles besser gepasst als es vielleicht im Vorfeld zu hoffen oder zu erwarten war - es gab viele glückliche Gesichter, tolle Begegnungen mit nahbaren Legenden, ein familiäres, friedliches Fest und gegen Valencia eine bemerkenswerte Stimmung im Stadion, die für Pflichtspiele auf mehr hoffen lässt. 

Natürlich, der Pathos tropfte zwei Tage lang nur so aus jedem Lautsprecher, inklusive augenbefeuchtenden Filmschnipseln, Feuerwerk und einer neuen, mit allen Klischees und Worthülsen beladenen und daher auch überflüssigen Hymne.

Aber wenn es genau das braucht, um "ein einig Volk von Brüdern" zu aktivieren, den Mythos Borussia zu reanimieren, sich unterhaken zu lassen und Borussia mit ordentlich Rückenwind ins Feuer der neuen Saison zu schicken, dann bin ich fein damit und habe nie etwas anderes gewollt ;-)

Auch das wird uns wohl nicht zum Meister machen, aber es lässt alles, was da kommen mag, besser ertragen. Und wer weiß, vielleicht gibt es doch bald mal wieder mehr Grund zur Freude als zuletzt. E
s muss ja nicht alles immer nur schlechter werden. Wenn Zusammenhalt in den kommenden Monaten fußballerisch Berge versetzen würde - ich würde ich mich jedenfalls nicht dagegen wehren wollen. 

Die Seele brennt!

2025-07-13

In der Falle

Es ist Mitte Juli und gut einen Monat vor dem Beginn der neuen Saison steht man als geneigter Borusse ziemlich ratlos vor dem, wofür der Verein in diesem Sommer eigentlich steht und was er in den kommenden Monaten vorhat - außer bei einer zweitägigen Jubiläumsfeier Anfang August in der glorreichen und halb glorreichen Vergangenheit zu schwelgen.

Die Transfertätigkeiten liegen auf Eis, weil es für zu viele, von denen man sich zum wiederholten Mal vorstellen könnte, sie zu einem anderen Club zu verabschieden, offensichtlich keinen Markt gibt. Oder zumindest keinen, auf dem es mögliche Abnehmer besonders eilig hätten. 
Ohne zu dramatisieren, kann man also festhalten: Borussia Mönchengladbach sitzt da in einer blöden Falle.

Der vielzitierte Dominostein, der alles andere auf dem Transfermarkt ins Rollen bringen könnte, er wird auch diesmal nicht von der Gladbacher Seite angestoßen. Das ist jedem längst deutlich geworden, auch ohne dass die sportliche Führung das immer wieder mantraartig hätte betonen müssen. 
Ob das eine kluge Verhandlungstaktik ist, ein folgenschwerer Fehler oder ob man sich das Leben damit zumindest nur schwerer macht, kann sich jeder selbst überlegen. Wir werden es erst später endgültig bewerten können.

Der daraus folgende Stillstand im Kader ist allerdings beunruhigend. Denn auch wenn Roland Virkus sehr früh die Vorgriffs-Transfers von Kevin Diks und Jens Castrop verkünden konnte: Ohne Bewegung bei Gladbacher Ab- und Zugängen können sie - trotz ihrer zweifellos vorhandenen Klasse - wichtige Probleme auch nicht lösen.

Denn: Für beide gäbe es Stand jetzt keinen Platz in der Startelf oder sie verdrängen dort Stammspieler mit gut dotierten Verträgen, die damit auch nicht an (Verkaufs-)Wert gewinnen würden. 

Denn sowohl auf den zentralen Positionen im Mittelfeld, die der aus Nürnberg gekommene Castrop beackert, als auch in der Abwehr, in der Diks heimisch ist, gibt es einen krassen Überhang an (Noch-)Konkurrenten.

Das Dumme: Castrop ist ebenso wie Weigl, Reitz, Sander, Stöger, Fraulo und Neuhaus kein klassischer Sechser. Sander kommt dem bisher noch am nächsten, und vielleicht entwickelt sich ja der Neuzugang dahin - man möchte sich aber nicht darauf verlassen. 

Weigl scheint unverkäuflich (und ein Transfer wird offenbar auch von Vereinsseite nicht für notwendig erachtet) und wirkt zugleich als einer der größten Problemfälle, was die Balance in der Mannschaft angeht. 
 

Der Vizekapitän spielte in den letzten Jahren fast immer, doch es kam jeweils sehr stark auf seinen Nebenmann an, wie gut oder schlecht Borussia das zentrale Mittelfeld defensiv dicht bekam und ob es offensiv Durchschlagskraft entwickeln konnte. 

Ob und wie Borussia diese Baustelle - die Unwucht zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei einem der nominellen Führungsspieler - angeht, ist mir völlig unklar.   

Kevin Diks konkurriert rechts zwar nur mit Joe Scally, doch in der Innenverteidigung, wo er vermutlich dringender gebraucht würde, steht er sich derzeit noch mit Itakura, Elvedi, Chiarodia und Friedrich auf den Füßen. 

Auf der einen Seite steht Scally, mit einem gewissen Marktwert ausgestattet, genauso im Borussia-Schaufenster wie die Innenverteidiger Itakura (bringt notwendiges und zum Teil bereits ausgegebenes Geld) und Elvedi (müsste bei zu erwartender eher geringer Einnahme erst gleichwertig ersetzt werden). 

Andererseits hat Borussia weder beim Japaner noch beim - nicht vergessen: äußerst verdienten und treuen - Schweizer Borussen ein Druckmittel im Poker um die Ablösesumme. Im Gegenteil: Wenn beide bleiben, könnten sie sich im kommenden Jahr bzw. im Fall Elvedi dann 2027 in die Reihe der unglückseligen ablösefreien Abgänge von Thuram bis Bensebaini einreihen. 

Etwas, was Virkus und Stegemann zwar unbedingt vemeiden wollen und müssen, aber kaum können, wenn die Spieler nicht mitspielen. Ähnlich schlecht sind Borussias Karten bei einem Wechsel von Marvin Friedrich.     

Gehandelt werden muss nun aber mal. Überall.

Im Tor, wo Jonas Omlin nach seiner voraussichtlich dauerhaften Einordnung als Nummer zwei hinter Moritz Nicolas eigentlich dem eigenen Anspruch nach das Weite suchen müsste, es für ihn angesichts der Verletzungshistorie aber möglicherweise gar keine passenden Interessenten gibt.

Im Sturm, weil Tim Kleindienst bis mindestens November das Toreschießen in der Liga nicht wieder wird aufnehmen können. 

In der Abwehr, weil durch Lainers Weggang bei einer Verletzung von Scally oder Diks die Seite nicht mehr doppelt besetzt wäre. Und, weil die Abwehr insgesamt eine Auffrischung oder Neuausrichtung dringend nötig hätte. 

Im Mittelfeld schließlich, weil zu viele Spieler um die spielgestaltenden Positionen rangeln und zu wenige um die Türsteherjobs vor der letzten Verteidigungslinie.

Als wäre es noch nicht kompliziert genug, diese Aufgaben bei gesperrtem Festgeldkonto einigermaßen unter einen Hut zu bekommen, bleibt auch noch die Ungewissheit bei einer Handvoll weiterer Spieler.

  • Gehen Luca Netz oder Lukas Ullrich und was hieße das für die defensive Stabiliät hinten links, wenn man weiß, dass beide in der kompromisslosen Verteidigung nach hinten keine Monster sind?
     
  • Macht Lasso Plea nochmal was Neues und hinterlässt uns ein kleines Ablösesümmchen, für das man aber keinen gleichwertigen Ersatz mit diesem Profil und Spielintelligenz bekommt? Kann Stöger dann in diese Rolle schlüpfen?

  • Was sind die besten Entscheidungen für Fraulo, Ranos, Fukuda, Tiago Perreira? 

  • Bekommt man den in Ungnade gefallenen Florian Neuhaus in ein 1,2,3,4 Wochen koste es, was es wolle, noch vom Hof oder sitzt auch er seinen Vertrag aus?

  • Oder muss man am Ende einen Honorat ziehen lassen, um auf dem Transfermarkt überhaupt handlungsfähig zu werden?
     
  • Und werden wir am Ende wirklich darauf vertrauen müssen, dass Tomas Cvancara gegen jede Wette unverhofft durchstartet und sich als Kleindienst-Vertreter bewährt? Oder Ngoumou daran anknüpft, wo ihn die schwere Verletzung ausgebremst hat?

  • Hofft der Verein ernsthaft, dass in dieser Situation ein Nachwuchsspieler den "Borussia-Weg" geht und zum Hoffnungsträger mutiert?  

Was sich bis zum Ende der Transferperiode tut und ob Borussia da gut, zerrupft oder katastrophal heraus kommt, ist bis heute kaum vorherzusagen. 

Fakt ist, dass einige der hoffnungsvollen Spieler, die mit Borussia in Verbindung gebracht wurden, aufgrund der selbst auferlegten Handlungsunfähigkeit längst vom Markt sind. Das klingt nach verpassten Chancen, muss aber kein Nachteil sein. 

Immerhin: Dass ein (Wunsch-)Spieler wie Kiels Machino noch nicht woanders unterschrieben hat, macht etwas Mut. Aber auch diese Entscheidung ist sicher keine Frage von mehreren Wochen mehr. 

Alles unklar also an der Spielerfront. Und da haben wir noch nicht über den Trainer gesprochen, der mit gellenden Pfiffen in die Sommerpause verabschiedet wurde (was ich in keiner Weise billige). 

Die Zweifel daran, dass er in der Lage ist, die Mannschaft neu auszurichten, sich den gegebenen Möglichkeiten anzupassen und junge Spieler mutig und nicht nur in Notsituationen zu integrieren oder Spieler einfach besser zu machen, konnte er auch in der vergangenen Saison nicht zerstreuen. 

Dass der Verein in Ermangelung anderer guter Nachrichten zuletzt medial in den Vordergrund stellte, dass man in den kommenden Jahren stärker auf die Durchlässigkeit aus der Jugend in die Profimannschaft achten will, ehrt ihn. Doch bis die Talente aus der bisherigen U17 und U19 zu konkurrenzfähigen Bundesligaspielern für Borussia entwickelt werden können, werden noch einige Jahre vergehen. 

Und ob gefragte U17-Topspieler wie Moya und Güner auch nach ihrer Volljährigkeit ihre Zukunft noch in Gladbach sehen, hängt erheblich davon ab, wie Borussia dann da steht und welche Perspektiven man ihnen bieten kann. 

Entkommt Borussia bis dahin der Weiterentwicklungsfalle, in der sie gerade sitzt, könnte das ein Wendepunkt zum Positiven sein. Wenn nicht, drohen auch die großen Anstrengungen des Vereins in seiner Jugendarbeit zu verpuffen. Was es nicht leichter machen würde, in einem immer enger werdenden Wettbewerb und bei steigender Zahl an finanzkräftigeren Konkurrenten, dauerhaft zu bestehen.

Das heißt: Man kann wegen der Bedeutung der diesjährigen Entscheidungen für die nächsten Jahre nur hoffen, dass die Weichen in diesem Sommer noch richtig gestellt werden können. 

Ich würde allerdings im Moment darauf nicht wetten. Und das hat nichts mit überhöhten Ansprüchen oder Erwartungen eines Fans zu tun. Es ist die Befürchtung, dass man sich entgegen der berühmten Aussage des Sportchefs eben doch Sorgen um Borussia Mönchengladbach machen muss.