2014-11-23

Normale Härte

Wow, wie schnell das geht. Erst himmelhoch jauchzend, jetzt wieder zu Tode betrübt. Borussia Mönchengladbach hat nach dem ersten gleich auch das zweite Spiel hintereinander verloren. Ein Skandal, wenn man so manchen Fan-Kommentar im Netz oder manche Zeitungsschlagzeile liest.

Ich sage: Nö, das ist ganz normal.
Gegen Dortmund darf man verlieren, gegen Frankfurt musste man nun wirklich nicht verlieren. Tat es dann aber doch, und das am Ende völlig verdient. Das macht aus einem angeblichen Bayernjäger noch lange keine Grottenkicker. Sowenig wie das übertriebene Lob in den vergangenen Wochen ist nun übertriebene Kritik an der Leistung in den letzten beiden Spielen angebracht.

Klar - hätte, wenn und aber. Nach 15 Minuten musste die Eintracht eigentlich schon drei Tore geschluckt haben, dann wäre an diesem Tag auch nichts mehr angebrannt. Im Laufe des Spiels ließ die Spannkraft in Borussias sonst so laufstarker und geschickt verteidigender Einheit aber immer mehr nach. Und nach dem Ausgleich passierte das, was in den Jahren zuvor immer verlässlich so viele Punkte gekostet hatte. Statt in der kritischen Phase ruhig weiterzuspielen, wie schon so oft in dieser außergewöhnlichen Saison, ging es kopflos ins Verderben.
Dazu hat natürlich auch die Eintracht mit ihrem gut aufgezogenen Offensivspiel einiges beigetragen. Nicht zum ersten Mal übrigens. Im Aufeinandertreffen im Pokal fiel das nicht so ins Gewicht, weil es Borussia gelang, die Frankfurter über weite Strecken in der eigenen Hälfte festzunageln und da, wie gestern in der Anfangsphase, von einer Verlegenheit in die nächste zu stürzen.
Wer sich erinnert: Trotz des kreativen Feuerwerks, wurde es am Ende im Pokal auch nochmal ganz schön eng.Damals wäre ein Sieg der Eintracht allerdings natürlich nicht verdient gewesen. Gestern war er es ohne Zweifel. Und da gilt es für Favre und die Spieler anzusetzen: die bisher gezeigte Dominanz auch in schwächeren Phasen des Spiels nicht preiszugeben, weil man sonst dem Gegner hinterherläuft.

Dumm gelaufen, aber letztlich doch alles im Rahmen. Und nach dem nur durch ein unglückliches Tor verlorene Dortmundspiel auch gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner hoffentlich der richtige Dämpfer.
Auch für uns Fans, die heimlich ja doch schon ein ganz kleines bisschen von ganz oben geträumt haben. Das ist aber doch noch weiter weg, als auch ich es vor dem Spiel wahrhaben wollte.

In jedem Fall stützt es die immer wieder wiederholte Aussage von Favre und Eberl, dass man in dieser Liga immer an die Grenze gehen muss. Lässt man nur etwas nach, und das war gestern der Fall, kann jeder gegen jeden verlieren. An den fehlenden Spielern (Kramer, Stranzl) würde ich die Niederlage auf keinen Fall festmachen, auch wenn speziell Dominguez und Wendt keinen guten Tag erwischt hatten. Es fehlte insgesamt zuviel, auch bei Kruse, Hahn und Raffael. Daher war es für mich etwas unverständlich, dass Hazard und Traoré erst so spät kamen.

P.S. Natürlich  ein saudummes Verhalten von Granit Xhaka in der Schlussphase, aber auch hier muss man die Kirche im Dorf lassen. Denn der Junge hat in den vergangenen Monaten schon viel cleverer gelertn zu spielen und auch erheblich weniger gefoult (und gelbe Karten kassiert) als in den ersten beiden Saisons. Natürlich muss er sich vor allem das rüde Foul verkneifen, das ist nicht zu entschuldigen. Aber seinen Frust nach zwei - aus meiner Sicht falsch - zurückgepfiffenen Toren und dem Spielverlauf, das kann ich auch nachvollziehen. Wenngleich ich gestern das Gefühl hatte, selbst die beiden Abseitstore hätten diesmal nicht für einen Punkt gereicht.

Bundesliga, 12. Spieltag 2014/15: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 1:3 (22.11.14)

 

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