Wille findet Weg

Liebe Leute, war das wichtig! Seit Monaten endlich wieder ein Sieg!! Auswärts!!! Mit drei Toren!!!! Und einem Kopfballtor!!!!! Zwei-Tore-Rückstand umgebogen! Und dann noch Torerfolgserlebnisse für die zuletzt trotz des großen Einsatzes mit hängenden Schultern über den Platz laufenden Schlüsselspieler Raffael und Kapitän Lars Stindl. Das alles an einem Abend. Das ist schon fast zu viel für nur ein Spiel. 

Es war wie die geballte freigesetzte Kraft eines endlich zurückschwingenden Pendels, das seit Oktober immer nur in eine Richtung ausgeschlagen hatte - in die Gladbacher Magengrube. 
Gerade, als wieder alles gegen die Hecking-Elf zu laufen schien, als es schon wieder so aussah, als würden das mutige Spiel, die ganzen guten Ansätze der ersten halben Stunde, durch zwei einfache Fehler bei Standardsituationen zunichtegemacht - da drehte der angeschlagene VfL das Spiel. Und wie!

Die Art und Weise, mit der das gelang: Das ist heute das Allerwichtigste. Denn es war nicht die lange versuchte Rückkehr zum leichtfüßigen Tiki-Taka-Tanz, sondern der brachiale Wille, sich in jeden Zweikampf zu werfen, sich durchzusetzen, am Gegner festzubeißen und auch mal minutenlang den Ball nur noch aus dem eigenen Strafraum rauszuprügeln, um das Ergebnis bis zum Schluss zu mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. 

Das ist der Fußball, der Borussia aus dem Tabellenkeller herausbringen kann. Es war das Signal, das die Mannschaft endlich mal setzen musste (und auch schon früher hätte setzen können) - für sich, für das Umfeld, die Fans. Das Zeichen, dass sie sich gegen ungerechte Spielverläufe und Nackenschläge wehrt und signalisiert: Jetzt erst recht! So wie sie es in Glasgow getan hatte, als vor Anpfiff auch nur wenig für das Team sprach und am Ende die Schotten niedergekämpft zurückblieben - geschlagen mit den eigenen Waffen. 

Dieses ersehnte Lebenszeichen, der Beweis, dass das Feuer in der Mannschaft nicht erloschen ist, brach sich in der Bundesliga nun ziemlich spät seine Bahn - aber nicht zu spät in der Saison.

Weil das heute so gut getan hat, halte ich mich nicht lange mit den ebenfalls deutlich gewordenen Schwächen auf, die dieser ohne Zweifel verdiente Sieg hat. Angefangen bei leichten Fehlern in der Defensive, vor allem bei den Gegentoren, über erneut viele schlampig verhaspelte Angriffe bis zur Tatsache, dass die noch fehlerhafter agierende Bayer-Elf einen nicht unerheblichen Teil zu diesem Erfolg beigetragen hat. Und schließlich war da ja auch noch ein bisschen Glück, weil der Anschlusstreffer nicht wegen Abseits zurückgepfiffen wurde und eine gute Schiedsrichterleistung von Deniz Aytekin, der mit seiner großzügigen Spielleitung heute gut fuhr, damit Gladbachs engagiertem Zweikampfeinsatz aber auch entgegenkam.

Dieter Heckings bisherige Aussagen lassen darauf schließen, dass er das ebenso registriert hat, nüchtern mit dem Team weiterarbeitet und den Sieg nicht höher bewertet als man sollte. Aufbauen kann man auf dieser Leistung jedenfalls - wenn die Borussen auch im nächsten Spiel wieder bereit sind, diesen Aufwand zu treiben, sich über ihre Grenzen zu quälen und sich vom Gegner nicht aus dem Konzept bringen lassen.   
Bundesliga 2016/17, 18. Spieltag (28.1.17): Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 2:3 (Tor für Borussia: 1:2 Stindl, 2:2 Stindl, 2:3 Raffael)

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