Ein paar Stunden noch, dann gilt's - die neue Saison steht unmittelbar vor der Tür. Und wer jetzt vorhersagen kann, wie Borussia in die neue Spielzeit startet, hat meine volle Hochachtung.
Ich kann es beim besten Willen nicht, allen Testspieleindrücken zum Trotz. Ich erwarte einen harten Kampf im Pokal gegen einen gefährlichen und giftigen Gegner aus der zweiten Liga. Und ich erwarte einen schwierigen Bundesliga-Start, der mit dem nötigen Quäntchen Glück ähnlich erfolgreich sein könnte wie der in der vergangenen Saison. Der aber auch voll in die Hose gehen könnte.
Um die Offensive mache ich mir dabei wenig Sorgen, auch wenn neben dem schon im vollen Saft stehenden Alassane Plea die beiden wuchtigen Sturmkandidaten Breel Embolo und Marcus Thuram noch nicht fit sein dürften für 90 Minuten. Ich könnte mir daher vorstellen, dass Patrick Herrmann gute Chancen haben könnte, gegen Sandhausen in der Startelf zu stehen. Davon abgesehen ist der VfL offensiv mit Hofmann, Neuhaus, Zakaria, Cuisance und Raffael so durchsetzungsfähig besetzt, dass man gegen jede gegnerische Defensive Lösungen finden kann.
Doch es gibt einige Punkte, die die Mannschaft in den Testspielen noch nicht oder nur phasenweise zufriedenstellend lösen konnte. Natürlich lässt sich da nicht einfach ein Schalter umlegen und alles funktioniert plötzlich. Aber es sind die Baustellen, die über einen guten Start in die Saison oder einen Fehlstart entscheiden.
1) Die Rückwärtsbewegung bei Ballverlusten oder dann, wenn der Gegner das VfL-Pressing mit langen Bällen überwinden kann. Das kollektive Verteidigen in solchen Situationen war schon unter Hecking oft fehleranfällig, viele Gegentore entsprangen solchen Situationen. Unter Rose stört Borussia oft noch früher, steht noch höher und hat dadurch längere Wege nach hinten, wenn es brennt. Die Probleme mit solchen Gegenangriffen waren in allen Testspielen unübersehbar. Das Gute ist, dass das Team daran kontinuierlich arbeitet und die Automatismen zunehmend greifen werden. Dennoch bleibt hier ein nicht geringes Risiko. Sandhausen wird unserem Team da richtig auf die Zähne fühlen.
2) Wie gefestigt ist der VfL mental bei Rückschlägen? Marco Rose hat deutlich gemacht, dass er dem Team das Selbstvertrauen und den Glauben an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten einimpfen will. Das ist entscheidend, wenn ein Pressing schiefgeht und etwa in einen Rückstand mündet. Ist dann der Wille und das Vertrauen da, dennoch genauso weiter zu spielen oder zieht sich die Mannschaft dann auf das vermeintlich sichere (aus der Vorsaison noch eingeübte) Ballbesitzspiel zurück? So war es etwa phasenweise gegen Angers und Bilbao, als lange gar nichts passierte, weil der Ball mehr oder weniger zirkulierte und der Gegner durch geschicktes Verschieben in der Defensive den Borussenstürmern jede Stärke nahm.
Ich bin gespannt, wie Elvedi und Co damit in den ersten Pflichtspielen umgehen. Denn mentale Stärke ist in der Mannschaft ohne Zweifel vorhanden. Doch es kommt noch mehr als vorher darauf an, auch die Schritte mehr zu laufen, die richtig wehtun - weil man vollends überzeugt ist, dass man genau darüber letzten Endes auch zum Erfolg kommen wird.
3) Der Zugriff in der Abwehr. Ginter und Elvedi, aber auch Tobi Strobl oder Stefan Lainer wirkten in einigen Spielen nicht so fokussiert, verloren relativ viele entscheidende Zweikämpfe. Auf diese Sicherung muss sich Borussia im Rose-Offensiv-Modus aber mehr denn je verlassen können. Denn auch wenn Yann Sommer schon wieder in blendender Verfassung ist: Alles kann selbst er nicht halten.
4) Die Foul-Quote. Aggressiv zu Werke gehen und Bälle erobern, ohne zu viele Fouls zu ziehen - das ist ein Schlüssel zum Erfolg unter Marco Rose. Borussia verursachte in den Vorbereitungsspielen für meinen Geschmack viel zu viele vermeidbare Fouls. Die sind zwar meist nicht böse und auch kaum taktischer Natur. Aber wir alle wissen, wie wenig berechenbar mancher Schiedsrichter in der Liga ist. Oft reicht die reine Häufung von Fouls - gerade bei den zentralen Mittelfeldspielern -, um sie zu verwarnen und damit zu einem Teil auch aus dem körperbetonten Spiel zu nehmen. Das muss nicht sein.
5) Konzentration auf schnörkelloses Spiel. Borussia hat in der Vorbereitung eine Reihe toller Tore erzielt. Vor allem gelang das dann, wenn ganz einfach gespielt wurde. Paradebeispiel waren die beiden Tore gegen Chelsea, an denen jeweils Plea entscheidenden Anteil hatte. Viel ging zwischendrin aber auch ins Leere, weil die Laufwege nicht stimmten oder Dinge versucht wurden, die zwar schön aussahen, aber zu ambitioniert waren. Schnelle Pässe, klatschen lassen, einfache Laufwege und präzise Pässe in den Lauf sowie klare Abschlüsse, die nicht in gefährliche Gegenangriffe verwandelt werden können: Das klingt zwar selbstverständlich, ist aber in den Testspielen kein Selbstläufer gewesen.
Ich bin wirklich gespannt, ob es in den ersten Spielen gelingt, all diese "Schwächen" sofort in den Griff zu bekommen. Die anderen Mannschaften schlafen ja schließlich auch nicht. Deshalb behalte ich erstmal meine leichte Skepsis bei, um mich hoffentlich positiv überraschen lassen zu können. Ich bin fest davon überzeugt, dass Marco Rose und sein Team der Mannschaft ihre Spielidee vermitteln können. Es könnte aber eben ein paar Spieltage dauern, bis alles ineinander greift. Und in der Bundesliga gibt es keine Gegner, die Schwächen bis dahin nicht rigoros ausnutzen wollten.
Wie gelingt der Saisonstart also? Ich denke und hoffe, dass in der ersten Pokalrunde noch nicht Schluss sein wird, dann aber mit einem eher knappen Ergebnis und demr einen oder anderen Portion Sand im Getriebe. Das Auftaktprogramm in der Bundesliga ist mit Schalke, Mainz, Leipzig und K*** auch nicht ohne. Wenn Borussia da mit sechs Punkten (plus x) rauskäme (inklusive natürlich der drei Derby-Pflichtpunkte), wäre es nicht die schlechteste Ausgangsposition.
Das ist defensiver, als es die Vorschusslorbeeren für das Team Rose und die ohne Zweifel durch die Neuzugänge merklich verstärkte Mannschaft vielleicht von außen erwarten lassen.
Aber ich glaube, dass den meisten Gladbach-Fans durchaus klar ist, dass es auch unter diesen verbesserten Voraussetzungen nicht in Schallgeschwindigkeit von Null auf Hundert gehen wird. Geduld und Nachsicht sollte für die kommende Saison vielleicht sogar das wichtigste Utensil des VfL-Fans sein.
Also: Auf eine gute Saison 2019/20! Die Seele brennt - egal wann sie gespielt wird!
2019-07-20
Erste Blüten an Borussias neuer Rose
Drei Wochen sind es noch bis zum Saisonstart mit dem DFB-Pokal-Erstrundenspiel, und nun beende auch ich meine - diesmal länger als üblich ausgefallene - Sommerpause.
Wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, noch nichts geschrieben zu haben, wo die Mannschaft mit dem neuen Trainerstab nun doch schon fast drei Wochen im Training ist. Aber es gab noch nichts, was ich unbedingt loswerden musste. Und dann gab es noch einen zweiten Grund, der meine Vorfreude auf die neue Spielzeit bisher arg gedämpft hat und weiter dämpft. Dazu später mehr.
Dieses Jahr war bei Gladbach einiges deutlich anders als in den Sommerpausen zuvor. Die Transfers stockten lange, dann kamen die etwas überraschenden Zugänge Max Grün, Stefan Lainer und Breel Embolo, die bei näherem Betrachten aber eigentlich ziemlich schlüssig sind.
Dazu gehört natürlich der erfahrene Grün als Backup im Tor für den sinnvollerweise ausgeliehenen Moritz Nicolas. Auch dass Marco Rose einen seiner bisherigen Spieler mitbringen würde, um auf dem Platz einen zu haben, der seine Vorstellungen "auf dem kurzen Dienstweg" vermitteln kann, hatte ich wohl einkalkuliert - dabei aber wie fast alle eher auf Xaver Schlager oder Fredrik Gulbrandsen getippt.
Und dass Max Eberl Spieler, die er haben will, auch gern mal im zweiten Anlauf (zudem billiger und vielleicht sogar williger) holt wie bei Embolo, hat er ja schon mehrfach bewiesen - etwa bei Drmic, Kruse, Ginter oder Hofmann. Embolos Verletzungshistorie sehe ich dabei als nicht so entscheidend an, weil die meisten seiner Verletzungen - ähnlich wie bei Lars Stindl - durch spieltypische Einflüsse zustande kamen und nicht unbedingt auf eine chronische körperliche Schwachstelle weisen. Ich denke, dass wir an dem Schweizer viel Freude haben werden.
Nun kommt ja auch noch für die Offensive Marcus Thuram, womit man Max Eberl schon jetzt und wieder einmal richtig gute Arbeit bescheinigen kann. Alle drei Zugänge bringen große Qualität neu in den Kader. Und auch für die Verteidigerposition wird es am Ende wohl noch einen Spieler geben, der ins Konzept und Budget passt.
Im Gegenzug werden wohl auch Spieler noch gehen, meine Tipps wären Poulsen (Leihe) und Michael Lang. Sollte sich die Situation um Mika Cuisance noch zuspitzen, halte ich auch seinen Verkauf nicht für ausgeschlossen (gegen entsprechende Weiterverkaufsbeteiligungen). Denn auch wenn er im Testspiel wieder einmal sein großes Können zur Schau stellte und ein schönes Tor erzielte, agierte er für meine Begriffe bisweilen auch wieder eigensinnig und fehlerbehaftet (er wurde von Rose mehrfach korrigiert). Vor allem bleibt seine auch öffentlich geäußerte Anspruchshaltung ein schwelender Brandherd. Denn er ist bei weitem nicht der einzige, der sich begründete Hoffnung auf einen Stammplatz in der Mittelfeldraute ausrechnen darf - aber er ist der einzige, der eine Drohkulisse ("Sonst bin ich weg") dafür aufbaut. Ich habe großes Vertrauen, dass Marco Rose mit seiner ruhigen, aber verbindlichen Art die richtigen Worte für das ungeduldige Riesentalent finden wird. Doch ob der Franzose es auch verinnerlicht, dass er keine Extrawurst gebraten bekommt, und daraus die richtigen Schlüsse zieht, muss sich zeigen.
Die Befürchtung, die viele (auch ich) hatten, dass die Anforderungen von Marco Rose nicht mit allen vorhandenen Spielern kompatibel sein könnten, habe ich in den vergangenen Tagen leichten Herzens verworfen.
Und ich habe mich dabei auch ein wenig geschämt und geärgert, dass ich mit meinen Zweifeln langjährigen Borussen wie Wendt, Jantschke, Johnson oder Herrmann (und nicht zum ersten Mal) quasi abgesprochen habe, dass sie in ihrem Beruf natürlich genauso lernfähig sind wie wir in unseren "Allerweltsberufen". Und dass sie ihre Aufgaben auch unter anderen taktischen Vorgaben mehr als ausreichend zu erfüllen vermögen.
Man tut als Außenstehender jemandem leicht mal unrecht, schreibt manchmal Spieler zu früh und leichtfertig ab. Doch bisher haben gerade diese Spieler ja unter jedem Trainer wieder ihre Chance bekommen. Ich hätte das also von Beginn an entspannter sehen können.
Ich habe bis jetzt noch relativ wenig live sehen können, in Gänze nur das Testspiel gegen Basaksehir und ein paar Szenen aus den Testspielen zuvor. Doch das, was da zu sehen war, hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, sich nicht nur auf die Neuzugänge zu konzentrieren, sondern darauf, wie gerade die altgedienten Spieler mit dem Rose-System zurecht kommen. Ein Beispiel ist Alassane Plea, der ein Dreh- und Angelpunkt im Spiel nach vorne ist, obwohl ihm mancher schon Fluchtgedanken angesichts der künftigen Spielweise unterstellte.
Doch auch die eben Genannten - Herrmann, Johnson, Wendt und Jantschke, natürlich auch Maestro Raffael, haben mir gezeigt, dass sie bereit sind für Roses Borussia. Na klar, Testspiele sind Testspiele, und gerade Jantschke hatte gegen den Erdogan-Club bei einigen schnellen Gegenangriffen auch seine Probleme. Doch insgesamt war das schon sehr flüssig.
Das 5:1 gegen Basaksehir war hochverdient und sehr ansehnlich - mit tollen Toren. Aber man darf es wie immer nicht zum Maßstab nehmen. Die Jahre zuvor haben oft schon gezeigt, dass gerade die jungen Spieler und die U23-Gäste sich dort ganz hervorragend verkauft haben, um dann in der ganzen Saison bei den Profis unberücksichtigt zu bleiben (und das sicher nicht grundlos).
Der klarste Hinweis darauf, dass das Basaksehir-Spiel nicht zu ernstgenommen werden darf, ist der, dass in beiden Halbzeiten komplett andere Teams auf dem Feld standen. Ein Stevie Lainer konnte nur deshalb so beiendruckend oft die Linie rauf und runter rasen, weil er wusste, dass er dies an diesem Tag nur 45 Minuten lang würde tun müssen. Und so war es auch bei den anderen. Keiner der Spieler würde in dieser Intensität über 90 Minuten gehen können. Das verzerrt den Eindruck also schon. Andererseits zeigt es uns Fans ganz deutlich, wie laufen könnte, wenn es gut läuft. Und wie heftig die Rose-Elf den Gegner gerade in Halbzeit eins permanent durch frühes Angreifen unter Stress setzte und zu Fehlern zwang, war bemerkenswert.
Die Nachteile waren allerdings genauso deutlich zu sehen. Wenn sich die technisch starken Türken der ersten Angriffswelle des VfL mal entziehen konnten und den Ball präzise lang auf den Flügel legten, überspielten sie mit einem Streich ziemlich leicht gleich sieben oder acht Gegenspieler, sodass es hinten mehrfach zu kitzligen Eins-gegen-Eins-Situationen kam, in denen die Innenverteidiger nicht immer souverän aussahen.
Tony Jantschke hat genau das auch in einem Interview angesprochen, mit dem Verweis auf das verlorenen Düsseldorf-Spiel aus der Rückrunde, wo die Fortuna genau über diese Schnittstellen-Bälle zum Erfolg kam. An solchen Dingen wird natürlich weiter gearbeitet, so dass bis Saisonstart hier eine deutlich stabilere Absicherung stehen sollte.
Auf jeden Fall verspricht diese Art Fußball aber ein deutlich lebendigeres, intensiveres und spektakuläreres Spiel, als wir es in der Rückrunde zu sehen bekamen. Und das ist das, auf das wir uns freuen können, unabhängig davon, ob es schon von Anfang an so Früchte trägt wie erhofft. Darauf, das in Pflichtspielen zu sehen, bin ich sehr gespannt und voller Vorfreude.
Wie ich anfangs schon schrieb, ist ansonsten meine Ungeduld und euphorische Freude auf eine neue Saison sehr gebremst. Und das hat natürlich mit der Entwicklung auf dem Transfermarkt zu tun, der den erhofften Wettbewerb auf nationaler und internationaler Ebene - der den Fußball überhaupt nur trägt -, letztlich zu einer Farce und einem Lotteriespiel für viele Vereine macht. Darauf genauer einzugehen, behalte ich mir für eine andere Gelegenheit vor, sonst wird der Text hier viel zu lang. Aber wer aufmerksam verfolgt, welche willkürlich aufgerufenen perversen Summen nun auch schon abseits der absoluten Topklubs fließen, weiß, worauf ich hinaus will.
So wird zum Beispiel aus einem vor kurzem noch auf Leihspieler angewiesenen Club wie Frankfurt nun einen "Krösus", der einen dreistelligen Millionenbetrag einsetzen kann, für den er zugebenermaßen sein Erfolgstrio im Sturm ersetzen muss. Doch auch der VfL ist ja nicht bis zum Transferschluss Anfang September nicht sicher. Wenn jemand in England oder anderswo späte Transferpanik bekommt und für Elvedi oder Ginter 50 Millionen Euro auf den Tisch blättern würde, müsste sich der Verein damit beschäftigen und eigentlich einschlagen.
Das alles macht einen berechenbaren Wettbewerb unmöglich. Fair ist er ohnehin nicht, weil ja auch ein Verein wie Borussia - in anderem Maßstab - längst handelt wie die Großen. Aber zu dieser übergeordneten Problematik vielleicht später noch mehr.
Nun gilt es aber erstmal, die Entwicklung der Rose-Schützlinge in der Vorbereitung weiter zu beobachten. Und da steigt die Vorfreude auf die neue Saison ja doch irgendwie wieder - von Tag zu Tag.
Wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, noch nichts geschrieben zu haben, wo die Mannschaft mit dem neuen Trainerstab nun doch schon fast drei Wochen im Training ist. Aber es gab noch nichts, was ich unbedingt loswerden musste. Und dann gab es noch einen zweiten Grund, der meine Vorfreude auf die neue Spielzeit bisher arg gedämpft hat und weiter dämpft. Dazu später mehr.
Dieses Jahr war bei Gladbach einiges deutlich anders als in den Sommerpausen zuvor. Die Transfers stockten lange, dann kamen die etwas überraschenden Zugänge Max Grün, Stefan Lainer und Breel Embolo, die bei näherem Betrachten aber eigentlich ziemlich schlüssig sind.
Dazu gehört natürlich der erfahrene Grün als Backup im Tor für den sinnvollerweise ausgeliehenen Moritz Nicolas. Auch dass Marco Rose einen seiner bisherigen Spieler mitbringen würde, um auf dem Platz einen zu haben, der seine Vorstellungen "auf dem kurzen Dienstweg" vermitteln kann, hatte ich wohl einkalkuliert - dabei aber wie fast alle eher auf Xaver Schlager oder Fredrik Gulbrandsen getippt.
Und dass Max Eberl Spieler, die er haben will, auch gern mal im zweiten Anlauf (zudem billiger und vielleicht sogar williger) holt wie bei Embolo, hat er ja schon mehrfach bewiesen - etwa bei Drmic, Kruse, Ginter oder Hofmann. Embolos Verletzungshistorie sehe ich dabei als nicht so entscheidend an, weil die meisten seiner Verletzungen - ähnlich wie bei Lars Stindl - durch spieltypische Einflüsse zustande kamen und nicht unbedingt auf eine chronische körperliche Schwachstelle weisen. Ich denke, dass wir an dem Schweizer viel Freude haben werden.
Nun kommt ja auch noch für die Offensive Marcus Thuram, womit man Max Eberl schon jetzt und wieder einmal richtig gute Arbeit bescheinigen kann. Alle drei Zugänge bringen große Qualität neu in den Kader. Und auch für die Verteidigerposition wird es am Ende wohl noch einen Spieler geben, der ins Konzept und Budget passt.
Im Gegenzug werden wohl auch Spieler noch gehen, meine Tipps wären Poulsen (Leihe) und Michael Lang. Sollte sich die Situation um Mika Cuisance noch zuspitzen, halte ich auch seinen Verkauf nicht für ausgeschlossen (gegen entsprechende Weiterverkaufsbeteiligungen). Denn auch wenn er im Testspiel wieder einmal sein großes Können zur Schau stellte und ein schönes Tor erzielte, agierte er für meine Begriffe bisweilen auch wieder eigensinnig und fehlerbehaftet (er wurde von Rose mehrfach korrigiert). Vor allem bleibt seine auch öffentlich geäußerte Anspruchshaltung ein schwelender Brandherd. Denn er ist bei weitem nicht der einzige, der sich begründete Hoffnung auf einen Stammplatz in der Mittelfeldraute ausrechnen darf - aber er ist der einzige, der eine Drohkulisse ("Sonst bin ich weg") dafür aufbaut. Ich habe großes Vertrauen, dass Marco Rose mit seiner ruhigen, aber verbindlichen Art die richtigen Worte für das ungeduldige Riesentalent finden wird. Doch ob der Franzose es auch verinnerlicht, dass er keine Extrawurst gebraten bekommt, und daraus die richtigen Schlüsse zieht, muss sich zeigen.
Die Befürchtung, die viele (auch ich) hatten, dass die Anforderungen von Marco Rose nicht mit allen vorhandenen Spielern kompatibel sein könnten, habe ich in den vergangenen Tagen leichten Herzens verworfen.
Und ich habe mich dabei auch ein wenig geschämt und geärgert, dass ich mit meinen Zweifeln langjährigen Borussen wie Wendt, Jantschke, Johnson oder Herrmann (und nicht zum ersten Mal) quasi abgesprochen habe, dass sie in ihrem Beruf natürlich genauso lernfähig sind wie wir in unseren "Allerweltsberufen". Und dass sie ihre Aufgaben auch unter anderen taktischen Vorgaben mehr als ausreichend zu erfüllen vermögen.
Man tut als Außenstehender jemandem leicht mal unrecht, schreibt manchmal Spieler zu früh und leichtfertig ab. Doch bisher haben gerade diese Spieler ja unter jedem Trainer wieder ihre Chance bekommen. Ich hätte das also von Beginn an entspannter sehen können.
Ich habe bis jetzt noch relativ wenig live sehen können, in Gänze nur das Testspiel gegen Basaksehir und ein paar Szenen aus den Testspielen zuvor. Doch das, was da zu sehen war, hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, sich nicht nur auf die Neuzugänge zu konzentrieren, sondern darauf, wie gerade die altgedienten Spieler mit dem Rose-System zurecht kommen. Ein Beispiel ist Alassane Plea, der ein Dreh- und Angelpunkt im Spiel nach vorne ist, obwohl ihm mancher schon Fluchtgedanken angesichts der künftigen Spielweise unterstellte.
Doch auch die eben Genannten - Herrmann, Johnson, Wendt und Jantschke, natürlich auch Maestro Raffael, haben mir gezeigt, dass sie bereit sind für Roses Borussia. Na klar, Testspiele sind Testspiele, und gerade Jantschke hatte gegen den Erdogan-Club bei einigen schnellen Gegenangriffen auch seine Probleme. Doch insgesamt war das schon sehr flüssig.
Das 5:1 gegen Basaksehir war hochverdient und sehr ansehnlich - mit tollen Toren. Aber man darf es wie immer nicht zum Maßstab nehmen. Die Jahre zuvor haben oft schon gezeigt, dass gerade die jungen Spieler und die U23-Gäste sich dort ganz hervorragend verkauft haben, um dann in der ganzen Saison bei den Profis unberücksichtigt zu bleiben (und das sicher nicht grundlos).
Der klarste Hinweis darauf, dass das Basaksehir-Spiel nicht zu ernstgenommen werden darf, ist der, dass in beiden Halbzeiten komplett andere Teams auf dem Feld standen. Ein Stevie Lainer konnte nur deshalb so beiendruckend oft die Linie rauf und runter rasen, weil er wusste, dass er dies an diesem Tag nur 45 Minuten lang würde tun müssen. Und so war es auch bei den anderen. Keiner der Spieler würde in dieser Intensität über 90 Minuten gehen können. Das verzerrt den Eindruck also schon. Andererseits zeigt es uns Fans ganz deutlich, wie laufen könnte, wenn es gut läuft. Und wie heftig die Rose-Elf den Gegner gerade in Halbzeit eins permanent durch frühes Angreifen unter Stress setzte und zu Fehlern zwang, war bemerkenswert.
Die Nachteile waren allerdings genauso deutlich zu sehen. Wenn sich die technisch starken Türken der ersten Angriffswelle des VfL mal entziehen konnten und den Ball präzise lang auf den Flügel legten, überspielten sie mit einem Streich ziemlich leicht gleich sieben oder acht Gegenspieler, sodass es hinten mehrfach zu kitzligen Eins-gegen-Eins-Situationen kam, in denen die Innenverteidiger nicht immer souverän aussahen.
Tony Jantschke hat genau das auch in einem Interview angesprochen, mit dem Verweis auf das verlorenen Düsseldorf-Spiel aus der Rückrunde, wo die Fortuna genau über diese Schnittstellen-Bälle zum Erfolg kam. An solchen Dingen wird natürlich weiter gearbeitet, so dass bis Saisonstart hier eine deutlich stabilere Absicherung stehen sollte.
Auf jeden Fall verspricht diese Art Fußball aber ein deutlich lebendigeres, intensiveres und spektakuläreres Spiel, als wir es in der Rückrunde zu sehen bekamen. Und das ist das, auf das wir uns freuen können, unabhängig davon, ob es schon von Anfang an so Früchte trägt wie erhofft. Darauf, das in Pflichtspielen zu sehen, bin ich sehr gespannt und voller Vorfreude.
Wie ich anfangs schon schrieb, ist ansonsten meine Ungeduld und euphorische Freude auf eine neue Saison sehr gebremst. Und das hat natürlich mit der Entwicklung auf dem Transfermarkt zu tun, der den erhofften Wettbewerb auf nationaler und internationaler Ebene - der den Fußball überhaupt nur trägt -, letztlich zu einer Farce und einem Lotteriespiel für viele Vereine macht. Darauf genauer einzugehen, behalte ich mir für eine andere Gelegenheit vor, sonst wird der Text hier viel zu lang. Aber wer aufmerksam verfolgt, welche willkürlich aufgerufenen perversen Summen nun auch schon abseits der absoluten Topklubs fließen, weiß, worauf ich hinaus will.
So wird zum Beispiel aus einem vor kurzem noch auf Leihspieler angewiesenen Club wie Frankfurt nun einen "Krösus", der einen dreistelligen Millionenbetrag einsetzen kann, für den er zugebenermaßen sein Erfolgstrio im Sturm ersetzen muss. Doch auch der VfL ist ja nicht bis zum Transferschluss Anfang September nicht sicher. Wenn jemand in England oder anderswo späte Transferpanik bekommt und für Elvedi oder Ginter 50 Millionen Euro auf den Tisch blättern würde, müsste sich der Verein damit beschäftigen und eigentlich einschlagen.
Das alles macht einen berechenbaren Wettbewerb unmöglich. Fair ist er ohnehin nicht, weil ja auch ein Verein wie Borussia - in anderem Maßstab - längst handelt wie die Großen. Aber zu dieser übergeordneten Problematik vielleicht später noch mehr.
Nun gilt es aber erstmal, die Entwicklung der Rose-Schützlinge in der Vorbereitung weiter zu beobachten. Und da steigt die Vorfreude auf die neue Saison ja doch irgendwie wieder - von Tag zu Tag.
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