2025-01-30

Weichenstellungswochen

So gut das Jahr endete, so mau begann es für Borussia. Erst im vierten Spiel der erste Sieg, und schnell waren wieder die alten Zweifel in den Köpfen, ob der VfL, das Team und der Trainerstab lern- und entwicklungsfähig sind oder die Stabilisierung der vergangenen Monate doch nur ein Strohfeuer gewesen sein könnte.

Nun, diese Diskussion scheint mir ein wenig zu alarmistisch. Erstens war vorab zu erwarten, dass gegen die Auftaktgegner, darunter der Meister und der derzeitige Tabellenführer, nicht allzuviele Punkte in erreichbarer Höhe hingen.

Zweitens ist Borussia auch vor dem Jahreswechsel kein Spitzenteam gewesen, Fort- und Rückschritte waren immer wieder unübersehbar, teilweise über ganze Spiele, teilweise nur spielphasenweise. Immerhin hatte das Team insgesamt zu einer gewissen Stabilität gefunden, die auch durch ein paar erfolglosere Auftritte nicht ganz verschüttet wird. 

Das liegt ganz sicher daran, dass die neuen  Leistungsträger weiterhin (überdurchschnittlich?) mit unermüdlichem Einsatz abliefern und mit gutem Beispiel vorangehen. Kleindienst, Reitz, Hack, Nicolas, auch der wieder zu alter Stärke findende Nico Elvedi sind momentan die wichtigsten Faktoren in dieser Mannschaft.

Das reicht offenbar in diesem Jahr beständig für eine gute Punktausbeute gegen die Teams, die sich leistungsmäßig etwas unter Borussia einsortieren. Es reicht auch gegen gleichwertige Teams, sofern Weigl und Co. im Spiel nicht zu viele Fehler machen.

Zum Favoritenschreck taut Borussia im Gegensatz zu früheren Jahren allerdings nicht mehr. Und da sind wir beim Knackpunkt für den Fehlstart ins Jahr 2025. Der Spielplan wollte es, dass Bayern und Bayer gleich in den ersten drei Partien auf dem Gegnerzettel standen. Und obwohl man der Mannschaft von Gary Seoane in beiden Spielen eine tapfere und teils auch sehr clevere (Defensiv-)Leistung bescheinigen konnte: Viel mehr war ehrlicherweise nicht drin. 

Das beherzte tiefe Verteidigen, in das die deutlich besseren Gegner sie zwangen, verhinderte zuverlässig jede Entlastung und damit den einen oder anderen schmerzhaften und wirksamen Nadelstich gegen die beileibe nicht immer sicheren Abwehrreihen der Münchner und Leverkusener. Das zeigt aber auch, wie schon in der ersten Saisonhälfte: Spitzenteams sind in der Regel eine Nummer zu groß für die aktuelle Borussia. 

Das gilt allerdings auch gegen einen nominell stärker besetzten traditionellen Underperformer wie die Auto-Werkself aus Wolfsburg. Zumindest, wenn man die Ordnung verlässt und sich nach einer guten Hälfte mit einigen fahrlässig ausgelassenen Torchancen dann wie eine unerfahrene Jugendmannschaft abschießen lässt.

Das 1:5 war ärgerlich und auch unnötig, es hatte sicherlich aber auch ein wenig mit dem Fehlen von Kleindienst und Honorat zu tun. Gleichwertiger Ersatz ist weiterhin für diese beiden Spieler nicht da, das wurde nicht nur dort deutlich. Insgesamt ist diese Niederlage aber schnell abzuhaken, und spätestens mit dem insgesamt überzeugenden 3:0 gegen Bochum konnte die Ergebniskrise für beendet erklärt werden. Odr könnte. Wenn ja die nächsten beiden Gegner nicht wieder eher zur Kategorie Spitzenteams gehören würden.

Stuttgart, Frankfurt, danach die traditionell unbeliebten unbequemen Gegner von Union Berlin und dem FC Augsburg - in den nächsten vier Wochen bis zur Partie gegen den neuen Lieblingsgegner Heidenheim entscheidet sich, wohin sich der Borussenexpress zu entscheidenden Saisonphase hin bewegt. Hält er Schritt mit den Europaanwärtern, tritt er auf der Stelle oder rutscht er langsam nochmal den Abhang in Richtung der gefährlichen Zone hinunter?

Alles drei ist möglich, alles drei ist mit guten Argumenten zu prognostizieren. Wissen können wir es erst nach diesen vier Spielen. Aber auch wenn Borussia sehr weit vom erheblich feineren Fußball entfernt ist, der sie in den vergangenen Jahren mehr oder weniger charakterisiert hat: das Team scheint gefestigt genug, die Ordnung zu halten, wenn nötig wiederzufinden und damit seriös zu punkten. 

Dabei hilft sicher eine einsatzfreudige, willige Mannschaft, die über eine geschickte Defensivstruktur in eine stabile Ordnung gefunden hat; die hinten wie vorne über die Physis kommen kann, dies auch über die gesamte Spielzeit durchhält - und die den Weg nach vorne möglichst einfach gestaltet, über sehr viele (oft zu viele) lange Bälle oder wenige Stationen im Kombinationsspiel, wo es sich anbietet. 

Das ist eine gute Basis, um diese Saison anständig zu bestreiten. Doch das gelingt nur, wenn keiner nachlässt. Diesen Charaktertest hat die Mannschaft in der Regel in dieser Saison bestanden. Und das deutet für mich darauf hin, dass Borussia sich auch weiterhin um die Plätze 8 bis 10 herum halten können wird. 

Ob es für mehr reicht, hängt eher daran, wieviele Schwächen sich andere Teams erlauben. Borussia könnte da in den nächsten vier Wochen einen guten Grundstein für den Saisonendspurt legen, wenn sie konzentriert und kompromisslos zu Werke geht - und ein bisschen Spielglück dazu kommt.  

     

Saison 2024/25, Bundesliga, 16. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Bayern München 0:1. 

Saison 2024/25, Bundesliga, 17. Spieltag: VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach 5:1. Tor für Borussia: 5:1 Fukuda.

Saison 2024/25, Bundesliga, 18. Spieltag: Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 3:1. Tor für Borussia: 3:1 Kleindienst.

Saison 2024/25, Bundesliga, 19. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 3:0. Tore für Borussia: 1:0 Reitz, 2:0 Hack, 3:0 Kleindienst.

 

Saisonspende: 4 Spiele, 5 Tore und ein weiteres Zu-Null-Spiel von Moritz Nicolas. Neuer Stand: 65,50 Euro. 

Das gilt in der Saison 24/25: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für die beiden kampflosen Derbysiege gegen K*** gibt es diese Saison ein Startkapital von 20 Euro. Gehaltener Elfmeter von Jonas Omlin oder einem anderen Torwart: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 124 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2024-12-23

Auf dem richtigen Weg

Die Adventsrutsche mit fünf Spielen innerhalb der vier Wochen vor Weihnachten macht endlich mal wieder recht gute Laune und lässt Gladbach-Fans ein Stück entspannter als zuletzt und mit positiver Grundstimmung dem neuen Jahr entgegenblicken. 

24 Punkte sind im Sack, und auch wenn das sich im einstelligen Tabellenplatz noch nicht so recht ausdrückt: der Abstand nach oben ist recht gering, der zu den gefährlichen letzten drei Plätzen in der Tabelle dagegen schon. Vor allem hätte man vor nicht allzulanger Zeit bei klarem Verstand noch keine gut dotierten Wetten auf diese Zwischenbilanz abgeschlossen, zu wankelmütig waren die Signale, die Mannschaft und Trainerstab mit ihren Auftritten ausgesendet hatten.

Doch spätestens seit dem klaren Heimsieg gegen Bremen mit den vor Spielbeginn noch unüberhörbaren Seoane-raus-Tönen, scheint eine Wende zum Besseren und Beständigeren gelungen zu sein. Nur die traditionelle Pleite in Freiburg trübte seitdem die Bilanz. Borussia konnte ansonsten, angeführt von einem überzeugenen Trio Plea, Honorat und Goalgetter und Anführer Tim Kleindienst einige (ausgleichende), nein viele Pluspunkte sammeln, zur "Wiedergutmachung" für das, was nach diesem wechselhaften Jahr nach wie vor an uns nagt: Gleich zwei blamable Pleiten im Pokal und die notorischen Schwächeanfälle in den Gladbacher No-chance-Areas Freiburg, Augsburg und Mainz.

Mit der Partie in Sinsheim gelang es dann sogar noch, pünktlich zum Jahresabschluss und der kurzen Weihnachtspause, den mehr als 1000 Tage währenden Keine-zwei-Siege-in-Folge-Fluch zu brechen. Das Spiel gegen die TSG Hoffenheim war dabei nicht sehr attraktiv, der Sieg am Ende wohl auch nicht so ganz verdient, aber umso wichtiger für die Psyche und für ein gutes Gefühl für die kommenden Aufgaben. Die  sind nämlich happig und könnten den VfL durchaus schnell auch wieder ins tiefere Mittelfeld zurückschicken: gegen die Bayern, in Wolfsburg und gegen Leverkusen, das sind echte Herausforderungen. 

Doch so weit sind wir noch nicht. Im Moment freue ich mich vor allem darüber, dass die Mannschaft funktioniert. Der unattraktive Fußball hat sich weitgehend verflüchtigt, über Seoane wird nicht mehr grundsätzlich geschimpft, sondern höchstens darüber, wie er wechselt (nicht immer nachvollziehbar) oder warum er beim Stand von 4:1 gegen Kiel nicht auch mal einen der ganz Jungen auf den Platz schickt. 

Doch das klingt alles wieder viel entspannter, weil offenbar für den Moment ein passendes Spielsystem auf eine funktionierende Mannschaft trifft. Man kann sich ausmalen, was passiert, sollte Kleindienst mal länger ausfallen oder in ein Formloch fallen, aber das wollen wir uns lieber nicht ausmalen. 

Das Spiel ist sehr deutlich auf ihn zugeschnitten, und er löst es bisher hervorragend. Das ist auch den Gegnern nicht verborgen geblieben. Und doch hat ihn noch keiner effektiv aus dem Spiel nehmen können. Gut für uns.

Sein robuster Körpereinsatz, seine Technik, seine Laufbereitschaft und sein Geschick im Zweikampf sind genau die Elemente, die schon letzte Saison gefehlt haben und die auch ein Tomas Cvancara nicht im gleichen Maß würde ersetzen können. Aber der muss  sich ohnehin erstmal aus seinem Frustablauf von Verletzungen, lauen Kurzeinsätzen und der zuletzt sehr dumm eingefangenen Gelb-Roten Karte wieder befreien.

Neben Tim Kleindienst blüht aber auch Lasso Plea richtig auf und ist neben seinen Spielmacherqualitäten torgefährlich wie lange nicht. Honorat profitiert von der neuen Konstellation, Hack bringt eigene Qualitäten ein, kurzum, nach vorne läuft es recht ansehnlich und erfolgreich.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass sich der Defensivverbund - und damit meine ich die Arbeit aller Feldspieler gegen den Ball - eingeschworen und gefunden zu haben scheint. Man läuft wieder für den anderen, man stabilisiert und hilft sich gegenseitig und so macht jeder einzelne im Moment auch deutlich weniger Fehler als in der letzten Saison. Man hat das Gefühl, dass sich Konzentration und Selbstvertrauen durchweg in besseren Leistungen niederschlagen. 

Am deutlichsten wird das zwar an den konsequent und robust auftretenden Abwehrspielern, doch es ist Verdienst der ganzen Mannschaft. Und dann steht ja auch noch Moritz Nicolas im Tor, der sich zu einem der statistisch besten Keeper der Liga entwickelt hat. 

Das alles macht Mut. Und Spaß. Und lässt im Hinterkopf doch immer noch Platz für die gesunde Skepsis, ob das gewachsene Selbstvertrauen und die Struktur der Mannschaft auch noch hält, wenn größere Widerstände kommen oder bessere Gegner - oder Verletzungspech.

Denn bei aller Freude über den zuletzt guten Lauf, der nur erstaunliche drei Punkte Rückstand auf Platz 3 zur Folge hatte, aber auf der anderen Seite komfortable 14 Punkte auf Rand 16: Die Fohlenelf macht in der zweiten Jahreshälfte 2024 überwiegend das gut, was sie auch tunlichst tun sollte: gegen die sogenannten Kleinen und die Teams auf Augenhöhe zu gewinnen. Dass sie wie früher zum serienmäßigen Favoritenschreck taugt, ist in dieser Saison noch nicht erkennbar. Umso gespannter dürfen wir sein, was das Jubiläumsjahr 2025 für unsere Borussia bringen wird.  

Bis dahin genießen wir am besten erstmal die kleine Fußball-Auszeit. Frohe Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr für euch alle! Wir sehen oder lesen uns. Bis dann!

Saison 2024/25, Bundesliga, 11. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC St. Pauli 2:0. Tore für Borussia: 1:0 Plea, 2:0 Kleindienst. 

Saison 2024/25, Bundesliga, 12. Spieltag: SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach 3:1. Tor für Borussia: 2:1 Kleindienst.

Saison 2024/25, Bundesliga, 13. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 1:1. Tor für Borussia: 1:1 Stöger (FEM).

Saison 2024/25, Bundesliga, 14. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Holstein Kiel 4:1. Tore für Borussia: 1:0 Kleindienst, 2:0 Hack, 3:1 Plea, 4:1 Plea.

Saison 2024/25, Bundesliga, 15. Spieltag: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 1:2. Tore für Borussia: 0:1 Sander, 1:2 Plea.  

Saisonspende: 10 Euro für 10 Tore und 2 Euro für ein weiteres Zu-Null-Spiel von Moritz Nicolas. Neuer Stand: 58,50 Euro. Ein guter Zwischenstand zum Jahreswechsel. 

Das gilt in der Saison 24/25: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für die beiden kampflosen Derbysiege gegen K*** gibt es diese Saison ein Startkapital von 20 Euro. Gehaltener Elfmeter von Jonas Omlin oder einem anderen Torwart: 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 2 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 30 Euro. Deutsche Meisterschaft: 124 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.