Plötzlich Letzter

Zweites Spiel, zweite Niederlage - das ist ein Fehlstart, da braucht man nicht drumherum zur reden.
Was Borussia im Moment fehlt ist offensichtlich und selbst von den Blättern mit der platten und plakativen Herangehensweise in dieser Woche zur Genüge besprochen worden. Plötzlich Letzter zu sein, bedeutet aber nicht, Borussia schon am Abgrund zu sehen. Dazu war im zweiten Spiel schon wieder zu viel Gutes zu sehen.

Ich kann es bei einigen wenigen Sätzen belassen: Die Doppelsechs Xhaka/Stindl ist noch nicht aufeinander abgestimmt, der defensivere Part wird, von wem auch immer, noch nicht so ausgefüllt wie es Christoph Kramer in der vergangenen Saison, von vielen unbemerkt, verstand. Ganz ähnlich war dies übrigens damals bei Neustädter, dessen Wert für das Team auch erst dann so richtig offensichtlich wurde, als er weg war.

Was außerdem Sorgen macht, ist die Konteranfälligkeit. Die meisten Gegentore fielen aus schnellen Gegenstößen, die rasant vorgetragene Pass-Stafette vor der Mainzer 1:0-Führung überforderte die entblößte Abwehr komplett.

Dass in der Offensive noch nicht alles passt, war ebenfalls zu sehen. Viel Arbeit also für Lucien Favre und sein Team. Doch auch wenn das Spiel gegen Mainz am Ende etwas unglücklich verloren ging, war das doch schon deutlich besser als die Leistung gegen Dortmund eine Woche zuvor. Das macht Mut, dass es gegen Bremen mit den ersten Punkten etwas wird.

Ich gehöre nicht zu denen, die schnell die Entscheidungen eines Trainers kritisieren, der ja nun wirklich viel näher am Geschehen ist. Allerdings denke ich, dass der VfL am Sonntag mit anderen Auswechslungen mehr Möglichkeiten gehabt hätte, den Ausgleich noch zu erzwingen. Denn es war offensichtlich, dass Raffael einmal mehr neben sich stand (und an der Basis von Gegentoren und gefährlichen Gegenangriffen). Es war auch zu sehen, dass zwei Mittelstürmer auf dem Platz nicht unbedingt für mehr Gefahr sorgen. Hrgota zeigte sich aktiv und wurde passabel eingesetzt, Drmic kam überhaupt nicht zur Geltung. Das lag auch daran, dass seine Teamkameraden in der Schlussphase nicht in der Lage waren, überhaupt gefährlich vor das Mainzer Tor zu kommen.

Man darf die Frage stellen, ob die Einwechslung eines Stürmers für Raffael nicht sinnvoller gewesen wäre als die Herausnahme von Stindl und Herrmann für Drmic und Hrgota. Aber das ist natürlich Spekulation.
Ich schreibe es dennoch, weil ich denke, dass es im Moment möglicherweise einfach erfolgversprechender wäre, wenn Lars Stindl statt Raffael auf der offensiven Position spielen würde. Das entlastete das zentrale defensive Mittelfeld und Stindl selbst, mit Nordtveit, Marvin Schulz und Dahoud stünden auch geeignete Sechser bereit, die mit Xhaka besser harmonieren könnten (und dies in den Vorbereitungsspielen auch taten).

Ich bin gespannt, welche Schlüsse Lucien Favre zieht.

Bundesliga 2015/16, 2. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 1:2 (23.8.15)

(Tor für Borussia: 1:1 Herrmann)




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