2015-08-11

Wehe, wenn sie losgelassen

Der Ball rollt wieder, endlich.

Noch nie bin ich so entspannt in eine Saison gegangen, noch nie habe ich das erste Pflichtspiel meiner Borussia so genossen wie das Gastspiel am Montag in Hamburg.
Und das, obwohl die erste Halbzeit wahrlich nicht das Gelbe vom Ei war. Ja, es schien ein wenig, als wären wir wieder im unseligen Bielefeld-Spiel der Vorsaison angekommen. In der Ballverwaltung perfekt, im Ballkontakte sammeln bravourös, im risikoarmen Spiel spitze, aber auch ohne das nötige Tempo im Spiel nach vorne und ohne Überraschungsmomente. Was im Umkehrschluss bedeutet: Schön, aber harmlos. Gegen Bielefeld kam die Mannschaft aus diesem Trott über 120 Minuten nicht heraus.
Gestern schon, und das war irgendwie das ganz Spiel über klar. Man merkte, dass die Befürchtung, die ganzen Lobhudeleien über "die neue Borussia" in den vergangenen Wochen könnte den Spielern die Sinne vernebelt haben, unbegründet war. Keiner wollte sich noch mal die Blamage des Ausscheidens gegen ein unterklassiges Team geben, das war an der Körpersprache deutlich zu sehen.

Und so hatte ich trotz des Führungstreffers der tapferen, aber doch sehr braven St.Paulianer, dem eine bemerkenswerte Gladbacher Fehlerkette vorangegangen war, diesmal keine Angst, dass das Spiel in die Binsen gehen könnte. Die furiose zweite Hälfte bestätigte dieses Gefühl eindrucksvoll. Es war eine Wonne, wie Borussias Angreifer immer wieder durch die St.Pauli-Abwehr schnitten wie ein Messer durch die Butter. Sehr reifer Fußball war das.

Natürlich, die Kiezkicker aus den Tiefen der zweiten Liga sind nicht vergleichbar mit den Topteams der Bundesliga, wie zum Beispiel in Dortmund am Samstag schon wieder eine wartet. Deshalb sollte man auch die Leistungen der jungen Innenverteidiger Schulz und Christensen nicht überbewerten, die, das muss man allerdings sagen, in allen Vorbereitungsspielen, die ich gesehen habe, ebenso sicher und abgeklärt aufgetreten sind wie am Millerntor.
Doch wer sich an die letzten Spiele gegen Dortmund erinnert, weiß auch, dass unsere Defensive von den Schwarz-Gelben mit Dauerdruck regelrecht wundgespielt wurde. Ob Lucien Favre ihnen das jetzt schon zumuten will, weiß ich nicht. Aber vielleicht hat der neue Dortmunder Trainer ja auch einen anderen weniger massiven Matchplan für uns als sein Vorgänger. Auf jeden Fall hat Tuchel es der Borussia schon als Mainzer Trainer immer sehr schwer machen können.

Aber nochmal zurück zum überzeugenden ersten Pflichtspielauftritt, der schnell zeigte, welche Waffe Lars Stindl in der Saison werden kann und in welch hervorragender Verfassung Ibo Traoré sich befindet. Stindl glänzte als guter Abräumer auf der Sechs und abschlusstarker Offensivmann, der seine Chancen auf engstem Raum nutzt. Wenn überhaupt jemand Zweifel hatte, dass das ein guter Transfer war, kann er die spätestens jetzt in der Pfeife rauchen. Und Traorés Tore kann man ja schon bald vorhersagen, so regelmäßig schlägt es im langen rechten Toreck des Gegners ein.

Auch der Neuzugang Josip Drmic hat wie in den Vorbereitungsspielen gute Ansätze gezeigt, kam aber noch nicht zu den klaren Abschluss-Chancen, die er sich wohl selbst wünscht. Das macht aber nichts, er ist auf jeden Fall schon jetzt deutlich besser im Favreschen System drin als es Luuk de Jong je war. Und die bisherigen Flanken waren, nun ja, zum Teil gut geschlagen, landeten aber nie dort, wo ein Gladbacher stand. Aber auch das kommt mit der Zeit.

Ich freue mich drauf, was uns diese Mannschaft in diesem Jahr zeigt. Ich glaube, wir werden nicht enttäuscht.

DFB-Pokal, 1. Runde: FC St. Pauli - Borussia Mönchengladbach 1:4 (10.8.15)

(Tore für Borussia: 1:1 Stindl, 1:2 Traoré , 1:3 Stindl, 1:4 Hazard) 

Kommentare:

  1. Es ist schon irre, wie man sich im Sport täuschen kann :-(

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  2. Das stimmt. Aber wenn man sich alles vorher ausrechnen könnte, wäre es auch langweilig. ;-)

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