Drei Punkte mit Schleifchen

So schnell kann es gehen: Vor zwei Wochen waren die Borussen noch die "Deppen", weil sie sich ein Slapstickeigentor zurechtklickerten und sich trotz hoher Überlegenheit und vielen Top-Torchancen auf Schalke wieder nicht mit einem Auswärtssieg belohnen konnten. Nun, gegen die Überraschungsmannschaft aus Berlin gelang der Schubert-Elf ein souverän herausgespielter Sieg, der mit 5:0 so hoch ausfiel wie schon sehr lange nicht mehr. Dabei fand ich, bei aller Begeisterung für das ansprechende und mit zunehmender Spielzeit immer leichtfüßiger vorgetragene Spiel, die schönen Tore und die clevere Chancenverwertung,dass die Schubert-Elf gegen Schalke noch deutlich besser war als am Sonntag gegen die Berliner. Doch das nackte Ergebnis am Ende verleitet die Fußball-"Experten" in den Redaktionen landauf, landab natürlich dazu, Borussia gleich wieder zum ersten Champions-League-Anwärter zu stempeln. Dabei hat doch gerade diese Saison gezeigt, dass es so einfach nicht ist.

Allem Begleitschmuck und den Festtagsschleifen des Spiels zum Trotz - fünf Tore auch ohne Raffael, Comeback-Tor von André Hahn, erfolgreiche Abschlüsse von Thorgan Hazard, die "eingewechselten" Tore von Herrmann und Traoré und das Comeback von "Fußballgott" Jantschke: Nüchtern betrachtet war dieser Sieg nicht mehr als ein notwendiger Schritt, um überhaupt im Rennen um das europäische Geschäft auf der Höhe zu bleiben. Platz vier (Champons-League-Quali) und Platz sieben (mit etwas DFB-Pokal-Glück noch Quali zur Euro-League) trennen auch jetzt nur ein Punkt. Der Achte Wolfsburg ist zwar nach diesem Spieltag etwas distanziert, aber noch nicht ganz abgeschüttelt. Vor allem bei einem anspruchsvollen Restprogramm unter anderem mit Spielen gegen Bayern, Bayer Leverkusen und die unangenehmen Teams aus Ingolstadt und Darmstadt ist noch viel möglich - positiv wie negativ. Deshalb: Nicht Platz drei war es, worum es gegen Hertha vordergründig ging, sondern um simples Schritt halten mit der Euro-League-Konkurrenz.

Das gelang, weil der VfL seit Wochen in einer bestechenden Form spielt und sich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lässt wie zu Beginn des Jahres. Die Heimbilanz ist in der Rückrunde fantastisch, nach dem 1:3 zum Auftakt gegen Dortmund gab es fünf hochverdiente Siege im Borussia Park, mit einer Tordifferenz von 18:1. Dass Borussia dennoch (noch) nicht auf Champions-League-Kurs steuert, liegt bekanntermaßen an der Auswärtsschwäche. Nur elf Punkte wurden aus der Fremde mitgebracht, nur einer ist es in der Rückrunde. Da hilft es nicht, dass die Spiele in Wolfsburg und auf Schalke unverdient, in Mainz und Hamburg zumindest unglücklich verloren wurden. Die Punkte sind weg.
Immerhin ist aber die Gegentorflut nun seit einigen Wochen eingedämmt. 34:30 Tore hieß es am Ende der Hinrunde (noch mit dem Ballast der 2:12 Tore aus den ersten fünf Spielen). In den ersten vier Spielen der Rückrunde lief es mit 8:8 Toren nicht wirklich besser. Seitdem aber gab es in sieben Spielen nur noch sechs Gegentore bei 17 erzielten Treffern. Macht unter dem Strich eine Tordifferenzverbesserung um 11 seit der Winterpause. 44 Gegentore bedeutet zwar immer noch höchstens Mittelmaß in der Liga, mit 59 geschossenen Toren steht Gladbach den beiden Topteams Dortmund (67) und Bayern (66) in dieser Hinsicht zumindest aber kaum noch nach.

Der Knackpunkt: Die Punkteausbeute hält damit nicht Schritt. 29 Punkte waren es unter Schubert in der Hinrunde, 16 sind es bislang in der Rückrunde. Von den noch 18 zu vergebenden Punkten müsste Borussia also 13 holen, um die Hinrundenbilanz zu wiederholen.

Dass das nicht utopisch ist, hat die Art und Weise der vergangenen fünf Spiele gezeigt. Und auf das daraus resultierende Selbstvertrauen baue ich auch am kommenden Samstag, wenn in Ingolstadt der Auswärtsfluch endlich gebrochen werden wird, soll und muss. Dafür spricht, dass der Gegner im Vergleich zum unseligen Treter-, Kratzer- und Palaver-Auftritt in der Hinrunde offenbar auch dazugelernt hat und sich inzwischen etwas mehr auf die eigenen fußballerischen Stärken besinnt als nur die des Gegners zu malträtieren. Das käme Borussias Spiel entgegen. Eine Ausrede gibt es für die Borussen aber auch sonst nicht, denn jeder beim VfL weiß, was ihn gegen die Audistädter erwartet, zumal sich Xhaka und Co. ja nach dem Spiel öffentlich über die Spielweise der Schanzer beklagt hatten, was nahezu einer Einladung gleichkommt, die Gladbacher Spieler am Samstag erneut auf diese Weise zu provozieren. 


Bundesliga 2015/16, 28. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC Berlin 5:0 (3.4.16)
(Tore für Borussia: 1:0 Hazard, 2:0 Hahn, 3:0 Herrmann, 4:0 Hazard, 5:0 Traoré)

Kommentare

  1. Wenn wir ruhig bleiben, dann kann es in Ingolstadt auch Punkte geben. Wäre schön und ich freue mich einfach über den Sieg gegen Hertha. Das hätte ich so nicht erwartet - aber umso schöner... und auch noch dabei gewesen :o) Noch ist die Saison nicht vorbei und Europa ist immer noch drin. Auch wenn die erwähnten Punkte gegen Schalke natürlich weh tun. Definitiv.

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