Fast komplett - wer wird das neue Mentalitätsmonster?

Es geht wieder los. Zum Trainingsauftakt sind bei Borussia wieder die meisten Personalien geklärt und es lohnt sich, mal einen genaueren Blick auf den neuen Kader zu werfen. 
Der sollte verkleinert werden, Top-Talente aus Europa nach und nach in den Kader eingebaut und weiterentwickelt werden. Bislang ist zumindest die Sollzahl von 24 Spielern noch nicht erreicht. Nach meiner Zählung steht der VfL bei 27, wenn man den avisierten erfahrenen Abwehrmann dazuzählt (und Heimeroth nicht mitzählt). Und je nach Gelegenheit könnte ja auch im Angriff später noch einer dazukommen, wie Max Eberl im Interview mit der Rheinischen Post andeutete. Hier sind also noch nicht alle Fragen beantwortet.

Wie sieht Borussia 2017/18 im Moment aus?
 
Tor: Yann Sommer, Tobias Sippel, Moritz Nicolas, Christofer Heimeroth.

Die Rangfolge bei den vier Goalies ist klar. Heimis Karriere klingt aus, er wird den jungen Nicolas noch anleiten können. Sommer ist klare Nummer 1, Sippel überzeugte stets bei seinen (wenigen) Einsätzen. Hier ist der VfL zukunftssicher und gut aufgestellt. 




Abwehr: Mamadou Doucouré, Nico Elvedi, Tony Jantschke, Nico Schulz, Jannik Vestergaard, Oscar Wendt, Thimothee Kolodziejczak, Reece Oxford und der bundesligaerfahrene "Mister X" (alias Matthias Ginter?).



Hier verliert Borussia die Qualität von Andreas Christensen und auch die von Julian Korb, der sich gleichwohl unter Hecking nie in die Nähe der Stammelf spielen konnte. Ich wünsche ihm, dass er sich in Hannover besser ins Szene setzen kann, ich mochte ihn als kombinationsstarken Verteidiger. Kolo war schon im Winter als positionsgetreuer Ersatz von Alvaro Dominguez geholt worden, er muss nun zeigen, dass er in Gladbach eine Rolle spielen kann. Vestergaard ist gesetzt, und wenn die Spekulationen um Ginter stimmen, wäre das eine solide Basis, zumal auch Strobl für die Innenverteidigerposition in Frage kommt. Für die Linksverteidigerposition gibt es drei Alternativen (Wendt, Nico Schulz, Kolo), genauso für rechts (Elvedi, Jantschke, Fabian Johnson), um die beiden Plätze innen konkurrieren (links) Vestergaard, Kolo, und Doucouré und (rechts) Jantschke, Strobl, Oxford sowie gegebenenfalls Elvedi, Strobl und im Fall des Falles Ginter, der auch als (Ersatz-)Rechtsverteidiger in Frage käme.
 





Mittelfeld: Lazlo Benes, Patrick Herrmann, Jonas Hofmann, Fabian Johnson, Christoph Kramer, Tobias Strobl, Ibrahima Traore, Denis Zakaria, Vincenzo Grifo.





Tsiy-William Ndenge und Marvin Schulz sollen noch verliehen werden, den Verkauf von Djibril Sow bedauere ich schon etwas, aber auch er hatte wenig Chancen, sich beweisen zu können. Ob das in dieser Saison besser geworden wäre, ist schwer zu sagen, aber vielleicht gibt es ja eine Rückkaufoption für den Fall der Fälle. 
Der Abgang von Mo Dahoud ist am Ende vielleicht sogar leichter zu verkraften als zunächst gedacht. Er hat keine überragende Saison gespielt und braucht wohl noch etwas, um den nächsten Schritt zu machen, denn auch bei der U21-EM hat mich Mo nicht vollends überzeugt. Er hat nicht ohne Grund am Ende nicht mehr gespielt. Also haken wir das schnell ab und schauen, wer ihn ersetzen kann. 
Für die Sechserposition neben Chris Kramer stehen in Denis Zakaria und Laszlo Benes zwei sehr talentierte Spieler bereit, die in ihrer Spielweise aber unterschiedlich sind. Benes ist eher der feine Fußballer, Zakaria der Balleroberer und -schlepper, der Dynamik ins Mittelfeld bringt. Dazu kommt der solide Tobias Strobl und eine Handvoll anderer, die wohl aber nur im (Verletzungs-)Notfall auf die Position des defensiven Mittelfeldspielers rücken werden: Jantschke, Elvedi, Oxford, Jonas Hofmann. Auch ein Ginter könnte dort eine Alternative sein. 



Auf den Flügelpositionen gibt es trotz des Abgangs von André Hahn weiterhin große Auswahl: Fast alle können beidseitig eingesetzt werden, doch können Herrmann, Traoré und Hazard ihre Stärken deutlich besser auf rechts einsetzen. In der vergangenen Saison wurde das ein wenig zum Problem, als der linke Flügelmann Johnson ausfiel und dieser Flügel mitunter etwas lahmte. In Neuzugang Grifo steht nun wieder ein zweiter Linksaußen zur Verfügung, denkbar wäre auch eine offensivere Rolle für Nico Schulz. Dazu kommen für beide Positionen auch noch Hofmann, der wie Hazard, Benes und Grifo auch zentral auf der Acht oder der Zehn spielen könnte, wenn taktisch so aufgestellt wird.
 

Angriff: Josip Drmic, Thorgan Hazard, Raffael, Ba-Muaka Simakala, Lars Stindl, Julio Villalba.

Auf den Angriffspositionen könnten natürlich nicht nur die hier aufgeführten Spieler um einen Platz konkurrieren, sondern auch zum Beispiel Herrmann oder Grifo. An Raffael und Kapitän Stindl führt da normalerweise noch kein Weg vorbei. Simakala hat im Jahr 2017 erstmal den Kontakt zur ersten Mannschaft verloren, wie es aussah. Die Unbekannten sind Josip Drmic, dessen Einsatzfähigkeit im Moment von außen kaum seriös beurteilt werden kann und Julio Villalba, von dem man sich erst jetzt nach und nach einen Eindruck verschaffen kann. Was man an Videos bislang im Internet sehen kann, zeigt einen wendigen Spieler mit guten Bewegungen und präzisem Abschluss, trotz der geringen Größe auch per Kopf. Die Art, wie er zum Ball geht und den Abschluss sucht, weist auch auf gehörigen Torriecher hin, doch ob das alles auch in der Bundesliga zum Tragen kommt, muss sich erst noch zeigen. Ob er regelmäßig Spielzeit bei den Profis bekommt, ist heute aus meiner Sicht noch nicht abzusehen.

Was zählt noch? Die Mentalitätsfrage: Die neue Borussia ist sehr jung. Sie hat in André Hahn einen Spieler abgegeben, der wie kaum ein anderer für unbändige Kampfkraft und "Mentalität" steht und der einigen Spielen damit fast allein seinen Stempel aufgedrückt hat. Sein Abgang ist verständlich, er wiegt aber umso schwerer, da schon in der vergangenen Saison das Fehlen von "Schweinhund" und "Einpeitscher" auf dem Feld erkannt wurde. 
Wer füllt die Anführer-Rolle aus, die Xhaka oder Stranzl früher innehatten? Das ist eine der interessantesten Fragen. Ich finde, dass Max Eberl auch diesmal hervorragende Neuzugänge an Land gezogen hat. Doch das neue mitreißende "Mentalitätsmonster" muss sich im Kader erst noch herauskristallisieren. 

Borussia 2018 ist im Werden, aber noch schwer einzuordnen, zumal ja auch viele andere Teams im großen Stil einkaufen. 
Offen ist auch, wo Dieter Hecking die Zukunft mancher vielseitigerer Spieler sieht, zum Beispiel Elvedi und Jantschke (rechts oder innen) oder Johnson (links außen oder hinten rechts). 
Welche Systeme werden künftig gespielt: 4-4-2 bzw. 4-3-2-1 oder auch mal ein klassisches 4-3-3 mit Flügelstürmern und zentralem Stoßstürmer? Wie flexibel wird die Mannschaft auf Spielsituationen und Gegner reagieren können?
Da warten noch einige Fragezeichen auf eine gute Auflösung. Ich bin gespannt und werde langsam ungeduldig, wie sich unsere Jungs in der neuen Saison verkaufen. Gut, dass es wieder losgeht.

Kommentare

  1. Tja, liest sich aller schön und doch nachdenklich.
    Frei nach Forrest Gump: "Borussia ist wie eine Pralinenschachtel...."
    Hoffen wir mal auf eine gefestigte Mannschaft bei Ligabeginn.

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