Wintergerüchte


Winterzeit ist auch immer Spekulationszeit. Wer könnte Borussia in Zukunft gut zu Gesicht stehen? Wer könnte nicht zu halten sein? In der kurzen Winterpause dieser Saison ist es in dieser Beziehung um Borussia noch eher ruhig gewesen.

Da ist das Gerücht um eine Verpflichtung des jungen Dänen Andreas Poulsen, dessen Realisierung durchaus Sinn ergeben würde. Schließlich ist Oscar Wendt 32, und wenn es eine Position gegeben hat, die in dieser Saison nach dem immer noch schmerzhaften Abgang von Nico Schulz nicht adäquat doppelt besetzt war, dann war das die Linksverteidigerposition. Angesichts der teilweise schwachen Leistungen Wendts war das schon eine Hypothek für Borussias Spiel. Zuletzt stabilisierte sich der Schwede, das lässt für die Rückrunde hoffen. Aber ein Juniorennationalspieler mit Erstligaerfahrung wäre ein guter Backup, zumal ihn Otto Addo sicher aus seiner Zeit in Dänemark gut kennt.


Mit dem ebenfalls mit Gladbach in Verbindung gebrachten Mark Uth rechne ich nicht. Immer wenn Schalke mit im Spiel war – Goretzka, Schöpf, Embolo zum Beispiel - haben die Knappen am Ende den Zuschlag bekommen. Und da liegt es dann einfach an den Gehältern, vermute ich. Denn sportlich trennt die beiden Vereine wenig. Eine Verstärkung wäre der Hoffenheimer Stürmer auf jeden Fall, auch weil er im Gegensatz zu unseren Stürmern einer ist, der auch aus der Distanz einen hervorragenden und präzisen Schuss hat. So fantastisch ich zum Beispiel Lars Stindls Fähigkeiten finde: Schussversuche von der Strafraumgrenze sind bei ihm leider oft nur harmlose Roller oder unplatzierte Schüsschen. Aber egal. Das wird Mark Uth nicht überzeugen, zu uns zu wechseln. Aber es erhöht, wenn es so kommt, nochmals meine Abneigung gegen den blau-weißen Gasklub.


Gerüchte ranken sich auch fast jedes Jahr um Thorgan Hazard, der für mich der Spieler der Hinrunde beim VfL war. Diesmal, aufgrund der tollen Leistungen, zu deren Krönung einfach nur ein paar mehr Tore gefehlt haben, sind diese Gerüchte ernstzunehmen. Der Vertrag läuft bis 2019, dem Vernehmen nach mit einer Option auf ein weiteres Jahr. Welche Zugriffsrechte Chelsea im Ernstfall hätte, ist zwar nicht klar, aber man kann sicher davon ausgehen, dass die Engländer den Spieler bekämen, wenn sie ihn denn wollen. Und das würde Sinn ergeben, wenn sie etwa Thorgans Bruder Eden in Richtung Spanien abgeben sollten. Aber auch sonst dürften viele Topklubs den Belgier auf dem Zettel haben, inklusive der Bayern. Bei dieser Gesamtlage sehe ich die Gefahr, dass wir Hazard im Sommer verlieren, als außerordentlich hoch an. Denn er mag sich in Gladbach sehr wohl fühlen – doch wenn er die ganz große internationale Karriere schaffen will, muss er wohl in Kürze dem Beispiel von ter Stegen und Xhaka folgen und zu einem der Big Player wechseln.


Weniger dramatisch sehe ich die Gerüchte um einen Abgang von Jannik Vestergaard. Bei ihm habe ich das Gefühl, dass er es nicht von Anfang an darauf angelegt hat, mal in der Premier League spielen zu müssen, woraus Xhaka, Christensen oder Hazard ja nie einen Hehl gemacht haben. Ich denke, der dänische Leuchtturm funkt noch eine Weile weiter in unserer Abwehr. Auch für Borussia wäre es ja ein schlechter Deal, ihn zu verkaufen, jetzt, wo die Innenverteidigung zunehmend besser harmoniert.


Und was passiert mit Reece Oxford? Das Tauziehen scheint anzudauern, zumindest hört man seit einigen Tagen nichts mehr Neues. Wäre die Verpflichtung gescheitert, hätte das Max Eberl sicher mitgeteilt, in dieser Beziehung ist er eigentlich sehr deutlich. Würde West Ham wirklich auf Oxford bauen, hätten sie ihn in den vergangenen Spielen zumindest mal auf die Bank setzen müssen. Es scheint also wirklich nur eine Sache des Geldes zu sein. Oxford selbst hat ja schon einen Hinweis gegeben, dass er gern am Niederrhein bleiben würde.

Einen Kommentar darüber, wie erbärmlich West Ham hier mit einem Talent aus der eigenen Jugend, das auch noch zu den talentiertesten zählt, umgeht, spare ich mir. In diesem Fall scheint der Kaufwahn in England tatsächlich eine Chance für Vereine wie Borussia zu sein. Denn in der Premier League sind Klubbesitzern und Fans offenbar nur noch namhafte Transfers ab 20 Millionen Euro zu vermitteln. Die anderen fallen durchs Raster, und wer wie Gladbach gut Perspektiven bieten kann, kann durchaus von diesem Irrsinn profitieren. Bei steigenden Preisen - und natürlich mit der Einschränkung, dass man die gereiften Spieler später wieder an die ganz großen Fische verliert. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung weitergeht.

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