2020-03-01

Ende des Schreckens in der Puppenkiste

Es gibt Fußballtage, da gibt es nicht viel zu meckern. Und das, obwohl das Spiel in der Puppenkiste jetzt nicht das herausragendste Saisonspiel des VfL war. Umso wichtiger, dass es einige wichtige Erkenntnisse brachte und natürlich: den ersehnten ersten Bundesliga-Sieg der Borussia im achten Anlauf in Augsburg, den Marcus Thuram wie gewohnt mit gehisster Eckfahne zelebrieren konnte. Die drei Punkte festigen zugleich nach heutigem Stand einen Champions-League-Platz, wichtiger sind vielleicht  sogar noch die mindestens 10 Punkte Abstand zum ersten nicht-europäischen Tabellenplatz, die auch nach diesem Spieltag weiter Bestand haben.

Dass die Partie gegen die traditionell unangenehme Augsburger Mannschaft ein recht sachliches Spiel wurde und nicht - wie schon öfter zuvor - zu einer harschen Treterei ausartete, lag nicht zuletzt an Schiedsrichter Markus Schmidt. Natürlich war nicht alles richtig, was er machte. Aber die frühe (verdiente) gelbe Karte nach 40 Sekunden gegen Lichtsteiner war die richtige Weichenstellung. Im Anschluss konnte der Referee es sich auch leisten, manchmal ein Auge zuzudrücken, wo er hätte Gelb zeigen sollen, ohne dass dadurch ihm die sehr ruhige Spielleitung entglitt. Das war sehr ordentlich, und ich will es deshalb auch erwähnen - aus bekannten Gründen.

Gerade in der ersten Halbzeit war das Spiel dennoch  eine eher zähe Angelegenheit, fast ohne Torszenen auf beiden Seiten. Doch wer genau hinsah, konnte erkennen, wie gut und geduldig die Gladbacher inzwischen einen Gegner mit unangenehmer taktischer Ausrichtung bespielen können - auch wenn es da noch nicht zum Torerfolg führte. 
Die Mannschaft von Marco Rose erarbeitete sich viel Ballbesitz, und war über die 90 Minuten sehr laufstark, mit 122,7 zu 120,5 Kilometern gegenüber dem FCA. Damit kam Borussia heute auch weit über dem Saisondurchschnittswert von 117 Kilometern pro Spiel ins Ziel; sicher ein Punkt, warum man heute als verdienter Sieger vom Platz ging. 
Ablesbar ist das auch an Einzelwerten: Florian Neuhaus und Jonas Hofmann konnten dem Spiel zwar nicht so den Stempel aufdrücken wie zuletzt, allerdings machten sie richtig Meter: Neuhaus 12,7 und Hofmann sogar 13,06 Kilometer. Matchwinner Lars Stindl, in der 86. Minute ausgewechselt, lag mit da 11,07 km auch auf knappem 12-Kilometer-Kurs. Mit diesem hohen Einsatz suchten Zakaria und Co. immer wieder spielerische Lösungen - sowohl über die Außen als auch mit vertikalen Bällen durchs Zentrum. 

Defensiv blieben die Borussen - allen voran der "Libero" Yann Sommer - vor allem in Halbzeit eins äußerst aufmerksam, auch gegen überfallartige Konterversuche und die vielen langen Bälle der Augsburger auf Niederlechner. 
Dabei wirkte die Hintermannschaft, nicht zuletzt durch die Rückkehr von Ramy Bensebaini in die Startelf, bissig und vor allem robust in den Zweikämpfen. 
Wären in der zweiten Halbzeit nicht einige individuelle Fehler dazugekommen, etwa vor den Gegentoren, durch Tobi Strobl und den sonst sehr sicheren Nico Elvedi, man hätte von einer fast perfekten Defensive sprechen können. 
Nach vorne wurde es vor allem nach der Pause deutlich ansehnlicher. Einziges Manko einmal mehr: die Chancenverwertung. Auch dieses Spiel hätte frühzeitig entschieden sein müssen, kein Fan hätte mehr bis zum Schluss um den Sieg zittern sollen. 
Das gilt vor allem für die Schlussphase, wo dann selbst noch die 100-prozentige Chance von Hofmann und eine 4-gegen-1-Situation leichtfertig verplempert wurden. Schade drum, denn auch die Tordifferenz könnte am Ende der Saison noch eine Rolle spielen.

Dieser Sieg beweist, dass Gladbach auch eine defensiv dichte Deckung, eine stark pressende und körperlich robuste Mannschaft gut beschäftigen, bespielen und besiegen kann, zumindest mit gut eingestreuten Tempowechseln und Ballgewinnen nach Pressing wie bei Strobls gutem Einsatz vor dem 2:0. Ein gutes Beispiel für die geduldige und überlegte Einleitung einer Chance war Pleas geblockter Schuss nach Ginter-Pass in der 74. Minute. Da hatten die Borussen über 17 Passstationen hintereinander Ballbesitz bis zum Torschuss und bespielten dabei einmal die komplette gegnerische Hälfte.
Nicht unterschätzen sollte man auch die psychologisch wichtige Tatsache, mal wieder einen knappen Vorsprung ins Ziel verteidigt zu haben, nachdem späte Tore in Leipzig und gegen Hoffenheim ja doch etwas am Selbstvertrauen genagt hatten.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass derzeit ein Zwei-Tore-Vorsprung auch gegen ein Team in der unteren Tabellenhälfte kein sicheres Ruhekissen ist. Weil in der zweiten Hälfte unter zunehmendem Druck der offensiver werdenden Gastgeber bisweilen einige Basics abhanden kamen, hatte Augsburg mehr Torchancen als für meinen Geschmack nötig gewesen wären. Und natürlich zwei vermeidbare Tore auf dem Konto.

Dennoch: Insgesamt kann man mit diesem Auftritt hochzufrieden sein. Ob eine Leistung wie heute gegen Dortmund in der nächsten Woche zu etwas Zählbarem ausreichen würde, ist natürlich Spekulation. Ich hoffe nur, dass es Marcus Thuram heute nicht schlimmer am Knie erwischt hat und die Blessuren des Spiels auch keinen anderen aus dem Team außer Gefecht setzen werden. Denn für die kommende Woche mit drei richtig fordernden Spielen (BVB, K*** und Frankfurt) braucht Borussia die volle Kapelle.
     
Bundesliga 2019/20, 24. Spieltag: FC Augsburg - Borussia  Mönchengladbach 2:3 (Tore für Borussia: 0:1 Bensebaini, 0:2 Stindl, 1:3 Stindl)

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