2021-03-17

Zum Kotzen guter Fußball

Es ist schade, dass von Borussias Champions-League-Saison 2020/21 der letzte Eindruck die schönen Erfahrungen übertünchen wird. Dieser letzte Eindruck war kein schöner. Eine Borussen-Elf, die sich ohne Frage bemühte, um dennoch nie auch nur in die Nähe einer Überraschung kommen zu können. Das lag natürlich daran, dass der Kamerad Selbstbewusstsein offenbar schon vorzeitig nach Dortmund gewechselt ist. Mehr noch lag es aber an der Mannschaft von Pep Guardiola, die einfach in diesen beiden Spielen - in allem - Welten von dem entfernt war, was der VfL anzubieten hatte.

Es war ein wirklich zum Kotzen guter Fußball, den Kevin de Bruyne und seine Startruppe von Scheichs Dollargnaden da über 90 Minuten boten. Eine Halbzeit lang heute spielerisch wie läuferisch, mental, in der Körpersprache, im Willen, die richtigen Läufe zu machen, ständig anspielbar zu sein und das auch alles  noch technisch auf herausragendem Niveau. Mit der klaren Führung im Rücken wählten die Blues dann eine souveränen, fast kraftsparenden Verwaltungsmodus - was umso schmerzlicher für den Gegner war. Borussia sammelte diesmal zwar sogar sechs gute Torschüsse oder -gelegenheiten und war damit gar nicht weit vom Gegner entfernt. Aber dennoch waren Lars Stindl und seine Kollegen völlig ohne Chance - wie schon im Hinspiel.

Ja, wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn Embolos abgefälschter Schuss früh zur Führung ins Tor gegangen wäre. Wenn nach dem 0:2 ein Anschlusstreffer gelungen wäre, der die beim Thema "Zu Null" verwöhnten City-Spieler möglicherweise doch noch mal ins Grübeln gebracht hätte. Aber so diametral, wie die Form beider Teams derzeit auseinander strebt, so ist eben auch die Chancenverwertung. De Bruyne trifft mit seinem schwächeren Fuß unhaltbar unter die Latte - Embolo, Plea oder Wolf zielen Zentimeter vorbei oder drüber.

Aber das war es nicht alleine. Die Schwächen in der Rückwärtsbewegung sind in den vergangenen Spielen zwar deutlich reduziert worden. Es sind aber in jedem Spiel noch welche dabei, die zu leichten Gegentoren führen. Und auffällig ist, wie die entscheidenden Zweikämpfe davor verloren gehen: Immer knapp, oft kommt der Gegner nur mit etwas Glück vorbei - aber er kommt eben vorbei. Und wenn das immer wieder passiert, dann ist es eben auch ein strukturelles Problem. Eins der Zweikampfführung in allen Mannschaftsteilen und in der Frage, wie man sich gegenseitig unterstützt oder im Spielaufbau unter Druck zum Beispiel als Pass-Ausweg anbietet. 

Die richtige Abstimmung darin war der Schlüssel zum Erfolg gegen Inter, Real, Bayern oder in der Liga im Januar gegen den BVB. Im Moment sieht man diese Entschlossenheit, die Gier, sich unbedingt durchsetzen zu wollen, eher bei den Gegnern.

Das sieht man auch, und damit will ich es inhaltlich auch bewenden lassen, im Spiel nach vorn. Immer wieder gab es heute, aber auch im Hinspiel, die Möglichkeit, einen schnellen Pass nach vorne zu spielen. Es sind oft nur ganz kurze Momente, bis sich die City-Reihen wieder schließen, wo das überhaupt möglich ist. Aber die Angst, den Ball da zu verlieren, war auch heute wieder zu spüren - so wirkt es zumindest. 

Einzig Flo Neuhaus hat das Selbstvertrauen, da etwas mehr zu wagen. Alle anderen laufen und überlegen zu lange mit dem Ball, wählen dann lieber wieder den vermeintlich sicheren Weg nach hinten über die Innenverteidiger oder zurück zum Torwart. Yann Sommer hatte heute hinter Elvedi und Ginter die drittmeisten Ballkontakte. Das spricht eine deutliche Sprache über das Gladbacher Spiel. Und es war ein mitentscheidender Faktor. Denn kaum ein vom Goalie lang geschlagener Ball kam heute überhaupt so an, dass man etwas damit hätte anfangen können. Und das 0:1 etwa resultierte aus einem solchen einfachen Ballverlust im Mittelfeld nach einem Chipball Sommers auf Stindl.

Gegen einen Gegner wie Manchester, der so konsequent anläuft und presst, fällt Borussia im Moment leider zu wenig ein. Es wird unter Druck solange hintenrum gespielt, bis ein Spieler in die Ecke getrieben ist und den Ball weitgehend unkontrolliert nach vorne prügelt, wo er oft postwendend wieder zurück kommt. Und wenn doch mal die erste Kette überspielt ist, folgt zu oft der Sicherheitspass zurück, der den ganzen Vorteil, den man sich gerade erspielt hatte, wieder zunichte macht. Und dann muss wieder gegen einen kompakt stehenden Genger neu angelaufen werden.

Und so habe ich heute wieder einmal höllisch gelitten. Aber nicht, weil ich aufgeregt mitgefiebert und auf ein Wunder gehofft hätte. Ich habe mit den Spielern gelitten, weil ich gut nachvollziehen kann, wie deprimierend es sein muss, gegen so einen Gegner nicht nur immer hinterherzulaufen, sondern auch noch zu sehen, dass er auch auf jeden guten Versuch, ihn zu stören - und die gab es ja auch -, eine exakte, eine gemeine, eine spielerische Lösung hat. 

Peps Wundertruppe hat heute nach Belieben mit Borussia gespielt, und weil die Halbzeitführung für ein lockeres Weiterkommen ausreichte, hat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit auf Schonung umgeschaltet, und Borussia trotzdem noch immer weiter hinterherlaufen lassen. Hätte tatsächlich irgendwer im Trikot mit der Raute den Ball irgendwie ins Tor von Ederson bekommen - ich bin mir sicher, dass City sogleich wieder zwei Gänge hochgeschaltet hätte. 

Das ist mit das Schlimmste, was man als Gegner erleben kann. Und für Borussia ist es in dieser Saison doppelt bitter - weil man selbst eine solche Selbstverständlichkeit in der Verteidigung einer Führung auch gegen die schwächsten Gegner in der Bundesliga nicht vernünftig hinbekommen hat.

Es ist also sportlich nichts daran auszusetzen, dass für den VfL an dieser Stelle überdeutlich ein Schlussstrich in der Champions League gezogen wurde. Dazu ist dann die spielerische Qualität beim Gegner zu übermächtig - vielleicht auch erst jetzt, in der Endphase der Saison, wo es für diese Clubs um das wirklich Wichtige geht - Titel. 

Und wir haben es einmal mehr verdeutlicht bekommen: Ab jetzt wollen die Großen und Potenten alleine weiterspielen, das ist das einzige, was die Uefa will und fördert. Schade ist es trotzdem, dass diese Spiele ausgerechnet in dieser gruseligen Phase der Saison stattfinden mussten, in einem fremden Land ohne Zuschauerunterstützung. Und dass diese letzten Eindrücke von der Champions League am Ende die in der Gruppenphase gezeigten richtig guten Leistungen ein bisschen in den Hintergrund drängen.

Aber sehen wir es positiv. Auch diese Spiele bringen die Jungs weiter. Und für die Umstände war es ein halbwegs anständiges Spiel und Ausscheiden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Und ab jetzt geht es nur noch um das, was wirklich wichtig ist - die Saison in der Bundesliga irgendwie zu retten. Wie auch immer das gelingen soll.

Champions League, Achtelfinale, Rückspiel: Manchester City - Borussia  Mönchengladbach 2:0.

Saisonspende: Null, nada, nichts: Auch im zweiten Duell mit Guardiolas Passmonstern kam nicht aufs Spendenkonto. Der Stand bleibt bei 99 Euro.

Zur Erinnerung, darum geht's: Ich spende am Ende der Saison einen Betrag X für einen (oder mehrere) gute(n) Zweck(e), auf den/die ich mich später festlege. Die Spendensumme setzt sich wie folgt zusammen: Jedes erzielte Tor von Borussia in den drei Wettbewerben: 50 Cent. Jedes Tor von Tony Jantschke: 10 Euro. Platzverweis von Max Eberl oder Marco Rose: 2,50 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 5 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg oder Wolfsburg: 10 Euro. Tore oder Vorlagen von Gladbacher Spielern in der deutschen Nationalelf: 1 Euro. Erreichen der K.o-Phase und für jede weitere erreichte CL-Runde: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Meisterschaft oder Finalsieg in CL oder EL: 50 Euro. DFB-Pokalsieg: 30 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

Kommentare:

  1. Auch ich habe furchtbar gelitten, aber nicht so wie du mitgelitten, sondern bei jeder Aktion seitens der Borussia. Man wollte schlichtweg NICHT den Ball, keiner der "Fohlen". Und da selbst Kampfschwein Bensebaini sich von Begin an dem VFL Schicksal ergab, war dann nach 45 schlimme, schmerzvollen Minuten MEINE CL Saison beendet, hatte einfach keine Lust mehr auf dieses unfassbare pseudo Gekicke.
    Samstag auf Schalke Könnte dann auch MEINE Bundesligasaison ihr jähes Ende finden...

    H.R.

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  2. Ich fürchte selbst ein Sieg gegen Sch...04 wird meine Stimmung nicht wirklich verbessern. Dafür ist einfach schon zuviel Mist passiert. Echt irre was diese Saison mit uns Borussen gemacht hat.

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