2016-05-07

Mit roher Gewalt ins Glück

Drei Spiele ohne Niederlage, davon zwei gegen den Meister und den Dritten der Tabelle - die Mannschaft hat sich im Endspurt der Saison tatsächlich  noch - verdient - auf den bestmöglichen Platz geschoben, der nach den beiden Niederlagen gegen Hannover und Ingolstadt noch zu vergeben war. Der vierte Platz, die Qualifikation für die Champions League, ist dem VfL nicht mehr zu nehmen, dazu gehören angesichts der Tordifferenz keine besonderen hellseherischen Fähigkeiten mehr.  Und das ist ein fantastisches Ergebnis für Borussia. Wer fragt, warum, sollte auf diese Zahlen schauen:

12 - 12 - 11 - 15 - 10 - 18 - xx - 15 - 12 - 16 - 4 - 8 - 6 - 3 - 4

Richtig, das sind die Mönchengladbacher Endplatzierungen in der Bundesliga seit dem Wiederaufstieg 2001 (das xx steht für die Zweitligasaison nach dem zweiten Abstieg). Natürlich, es gab in dieser Saison genug Gelegenheiten, so viele Punkte zu sammeln, damit es Platz drei wird. Mehr aber auch nicht. Dafür waren Bayern und Dortmund zu konstant in den Leistungen. Im vergangenen Jahr holte Borussia als Dritter 66 Punkte, Leverkusen als Vierter hatte 61. Diesmal reichen wahrscheinlich sogar 52 Punkte für den 4. Platz und 57 für Platz drei. So what? Jeder Saison ist eben anders, und diese war durchweg schwächer (oder sagen wir zwischen Platz drei und 18 ausgeglichener) als andere. Wir sind europäisch dabei, mit der erneuten Chance auf den Topf mit den ganz großen Mannschaften. Wer damit nicht gut leben kann, sollte sich besser einen Abonnements-Meister zum Zujubeln suchen.


Das Spiel heute hat mich, so erfreulich es auch endete, nervlich allerdings wieder einmal ziemlich mitgenommen. Ein toller Start mit versemmelten Großchancen und nicht gegebenen Elfmeter(n) und die kalte Dusche zum 0:1 durch ein ganz schwaches Abwehrverhalten. Danach mutig gegen den unverdienten Rückstand anspielende, aber dabei sehr fehlerbehaftete Borussen - stets in Gefahr, dass der Willen zum risikoreichen Spiel nach hinten losgeht. Zum Glück stand im VfL-Team heute wieder einer, der in all der Spielkunst und der oft zu komplizierten "Ich-trage-den-Ball-ins-Tor"-Mentalität zur richtigen Zeit einfach zweifach den Hammer rausholte: André Hahn war heute, aber eigentlich auch schon in den Spielen zuvor, der Mann für die wichtigen Tore. Heute aber habe ich die beiden Vollspannschüsse noch inbrünstiger mit ins Tor geschrien - weil die Bälle anders wohl nicht ins Tor gegangen wären als mit roher Gewalt.
Mit den Partien seit der Rückkehr aus der langen Verletzungspause hat André Hahn bewiesen, dass er tatsächlich der Torjäger/Mittelstürmer sein kann, nach dem sich Gladbach-Fans seit so vielen Jahren sehnen. Und als der ihn einer sah, der dem VfL heute wieder - wenn auch von weitem - sicher mit viel Freude zugesehen hat. Lucien Favre war es, der Hahn diese Rolle zutraute. Und er hat Recht behalten.

Abschied nehmen hieß es heute auch noch, zumindest im Borussia Park: Von den verdienten Roel Brouwers, Martin Stranzl, Havard Nordtveit und Branimir Hrgota sowie von Martin Hinteregger, der vielleicht dann doch nur zur falschen Zeit bei Borussia vorgespielt hat. Alle fünf werden mir in der neuen Saison fehlen, wie all die Helden zuvor auch, die erstaunlicherweise auf dem Spielfeld aber nach kurzer Zeit kaum noch vermisst wurden. Einer wird mir dagegen ganz sicher nicht fehlen: Marcel Reif machte mir gegen Leverkusen den Abschied mit einer gewohnt unterirdischen Schwätzerleistung sehr leicht. So viel dummes Zeug wie heute habe ich in 90 Minuten selbst von ihm selten gehört. Schönen Ruhestand, Herr Reif. Es wird höchste Zeit.

Bundesliga 2015/16, 33. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 2:1 (7.5.16)
(Tore für Borussia: 1:1 Hahn, 2:1 Hahn)

2016-05-04

Ein Trio bleibt übrig

Vergessen wir nicht, wo wir vor ein paar Jahren noch standen. Der Satz ist abgenudelt, und wer angesichts der jüngsten "fetten Jahre" schon auf die ständige Champions-League-Qualifikation schielt, will ihn auch gar nicht mehr hören. Doch bei Borussia endet - auch dank der Erfolge in der jüngeren Zeit - zur neuen Saison ganz leise eine Ära. 

Nach Mike Hanke, Juan Arango und Filip Daems verlassen diesen Sommer Havard Nordtveit und Martin Stranzl die Borussia. Und nun also auch noch Kultborusse Roooooooel Brouwers. Und wer auf den Kader der Relegationssaison 2010/11 schaut, als Lucien Favre seine Mission startete, dem wird spätestens da klar, dass im Sommer eine völlig andere Mannschaft die Raute trägt als vor fünf Jahren. Der Kader ist im wahrsten Sinne des Wortes runderneuert: Nur noch Christopher Heimeroth, Tony Jantschke und Patrick Herrmann werden von den Relegationsteilnehmern übrig sein, wenn André Schubert sein Team zum Aufgalopp zur neuen Saison bittet.
Das ist einerseits toll, weil Gladbach inzwischen eine Adresse ist, die gute Spieler anzieht und wo man nicht mehr wie früher viel Geld für Mittelmaß in die Hand nehmen muss. Andererseits könnten uns zunehmend jene Typen fehlen, die sich mit dem Verein so identifizieren, dass sie ihm auch über viele Jahre treu bleiben. Das ist dann die Kehrseite des Erfolgs. Die Spieler, die Borussia inzwischen verpflichten kann, spielen in einer Klasse, in der man sich "Gefühlsduselei" nicht leisten kann. Wenn der nächste Schritt auf der Karriereleiter lockt, heißt es zuzugreifen.Das war schon bei Dante und Reus so, es galt für Kruse und es wird irgendwann auch für Granit Xhaka und Mo Dahoud gelten. Hoffen wir, dass wir auch immer wieder Platz für Spieler wie Roooooooel, Tony Jantschke oder Raffael haben.