2023-04-09

Erstens kommt es anders...

... und zweitens, als man denkt.

Glückwunsch Gladbach! Ein Zu-Null-Sieg über Wolfsburg bedeutet fast schon den frühzeitigen Klassenerhalt. Das ist nicht nur gefühlt eine wichtige Nachricht am Osterwochenende. 

Aber Vorsicht: Das am Ende verdiente 2:0 könnte manch beunruhigende Beobachtung der vergangenen Wochen kaschieren - wenn man nicht so genau hinsieht.

Aber egal. Zuerst freue ich mich für die gesamte Mannschaft, die sich mit eigenen Mitteln aus einer schlechten Anfangsphase herausmanövriert hat. 
Ich freue mich für Nathan Ngoumou, der bisher kein einfaches erstes Jahr bei Borussia verlebt hat und gönne ihm das schöne erste Bundesligator. Es deutet an, warum man den Franzosen für relativ viel Geld an den Niederrhein gelotst hat. 

Ich freue mich für Jonas Omlin, der seinen Kasten zum zweiten Mal in Folge sauber halten konnte, und für Nico Elvedi, der heute daran einen großen Anteil hatte.

Ich freue mich für Flo Neuhaus, der sich seiner alten Form annähert und für Tikus und Alassane Plea, denen es sichtlich gut tat, auch mal wieder mit einer schönen Torkombination aufzufallen.

Allerdings bleibe ich auch nach dem letztlch ungefährdeten Sieg gegen die VW-Werksmannschaft skeptisch, was die Übertragbarkeit auf die nächsten Spiele angeht. Zu oft hat sich da ein Aufwärtstrend schon als Strohfeuer erwiesen.

Auch heute schien das Drehbuch ein ganz anderes zu sein. Die ersten 30 Minuten waren mit das Schlechteste, was die Farke-Elf in dieser Saison gezeigt hat. Kein Selbstvertrauen, zu wenig Bewegung im Spielaufbau, dadurch keine vernünftige Anspielstationen und durch schlampiges Spiel und wenig Hilfe vom Nebenmann dann auch teils haarsträubende Fehler. 

Das Offensivspiel war eine Farce, bis zur 21. Minute tauchten die Gladbacher überhaupt nicht mit einem zielführenden Angriff in der Hälfte der Gäste auf. Danach auch noch eher zufällig. Der hasenfüßige Auftritt des Teams und das Abtauchen auch von erfahrenen Spielern wie Kramer und Stindl in dieser Phase ließ nichts Gutes ahnen. 

Und es wirkte überspitzt gesagt teilweise so, als hätten die Spieler untereinander eine Wette laufen, wer es schaffen würde, dass Daniel Farke ihn noch vor der Pause leistungsbedingt auswechselt.

Somit war das Wolfsburger 1:0 nach einem Ballverlust zum Haare-Raufen von Kramer und Bensebaini nichts anderes als verdient. Und es war ausschließlich das Glück der vorgeschobenen Fußspitze, dass es dann doch nicht zählte. 

War das - inklusive der Unterbrechung durch den VAR-Check - schon der Game-Changer? 

Schwer zu sagen, denn Borussia kam danach zwar zu ersten Torschüssen. Doch das 1:0 durch Ngoumous beherzten Schuss in die Ecke kam nun wirklich aus dem Nichts. Wölfe-Torwart Casteels präsentierte den entscheidenden Fehlpass auf dem Silbertablett, und dass Ngoumou tatsächlich so kaltschnäuzig abschließen würde, hielten selbst die Wolfsburger offenbar nicht für möglich.

Das Gegentor brachte die Gäste allerdings aus dem Konzept, und sie suchten fortan vergeblich nach der Selbstverständlichkeit, mit der sie die bräsigen Gladbacher in der Anfangsphase nach Belieben dominiert hatten. Sie fanden sie nicht wieder, das wurde von Minuten zu Minute deutlicher. Borussia hingegen kam immer besser in die Zweikämpfe, profitierte dabei das eine oder andere Mal auch von der großzügigen Linie des guten Schiris Timo Gerach, der das Spiel angenehm sachlich und ruhig leitete und auch Aggro-Maxi Arnold schnell den Wind aus den Segeln nahm, wenn der zum Beschweren vorbeikam.

Das 2:0 nach einer hübschen Franzosen-Kombination aus Flanke Ngoumou, Kopfball-Ablage Plea und Kopfball-Vollendung durch Thuram entschied dann das Spiel relativ früh nach gut einer Stunde, denn auch wenn Gästetrainer Kovac wechselte, was das Zeug hielt, seine Mannschaft fand kaum noch in gefährliche Zonen. Mit ein wenig Glück des Tüchtigen verteidigten Itakura und Co. alles, was Richtung Omlins Tor kam, relativ sicher weg.

Tatsächlich wechselte der Trainer diesmal auch früher als erwartet, leider auch einmal gezwungenermaßen wegen Scallys Verletzung. Auch das hatte wenig Einfluss aufs Spiel, und das ist ja auch eine halbwegs gute Nachricht.

Gibt das Erfolgserlebnis jetzt nochmal Auftrieb für einen beherzten Schlussspurt einer Mannschaft, die ihr Gesicht im Sommer gehörig verändern wird? Ich hoffe es auch nach diesem Spieltag wieder. Sicher bin ich mir nicht. 

Allerdings fand ich es bemerkenswert, dass heute nach dem Spiel in Marcus Thuram einer der zuletzt am meisten kritisierten Spieler zu einem seiner seltenen Interviews kam und sich sehr vernünftig verkaufte, inklusive Dank an die Fans. So ganz egal scheint es eben doch keinem zu sein, wie er gesehen wird. 

Am meisten Pluspunkte können Tikus und seine Kollegen allerdings natürlich auf dem Spielfeld machen. 

Es wäre für uns alle gut, wenn ihnen das zum Ende der Saison noch mal gelingen würde. Denn auch die Fanszene wirkt zunehmend zerrissen im Wechselbad der Gefühle, das in diesem Jahr zur Normalität geworden ist.  

Saison 2022/23, Bundesliga, 27. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 2:0. Tore: 1:0 Ngoumou, 2:0 Thuram. 

Geht doch: Der Spendenstand steigt um drei Euro auf 108 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.

2023-04-02

Nur Nieten in der Derbylotterie

Es kommt nicht so oft vor, dass ich mir wünsche, ein Spiel meiner Mannschaft wird vorzeitig abgepfiffen. Heute war so ein Tag. Das Derby in der verbotenen Stadt, beide Teams in der Tabelle so nichtsreißend unterwegs, dass sie motiviert sein mussten, wenigstens noch die Derbywertung irgendwie auf ihre Seite zu ziehen. Es hätte also ein packender, sogar ein hochklassiger Fußballnachmittag werden können.

Aber stattdessen gab es eine grausam fehlerhafte Kickerei, bei der Köln auch nur um Nuancen weniger kopflos agierte als der VfL. Immerhin brachten Baumgarts Rasenumpflüger ihre normale Arbeitshaltung auf den Platz, während es bei Daniel Farkes Elf ein Auftritt war, bei dem man nie wusste, ob gerade das Nicht-Wollen oder das Nicht-Wissen-Wie die Oberhand behalten würde.
Am Ende ist das 0:0 für Borussia noch das bestmögliche und auch das aussagekräftigste Ergebnis für diese Derby-Lotterie mit Nietengarantie.

Die Chancen waren auf beiden Seiten überschaubar, es wäre ein Märchen, wenn man glaubte, dass die Gastgeber aufgrund mehr Torgefahr den Sieg verdient gehabt hätten. Sie waren einfach nur präsenter, wirkten williger, bissiger - und deshalb hätte sich kein Gladbacher beschweren können, wenn auch dieses Auswärtsspiel verloren gegangen wäre.

Damit wäre eigentlich genug gesagt. Denn eine Erklärung für die zeitweise unsichere, zeitweise uninspiriert-lethargische und zeitweise schlampige Spielerei zu finden, die sich in dieser Rückrunde auf aufreibende Art und in unterschiedlicher Deutlichkeit durch die Leistungen fast aller Borussen zieht, überfordert mich schlichtweg. Wie viele andere Fans habe ich diese Saison aufgegeben, hoffe, dass Sie schnell und möglichst glimpflich vorbei- und ausgeht.

Doch so scheint es vielen Spielern auch zu gehen. Die auf dem Platz machen schon lange nicht mehr den Eindruck, dass sie gemeinsam etwas bewegen können (und wollen?). Der Trainer gibt wenig Impulse von außen, er verzichtet auf Auswechslungen, wo es nur geht und redet die Spiele schöner als sie sind. 

Das heute war "kein Filetstück von Fußball" - da hat Daniel Farke ja durchaus recht. Er könnte aber auch sagen - und das wäre ehrlicher und treffender -, dass das heute für alle Beteiligten und auch für Unbeteiligte so war, als ob man 90 Minuten auf einer schweißfüßigen Schuhsohle rumkauen musste. Soviel zum Vergleich mit einem feinen und zart gebratenen Stück Fleisch.

Am Ende kann man dieses missratene Gericht also nur schnell in die Tonne kloppen und sich ein Loch in den Bauch freuen, dass man noch mit einem Punkt in der Tasche aus dem Lokal rausspaziert ist - also quasi einen Teil der Zeche geprellt hat.

Das und die Hoffnung auf eine neue Saison, die wie durch ein Wunder eine Neuerfindung Borussias bereithalten könnte (wer daran im Moment glaubt, für den gilt wirklich die Diagnose "Optimismus-positiv") lässt mich im Moment die Spiele noch durchhalten. Aber die Enttäuschungen schlagen langsam ins Kontor.

Aber als wäre das alles noch nicht genug der Qual, hatte der DFB heute auch noch extra für uns einen weiteren Sargnagel für den Fußball nach Köln geschickt. Felix Zwayer und seine "unparteiischen" Kollegen bewiesen einmal mehr, dass bei Bundesliga-Referees Qualität kein Kriterium ist. Es war an Fehlentscheidungen alles dabei - Foul, Abseits, Aus, mal Gelb, mal nicht - es war eine unterirdische Leistung auf dem Platz, an der Seitenlinie und im Keller. 

Doch die Krönung war die Szene in der 15. Minute, die das Spiel merklich hätte beeinflussen können, nein - müssen. Da trat Kölns Hübers direkt vor den Augen des Schiris Florian Neuhaus im Strafraum von hinten das Standbein weg, ohne auch nur in der Nähe einer Ballaktion gewesen zu sein. Ein 350-prozentiger Elfmeter, den jeder in der Echtzeit und auch in jeder folgenden Zeitlupe problemlos erkennen konnte. 

Nur Zwayer nicht - und, was noch schwerer wiegt: VAR Sören Storks auch nicht, der sämtliche Zeitlupen zur Verfügung hatte und trotzdem keine Fehlentscheidung erkennen wollte. Wenn man diese Szene mal davon löst, ob Gladbach den Elfer überhaupt reingeschossen hätte oder auch von den Gesamtleistungen der Fußballer auf dem Platz - dann müsste so ein Versagen endlich einmal klare Konsequenzen haben. Solche Schiedsrichter haben in keiner oberen Spielklasse etwas zu suchen. Sie schaden dem Fußball, sie erschüttern die Glaubwürdigkeit und sie nehmen einem den Glauben daran, dass im Profifußball immer alles mit rechten Dingen zugeht. 

Fehlentscheidungen gehören zum Sport dazu. Das ist nunmal so. Um diese aber möglichst weit zu reduzieren, gibt es Hilfsmittel wie den Videoassistenten. Manche Streitfälle im Fußball sind interpretationsfähig, manche Regeln sind auch nicht scharf genug gefasst oder hilfreich, manchmal sind Szenen vielleicht auch durch Zeitlupen nicht eindeutig zu klären.
In diesem Fall bleibt mir allerdings keine andere Erklärung außer fehlendem Sachverstand und Absicht. Es ist für mich ungeachtet des weiteren Spielverlaufs ein Skandal, der nicht passieren darf, der aber wahrscheinlich doch wieder keine Konsequenzen für die beteiligten Referees hat. Und das macht mich heute auch Stunden nach dem Spiel noch genauso wütend wie die blinde Kickerei meiner Mannschaft. Habe fertig!                 

Saison 2022/23, Bundesliga, 26. Spieltag: 1. FC Dings - Borussia Mönchengladbach 0:0. 

Eine Nullnummer fast auch hier. Der Spendenstand steigt dank Jonas Omlins weißer Weste aber um einen Euro auf 105 Euro.

Das gilt in der Saison 22/23: Für jedes erzielte Tor von Borussia in Bundesliga oder DFB-Pokal zahle ich 1 Euro. Für jedes Tor von Tony Jantschke oder Christoph Kramer: 10 Euro. Gehaltener Elfmeter von Yann Sommer Jonas Omlin (oder einem Ersatzmann): 2,50 Euro; Zu-Null-Spiel: 1 Euro. Derbysieg gegen K***: 10 Euro. Siege gegen Bayern, Dortmund oder Leipzig: 10 Euro. Ein Sieg in Freiburg: 10 Euro. Einstelliger Tabellenplatz am Saisonende: 10 Euro. Internationaler Startplatz am Saisonende: 20 Euro. Deutsche Meisterschaft: 122 Euro. DFB-Pokalsieg: 50 Euro. Gladbacher Torschützenkönig: 30 Euro.