Teil drei der kleinen Serie zur Hinrundenbilanz versammelt meine Bewertung der Spieler, die bislang kaum eine beziehungsweise gar keine Rolle spielen durften oder konnten. Dass darunter dann Akteure wie Ibrahima Traoré, Raffael und Mickael Cuisance autauchen, überrascht natürlich, offenbart aber auch die personellen Möglichkeiten, die der Kader in diesem Jahr bietet.
Noch die meisten Spielminuten trotz hartnäckiger Verletzungen absolvierte Ibrahima Traoré. Zu nutzen wusste er die Einsatzzeit leider nicht so richtig. Oft zu hektisch, mit falschen Entscheidungen, verrissenen Flankenbällen und zu späten Abspielen. Dagegen steht im Positiven die schöne Vorarbeit für Hazards Führungstor gegen Nürnberg und die Tatsache, dass die Gegner den kleinen unberechenbaren Dribbler noch immer fürchten. So gelang es Ibo bei den Einwechslungen meist doch, für Unruhe zu sorgen, auch wenn sich das für ihn nicht in Zählbarem niederschlug. In den letzten drei Spielen der Hinrunde, wo er jeweils mehr als 70 Minuten auf dem Feld stand, war seine Wirkung allerdings begrenzt. Das ist eine Bilanz, die auch Traoré nicht zufriedenstellen wird. Hoffen wir, dass er in der Rückrunde verletzungsfrei bleibt und sich mit mehr Spielzeit auch zurück in Bestform spielt.
Es gab Zeiten, da konnten Borussia-Fans nicht gut schlafen, wenn sie wussten, dass Raffael im nächsten Spiel nicht zur Verfügung stehen würde. Und wenn man es ohne ihn doch mal gewuppt bekam, wie im legendären 2:0 im Celtic-Heiligtum, war klar: Das geht nicht jede Woche. In dieser Saison musste es gehen, und auch daran zeigte sich, dass Borussia 2018 personell auf ganz anderen Beinen steht als noch vor zwei oder drei Jahren. Der Brasilianer stand seinem Team insgesamt nur sieben Mal zu Verfügung und er machte nicht ein Spiel über die komplette Distanz. Zu überzeugen vermochte der Torgarant der vergangenen Jahre nur zum Saisonauftakt gegen Leverkusen und gegen Stuttgart, als er - per Kopf - spät den Grundstein zum Arbeitssieg legte. Dass er auch in den nächsten Wochen nicht an seiner Bestform arbeiten kann, ist nach dem Schlüsselbeinbruch in Hoffenheim auch schon klar. Insofern wird es schwer für Raffael, in dieser Saison noch eine tragende Rolle im Gladbacher Fußball-Spektakel zu bekommen. Vorausgesetzt natürlich, niemand aus der Sturmreihe verletzt sich und fällt länger aus. Für einen Abgesang auf Raffael ist es jedoch noch viel zu früh, auch das zeigte sein Tor gegen Stuttgart. Wenn man ihn braucht, ist der "Maestro" nämlich immer noch da, wo man ihn braucht.
Mickael Cuisance hat eine grandiose erste Saison hinter sich. Und wie viele junge Spieler vor ihm tat auch er sich in seinem zweiten Bundesligajahr bis jetzt deutlich schwerer. Sechs Kurzeinsätze, nur einer über 90 Minuten beim 0:0 in Hoffenheim (der war kämpferisch überzeugend, spielerisch wie beim gesamten Team unterirdisch). Als Highlight einen Assist, das tolle Konter-Zuspiel auf Plea zum 2:0 gegen Nürnberg. Für einen 19-Jährigen ist das in keiner Weise eine Bilanz, die problematisch wäre. Ich hoffe allerdings, dass sein Umfeld und Borussias Verantwortliche dem ehrgeizigen Franzosen genau das auch vermitteln können und Cuisance geduldig bleibt. Er wird seine Chance bekommen, so wie er sie in der vergangenen Saison bekam. Aber im Moment spielen auf seinen Positionen Spieler, die ihm einiges voraus sind. Fehlende Cleverness im (Defensiv-)Zweikampf und das manchmal zu risikobewusste Spiel nach vorn waren Schwächen, die er im vergangenen Jahr bisweilen zeigte. Die hat er auch in dieser Saison noch nicht ganz abgestellt, aber das ist eine Entwicklung, die auch von der Erfahrung im Wettkampf abhängt. Dagegen setzt er seine hervorragende Technik und unberechenbare Pässe, die eine ganze Abwehr aufreißen können - wenn sie öfter ankämen. Ich glaube, dass Cuisance weiter seine Einsätze bekommt, insbesondere, falls Neuhaus mal einen Durchhänger hat. Er muss nur lernen, dass er als Joker nicht gleich mit übertriebenen Kabinettstückchen zünden, sondern zuerst die Pflicht erfüllen muss. Und die ist meist unspektakulärer, aber notwendig.
László Benes ist in diesem Kader ein weiterer Härtefall. Aufgrund seiner Verletzungen hat der begabte Mitttelfeldspieler mehr als ein Jahr vferloren und müsste jetzt regelmäßig auf hohem Niveau spielen. Bei Borussia klappte das in der Hinrunde gar nicht, nur eine Einwechslung (Hoffenheim) stand zu Buche. In der zeigte er, dass auf ihn Verlass ist und er Bundesliga-Niveau hat, was er schon in seiner Anfangszeit bei Borussia in der Spielzeit 16/17 zeigte. Borussia und Benes stehen im Winter vor einer schwierigen Entscheidung. Ausleihen oder behalten? Wenn das Verletzungspech auf der Sechs oder Acht hefitg zuschlagen sollte, wäre der Slowake einer, der sofort Lücken füllen könnte. Läuft alles bestens, steht er wahrscheinlich oft nicht einmal im Kader. Für eine Ausleihe müsste gleichwohl auch alles passen: Er müsste spielen und sich und sein Selbstvertrauen entwickeln können. Das gelingt bei einem abstiegsgefährdeten Club wahrscheinlich eher nicht. Ich möchte hier keine Prognose wagen.
Ein Quintett hat in dieser Saison noch keine einzige Minute Bundesligaeinsatzzeit erhalten. Das überrascht vor allem beim WM-Fahrer und -Torschützen Josip Drmic. Dass er keine große Rolle in den Planungen spielte, nachdem Alassane Plea verpflichtet worden war, ließ sich absehen. Doch dass er auch nach dem Ausfall von Stindl, Raffael und Hofmann nicht einmal auf den Platz gelassen wurde, wundert schon. Denn Drmic scheint fit, die schweren Verletzungen liegen hinter ihm. Dass er auch als Joker Tore schießen kann, hat er zum Schluss der vergangenen Saison gezeigt.
Ich finde es schade, wie die eigentlich stets faire, aber immer etwas komplizierte Verbindung zwischen Borussia und dem einstigen Hoffnungsträger nun relativ traurig endet. Gibt man ihn jetzt ab? Findet er einen Verein, der auch für ihn attraktiv ist oder setzt er sich noch ein halbes Jahr bis zum Auslaufen des Vertrags auf die Tribüne? Was wäre, wenn sich Plea verletzt und dieser Stürmertyp im Kader plötzlich wieder fehlen würde? Fragen, auf die es wohl erst am Ende der Saison eine Antwort geben wird.
Ein Wechsel des Schweizers scheint allerdings auch kein Selbstläufer zu sein. Denn Vereine wie Hannover oder Düsseldorf scheinen keine Option für Drmic zu sein, und der VfB Stuttgart, der mit ihm in Verbindung gebracht wird, scheint auch nicht so recht zu passen. Dass sich Drmic in Stuttgart gegen Gomez oder Didavi durchsetzen kann, glaube ich nicht. Und offenbar hat der VfB in Esswein auch schon einen weiteren Mittelstürmer ausgeliehen.
Nichts Neues gibt es von Julio Villalba. Der Junge aus Paraguay ist ein Phantom. Kaum einer hat ihn je mehr als ein paar Minuten spielen sehen. In der U23 nicht spielberechtigt, die meiste Zeit verletzt, gab er nur wenige Eindrücke von seinem Können bei den Testspielen. Und fiel zuletzt erneut aus, gerade da, als ihn die Verletzungen anderer hätten auf die Bank bringen können. Er ist eine Ausleihkandidat für die zweite oder dritte Liga, aber solange er so verletzungsanfällig ist, ist auch das ein Risiko.
Keanan Bennetts und Torben Müsel blieben komplett außen vor in der Hinrunde, genauso Mandela Egbo. Nach den Eindrücken der Vorbereitung war das so nicht zu erwarten. Was für die Bundesliga noch fehlt, lässt sich im Sommertrainingslager naturgemäß aber noch nicht so genau ablesen, das zeigt sich erst im Ernstfall. Dass der bei den dreien nicht eintrat, lag zu einem großen Teil aber einfach an denen, die auf ihrer Position erste Wahl sind. Gegen Thorgan Hazard auf links geht für den jungen Engländer Bennetts natürlich derzeit nichts, und für die defensivere Variante links hinten fehlt ihm wohl noch die Erfahrung.
Müsel gilt als Mittelstürmer, lief im Sommer bei den Testspielen aber auch im Mittelfeld auf und gefiel da durchaus. Dennoch ist die Konkurrenz auf diesen Positionen derzeit einfach zu hoch. Er wäre aber jemand, den Hecking wohl ohne Bedenken bringen würde, wenn Not am Mann ist. Gegen Dortmund saß er zumindest schon mal auf der Bank.
Bei beiden gilt: Geduldig sein, nicht nachlassen. Vor dem Sommer wird sicher kein Bedarf sein, über eine mögliche Ausleihe zu reden. Und wer weiß, vielleicht werden die Karten ja dann auch wieder neu gemischt.
Für Mandela Egbo dagegen stellt sich langsam die Frage, ob er den Durchbruch bei Borussia noch schafft. Hinter Lang und Beyer kommen wohl rechts hinten vor ihm noch Jantschke, Strobl und Elvedi. Egbo dagegen scheint völlig raus, obwohl seine Testspielauftritte nun wirklich nicht schlecht waren. Um in der Regionalliga zu versauern, ist er eigentlich zu schade. Ich bin gespannt, wie es bei ihm weitergeht.
Und jetzt? Wer geht, wer kommt?
Ganz schwere Frage, die aber logischerweise in diesem Monat beantwortet wird. Sollten in den ersten Trainingstagen im neuen Jahr keine weiteren langwierigen Verletzungen dazukommen, sehe ich keinen unmittelbaren Bedarf für Zugänge. Max Eberl wird folglich nur handeln, wenn sich eine Möglichkeit auftut, etwa vom Kaliber Christensen - oder als Ersatz für mögliche Abgänge.
Drmic und Herrmann werden dafür natürlich am heißesten gehandelt, aber beide werden genau abwägen, ob sie jetzt ein sportliches Risiko eingehen, einen Abstieg zum Beispiel mit eingeschlossen. Oder ob sie mit Gladbach eine gute Saison auf hohem Niveau (wenn auch vielleicht mit wenig Einsatzzeit) fertigspielen und dann als ablösefreie Spieler im Sommer eine ganz andere Verhandlungsposition haben. Deshalb ist ihr Abgang für mich zwar sportlich nachvollziehbar, aber noch lange nicht sicher.
Wenn es denn so käme, wäre die erste Frage, ob man Bennetts oder Müsel den baldigen Sprung ins kalte Wasser zutraut. Auf den Außenpositionen, die Herrmann beackert (und auf der auch Drmic spielen könnte) wäre der VfL mit Traoré, Hazard, Johnson sowie Cuisance, Hofmann und Plea, die ebenfalls über außen kommen könnten, noch ausreichend besetzt, aber nicht mehr für alle Eventualitäten vorbereitet.
Eine Lösung könnte ein Spieler wie Kingsley Schindler (25, 5 Tore, 6 Assists in dieser Zweitligasaison) von Holstein Kiel sein. Der Rechtsaußen kann auch die defensiveren Parts auf dieser Seite spielen und wäre aufgrund eines auslaufenden Vertrages im Sommer wohl loszueisen. Zwar buhlen wohl auch der FC aus der verbotenen Stadt und Nürnberg um den Spieler, aber Gladbach hätte bei einem ernsthaften Interesse sicher die besten Karten. Und das auch gegenüber dem abgebenden Verein, weil sich hier gegebenenfalls auch eine Ausleihe eines jungen Spielers im Gegenzug anböte.
Wie immer sind das nur meine Gedankenspiele, da ich keinen direkten Draht ins Management von Borussia habe. Aber ich hielte einen solchen Weg durchaus für sinnvoll und denkbar, weil man so einen entwicklungsfähigen Ersatz für Herrmann bekäme, der aber nicht Leuten wie Bennetts oder Müsel einfach auf ihrer Hauptposition vor die Nase gesetzt würde. Da sind natürlich noch viele Wenns und Abers im Spiel. Aber spekulieren macht ja auch mal Spaß, vor allem, wenn der der Ball gerade nicht rollt.
In diesem Sinne wünsche ich Euch einen gelungenen Jahreswechsel, ein tolles neues Jahr, in dem wir hoffentlich mit Borussia wieder viele Siege zu feiern haben werden. Wir sehen, hören oder lesen uns dann drüben - 2019 - wieder! Bis dann, guten Rutsch!
2018-12-29
Auf halbem Weg: Hinrundenbilanz II
Nachdem ich im ersten Teil meiner Zwischenbilanz Torleute und Verteidiger gemeinsam abgehandelt habe und dabei ein schon sehr langer Text herausgekommen ist, musste ich mir für die offensiven Mannschaftsteile eine sinnvolle Teilung überlegen. Trennen lassen sich Mittelfeld und Angriff bei Borussia aber auch nicht so recht, weil sich viele Spieler in beiden Mannschaftsteilen bewegen.
Also habe ich mich dafür entschieden, die Stammspieler von denen zu unterscheiden, die bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Dort wäre dann auch die Frage anzusiedeln, wer den VfL vielleicht verlässt, ob nun zur Leihe oder endgültig - und wie diese Kaderplätze in diesem Fall besetzt werden könnten.
Auch wenn es verletzungsbedingt zuletzt etwas anders aussah, gehe ich dafür von der bewährten Stammelf mit Strobl auf der Sechs, Hofmann und Neuhaus auf den Achterpositionen und dem Dreiersturm mit Hazard, Stindl und Plea aus. Für den Teil der Stammspieler habe ich zudem einfach die insgesamt gespielten Minuten in dieser Saison zugrundegelegt. Kramer und Herrmann gehören mit insgesamt gerade mal vier kompletten Spielen Einsatzzeit eigentlich schon gar nicht mehr dazu.
Mittelfeld
Dass Borussia ein für junge Spieler sehr durchlässiger Verein ist, stimmt einerseits, andererseits auch nicht. Aus der eigenen Jugend hat sich außer Dahoud und jüngst Beyer keiner in der Bundesliga festspielen können. Dennoch haben sich (eingekaufte) junge Spieler immer wieder bei Borussia durchsetzen können. In der vergangenen Saison waren das Denis Zakaria und Mickael Cuisance, die viel mehr Einsatzminuten sammeln konnten als sie sich wohl selbst ausgerechnet hatten.
Das hatte zu einem großen Teil aber schlicht mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Spielern wie Tobias Strobl und Jonas Hofmann zu tun. Beide sind in dieser Saison wieder da und spielen eine wesentliche Rolle beim Aufschwung der Mannschaft. Und das, obwohl ihnen dies kaum jemand zugetraut hatte. Tobi Strobl hat selbst in diesem Jahr gesagt, dass er bei vielen immer "unter dem Radar" fliegt. Bis heute. Auch ich hatte ihn bis zum Saisonbeginn eher als Backup für Kramer oder die Innenverteidiger gesehen. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass er mehr ist als das. Strobl ist durch seine Körperlichkeit ein guter Spieler, um lang geschlagene Bälle in der Mitte der eigenen Hälfte abzuwehren oder zu sichern. Er ist ein guter Zweikämpfer und kann mit sauberen Grätschen viele Situationen klären, bevor sie gefährlich werden. Er hat ein gutes Auge, wo sich für den Gegner Räume auftun, die es zuzulaufen gilt. Zu Beginn der Saison lief das im Zusammenspiel mit der neuen Innenverteidigung noch nicht immer glatt. Doch seit Strobl am 8. Spieltag nach drei Spielen Pause wieder ins Team kam, schwang er sich immer besser zum Dreh- und Angelpunkt des Aufbauspiels auf. Er wurde auch für das eigene Angriffsspiel immer wichtiger, spielte präzise lange Bälle, taktete und verlagerte das Spiel und setzte seine Offensivspieler dabei häufig sehr clever ein. All das sorgte dafür, dass Christoph Kramer die meiste Zeit auf der Bank verbrachte.
Ähnlich wenig Kredit wie der in der kompletten vergangenen Saison verletzt fehlende Strobl hatte Jonas Hofmann bei vielen Fans vor der Saison. Viele Verletzungen, wenige richtig gute Auftritte und wenig Torgefahr zeichneten für diesen Eindruck verantwortlich, wenngleich sein technisch feiner Fußball und sein Talent unübersehbar waren. Ihm eine der beiden neuen Achterpositionen anzuvertrauen, das war wohl der beste taktische Schachzug von Dieter Hecking. Statt auf außen zu verhungern und sich in Zweikämpfen an der Außenlinie aufzureiben, kann Hofmann hier die gesamte Breite des Spielfeldes nutzen.
Dass er bis zu seiner Verletzung der deutlich laufstärkste Spieler der ganzen Liga war, dabei endlich torgefährlich auftrat und als Vorbereiter glänzte, konnte niemand mehr übersehen - genauso wichtig war aber auch sein Einsatz in der Rückwärtsbewegung mit vielen Balleroberungen, mit denen er gefährliche Gegenangriffe inszenierte.
Der einzige, dem das offensichtlich noch nicht ausreichte, war der Bundestrainer. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so und wir sehen in der Rückrunde nochmals einen so starken und eben nicht überspielten Jonas Hofmann bei Borussia. Was dem VfL im Moment ohne Hofmann an Überraschungsmoment fehlt, war in den vergangenen Spielen des öfteren zu sehen.
Der Ex-Dortmunder hätte allerdings auch nicht so auftrumpfen können, hätte er nicht einen so passenden Nebenmann wie Florian Neuhaus gehabt. Der wurde einerseits auch von Hofmann geführt, schwamm sich aber schnell frei. Neuhaus ist nicht nur ein sehr durchsetzungsstarker Mittelfeldspieler, der keinem Zweikampf aus dem Weg geht. Er hat zudem in seinem Alter schon ein herausragendes Auge für den Mitspieler und legte auf diese Weise seinen Kollegen schon unglaubliche acht Tore vor.
Zum Schluss war ihm anzumerken, dass Kräfte und Konzentration etwas schwanden, die wechselnden Partner neben ihm mögen auch einen Teil dazu beigetragen haben. Doch das sollte mit ein bisschen Erholung in der Winterpause wieder wettzumachen sein. Florian Neuhaus scheint in seiner Entwicklung jedenfalls schon deutlich weiter zu sein als Zakaria oder Cuisance, was sicher auch mit seiner tollen letzten Zweitligasaison und dem Aufstieg der Düsseldorfer zu tun hat. Hoffen wir, dass er die reifen Leistungen aus der Vorrunde auch in der zweiten Saisonhälfte bestätigen kann.
Auch Denis Zakaria spielte eine wichtige Rolle in der zweiten Jahreshälfte. Allerdings war er meist nur erste Einwechseloption auf der Sechs oder der Acht. Und gerade mit der offensiveren Rolle hat er noch seine Schwierigkeiten. Das liegt auch an seiner raumgreifenderen Spielweise, bei der er den Ball oft nicht eng am Fuß führt wie Neuhaus oder Hofmann, sondern ihn lieber mit Dynamik und dem langen Bein am Gegner vorbeilegt. Dieser Raum wird ihm aber in der Hälfte des Gegners, zumal kurz vor dem Strafraum, kaum gegeben. Zakaria ist also häufig nicht so effektiv wie seine Konkurrenten auf der vorgelagerten Position. Dazu kommt nach wie vor ein etwas zu ungestümes Zweikampfverhalten, bei dem enge Grätschen oft gegen ihn ausgelegt werden. Fünf Verwarnungen in 15 Einsätzen, das ist exakt die gleiche Bilanz wie zur Saison-Halbzeit im vergangenen Jahr. Für jemanden, der auf der zweikampfgeprägten Sechser- und Achterposition spielt, ist das gefährlich viel. In der vergangenen Saison sammelte der Schweizer am Ende elf Verwarnungen und verpasste so gleich zwei Spiele durch Sperren. Zum Vergleich: der ebenfalls sehr robust dazwischenfunkende Tobias Strobl hat bis jetzt erst zwei Gelbe Karten - weil er oft andere Lösungen findet, bevor er den enteilenden Spieler foulen muss.
Für Christoph Kramer ist es ein gebrauchtes Jahr gewesen. Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison konnte er sich nicht so in Szene setzen, dass er vielleicht doch noch auf den WM-Zug aufspringen konnte. Und in dieser Saison blieb es für den Weltmeister bei mageren fünf Einsätzen in der Liga. In denen zeigte er durchaus Ansprechendes, die Leistungen gegen Frankfurt, Bayern und zuletzt Dortmund (obwohl er nicht fit war) bewiesen, dass Gladbach auf der Sechserposition ein Luxusproblem hat - sofern alle gesund sind. Doch Strobl war für Hecking offenbar das etwas bessere Gesamtpaket. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob es anders gewesen wäre, wenn Kramer sich nicht verletzt hätte. Genauso spannend, ob zur Rückrunde die Karten neu gemischt werden. Ich glaube derzeit nicht daran.
Angriff
Lars Stindl ist als Kapitän natürlich die Integrationsfigur auf und neben dem Platz. Sportlich hinkte er der herausgehobenen Rolle diesmal etwas hinterher. Denn als er noch verletzt fehlte, fand sich die Offensivreihe schnell auch ohne ihn zusammen. Und als er gegen die Bayern furios zurückkam und in den folgenden Wochen einige hervorragende Spiele ablieferte, war die Freude groß. Doch sie währte nur bis zum Spiel 15. Da warf ihn - im neunten Spiel nach seinem Comeback (davon nur drei über 90 Minuten) - die nächste Verletzung aus der Bahn. Rechnet man nur die gespielten Partien, überzeugte Stindl wie eh und je durch Laufstärke, bissige Zweikämpfe und tolles Spiel nach vorn. Die Hälfte der Hinserie allerdings fand ohne ihn statt, was ihn selbst am meisten wurmen wird. Dennoch: Ob im Zusammenspiel mit Plea und Hazard ganz vorne oder auf der Acht - der Kapitän ist als Teil des Gladbacher Offensivspiels eigentlich unverzichtbar.
Alassane Pléa - ein Name, der Gladbach-Fans schwärmen lässt. Der erhoffte Knipser, der Mittelstürmer, den man seit gefühlt mehreren Jahrzehnten herbeisehnt - das ist der Franzose ohne Zweifel. Und er löste mit neun Toren und drei Assists dieses Versprechen ein. Was er kann, war vom ersten Moment zu sehen. Ein geschmeidiger Stürmer, der kaum vom Ball zu trennen ist, der zielstrebig den Abschluss sucht und nach einer kleinen Körpertäuschung auch präzise von außerhalb des Strafraums treffen kann - das ist eine Qualität, die Borussia in den vergangenen Jahren etwas abging. Weder Hazard noch Stindl oder Raffael haben diese Handlungsschnelligkeit, wie sie Plea etwa bei seinem Schlenzer zum 1:0 gegen die Bayern zeigte. Dazu kommt aber noch etwas anderes: Der 25-Jährige stellt sich vollkommen in den Dienst der Mannschaft, auch wenn das bedeutet, unter Dauerdruck wie gegen Hoffenheim teilweise als Verteidiger mitzuschuften. Das kostet natürlich Kraft. Die Lücken, die diverse Verletzungen im Laufe der Hinrunde rissen, hatte deshalb letztlich auch Einfluss auf Pléas Bilanz. Die Frische schien ihm zum Schluss doch ab und an zu fehlen, sonst hätte er sich gegen Dortmund vor dem 1:2 am gegnerischen Strafraum vielleicht auch nicht so (regelwidrig) abkochen lassen. Es wäre sicher nicht schlecht gewesen, wenn Dieter Hecking dem Franzosen ab und zu eine kleine Pause hätte geben können. Aber auch so war es eine hervorragende Hinserie für den Neuzugang.
Über Thorgan Hazard muss nicht viel gesagt werden. Er hat seine Leistungen sprechen lassen. Deutlich effektiver als in jeder Saison zuvor, ein unermüdlicher Antreiber und Vorbereiter, ein brillanter Eins-gegen-Eins-Spezialist, ein eiskalter Vollstrecker, selbst wenn er vom Elfmeterpunkt gleich zwei Fehlschüsse zu verzeichnen hatte. Nach 17 Spielen hat er schon 9 Tore und 6 Assists (3 Elfmeter), in der gesamten letzten Saison waren es in 34 Spielen 10 und 7, wobei 5 Tore aus Elfmetern resultierten. Der Belgier ist an einem Punkt angekommen, wo wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge zuschauen können und müssen. Denn es wird ziemlich sicher die letzte Rückrunde sein, die Thorgan bei Gladbach spielen wird.
Dann ist da noch der Wanderer zwischen den Welten: Fabian Johnson, der entweder als Linksaußen oder als rechter Verteidiger zum Einsatz kam, auf beiden Positionen aber naturgemäß viel Mittelfeldarbeit verrichtet. Fleißig und bissig ist der 30-Jährige nach wie vor. Doch nachhaltig aufdrängen oder besonders auffallen, das gelang ihm nicht. Solide Leistungen, aber keine, die die vergessen ließen, für die er eingewechselt wurde. Es ist für mich nicht ganz klar, ob Johnson in dieser Mannschaft an seine Grenzen stößt oder ob ihn vielleicht wie schon in der Vorsaison immer wieder mal der Rücken plagt und Höchstleistungen verhindert. Vor der Form, die er vor seiner Leidenszeit hatte, ist der US-Amerikaner heute leider weit entfernt.
Bei Patrick Herrmann ist seit einigen Jahren immer wieder die gleiche Frage, die uns Fans bewegt. Packt er es wieder oder nicht? Wie bei Fabian Johnson ist auch beim Flügelflitzer auf der anderen Seite Stagnation zu erkennen, die ihren Hauptgrund wahrscheinlich in den schweren Verletzungen haben, die beide Spieler über Jahre immer wieder erlitten haben. Der Herrmann von heute ist nicht mehr der geradlinige Sprinter, dafür hat er andere Vorzüge, etwa größere Ballsicherheit, weniger Hektik am Ball. Doch weil Borussia gerade auf den Außenpositionen sehr stark besetzt ist, gab es für Flaco zuletzt selten die Möglichkeit, sich mal in der Stammelf festzuspielen. Wenn er dabei war, wie zu Saisonbeginn, zeigte er auch seine Gefährlichkeit. Als Einwechselspieler am Ende der Hinrunde war er dann schon nicht mehr so effektiv. Eine grundlegende Änderung seiner Situation ist nicht absehbar, sein Vertrag läuft aus - beide Seiten müssen sich also Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Und so sehr ich an ihm hänge, als neben Tony Jantschke letztem treuen Vertreter der Vor-Favre-Ära: Ich glaube, dass Patrick Herrmann eine neue Herausforderung suchen wird und muss.
Das waren die Spieler, die bislang die meisten Einsatzminuten in Mittelfeld und Angriff zu verzeichnen hatten. Im dritten Teil wird es dann um die gehen, die da nicht mithalten konnten - was bei einigen durchaus überraschend ist und Fragen über die Zukunft bei Borussia über die Saison hinaus aufwirft. Es geht dann um Ibrahima Traoré, Raffael, Mickael Cuisance, Josip Drmic, Julio Villalba, Keanan Bennetts, Torben Müsel und László Benes.
Also habe ich mich dafür entschieden, die Stammspieler von denen zu unterscheiden, die bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Dort wäre dann auch die Frage anzusiedeln, wer den VfL vielleicht verlässt, ob nun zur Leihe oder endgültig - und wie diese Kaderplätze in diesem Fall besetzt werden könnten.
Auch wenn es verletzungsbedingt zuletzt etwas anders aussah, gehe ich dafür von der bewährten Stammelf mit Strobl auf der Sechs, Hofmann und Neuhaus auf den Achterpositionen und dem Dreiersturm mit Hazard, Stindl und Plea aus. Für den Teil der Stammspieler habe ich zudem einfach die insgesamt gespielten Minuten in dieser Saison zugrundegelegt. Kramer und Herrmann gehören mit insgesamt gerade mal vier kompletten Spielen Einsatzzeit eigentlich schon gar nicht mehr dazu.
Mittelfeld
Dass Borussia ein für junge Spieler sehr durchlässiger Verein ist, stimmt einerseits, andererseits auch nicht. Aus der eigenen Jugend hat sich außer Dahoud und jüngst Beyer keiner in der Bundesliga festspielen können. Dennoch haben sich (eingekaufte) junge Spieler immer wieder bei Borussia durchsetzen können. In der vergangenen Saison waren das Denis Zakaria und Mickael Cuisance, die viel mehr Einsatzminuten sammeln konnten als sie sich wohl selbst ausgerechnet hatten.
Das hatte zu einem großen Teil aber schlicht mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Spielern wie Tobias Strobl und Jonas Hofmann zu tun. Beide sind in dieser Saison wieder da und spielen eine wesentliche Rolle beim Aufschwung der Mannschaft. Und das, obwohl ihnen dies kaum jemand zugetraut hatte. Tobi Strobl hat selbst in diesem Jahr gesagt, dass er bei vielen immer "unter dem Radar" fliegt. Bis heute. Auch ich hatte ihn bis zum Saisonbeginn eher als Backup für Kramer oder die Innenverteidiger gesehen. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass er mehr ist als das. Strobl ist durch seine Körperlichkeit ein guter Spieler, um lang geschlagene Bälle in der Mitte der eigenen Hälfte abzuwehren oder zu sichern. Er ist ein guter Zweikämpfer und kann mit sauberen Grätschen viele Situationen klären, bevor sie gefährlich werden. Er hat ein gutes Auge, wo sich für den Gegner Räume auftun, die es zuzulaufen gilt. Zu Beginn der Saison lief das im Zusammenspiel mit der neuen Innenverteidigung noch nicht immer glatt. Doch seit Strobl am 8. Spieltag nach drei Spielen Pause wieder ins Team kam, schwang er sich immer besser zum Dreh- und Angelpunkt des Aufbauspiels auf. Er wurde auch für das eigene Angriffsspiel immer wichtiger, spielte präzise lange Bälle, taktete und verlagerte das Spiel und setzte seine Offensivspieler dabei häufig sehr clever ein. All das sorgte dafür, dass Christoph Kramer die meiste Zeit auf der Bank verbrachte.
Ähnlich wenig Kredit wie der in der kompletten vergangenen Saison verletzt fehlende Strobl hatte Jonas Hofmann bei vielen Fans vor der Saison. Viele Verletzungen, wenige richtig gute Auftritte und wenig Torgefahr zeichneten für diesen Eindruck verantwortlich, wenngleich sein technisch feiner Fußball und sein Talent unübersehbar waren. Ihm eine der beiden neuen Achterpositionen anzuvertrauen, das war wohl der beste taktische Schachzug von Dieter Hecking. Statt auf außen zu verhungern und sich in Zweikämpfen an der Außenlinie aufzureiben, kann Hofmann hier die gesamte Breite des Spielfeldes nutzen.
Dass er bis zu seiner Verletzung der deutlich laufstärkste Spieler der ganzen Liga war, dabei endlich torgefährlich auftrat und als Vorbereiter glänzte, konnte niemand mehr übersehen - genauso wichtig war aber auch sein Einsatz in der Rückwärtsbewegung mit vielen Balleroberungen, mit denen er gefährliche Gegenangriffe inszenierte.
Der einzige, dem das offensichtlich noch nicht ausreichte, war der Bundestrainer. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so und wir sehen in der Rückrunde nochmals einen so starken und eben nicht überspielten Jonas Hofmann bei Borussia. Was dem VfL im Moment ohne Hofmann an Überraschungsmoment fehlt, war in den vergangenen Spielen des öfteren zu sehen.
Der Ex-Dortmunder hätte allerdings auch nicht so auftrumpfen können, hätte er nicht einen so passenden Nebenmann wie Florian Neuhaus gehabt. Der wurde einerseits auch von Hofmann geführt, schwamm sich aber schnell frei. Neuhaus ist nicht nur ein sehr durchsetzungsstarker Mittelfeldspieler, der keinem Zweikampf aus dem Weg geht. Er hat zudem in seinem Alter schon ein herausragendes Auge für den Mitspieler und legte auf diese Weise seinen Kollegen schon unglaubliche acht Tore vor.
Zum Schluss war ihm anzumerken, dass Kräfte und Konzentration etwas schwanden, die wechselnden Partner neben ihm mögen auch einen Teil dazu beigetragen haben. Doch das sollte mit ein bisschen Erholung in der Winterpause wieder wettzumachen sein. Florian Neuhaus scheint in seiner Entwicklung jedenfalls schon deutlich weiter zu sein als Zakaria oder Cuisance, was sicher auch mit seiner tollen letzten Zweitligasaison und dem Aufstieg der Düsseldorfer zu tun hat. Hoffen wir, dass er die reifen Leistungen aus der Vorrunde auch in der zweiten Saisonhälfte bestätigen kann.
Auch Denis Zakaria spielte eine wichtige Rolle in der zweiten Jahreshälfte. Allerdings war er meist nur erste Einwechseloption auf der Sechs oder der Acht. Und gerade mit der offensiveren Rolle hat er noch seine Schwierigkeiten. Das liegt auch an seiner raumgreifenderen Spielweise, bei der er den Ball oft nicht eng am Fuß führt wie Neuhaus oder Hofmann, sondern ihn lieber mit Dynamik und dem langen Bein am Gegner vorbeilegt. Dieser Raum wird ihm aber in der Hälfte des Gegners, zumal kurz vor dem Strafraum, kaum gegeben. Zakaria ist also häufig nicht so effektiv wie seine Konkurrenten auf der vorgelagerten Position. Dazu kommt nach wie vor ein etwas zu ungestümes Zweikampfverhalten, bei dem enge Grätschen oft gegen ihn ausgelegt werden. Fünf Verwarnungen in 15 Einsätzen, das ist exakt die gleiche Bilanz wie zur Saison-Halbzeit im vergangenen Jahr. Für jemanden, der auf der zweikampfgeprägten Sechser- und Achterposition spielt, ist das gefährlich viel. In der vergangenen Saison sammelte der Schweizer am Ende elf Verwarnungen und verpasste so gleich zwei Spiele durch Sperren. Zum Vergleich: der ebenfalls sehr robust dazwischenfunkende Tobias Strobl hat bis jetzt erst zwei Gelbe Karten - weil er oft andere Lösungen findet, bevor er den enteilenden Spieler foulen muss.
Für Christoph Kramer ist es ein gebrauchtes Jahr gewesen. Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison konnte er sich nicht so in Szene setzen, dass er vielleicht doch noch auf den WM-Zug aufspringen konnte. Und in dieser Saison blieb es für den Weltmeister bei mageren fünf Einsätzen in der Liga. In denen zeigte er durchaus Ansprechendes, die Leistungen gegen Frankfurt, Bayern und zuletzt Dortmund (obwohl er nicht fit war) bewiesen, dass Gladbach auf der Sechserposition ein Luxusproblem hat - sofern alle gesund sind. Doch Strobl war für Hecking offenbar das etwas bessere Gesamtpaket. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob es anders gewesen wäre, wenn Kramer sich nicht verletzt hätte. Genauso spannend, ob zur Rückrunde die Karten neu gemischt werden. Ich glaube derzeit nicht daran.
Angriff
Lars Stindl ist als Kapitän natürlich die Integrationsfigur auf und neben dem Platz. Sportlich hinkte er der herausgehobenen Rolle diesmal etwas hinterher. Denn als er noch verletzt fehlte, fand sich die Offensivreihe schnell auch ohne ihn zusammen. Und als er gegen die Bayern furios zurückkam und in den folgenden Wochen einige hervorragende Spiele ablieferte, war die Freude groß. Doch sie währte nur bis zum Spiel 15. Da warf ihn - im neunten Spiel nach seinem Comeback (davon nur drei über 90 Minuten) - die nächste Verletzung aus der Bahn. Rechnet man nur die gespielten Partien, überzeugte Stindl wie eh und je durch Laufstärke, bissige Zweikämpfe und tolles Spiel nach vorn. Die Hälfte der Hinserie allerdings fand ohne ihn statt, was ihn selbst am meisten wurmen wird. Dennoch: Ob im Zusammenspiel mit Plea und Hazard ganz vorne oder auf der Acht - der Kapitän ist als Teil des Gladbacher Offensivspiels eigentlich unverzichtbar.
Alassane Pléa - ein Name, der Gladbach-Fans schwärmen lässt. Der erhoffte Knipser, der Mittelstürmer, den man seit gefühlt mehreren Jahrzehnten herbeisehnt - das ist der Franzose ohne Zweifel. Und er löste mit neun Toren und drei Assists dieses Versprechen ein. Was er kann, war vom ersten Moment zu sehen. Ein geschmeidiger Stürmer, der kaum vom Ball zu trennen ist, der zielstrebig den Abschluss sucht und nach einer kleinen Körpertäuschung auch präzise von außerhalb des Strafraums treffen kann - das ist eine Qualität, die Borussia in den vergangenen Jahren etwas abging. Weder Hazard noch Stindl oder Raffael haben diese Handlungsschnelligkeit, wie sie Plea etwa bei seinem Schlenzer zum 1:0 gegen die Bayern zeigte. Dazu kommt aber noch etwas anderes: Der 25-Jährige stellt sich vollkommen in den Dienst der Mannschaft, auch wenn das bedeutet, unter Dauerdruck wie gegen Hoffenheim teilweise als Verteidiger mitzuschuften. Das kostet natürlich Kraft. Die Lücken, die diverse Verletzungen im Laufe der Hinrunde rissen, hatte deshalb letztlich auch Einfluss auf Pléas Bilanz. Die Frische schien ihm zum Schluss doch ab und an zu fehlen, sonst hätte er sich gegen Dortmund vor dem 1:2 am gegnerischen Strafraum vielleicht auch nicht so (regelwidrig) abkochen lassen. Es wäre sicher nicht schlecht gewesen, wenn Dieter Hecking dem Franzosen ab und zu eine kleine Pause hätte geben können. Aber auch so war es eine hervorragende Hinserie für den Neuzugang.
Über Thorgan Hazard muss nicht viel gesagt werden. Er hat seine Leistungen sprechen lassen. Deutlich effektiver als in jeder Saison zuvor, ein unermüdlicher Antreiber und Vorbereiter, ein brillanter Eins-gegen-Eins-Spezialist, ein eiskalter Vollstrecker, selbst wenn er vom Elfmeterpunkt gleich zwei Fehlschüsse zu verzeichnen hatte. Nach 17 Spielen hat er schon 9 Tore und 6 Assists (3 Elfmeter), in der gesamten letzten Saison waren es in 34 Spielen 10 und 7, wobei 5 Tore aus Elfmetern resultierten. Der Belgier ist an einem Punkt angekommen, wo wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge zuschauen können und müssen. Denn es wird ziemlich sicher die letzte Rückrunde sein, die Thorgan bei Gladbach spielen wird.
Dann ist da noch der Wanderer zwischen den Welten: Fabian Johnson, der entweder als Linksaußen oder als rechter Verteidiger zum Einsatz kam, auf beiden Positionen aber naturgemäß viel Mittelfeldarbeit verrichtet. Fleißig und bissig ist der 30-Jährige nach wie vor. Doch nachhaltig aufdrängen oder besonders auffallen, das gelang ihm nicht. Solide Leistungen, aber keine, die die vergessen ließen, für die er eingewechselt wurde. Es ist für mich nicht ganz klar, ob Johnson in dieser Mannschaft an seine Grenzen stößt oder ob ihn vielleicht wie schon in der Vorsaison immer wieder mal der Rücken plagt und Höchstleistungen verhindert. Vor der Form, die er vor seiner Leidenszeit hatte, ist der US-Amerikaner heute leider weit entfernt.
Bei Patrick Herrmann ist seit einigen Jahren immer wieder die gleiche Frage, die uns Fans bewegt. Packt er es wieder oder nicht? Wie bei Fabian Johnson ist auch beim Flügelflitzer auf der anderen Seite Stagnation zu erkennen, die ihren Hauptgrund wahrscheinlich in den schweren Verletzungen haben, die beide Spieler über Jahre immer wieder erlitten haben. Der Herrmann von heute ist nicht mehr der geradlinige Sprinter, dafür hat er andere Vorzüge, etwa größere Ballsicherheit, weniger Hektik am Ball. Doch weil Borussia gerade auf den Außenpositionen sehr stark besetzt ist, gab es für Flaco zuletzt selten die Möglichkeit, sich mal in der Stammelf festzuspielen. Wenn er dabei war, wie zu Saisonbeginn, zeigte er auch seine Gefährlichkeit. Als Einwechselspieler am Ende der Hinrunde war er dann schon nicht mehr so effektiv. Eine grundlegende Änderung seiner Situation ist nicht absehbar, sein Vertrag läuft aus - beide Seiten müssen sich also Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Und so sehr ich an ihm hänge, als neben Tony Jantschke letztem treuen Vertreter der Vor-Favre-Ära: Ich glaube, dass Patrick Herrmann eine neue Herausforderung suchen wird und muss.
Das waren die Spieler, die bislang die meisten Einsatzminuten in Mittelfeld und Angriff zu verzeichnen hatten. Im dritten Teil wird es dann um die gehen, die da nicht mithalten konnten - was bei einigen durchaus überraschend ist und Fragen über die Zukunft bei Borussia über die Saison hinaus aufwirft. Es geht dann um Ibrahima Traoré, Raffael, Mickael Cuisance, Josip Drmic, Julio Villalba, Keanan Bennetts, Torben Müsel und László Benes.
Abonnieren
Posts (Atom)