Kann man nach einer Niederlage zufrieden sein? Nach einer erneuten Heimpleite gegen das eklig erfolgreiche Projekt aus Leipzig, bei der dann auch noch Timo Werner alle drei Tore geschossen hat?
Natürlich kann man damit nicht zufrieden sein.
Es nagt wohl an jedem Gladbach-Fan, dass der Sieglos-Fluch gegen die (schon zweite federführend von Ralf Rangnick hochgezogene) Vereinsimitation weiter andauert. Dass es am Ende nicht gereicht hat, obwohl deutlich mehr drin war. Wieder einmal. Es nervt und es ist enttäuschend.
Dennoch bin ich nach dieser Partei recht positiv gestimmt. Denn es war ein mutmachendes Spiel des VfL gegen eine der drei Topmannschaften der Liga. Diese Leistung zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison: Damit kann ich gut leben. Der Freitagabend-Auftritt war im Vergleich zum Mainz-Spiel jedenfalls in allen Belangen um Welten besser - bis auf die Chancenverwertung eben. Leipzig musste defensiv sehr viel investieren, um Gladbach von Gulacsis Tor wegzuhalten. Dennoch kam Borussia zu erstaunlich vielen guten Abschlüssen, selbst wenn der eine oder andere das Tor deutlich verfehlte.
Das Anlaufen und Pressen des Gegners war wesentlich effektiver als zuletzt. Die vielen Balleroberungen und das schnelle druckvolle Spiel nach vorne forderte RB über die gesamte Spielzeit. Nur kurz vor der Halbzeit und in den zehn vielleicht vorentscheidenden Minuten nach der Pause verlor Borussia den Zugriff und ließ Leipzig zu einfach gewähren.
Auch wenn immer noch viele "letzte" Pässe oder Flanken nicht ankamen: Das "blinde Verständnis" zwischen den Spielern wächst - vor allem zwischen Embolo, Thuram und Plea - und die Passgenauigkeit verbessert sich von Mal zu Mal. Die Variabilität und Geschwindigkeit im Spielaufbau - nach vorne wie nach hinten - hatte heute zum ersten Mal über längere Strecken der Spielzeit ein Format, das nicht nur erahnen lässt, was Marco Rose will.
Es war vielleicht unglücklich, dass ausgerechnet Leipzig der Gegner war - genau das Team, das dieses Spiel wohl in der Bundesliga mit am besten beherrscht und über Jahre mit einem relativ gleichbleibenden Kader einüben konnte. Doch für diese Umstände war die Gladbacher Antwort darauf schon richtig gut. Es wäre spannend zu sehen, wie diese Partie ausgegangen wäre, wenn sie vielleicht zwei Monate später stattgefunden hätte. Aber das ist Spekulation. Fakt ist, dass es gestern noch nicht gereicht hat.
Das hat Gründe, die man ziemlich genau eingrenzen kann. Das Spiel, das hat jeder gesehen, ist in erster Linie durch individuelle Fehler in die falsche Richtung gekippt. Denn alle drei Gegentore wären durch ein geschickteres Verhalten vermeidbar gewesen.
Und diese Fehler sind letztlich auf Konzentrationsschwächen zurückzuführen, was wiederum auch damit zu tun haben kann, wie sehr sich beide Teams gegenseitig auf dem Platz über die gesamte Spielzeit gestresst haben.
Heute sah Matze Ginter mehrfach schlecht aus. Die seltsame Fehleinschätzung beim missratenen Kopfball, der Werner das 3:1 ermöglichte, könnte auch der Müdigkeit geschuldet sein. Beim 0:1 muss er aber einfach cleverer in den Zweikampf gehen. Werner blockiert zwar geschickt Ginters Bein, als der den Ball spielen will, aber auch nicht so, dass man das als Foul hätte werten können. Das war einfach nicht gut genug in dieser Szene.
Auch beim 0:2 kann Werner nach dem Gladbacher Ballverlust zu leicht in den freien Raum starten. Dass er dann kaum noch einzuholen ist, weiß jeder. Und auch ein großartiger Yann Sommer kann an einem solchen Tag eben nicht alles herausfischen. Aber hier im Verbund besser zu stehen, das ist eine der Aufgaben, die eben nicht mit zwei oder drei Trainingseinheiten perfekt einzustudieren sind. Da kommt es stark auf das Erkennen der Situationen bei allen Spielern an, die sich in der Nähe des Ballführenden befinden.
Das wäre alles aber auch nicht schlimm gewesen, wenn der VfL vorne seine Chancen mit der gleichen Kaltschnäuzigkeit genutzt hätte. Es gab sicher genauso viele und genauso gute Möglichkeiten auf Gladbacher Seite wie auf der der Gäste. Der Unterschied war, dass Borussia sie alle gegen einen defensiv geordneten Gegner herauskombinierte, wohingegen Leipzig in der ersten Halbzeit kaum klare Torchancen hatte - und die guten erst dann, als Zakaria und Co. nach dem Rückstand deutlich risikofreudiger nach vorne spielen musste und die preisgegebenen Räume größer wurden.
Daran zeigt sich allerdings auch, dass Borussia grundsätzlich in der Defensive schon wieder relativ stabil geworden ist.
Dennoch: Der couragierte und über weite Strecken auch fußballerisch und taktisch ansprechende Auftritt macht Lust auf mehr. Der Borussia Park war angesichts des "fighting spirit", der heute herrschte, auch merklich besser drauf als in der Vorsaison. Das lässt hoffen, auf eine sich gegenseitig anfeuernde Gemeinschaft aus Fans und Spielern, auf eine Atmosphäre, die den Gegner einschüchtern kann und in der auch alte Haudegen wie Oscar Wendt nochmal alte Tugenden ausgraben und die Kurve mit guten Grätschen zum Beben bringen.
Wenn man sieht, wie sich ein Stefan Lainer über 95 Minuten reinhaut, wie ein Breel Embolo, Alassane Plea oder auch der unverwüstliche Denis Zakaria Bälle schleppen und immer wieder anrennen, dann freut mich das nicht nur beim Zuschauen. Es ist die Basis, um die Fans mitzunehmen und zu begeistern, wie es Marco Rose ja früh als wichtiges Ziel ausgegeben hat.
Und was vor und nach dem Anschlusstreffer abging, das hatte auch vom Fernseh-Eindruck schon wieder etwas Magisches. Der Borussia Park lebt, die Mannschaft lebt und nur gemeinsam können wir auch etwas erreichen, zum Beispiel ein solches Spiel umbiegen. Diesmal hat das fast geklappt, ein Punkt wäre absolut verdient gewesen.
Aber wir sollten keine Zeit verschwenden, über verlorene Punkte zu nörgeln. Alle Kraft muss nach vorn gehen, nicht allein, weil als nächstes das Derby ansteht, bei dem die gleichen Tugenden wie heute gefragt sein werden.
Und wenn ich mir die Jungs anschaue, die in der Startelf stehen genauso wie die, die reinkommen oder noch darauf warten: Wir haben da echt einen sympathischen, talentierten Haufen, der füreinander läuft und unermüdlich zu arbeiten bereit ist. Der sich gemeinsam freut, wenn es klappt. Und der gemeinsam versucht, Fehler von einzelnen gemeinsam wieder zu reparieren. Wir Fans können das von den Rängen noch unterstützen. Auch das ist nicht immer leicht. Aber wir wissen auch, dass sich das für diese Mannschaft und diesen geerdeten Trainer lohnt.
Noch etwas in diesem Zusammenhang: Ich bin ja kein Freund von den ewig gleichen angeblich kreativen Protestaktionen gegen RB - zumindest wenn sie mit stumpfem Pfeifen zu tun haben, weil mich das selbst aggressiv macht. Ich fand es auch heute nicht schön und war froh, als es vorbei war.
Allerdings hatte der Stimmungs- und Lautstärke-Wechsel bei Ballbesitz aus meiner Sicht zumindest eine coole Wirkung. Korrigiert mich, wenn ihr im Stadion wart und es anders wahrgenommen habt, denn natürlich machen einen die ständigen Pfiffe kirre. Aber die Entschlossenheit im Spiel und auf den Rängen schien mir in diesen ersten 19 Minuten noch etwas stärker zu sein als danach (mit Ausnahme der Schlussphase).
Vielleicht lässt sich ja etwas finden, was den Support bei Ballbesitz auf ähnliche Weise in Lautstärke umwandeln kann. So wie ich es damals beim Spiel in Glasgow wahrgenommen habe. Da hört man bei jedem Ballbesitz, dass die Celtic-Fans die Mannschaft unentwegt mit vielen Dezibel nach vorne peitscht. Das würde dem Borussia Park gut stehen, finde ich. Denn nach den 19 schrillen Minuten wirkte der Standardgesang dann oft schon wieder etwas lahm und ist viel schwieriger aufrechtzuerhalten, vielleicht auch, weil er längst nicht so situationsbezogen ist wie ein Ballbesitzwechsel-Cheering.
P.S. Den schon geschriebenen Absatz zum Schiedsrichter-Gespann um Sven Jablonski habe ich hier wieder rausgenommen. Ich war zwar mit einigem nicht einverstanden (Gelbe Karten, Gleichbehandlung der Teams, zu frühes Abseitswinken, grober Fehler bei nicht gegebenem Eckball kurz vor Schluss). Allerdings
hat das nicht wirklich Einfluss auf das Endergebnis gehabt. Da stand
sich Borussia in den entscheidenden Szenen einfach - vorne wie hinten -
öfter mal selbst im Weg. Und Borussia ist ja mein eigentliches Thema - ich muss ja nicht immer dazu auch noch eine Schiri-Kritik verfassen.
In diesem Sinne, genießt die lästige Länderspielpause. Hoffen wir, dass es gegen K*** wieder mit diesem Geist und etwas mehr Präzision weitergeht. Dann klappt's auch mit den Nachbarn, wenn Ihr versteht, was ich meine.
Bundesliga
2019/20, 3. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Rote Brause Leipzig 1:3 (Tor
für Borussia: 1:2 Embolo)
2019-08-31
2019-08-24
Handlungsschnell ins Glück
Hui, ein bisschen stolperig, aber auch der zweite Schritt in die Saison ist gelungen. Der VfL startet mit vier Punkten aus zwei Spielen und das ist das, was in ein paar Wochen noch übrig sein wird an Erinnerungen an das Auftaktprogramm gegen Schalke und Mainz. Doch dazu später mehr.
Da ich mich ja oft genug mit Schiedsrichtern beschäftige, deren Leistung mir nicht gefallen hat, will ich heute die lobenden Worte für Martin Petersen auch mal an den Anfang stellen. Es gelang ihm heute, ein sehr umkämpftes Spiel mit durchaus vielen Fouls sehr gelassen, souverän und ohne nennenswerte Fehler zu pfeifen. Die großzügige Linie bei Zweikämpfen hielt er auf beiden Seiten ziemlich gerecht durch. Die Verwarnungen gingen in Ordnung und auch bei den paar kniffligen Situationen, in denen vor allem Mainzer Spieler im Strafraum zu Boden gingen, lag er in Echtzeit richtig.
Dass das Spiel dennoch oft nicht besonders ansehnlich war, weil in außerordentlich vielen Zweikämpfen "Handarbeit" Trumpf war, war nicht sein Fehler. Es wurde für meine Begriffe heute besonders intensiv geklammert, gezogen und am Gegner gerissen. Und leider war Borussia darin noch etwas aktiver als die Gastgeber.
Das Halten des Gegners wird ja meist dann nötig, wenn Fehler in der Ballannahme, im Stellungsspiel oder im Zweikampf ausgebügelt werden müssen. Und da sind wir schon mitten in der Analyse. Denn Fehler hat das Team um (die erneut nahezu fehlerlose Nummer eins) Yann Sommer heute eindeutig zu viel gemacht. Der Spielaufbau funktionierte nur phasenweise - und das waren eher wenige Phasen. Häufiger sorgte das hohe Pressing des Karnevalsvereins für leichte Ballverluste oder gar panikartiges Ballwegschlagen. Ein Leckerbissen war so nun wirklich nicht zuzubereiten. Allerdings zeigte Mainz ähnliche Schwächen, wenn es mal schnell nach vorne ging.
Das Spiel war daher fußballerisch deutlich schwächer als die Partie gegen Schalke. Doch während der Gegner der vergangenen Woche seinen Defensivverbund bis zum Schluss dicht hielt, gelang das den Mainzern nicht. Das lag allerdings nicht an einer spielerischen oder konditionellen Überlegenheit der Gladbacher. Denn es war ein insgesamt ausgeglichenes Spiel. Borussia hatte beim Zustandekommen der ersten beiden Tore heute schlicht mehr Schwein.
Aber der Sieg war eben auch nicht nur Glücksache.
Und das ist das, was sich neben den wichtigen drei Punkten als gute Erkenntnis aus diesem Spiel mitnehmen lässt. Denn an der Basis aller drei Tore stand ein wichtiges Utensil erfolgreicher Mannschaften: Handlungsschnelligkeit. Beim Ausgleich war es Florian Neuhaus mit dem schnell ausgeführten Freistoß, dann der heute wieder sehr starke Laszlo Benes mit seinem guten Laufweg und dem Luftzweikampf, in dessen Verlauf der Ball etwas glücklich zu Plea und dann zum Torschützen Stefan Lainer kam, der ebenfalls schneller schaltete als seine Gegner.
Vor dem 2:1 war es Breel Embolo, der den Freistoß rausholte, indem er bei seinem Weg durchs Mittelfeld plötzlich die Lücke erkannte, ganz durchzulaufen. So war er nur noch durch ein Foul zu stoppen.
Und beim 3:1 waren es Embolo, Neuhaus und Plea, die mit wachem Kopf einen der besten Gladbacher Konter des ganzen Jahres kreierten. Da hatte Mainz in allen drei Szenen im entscheidenden Moment nichts gegenzusetzen.
Nicht zu vergessen, dass beim VfL auch im Tor ein sehr aufmerksamer Kapitän steht, der so manchen Patzer reparieren kann, wie Lainers Aussetzer mit dem schlimmen Ballverlust kurz vor der Halbzeit.
Dass in der Mannschaft vor allem fußballerisch noch erheblich mehr schlummert, dürfte jedem klar sein. Da ist Marco Rose noch ziemlich weit entfernt vom Idealzustand. Allerdings ist auf das Korsett bereits Verlass, und zum Glück reichte das am Anfang der Saison gegen zwei nicht zu unterschätzende Teams zu einem ungeschlagenen Start. Es könnte also schlechter aussehen.
Natürlich darf man nicht ausblenden, dass gerade heute das Glück in manchen Szenen eher die Raute geküsst hat als das gegnerische Wappen. Dafür muss man sich nicht entschuldigen, man muss es nur richtig einordnen. Es wird auch Spiele geben, da fällt dem Gegner der Ball so vor die Füße wie heute Stevie Lainer.
Andererseits gehört zur Wahrheit auch, dass in Jonas Hofmann und Strobl/Kramer wichtige Figuren in der Raute fehl(t)en und Zakaria es als Ersatz auf der Sechs richtig gut macht. Dennoch glaube ich, dass er auf der Acht noch effektiver sein wird.
Es lässt sich festhalten, dass wir einen ganz starken Torwart und eine schon ziemlich robuste und widerstandsfähige Abwehrreihe haben. Die Innenverteidiger haben ihre Anfangsnervosität überwunden. Oscar Wendt zeigt, dass er seinen Platz nicht kampflos räumen wird und für mich spielt er gerade stärker als in jedem Spiel der gesamten letzten Saison. Lainer überzeugt durch seine Physis und gute Flanken, die leider aber noch zu selten eigene Spieler erreichen. Nach hinten merkt man ihm bisweilen noch an, dass er aus einer "langsameren" Liga kommt; auch an der Passpräzision muss er noch feilen.
Die Stürmer und Flo Neuhaus arbeiten hart, aber oft noch umsonst, vor allem, wenn es um das hohe Pressing geht, da klappt der Zugriff noch nicht wie gewünscht. Wie gut ist es da, wenn man den Sieg von der Bank einwechseln kann wie mit dem frischen Embolo heute.
Einziger "Verlierer" heute war für mich Fabian Johnson. Er rackert zwar unermüdlich, doch insgesamt merkt man ihm schon an, dass ihm die vielen harten Zweikämpfe nicht schmecken, denen er auf der Achterposition nicht entkommen kann.
Wenn Kramer nun wieder fit ist, könnte es sein, dass er nächste Woche rausrotiert wird. Denn Benes, Zakaria und Neuhaus sollten im Mittelfeld gesetzt sein. Das bedeutet auch, dass sich in Raffael, Herrmann und Traoré weitere namhafte Spieler erstmal hinten anstellen müssten.
Dass es in der Mannschaft trotz der großen Konkurrenz stimmt, war allerdings auch heute wieder zu beobachten. Vor allem nach dem 3:1 von Embolo, als gefühlt alle Gladbacher auf dem Spielfeld und von der Bank zur Eckfahne rannten, um den leidgeprüften Schweizer zu herzen. Das war für mich definitiv die schönste Szene eines spielerisch-stressigen, aber gelungenen Fußball-Nachmittags. So kann es doch weitergehen, oder?
Bundesliga 2019/20, 2. Spieltag: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:3 (Tore für Borussia: 1:1 Lainer, 1:2 Plea, 1:3 Embolo)
Da ich mich ja oft genug mit Schiedsrichtern beschäftige, deren Leistung mir nicht gefallen hat, will ich heute die lobenden Worte für Martin Petersen auch mal an den Anfang stellen. Es gelang ihm heute, ein sehr umkämpftes Spiel mit durchaus vielen Fouls sehr gelassen, souverän und ohne nennenswerte Fehler zu pfeifen. Die großzügige Linie bei Zweikämpfen hielt er auf beiden Seiten ziemlich gerecht durch. Die Verwarnungen gingen in Ordnung und auch bei den paar kniffligen Situationen, in denen vor allem Mainzer Spieler im Strafraum zu Boden gingen, lag er in Echtzeit richtig.
Dass das Spiel dennoch oft nicht besonders ansehnlich war, weil in außerordentlich vielen Zweikämpfen "Handarbeit" Trumpf war, war nicht sein Fehler. Es wurde für meine Begriffe heute besonders intensiv geklammert, gezogen und am Gegner gerissen. Und leider war Borussia darin noch etwas aktiver als die Gastgeber.
Das Halten des Gegners wird ja meist dann nötig, wenn Fehler in der Ballannahme, im Stellungsspiel oder im Zweikampf ausgebügelt werden müssen. Und da sind wir schon mitten in der Analyse. Denn Fehler hat das Team um (die erneut nahezu fehlerlose Nummer eins) Yann Sommer heute eindeutig zu viel gemacht. Der Spielaufbau funktionierte nur phasenweise - und das waren eher wenige Phasen. Häufiger sorgte das hohe Pressing des Karnevalsvereins für leichte Ballverluste oder gar panikartiges Ballwegschlagen. Ein Leckerbissen war so nun wirklich nicht zuzubereiten. Allerdings zeigte Mainz ähnliche Schwächen, wenn es mal schnell nach vorne ging.
Das Spiel war daher fußballerisch deutlich schwächer als die Partie gegen Schalke. Doch während der Gegner der vergangenen Woche seinen Defensivverbund bis zum Schluss dicht hielt, gelang das den Mainzern nicht. Das lag allerdings nicht an einer spielerischen oder konditionellen Überlegenheit der Gladbacher. Denn es war ein insgesamt ausgeglichenes Spiel. Borussia hatte beim Zustandekommen der ersten beiden Tore heute schlicht mehr Schwein.
Aber der Sieg war eben auch nicht nur Glücksache.
Und das ist das, was sich neben den wichtigen drei Punkten als gute Erkenntnis aus diesem Spiel mitnehmen lässt. Denn an der Basis aller drei Tore stand ein wichtiges Utensil erfolgreicher Mannschaften: Handlungsschnelligkeit. Beim Ausgleich war es Florian Neuhaus mit dem schnell ausgeführten Freistoß, dann der heute wieder sehr starke Laszlo Benes mit seinem guten Laufweg und dem Luftzweikampf, in dessen Verlauf der Ball etwas glücklich zu Plea und dann zum Torschützen Stefan Lainer kam, der ebenfalls schneller schaltete als seine Gegner.
Vor dem 2:1 war es Breel Embolo, der den Freistoß rausholte, indem er bei seinem Weg durchs Mittelfeld plötzlich die Lücke erkannte, ganz durchzulaufen. So war er nur noch durch ein Foul zu stoppen.
Und beim 3:1 waren es Embolo, Neuhaus und Plea, die mit wachem Kopf einen der besten Gladbacher Konter des ganzen Jahres kreierten. Da hatte Mainz in allen drei Szenen im entscheidenden Moment nichts gegenzusetzen.
Nicht zu vergessen, dass beim VfL auch im Tor ein sehr aufmerksamer Kapitän steht, der so manchen Patzer reparieren kann, wie Lainers Aussetzer mit dem schlimmen Ballverlust kurz vor der Halbzeit.
Dass in der Mannschaft vor allem fußballerisch noch erheblich mehr schlummert, dürfte jedem klar sein. Da ist Marco Rose noch ziemlich weit entfernt vom Idealzustand. Allerdings ist auf das Korsett bereits Verlass, und zum Glück reichte das am Anfang der Saison gegen zwei nicht zu unterschätzende Teams zu einem ungeschlagenen Start. Es könnte also schlechter aussehen.
Natürlich darf man nicht ausblenden, dass gerade heute das Glück in manchen Szenen eher die Raute geküsst hat als das gegnerische Wappen. Dafür muss man sich nicht entschuldigen, man muss es nur richtig einordnen. Es wird auch Spiele geben, da fällt dem Gegner der Ball so vor die Füße wie heute Stevie Lainer.
Andererseits gehört zur Wahrheit auch, dass in Jonas Hofmann und Strobl/Kramer wichtige Figuren in der Raute fehl(t)en und Zakaria es als Ersatz auf der Sechs richtig gut macht. Dennoch glaube ich, dass er auf der Acht noch effektiver sein wird.
Es lässt sich festhalten, dass wir einen ganz starken Torwart und eine schon ziemlich robuste und widerstandsfähige Abwehrreihe haben. Die Innenverteidiger haben ihre Anfangsnervosität überwunden. Oscar Wendt zeigt, dass er seinen Platz nicht kampflos räumen wird und für mich spielt er gerade stärker als in jedem Spiel der gesamten letzten Saison. Lainer überzeugt durch seine Physis und gute Flanken, die leider aber noch zu selten eigene Spieler erreichen. Nach hinten merkt man ihm bisweilen noch an, dass er aus einer "langsameren" Liga kommt; auch an der Passpräzision muss er noch feilen.
Die Stürmer und Flo Neuhaus arbeiten hart, aber oft noch umsonst, vor allem, wenn es um das hohe Pressing geht, da klappt der Zugriff noch nicht wie gewünscht. Wie gut ist es da, wenn man den Sieg von der Bank einwechseln kann wie mit dem frischen Embolo heute.
Einziger "Verlierer" heute war für mich Fabian Johnson. Er rackert zwar unermüdlich, doch insgesamt merkt man ihm schon an, dass ihm die vielen harten Zweikämpfe nicht schmecken, denen er auf der Achterposition nicht entkommen kann.
Wenn Kramer nun wieder fit ist, könnte es sein, dass er nächste Woche rausrotiert wird. Denn Benes, Zakaria und Neuhaus sollten im Mittelfeld gesetzt sein. Das bedeutet auch, dass sich in Raffael, Herrmann und Traoré weitere namhafte Spieler erstmal hinten anstellen müssten.
Dass es in der Mannschaft trotz der großen Konkurrenz stimmt, war allerdings auch heute wieder zu beobachten. Vor allem nach dem 3:1 von Embolo, als gefühlt alle Gladbacher auf dem Spielfeld und von der Bank zur Eckfahne rannten, um den leidgeprüften Schweizer zu herzen. Das war für mich definitiv die schönste Szene eines spielerisch-stressigen, aber gelungenen Fußball-Nachmittags. So kann es doch weitergehen, oder?
Bundesliga 2019/20, 2. Spieltag: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:3 (Tore für Borussia: 1:1 Lainer, 1:2 Plea, 1:3 Embolo)
Abonnieren
Posts (Atom)