2019-08-24

Handlungsschnell ins Glück

Hui, ein bisschen stolperig, aber auch der zweite Schritt in die Saison ist gelungen. Der VfL startet mit vier Punkten aus zwei Spielen und das ist das, was in ein paar Wochen noch übrig sein wird an Erinnerungen an das Auftaktprogramm gegen Schalke und Mainz. Doch dazu später mehr.

Da ich mich ja oft genug mit Schiedsrichtern beschäftige, deren Leistung mir nicht gefallen hat, will ich heute die lobenden Worte für Martin Petersen auch mal an den Anfang stellen. Es gelang ihm heute, ein sehr umkämpftes Spiel mit durchaus vielen Fouls sehr gelassen, souverän und ohne nennenswerte Fehler zu pfeifen. Die großzügige Linie bei Zweikämpfen hielt er auf beiden Seiten ziemlich gerecht durch. Die Verwarnungen gingen in Ordnung und auch bei den paar kniffligen Situationen, in denen vor allem Mainzer Spieler im Strafraum zu Boden gingen, lag er in Echtzeit richtig.

Dass das Spiel dennoch oft nicht besonders ansehnlich war, weil in außerordentlich vielen Zweikämpfen "Handarbeit" Trumpf war, war nicht sein Fehler. Es wurde für meine Begriffe heute besonders intensiv geklammert, gezogen und am Gegner gerissen. Und leider war Borussia darin noch etwas aktiver als die Gastgeber. 
Das Halten des Gegners wird ja meist dann nötig, wenn Fehler in der Ballannahme, im Stellungsspiel oder im Zweikampf ausgebügelt werden müssen. Und da sind wir schon mitten in der Analyse. Denn Fehler hat das Team um (die erneut nahezu fehlerlose Nummer eins) Yann Sommer heute eindeutig zu viel gemacht. Der Spielaufbau funktionierte nur phasenweise - und das waren eher wenige Phasen. Häufiger sorgte das hohe Pressing des Karnevalsvereins für leichte Ballverluste oder gar panikartiges Ballwegschlagen. Ein Leckerbissen war so nun wirklich nicht zuzubereiten. Allerdings zeigte Mainz ähnliche Schwächen, wenn es mal schnell nach vorne ging. 
Das Spiel war daher fußballerisch deutlich schwächer als die Partie gegen Schalke. Doch während der Gegner der vergangenen Woche seinen Defensivverbund bis zum Schluss dicht hielt, gelang das den Mainzern nicht. Das lag allerdings nicht an einer spielerischen oder konditionellen Überlegenheit der Gladbacher. Denn es war ein insgesamt ausgeglichenes Spiel. Borussia hatte beim Zustandekommen der ersten beiden Tore heute schlicht mehr Schwein. 


Aber der Sieg war eben auch nicht nur Glücksache. 
Und das ist das, was sich neben den wichtigen drei Punkten als gute Erkenntnis aus diesem Spiel mitnehmen lässt. Denn an der Basis aller drei Tore stand ein wichtiges Utensil erfolgreicher Mannschaften: Handlungsschnelligkeit. Beim Ausgleich war es Florian Neuhaus mit dem schnell ausgeführten Freistoß, dann der heute wieder sehr starke Laszlo Benes mit seinem guten Laufweg und dem Luftzweikampf, in dessen Verlauf der Ball etwas glücklich zu Plea und dann zum Torschützen Stefan Lainer kam, der ebenfalls schneller schaltete als seine Gegner.
Vor dem 2:1 war es Breel Embolo, der den Freistoß rausholte, indem er bei seinem Weg durchs Mittelfeld plötzlich die Lücke erkannte, ganz durchzulaufen. So war er nur noch durch ein Foul zu stoppen.

Und beim 3:1 waren es Embolo, Neuhaus und Plea, die mit wachem Kopf einen der besten Gladbacher Konter des ganzen Jahres kreierten. Da hatte Mainz in allen drei Szenen im entscheidenden Moment nichts gegenzusetzen.
Nicht zu vergessen, dass beim VfL auch im Tor ein sehr aufmerksamer Kapitän steht, der so manchen Patzer reparieren kann, wie Lainers Aussetzer mit dem schlimmen Ballverlust kurz vor der Halbzeit.

Dass in der Mannschaft vor allem fußballerisch noch erheblich mehr schlummert, dürfte jedem klar sein. Da ist Marco Rose noch ziemlich weit entfernt vom Idealzustand. Allerdings ist auf das Korsett bereits Verlass, und zum Glück reichte das am Anfang der Saison gegen zwei nicht zu unterschätzende Teams zu einem ungeschlagenen Start. Es könnte also schlechter aussehen. 
Natürlich darf man nicht ausblenden, dass gerade heute das Glück in manchen Szenen eher die Raute geküsst hat als das gegnerische Wappen. Dafür muss man sich nicht entschuldigen, man muss es nur richtig einordnen. Es wird auch Spiele geben, da fällt dem Gegner der Ball so vor die Füße wie heute Stevie Lainer. 

Andererseits gehört zur Wahrheit auch, dass in Jonas Hofmann und Strobl/Kramer wichtige Figuren in der Raute fehl(t)en und Zakaria es als Ersatz auf der Sechs richtig gut macht. Dennoch glaube ich, dass er auf der Acht noch effektiver sein wird. 
Es lässt sich festhalten, dass wir einen ganz starken Torwart und eine schon ziemlich robuste und widerstandsfähige Abwehrreihe haben. Die Innenverteidiger haben ihre Anfangsnervosität überwunden. Oscar Wendt zeigt, dass er seinen Platz nicht kampflos räumen wird und für mich spielt er gerade stärker als in jedem Spiel der gesamten letzten Saison. Lainer überzeugt durch seine Physis und gute Flanken, die leider aber noch zu selten eigene Spieler erreichen. Nach hinten merkt man ihm bisweilen noch an, dass er aus einer "langsameren" Liga kommt; auch an der Passpräzision muss er noch feilen.
Die Stürmer und Flo Neuhaus arbeiten hart, aber oft noch umsonst, vor allem, wenn es um das hohe Pressing geht, da klappt der Zugriff noch nicht wie gewünscht. Wie gut ist es da, wenn man den Sieg von der Bank einwechseln kann wie mit dem frischen Embolo heute. 
Einziger "Verlierer" heute war für mich Fabian Johnson. Er rackert zwar unermüdlich, doch insgesamt merkt man ihm schon an, dass ihm die vielen harten Zweikämpfe nicht schmecken, denen er auf der Achterposition nicht entkommen kann. 
Wenn Kramer nun wieder fit ist, könnte es sein, dass er nächste Woche rausrotiert wird. Denn Benes, Zakaria und Neuhaus sollten im Mittelfeld gesetzt sein. Das bedeutet auch, dass sich in Raffael, Herrmann und Traoré weitere namhafte Spieler erstmal hinten anstellen müssten. 
Dass es in der Mannschaft trotz der großen Konkurrenz stimmt, war allerdings auch heute wieder zu beobachten. Vor allem nach dem 3:1 von Embolo, als gefühlt alle Gladbacher auf dem Spielfeld und von der Bank zur Eckfahne rannten, um den leidgeprüften Schweizer zu herzen. Das war für mich definitiv die schönste Szene eines spielerisch-stressigen, aber gelungenen Fußball-Nachmittags. So kann es doch weitergehen, oder?  

Bundesliga 2019/20, 2. Spieltag: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:3 (Tore für Borussia: 1:1 Lainer, 1:2 Plea, 1:3 Embolo)

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