Rien ne va plus

Mann, Mann, Mann! Das war die dämlichste Niederlage seit langer, langer Zeit. Verdient und unverdient zugleich, unglücklich und selbst verschuldet, aber vor allem eins: ärgerlich und unnötig. Borussia ist auf dem besten Weg, wie früher zum beliebten Aufbaugegner für alle Teams zu werden, die gerade mal ein Erfolgserlebnis brauchen. Erst die strauchelnden Leverkusener wieder in die Spur gebracht, jetzt die torkelnden Grün-Weißen vom Weserstrand, die nun wirklich kein Über-Gegner waren. Zum Heulen ist das.
13 Gegentore in drei Spielen, davon in der Entstehung, in den Fehlerketten eins schlimmer als das andere. So kann es definitiv defensiv nicht weitergehen. Und dafür kann man die enge Personallage und die Müdigkeit nur zum Teil als Erklärung gelten lassen. Auch das Pech, dass die Bälle nun mal gerade durch Yann Sommers Beine oder vom Pfosten zum Gegner springen, kann nur ein kleiner Teil der Wahrheit sein.

Dabei war vieles gar nicht so schlecht. Eine halbe Stunde lang war Borussia die Verunsicherung nach den beiden Klatschen der Vorwoche deutlich anzumerken und es war etwas glücklich, dass die Bremer daraus kein Kapital zu schlagen verstanden. Dann folgte ein gelungener Spielzug zum 1:1 und das Gefühl für das elegante und effiziente Spiel nach vorne war wieder da, wozu auch Thorgan Hazard seinen Teil beitrug. Gladbach schien wieder in der Spur zu sein, hätte vor der Pause oder kurz danach das 2:0 machen müssen, kassierte stattdessen aus dem Nichts, ausgehend von einer zu lässig-schlampig Verteidigungsaktion von Wendt und dem folgenden Ballverlust den Ausgleich. Und wie schon gegen Manchester und Bayer 04 schluckt das Team dann nicht nur ein Tor, sondern gleich mehrere in kurzen Abständen. Vom 1:0 bis zum 1:2 dauerte es sechs Minuten, nach dem umjubelten Ausgleich brauchte Bremen nur drei Minuten, um uneinholbar auf 2:4 davonzuziehen. Dass davor und danach noch genug Chancen vorhanden waren, gegen die aus unerfindlichen Gründen auch bei eigener Führung hinten weiter völlig offenen Gäste fünf bis sechs Tore zu schießen, macht das Ganze noch ärgerlicher. Bei allen Unzulänglichkeiten wäre ein Sieg bis zum Schluss drin gewesen. Stattdessen versaut sich die Mannschaft gerade einen Teil dessen, was sich sich in den vergangenen Wochen trotz aller Widrigkeiten so bravourös erkämpft hatte.

Allerdings muss man auch die Gesamtsituation berücksichtigen. Und die sagt aus, dass der VfL in dieser Hinrunde die meiste Zeit auf Martin Stranzl, Alvaro Dominguez und Tony Jantschke in der Innenverteidigung verzichten musste. Letzterer fällt offenbar nach der dritten Verletzung in dieser Saison jetzt für weitere Monate aus. Daneben fehlen in André Hahn und Patrick Herrmann weiterhin zwei äußerst torgefährliche Flügelstürmer und in Nico Schulz ein fähiger Backup für die überspielten Oscar Wendt und Fabian Johnson. Insofern hätte es alles auch noch schlimmer kommen können.
Und ich denke, wir sollten uns nicht von dem zwischenzeitlichen Siegeszug und dem vorübergehenden Sprung auf Platz drei oder vier blenden lassen. In dieser an Widrigkeiten so reichen Saison kann und muss unter Umständen eine knappe Qualifikation für die Euro League am Ende als Erfolg verbucht werden. So fair muss man auch gegenüber der Mannschaft sein, bei der man angesichts der aktuellen Lage konstatieren kann: Rien ne va plus - nichts geht mehr.
Wichtig für den Kopf und eine ruhige Arbeit in der Winterpause wäre wenigstens noch ein guter Abschluss der Hinrunde gegen Darmstadt - auch das ist alles andere als ein Selbstläufer. Dann aber hat André Schubert erstmals Zeit, ein paar Tage am Stück gezielt an den Schwächen der Mannschaft zu arbeiten und sie für die zweite Saisonhälfte stabiler aufzustellen. Das ist die erste große Bewährungsprobe, über die in seiner Interimszeit so häufig geunkt wurde. Ich habe keinen Zweifel das ihm das gelingt.


DFB-Pokal, Achtelfinale: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 3:4 (15.12.2105)
(Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:2 Hrgota, 3:4 Hrgota)

P.S. Als bekennender Branimir-Hrgota-Fan hatte der Abend für mich ja wenigstens noch eine Spur Positives. Ich habe es dem Jungen gegönnt, dass er bei seinem ersten längeren Einsatz gleich wieder zweimal im Stile eines ausgebufften Torjägers zugeschlagen hat. Ich befürchte dennoch, dass das möglicherweise seine letzten Tore für uns gewesen sein könnten. Zu selten hat er die Chance bekommen, sein großes Können zu zeigen. Im Sommer läuft sein Vertrag aus, den Rest kann man sich wohl denken. Wünschen würde ich mir natürlich, dass er bleibt.

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