Verluste (VI) und (VII): Martin Hinteregger und Marlon Ritter

Die Saison ist vorbei, erneut verlassen einige Spieler die Borussia. Einen Verlust stellen sie alle dar, auch wenn man persönlich an dem einen mehr hängen mag als an dem anderen. In einer losen Folge zeichne ich nach, was dem Team mit den Abgängen verloren geht und wie man Xhaka, Stranzl, Brouwers, Hrgota und Hinteregger ersetzen sollte. Heute geht es um zwei Spieler, die leider gar nicht so richtig zeigen konnten, warum sie hierher gehören: Martin Hinteregger und Marlon Ritter. Insofern stehen sie hier auch am Ende der kleinen Serie, als die Spieler, die wohl am leichtesten zu ersetzen sind oder bereits ersetzt wurden.

Das hatten sich beide Seiten wohl ganz anders vorgestellt. Als Martin Hinteregger im Winter von RB Salzburg nach Gladbach geholt wurde, galt er als "Vorgriff auf die neue Saison", als ein entwicklungsfähiger junger Abwehrspieler mit Zukunft im Borussia Park. Nicht mal ein halbes Jahr später musste der Österreicher zur Kenntnis nehmen, dass man in Mönchengladbach doch nicht langfristig mit ihm plant. Grund dafür, dass Borussia die Kaufoption nicht zog, sind wohl weniger seine gezeigten Leistungen, sondern die Perspektive, dass man im Verteidigerregal unverhofft noch eine Kategorie höher zugreifen konnte als sonst üblich. Die Möglichkeit, für wenige Millionen Euro mehr (Salzburg konnte im Winter dank einer langen Vertragslaufzeit einen unangemessen hohen Kaufoptionspreis aufrufen) den gestandenen Bundesligaprofi Yannick Vestergaard verpflichten zu können, machte aus Hinteregger mit einem Schlag etwas unverdient einen "2.Wahl-Artikel".
Denn Hinteregger hatte letztlich nicht ausreichend Zeit, die Verantwortlichen und die Fans von seinen Qualitäten zu überzeugen.
Hängen bleiben von ihm die beiden recht unglücklichen Eigentore, manch ungelenkes Abwehrverhalten und die verbreitete Ansicht, dass er nach vorne nicht besonders stark sei. Zumindest letzteres stimmt so nicht, denn gerade zu Beginn seiner Gladbacher Zeit zeigte er auch starke Szenen im Spiel nach vorne. Ob da mehr hätte sein können, blieb offen. Auf der ungewohnten Position auf links als Ersatz für den verletzten Oscar Wendt kam er jedenfalls nicht gut genug zurecht. Und als die Mannschaft sich mit der Dreierkette schließlich defensiv stabilisierte, saß Hinteregger draußen und blieb dort auch bis zum Ende der Saison.
Ob der 23-Jährige ein Verlust ist, lässt sich somit nicht endgültig klären. Ich denke, und das zeigt sich auch bei der EM, dass er starke Anlagen hat und ein guter Bundesligaspieler werden kann. Bisher ist er aber in seinen Leistungen (auch im Nationalteam) noch nicht so stabil, dass er einen Champions-League-Anwärter sofort verstärken würde. Insofern war die Trennung nach der Leihe nachvollziehbar, wenngleich man berücksichtigen muss, dass er in einer Zeit mit vielen verletzten Abwehrspielern zwar alles für Borussia in die Waagschale warf, aber anders als Christensen eben nicht auf Anhieb voll überzeugen konnte. Das ist im Geschäft Bundesliga aber heute ein Qualitätsmerkmal, das gute von hervorragenden Spielern unterscheidet. Mancher braucht dafür etwas länger, aber je nach Situation gibt es die notwendige Zeit zum Reifen für junge Spieler heute definitiv seltener.


Bei Marlon Ritter liegt die Sache noch etwas anders. Ein Riesentalent, ganz sicher, aber keiner, der sich so aufdrängen konnte wie Mo Dahoud oder Marvin Schulz. Im Gegenteil, Ritter erhielt von seinem Trainer André Schubert, der ihn auch schon aus der U23 kannte, im vergangenen Herbst sogar einen öffentlichen Rüffel, weil er seinen Beruf offenbar nicht immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Konzentration betrieb.
Seitdem hat sich Ritters Engagement zwar in einer herausragenden Bilanz in der Regionalliga ausgedrückt. Aber ein kleiner Star in der 4. Liga ist noch lange kein Bundesligaspieler. Insofern ist sein Schritt zu einem Zweitligisten folgerichtig.
Dass Borussia den talentierten Freistoßschützen jetzt ganz ziehen lässt und ihn nicht nur ausleiht, hat mich schon etwas überrascht. Für mich ist die logischste Erklärung, dass der VfL den Stürmer für kleines Geld ziehen ließ und sich im Gegenzug eine Rückkaufoption gesichert hat, falls Ritter bei Fortuna Düsseldorf durchstartet. Ein Verlust ist er somit zum jetzigen Zeitpunkt nicht, da er bisher noch keine Alternative für die erste Mannschaft war, der er seit zwei Jahren offiziell angehörte. Vorläufig ist er eine Option für die Zukunft weniger, wie schon bei Amin Younes, der sich bei Ajax ja prächtig entwickelt hat. Ob es richtig war, diesen Weg zu gehen, wird sich bei Ritter im Laufe der nächsten ein, zwei Jahre zeigen. Sein Abgang eröffnet in jedem Fall einem anderen Talent, in den Profikader aufzurücken.

Kommentare

  1. Zu Ritter könnten man sagen, dass man vielleicht im Gegenzug für ihn Mika Hanraths von der Fortuna bekommen konnte. Wer weiß, was da hinter den Kulissen gelaufen ist.

    Die Einschätzung zu Hinteregger teile ich auch. Die Eigentore stehen für mich da gar nicht im Vordergrund (das war m. E. doch auch einiges an Pech), aber ich denke auch, dass die von RB aufgerufene Ablösesumme für das Gesamtpaket Hinteregger nicht stimmig war. Ich meine, Eberl hat aller Voraussicht nach alles richtig gemacht. Gruß, Fohlen

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