Kontrollierte Grausamkeit

Wenn ein Champions-League-Anwärter bei einem Viertligisten mit Mühe 1:0 gewinnt, über 90 Minuten gerade einmal drei nennenswerte Torchancen herausspielt, ist das relativ mager. Wenn auch der Gegner nicht mehr zustandebringt, kann man getrost davon ausgehen, dass das Spiel kein Brüller gewesen ist.

In einer trägen ersten Halbzeit schien das einzige Ziel des VfL eine möglichst hohe Ballbesitzquote zu sein. Viel zu langsames, quer statt steil ausgerichtetes Passspiel, oft aber auch das noch fehlerbehaftet: Borussia war im Vergleich zum Dienstag in Bern nicht wieder zu erkennen. Statt Fußballfeuerwerk gab es vonseiten der Fohlen diesmal eher kontrollierte Grausamkeit zu sehen. Das wurde in der zweiten Halbzeit zwar etwas besser, aber längst nicht gut. Und allein die Tatsache, dass die Amateure in der Nachspielzeit noch eine große Chance zum Ausgleich bekamen, spricht Bände. Letztlich zählt der Sieg, auch wenn er knapp war. Doch er offenbarte auch, dass die Saison trotz aller Vorschusslorbeeren kein Selbstläufer werden wird.

In den vergangenen Tagen rund um das Spiel in Bern war viel die Rede von der Ausgeglichenheit des Kaders. Die ist ohne Zweifel vorhanden. Doch in dem kleinen Ort an der Elbe konnte sich - außer Tobias Sippel, der im Borussendress weiter ohne Gegentor ist - keiner von denen auszeichnen, die ins Team rotiert wurden. Gut, Julian Korb schoss ein Tor, was an sich schon außergewöhnlich ist. Doch ansonsten gelang es ihm nicht, sich im Flügelspiel besonders auszuzeichnen. Technisch beschlagene Spieler wie Jonas Hofmann und Mo Dahoud enttäuschten über weite Strecken des Spiels, offenbarten vor allem in der ersten Halbzeit zudem erschreckende technische Schwächen. Patrick Hermann fand in Drochtersen überhaupt nicht statt, Abwehrhüne Jannik Vestergaard war nicht so souverän, wie man es gegen Regionalliga-Gegenspieler erwarten könnte.

Auch Stammkraft Oscar Wendt kam in beiden Spielen nur selten zur Geltung.

Insgesamt gefiel sich die Mannschaft zu sehr darin, den Ballbesitz zu maximieren, zugleich mit der Geduld im Quer- und Rückwärts-Spiel das Risiko zu minimieren, um sich nicht vom unterklassigen, aber gut organisierten Gegner überrumpeln zu lassen. Das führte unweigerlich dazu, dass im Spiel nach vorn rein gar nichts zusammenlief. Das Tor in der 55. Minute war bezeichnenderweise Produkt der ersten wirklich gelungenen und für den Gegner überraschenden Kombination des VfL im ganzen Spiel.

Nun sollte man die Kirche im Dorf lassen und nicht alles zu dramatisch sehen, was am Samstag nicht funktionierte. Gegen Bern und Leverkusen wird der VfL ganz sicher ein anderes Gesicht zeigen als gegen den tapferen und gut eingestellten Pokalgegner. Klar ist aber auch: Es gibt für André Schubert keinen Grund, am Mittwoch im Vergleich zum Playoff-Hinspiel personell viel zu verändern. Dazu hätte in Drochtersen mehr passieren müssen.

DFB-Pokal, 1. Runde: SG Drochtersen/Assel - Borussia Mönchengladbach 0:1

(Tor: 0:1 Korb)

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