Sternstunde mit kleiner Einschränkung

Hervorragend herausgespielt, souverän verteidigt, Aufgabe ganz toll gelöst: Der ungefährdete Rückspiel-Sieg gegen Bern war nicht nur historisch und hochverdient. Er zeigte all das, weswegen Borussia zurecht gefürchtet wird: Konsequente Balleroberung, überfallartige Konter und spielerisch hochwertige Passstaffetten bis zum Torerfolg. Diese Leistung zu diesem frühen Saisonzeitpunkt abrufen zu können, beweist, dass das Trainerteam in der Vorbereitung einiges richtig gemacht hat. Und das1 hochverdiente 6:1 lässt ahnen, was in dieser Saison ein großer Vorteil des VfL sein könnte - dass viele in der Mannschaft perfekt aufeinander eingespielt sind und sich auf dem Rasen fast blind verstehen. Das ließ sich gegen Bern an dem magischen Dreieck Raffael, Hazard, Stil beobachten, die wiederum sehenswert mit Patrick Hermann und Fabian Johnson harmonierten. So wie sie zuvor mit Hahn, Traoré oder Wendt kombiniert hatten - wenngleich wohl noch nie so perfekt wie an diesem Abend gegen die bedauernswerten Gäste aus der schweizerischen Hauptstadt, die nur ihr hervorragender Torwart Mvogo vor einer zweistelligen Klatsche bewahrte.

Eine ganz starke Leistung also im Borussia Park, die nur einen Schönheitsfehler hatte: Die Gala gelang gegen einen schon geschlagenen Gegner. Bern war, anders als im Hinspiel, zu keiner Phase des Spiels in der Lage, der Schubert-Elf etwas ernstzunehmendes entgegenzusetzen. Der frühe Rückstand gab ihnen dann den Rest. Der in Bern äußerst unangenehme kopfballstarke und ballsichere Sturmtank Hoarau war nicht zu ersetzen, sein Vertreter Frey fiel ausschließlich durch plumpe Fouls auf. Die ebenfalls ersatzgeschwächte Abwehr war völlig überfordert und kam stets einen Schritt zu spät. Das bewies einmal mehr, dass in der Bundesliga und in der Schweizer Liga nicht im gleichen Tempo gespielt wird, eine Erfahrung, die auch Granit Xhaka in seiner ersten Bundesligasaison machen musste.

Mit dem Hinweis auf die Berner Schwäche will ich keineswegs das tolle 6:1 kleinreden. Auch einen angeschlagenen Gegner muss man erstmal so konzentriert beherrschen und ein ums andre Mal ausspielen. Doch weder Leverkusen noch einer der folgenden Gegner worden Borussia nochmal so leicht machen. Jetzt kommen die Mannschaften, die auch die Gladbacher Hintermannschaft ganz anders fordern werden. In Bern war deutlich zu sehen, dass die junge VfL-Defensive auch schnell mal in Unordnung zu bringen ist. Und unterschätzen wird Raffael und Co. keiner mehr. Nach diesem Auftritt schon gar nicht.

Champions League, Qualifikation, Rückspiel: Borussia Mönchengladbach - Young Boys Bern 6:1
(Tore: 1:0 Hazard, 2:0 Raffael, 3:0 Raffael, 4:0 Hazard, 5:0 Raffael, 6:1 Hazard)

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