28:7 gleich 0:1

Oh mein Gott! 28:7 = 0:1. Ich konnte mit Mathematik ja noch nie viel anfangen. Aber im Fußball gibt es mitunter noch grausamere Gleichungen, die dann auch noch aufgehen. 
Na gut, ich kann mich auch an ein sehr glücklich gewonnes Spiel der wahren Borussia gegen Dortmund vor einigen Jahren erinnern. Dieser schmeichelhafte Sieg damals war mir auch schon fast peinlich. Dieses Spiel war allerdings kein Vergleich zu dem unverdienten Sieg der Schwarz-Gelben heute. Ich glaube, auch nächste Woche wissen die noch nicht, wieso sie dieses Spiel gewonnen haben. Und das ist ein Problem. Leider unser Problem.

Denn die Leistung von Christoph Kramer und Co. heute war vielleicht die beste der Saison, ganz sicher die beste seit Monaten. Zweikampfstark, mutig, zielstrebig und risikobereit nach vorn, aber auch hoch aufmerksam und bissig nach hinten. So hätte ich mir das Team in der Rückrunde immer gewünscht. Denn dann wären die verlorenen Punkte heute nicht so sehr ins Gewicht gefallen, weil der VfL sicher schon sechs bis neun Punkte mehr auf dem Konto gehabt hätte.
Dass Borussia gegen einen mitspielenden Gegner zu mehr Raum kommen würde als zum Beispiel gegen die Stuttgarter oder Frankfurter Maurergesellen, das konnte man dabei ja durchaus erwarten. Aber dass es ein solches Spiel auf ein Tor werden würde, mit einer solchen Häufung von Großchancen, das sicher nicht. 

Das einzige was fehlte, ich mag es nicht mehr schreiben, waren die Tore - wie in den Wochen zuvor  verschenkten Stindl und seine Mannen die besten Chancen. 28:7 Torschüsse gegen eine (tabellarische) Spitzenmannschaft sind hervorragend. Aber neben einem Dutzend "Muss"-Torchancen waren eben auf Seiten der Hecking-Elf auch viele harmlose Abschlüsse dabei, die Roman Bürki im BVB-Tor zu leicht und völlig unnötig zum Mann des Spiels machten.

Die Abschlussschwäche von Stindl, Hazard, Elvedi und Bobadilla zeigt, dass sich die Erfolglosigkeit schon tief ins Selbstvertrauen gefressen hat. Sie wollen alle, aber sie stellen sich unglücklich und mitunter dämlich an. 
Wobei man Bobadilla aufgrund seiner verkorksten Anfangszeit bei Borussia in dieser Saison da wohl noch die geringsten Vorwürfe machen sollte. Er zeigte wie die gesamte Mannschaft eine wahnsinnig engagierte und feurige Leistung. Er war in vorderster Reihe genau der, der unserem Team zuletzt so gefehlt hat: Einer, der dahin geht, wo es weh tut, der Bälle sichert, abschirmt, weiterleitet, Gegenspieler auf sich zieht - ein richtiger Stürmer eben. Aber es fehlte in vielen Szenen bei Boba eben auch noch ein Tick Schnelligkeit und wohl auch Spielpraxis, um dann auch zum Erfolg zu kommen. Als er dann ausgepumpt raus musste, konnte Josip Drmic seine Läufe und Zweikampfhärte nicht annähernd ersetzen.

Schade ist, dass ich heute wieder mal etwas zum Thema Schiedsrichter und seinen Komplizen sagen muss. Schon in der ersten Hälfte pfiff Bastian Dankert ein wenig einseitig (etwa Gelbe Karte für Boba), er ließ sich auch von Meckerlieschen wie Mario Götze viel zu viel zutexten, ohne mal eine klare Ansage zu machen. Und die Nachspielzeit setzte er bei schon fast skandalösen drei Minuten an, obwohl durch Bürkis Verletzung, sein auffälliges Zeitspiel und den Videobeweis beim (zurecht zurückgepfiffenen) vermeintlichen 1:1 sechs Minuten mehr als angemessen gewesen wären. Auch die vier Minuten Nachspielzeit am Ende war zu kurz bemessen, zumal allein in der Nachspielzeit von Dortmund nochmal knapp zwei Minuten vertrödelt wurden. 
Das alles aber wäre ja noch zu verschmerzen, wenn da nicht kurz vor Schluss der glasklare Foulelfmeter gegen Vestergaard gewesen wäre, bei dem wieder einmal das Videoschiedsrichtersystem auf ganzer Linie versagt hat. Es ist blöd, darauf zu schimpfen, weil der VfL vorher ja nun wirklich genug Chancen liegengelassen hatte. 
Aber es ist auch nicht mehr akzeptabel, dass Borussia in dieser Hinsicht seit November so oft und so krass benachteiligt worden ist. Es kann nicht sein, dass beim Abseitstor von außen eingegriffen wird und bei einer so klaren Szene im Strafraum nicht. Es ist nicht zu verstehen (oder arrogant), warum der Schiedsrichter dann nicht selbst auf Nummer sicher geht und die Szene nochmal nachprüft. Wir wissen ja bis jetzt nicht mal, ob Wolfgang Stark im Kölner Keller dazu einen Hinweis gegeben hat oder ob er, wie Hecking mutmaßte, schon "eingeschlafen war". 
Ich weiß, das bringt uns im Nachhinein genausowenig Punkte wie das Lamentieren über die Harmlosigkeit vor dem Tor. Aber ist ist einfach zu viel, was in dieser Saison in dieser Hinsicht gegen Gladbach läuft.

An einem immerhin hat es heute nicht gelegen, obwohl einem auch als Fan sein jämmerlicher Zustand wirklich peinlich sein konnte: der schlimme Rasenflickenteppich, auf dem gespielt wurde. Sky-Dampfplauderer Fuss kannte zwar eine gute halbe Stunde lang kein anderes Thema, doch danach spielte das Grün-Braun im Borussia Park interessanterweise auch in seiner manchmal verqueren Welt keine Rolle mehr. Die Spieler fanden sich nach anfänglichen Ausrutschern ganz vernünftig zurecht und keiner wurde entscheidend am Fußballspielen gehindert.

Fazit: Ein Spiel, das bei einem normalen Saisonverlauf nicht unbedingt zu den "Muss"-Siegen gehört hätte, musste aufgrund der drei Pleiten zuvor eigentlich schon gewonnen werden, um den Kontakt nach oben noch nicht ganz abreißen zu lassen. Fast alle Konkurrenten taten dem VfL auch noch den Gefallen, Punkte liegenzulassen. 
Dann wurde trotz erneuter personeller Engpässe ein Spiel daraus, in dem man den Favoriten locker hätte aus dem Stadion schießen können und müssen. Und am Ende stehen wir im Niemandsland der Tabelle, mit der vierten Zu-Null-Niederlage in Folge. Da soll man nicht verzweifelt werden?

Immerhin: Das Gute ist, dass 0:1 (Stuttgart) nicht gleich 0:1 (Dortmund) ist. Wenn die Spieler heute verstanden haben, wie sie den Mut und die Entschlossenheit auf den Platz bringen können, dann war das Spiel heute ein großer Schritt nach vorn. Wichtig war es auf jeden Fall für den Verein, weil dadurch hoffentlich die unselige Trainerdebatte gleich wieder im Keim erstickt wird. Und weil die Mannschaft sich heute - trotz der quälenden Fehlschüsse vor dem Tor - mit ihrem Auftritt die bedingungslose Unterstützung der Fans zurückverdient hat. 
Denn das ist wichtig, soll es in dieser Saison noch einmal in Richtung obere Tabellenhälfte gehen: Ruhe im Verein sowie Mannschaft und Fans als verschworene Einheit. Die richtigen Schlüsse aus der Saison kann man zwar zum großen Teil jetzt schon ziehen (das hebe ich mir für einen späteren Text auf). Es nützt aber nicht viel, weil man derzeit an den entscheidenden Schrauben - dem Kader - nicht wesentlich drehen kann. Und in dieser Phase den Trainer zu wechseln, könnte nur eine echte Verzweiflungstat rechtfertigen. Und dazu besteht angesichts des Auftretens der Mannschaft nun wirklich kein Grund.



Bundesliga, Saison 2017/18, 23. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund 0:1

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