Lehren aus einer unvollendeten Saison I: Verletzungen

Verkorkst, aber noch zu retten: Zwei Drittel der Saison sind rum, und auch wenn noch nicht klar ist, wohin uns die Reise der Borussia am Ende der Spielzeit geführt haben wird, lässt sich bereits einiges analysieren, was besser werden muss. Und das unabhängig vom Abschneiden nach dem 34. Spieltag.
Es ist vielleicht auch ganz hilfreich, wenn es um die Bewertung der Arbeit von Max Eberl, Dieter Hecking und dem gesamten Trainerstab geht, die ja in der allgemeinen Unzufriedenheit schnell mal allgemein in Frage gestellt wird.
Für mich gibt es mehrere Problemfelder, die einen erfolgreicheren Saisonverlauf bislang verhindert haben: die Verletzungsmisere etwa. Oder die Kaderzusammenstellung bzw. die Lücken, die sich dank der vielen Verletzungen dort gezeigt haben. Und nicht zuletzt die Stimmung bzw. die Erwartungshaltung rund um Mannschaft und Verein. Dort gilt es anzusetzen. Ich werde in loser Folge dazu meine Sichtweise dazu hier darlegen. Anfangen will ich heute mit dem offensichtlichsten Thema.

An allererster Stelle steht nicht erst diese Saison die Verletzungsanfälligkeit im Kader. In der vergangenen Saison konnte man es zum Teil vielleicht noch durch die Dreifachbelastung erklären, diese Saison aber nicht mehr. Der VfL hat in dieser Saison mangels Europa-Verpflichtungen bislang nur 27 Spiele absolviert, 24 in der Bundesliga und drei im DFB-Pokal. So verteilen sich die Einsätze:

27 Spiele: Ginter, Hazard, Stindl, Zakaria
26 Spiele: Vestergaard, Elvedi
23: Wendt, Sommer
21: Raffael, Herrmann
20: Kramer
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17: Cuisance
15: Hofmann, Grifo
11: Johnson, Bobadilla
10: Jantschke
7: Drmic
6: Oxford
5: Traoré, Sippel

1: Benes, Villalba, Benger, Egbo
0: Strobl, Doucouré, Yeboah, Hoffmanns, Mayer, Nicolas, Heimeroth

Ohne dass man auf die Wertigkeit der einzelnen Spieler eingehen muss, lässt sich daran einiges ablesen. Gut die Hälfte der ersten Elf (sechs Spieler) stand demnach bisher immer zur Verfügung bzw. hat nur ein Spiel verpasst. Zählt man von den meisten Einsätzen her die erste Elf zusammen, dann hat die Nummer 11 (Chris Kramer) schon 7 Spiele verpasst, das ist mehr als ein Viertel der bisherigen Saison. Spielt man dieses Spiel noch weiter und besetzt auch die Ersatzbank allein nach der Zahl der Einsätze, wird noch deutlicher, wo es hakt. Schon ab dem zweiten "Auswechselspieler", Jonas Hofmann, betrug die Saisonerfahrung weniger als die Hälfte der Spiele.
Bei vielen Spielern kommt dazu, dass die Anzahl der Spiele noch nichts über die wirkliche Spielzeit aussagt. So kommt zum Beispiel Chris Kramer bei 20 Spielen auf eine Durchschnittsspielzeit von 78 Minuten, genauso wie Raffael in 21 Partien. Cuisance verzeichnet bei 17 Einsätzen aber schon nur noch 50 Minuten pro Spiel, Herrmann (21 Spiele) und Grifo (13 kommen im Schnitt gerade mal auf eine Halbzeit pro Spiel. Das geht so weiter: Hofmann hat 32 Minuten pro Spiel, Bobadilla 26 und Drimic 12.

Der offizielle Kader der ersten Mannschaft umfasst inklusive vier Torhütern 27 Spieler. Von diesen standen am Samstag in Hannover zehn nicht zur Verfügung. Bleiben also 17 Spieler, von denen die beiden "überzähligen" Torleute Nicolas und Heimeroth für den Kader nicht in Frage kommen. Übrig sind also 15 Spieler - zwei zu wenig, um eine komplette Ersatzbank mit den Profis zu bestücken. Es muss also jemand ohne Bundesligaerfahrung aufrücken. Diesmal waren es in Egbo, Mayer und Herzog gleich drei. Und so geht es fast von Beginn der Saison an.

Ich kann nichts dazu sagen, warum beim VfL seit zwei bis drei Jahren eine solche Verletzungsmisere herrscht. Man muss aber feststellen, dass die Versuche seitens des Vereins, etwa durch die Umstrukturierung der athletischen und medizinischen Abteilung entgegenzusteuern, sich bislang nicht sichtbar in einem weniger verletzungsanfälligen Kader niedergeschlagen haben. Ich nehme stark an, dass das an verantwortlicher Stelle nach wie vor als die Hauptbaustelle erkannt ist. Man kann nur hoffen, dass in der neuen Saison endlich ein Weg aus dieser Verletzungsmisere gefunden wird. Sonst kann man sich zwar wünschen, oben mitzuspielen. Es wäre aber kaum zu planen.

Das kann natürlich auch zum Teil damit geschehen, dass man den zu erwartenden personellen Umbruch auch dazu nutzt, verletzungsanfällige Spieler abzugeben. Wie sich Borussia personell in den nächsten zwei Jahren erneuern müsste, schreibe ich in einem weiteren Beitrag unter dem Titel "Lehren aus einer unvollendeten Saison". Aber sicher spielt darin auch dieser Punkt eine Rolle. So verdient sich viele der derzeitigen Borussen für den Verein gemacht haben. Es hilft nicht weiter, wenn sie durch Verletzungen große Teile der Saison verpassen und den Rest der Saison auf der Jagd nach ihrer Form sind. Ich gehe fest davon aus, dass so auch auch Max Eberl und Co. analysieren werden. Insofern werden die nächsten Wochen nicht nur aus der sportlichen Sicht sehr spannend. Und jeder Sieg, den der VfL einfährt, verbessert natürlich auch die Chancen, dass Gladbach auch in der kommenden Saison einen konkurrenzfähigen Kader aufstellen kann, mit dem man sich wirklich dauerhaft im Kampf um Europa messen kann.

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