2018-09-29

Entscheidende Impulse von der Bank

Berufsbedingt bin ich mit meiner Meinung zum Mittwochsspiel zeitlich ordentlich ins Hintertreffen geraten. Aber kurz vor dem nächsten Anpfiff klappt es ja doch noch, puh!

"Es war nicht alles schlecht", schrieb ich vor wenigen Tagen zum Hertha-Spiel. Und ich bin sehr froh, dass mich mein Eindruck über den Zustand der Mannschaft nicht getrogen hat. Denn was am Samstag noch schlecht war, war gegen Frankfurt - den Angstgegner der vergangenen zwei Jahre - fast ausnahmslos wieder gut. Und zum Glück war das, was in Berlin schon gut war, auch diesmal im Borussia Park wieder gut. Doch der Reihe nach.

Borussias Spiele werden in dieser Saison nicht nur auf dem Platz gewonnen, sondern auch von der (stark besetzten) Bank aus. Das hat sich in einigen erfolgreichen Einwechslungen in den ersten Spielen bereits angedeutet. Es hat sich aber am Mittwoch auch daran gezeigt, dass sich die Änderungen des Trainerteams in der Aufstellung auszahlten. Elvedi stand als Jantschke-Vertreter deutlich sicherer in der Innenverteidigung als noch gegen Berlin auf der Außenposition. Defensiv solide und mit dem Siegtor per Kopf, das war eine gelungene Wiedergutmachung für den eher unglücklichen Auftritt in der Hauptstadt.

Auf der Rechtsverteidigerposition zeigte Jordan Beyer auch in seinem dritten Bundesligaspiel eine reife Leistung. Er machte seine Seite dicht, hatte Kostic in der Regel gut im Griff und bewies im Spiel nach vorne erneut sein gutes Auge. Nur beim Gegentor merkte man, dass ihm noch Erfahrung fehlt. Wenn er Sommer da den Ball überlassen will, muss er natürlich den Stürmer gleichzeitig effektiv blocken. So mogelte sich Rebic an ihm vorbei und kam zum Abschluss. 
Für mich im übrigen irregulär, weil der Frankfurter vor dem Zusammenprall mit dem Goalie den Ball nicht spielte, sondern Sommer einfach nur umrempelte, wodurch dieser den Ball nicht festhalten konnte. Da die Gladbacher beim Schiri nicht energisch genug protestierten und es am Ende keine Auswirkung auf den Sieg hatte, will ich es aber dabei belassen, denn ein Abstimmungsfehler in der Abwehr war es allemal, sonst wäre es nicht dazu gekommen.

Als Sechser durfte endlich mal wieder Christoph Kramer ran, und das zahlte  sich genauso aus wie der Tausch Neuhaus für Zakaria, der sich ebenfalls nach den Eindrücken von Berlin angeboten hatte. Warum? Weil Kramer wie Neuhaus ihre Stärken unter anderem in der engen Ballführung und in ihrer Wendigkeit haben, während Strobl und Zakaria eher "Laufräume" brauchen und eine größere "Übersetzung" bei Drehungen und Richtungswechseln haben. Das geschickte Verhalten auf engem Raum ist aber gerade gegen Frankfurt wichtig, weil deren Mittelfeld die Räume schnell dicht macht und aggressiv angreift. Schnelle, unerwartete Drehungen öffnen da Passwege, die im Spiel nach vorne Gold wert sein können. Exemplarisch ist da der Move von Neuhaus vor dem Führungstor zu nennen, als er mit einer leichten Täuschung und mit der Hacke um den Gegner herumkam und elfmeterreif gefoult wurde. Hier muss man dem Schiedsrichterteam um Sven Jablonski ein großes Lob zollen, dass sie weiterspielen ließen und so Plea seinen Kunstschuss aus spitzem Winkel erlaubten. Viele Schiris hätten da sicher früher abgepfiffen und auf den Elfmeterpunkt gezeigt.

Neben den Impulsen durch die reinrotierten Spieler muss man auch konstatieren, dass der VfL im Spiel nach vorne bereits ein äußerst eingespielten Eindruck macht. Natürlich klappt nicht alles, gerade in der ersten Halbzeit waren noch einige unsaubere Bälle dabei, die gute Angriffe jäh unterbrachen. Doch was teilweise an Pass-Stafetten zu sehen war, war Top-Qualität, selbst wenn man konstatieren muss, dass die Gäste sicher nicht ihren besten Tag erwischt hatten.

Kämpferisch muss man dem Team ein großes Lob aussprechen. Natürlich, jeder weiß, dass Frankfurt eine sehr körperliche Mannschaft ist und man hier über die ganze Spielzeit knallhart gegenhalten muss, um nicht Gefahr zu laufen, sich das Spiel aus der Hande nehmen zu lassen. Doch das gelang eben in den letzten Jahren fast nie gegen die Eintracht. Am Mittwoch schon, und ich glaube, dass Ginter und Co. da wirklich hinzugelernt haben durch die vergangene Saison.

Ach ja: Fanprotest gab es ja auch noch. Ich habe länger überlegt, ob ich mich dazu äußern soll oder nicht. Wie aus früheren Blogeinträgen hervorgeht, stehe ich voll hinter den Protestaktionen gegen die fanunfreundliche Politik von DFB und DFL. Ich weiß auch, dass da viele Leute viel Arbeit und Zeit reinstecken. Dennoch halte ich die Aktion, das Stadion 20 Minuten lang mit Trillerpfeifen zu beschallen, für nicht gelungen. Es ist wie mit den Streiks von Busfahrern. Es trifft die Falschen - nämlich die, die diesen schrillen Tönen im Stadion ausgesetzt sind (ich empfand es im Fernsehen schon als Zumutung) - und es juckt die Verantwortlichen kein bisschen. Es ist auch nicht pfiffig oder ausgefallen. Es macht eher aggressiv. Ich habe leider aber auch kein Konzept, wie und mit welchen (friedlichen) Aktionen man die Verbände stärker unter Druck setzen kann. 
In dem Fall bin ich aber dann doch eher für den schweigenden Protest, der ist deutlicher, wenngleich sich das auch mittlerweile abgenutzt hat und ich auch weiß, dass es blöd ist, wenn die Gästefans nicht mitmachen und das Schweigen in diesem Fall noch ausgenutzt hätten. 
Was das angeht, bin ich im Moment also eher ratlos. Was die nächste Partie angeht, da bin ich zum ersten Mal seit Jahren wieder leicht optimistisch. Ich weiß, es ist Wolfsburg, es ist das für Borussen irgendwie mit einem Siegausschluss-Fluch belegte VW-Werksstadion. Dennoch. Heckings Elf hat schon die Pillen geschlagen, Schalke und Frankfurt. Warum sollte nicht auch endlich dort mal der Knoten platzen? Ich freue mich seit langem mal wieder auf die Partie. Und hoffe inständig, dass ich das nachher nicht wieder bereue.

Bundesliga 2018/19, 5. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 3:1 (Tore für Borussia: 1:0 Plea, 2:0 Hazard, 3:1 Elvedi)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.