2018-09-22

Es war nicht alles schlecht

So wenig wie in den Spielen vorher alles gut war, war heute alles schlecht. Das ist mir wichtig voranzuschicken, wenn ich sage, dass ich die Niederlage heute nicht so schwer nehme. Sie ist ärgerlich, klar, und sie hätte nicht sein müssen. Doch Hertha hat sich den Sieg ohne Frage verdient, und wenn ich einem anderen Trainer einen Sieg gönne, dann ist es der sympathische und in der Analyse stets faire Pal Dardai, dessen Taktiken gegen uns in den vergangenen Jahren ja zudem erfreulicherweise oft nicht so gut aufgingen.

Klar ist: Gladbach hat heute einfach zu viele Fehler gemacht, um in Berlin etwas mitnehmen zu können. Zu schwach im Zweikampf, fahrig und fehlerhaft im Spielaufbau, zu oft ungeordnet in der Abwehr. Das muss man so sehen. Und es gab außer Yann Sommer kaum einen, der in der Mannschaft positiv herausgeragt hätte - Herrmann und Plea vielleicht, bei allen anderen wechselte viel Schatten mit eher weniger Licht. Das passiert, sollte aber nicht zur Regel werden. 
Leider hat auch der Schiedsrichter das Spiel mehr mitbestimmt als richtig war - was ich später erkläre, was ich aber auch nicht als Grund für die Niederlage anführen will.
Und doch war es für mich unter dem Strich keine Leistung, nach der man den Stab über die Mannschaft brechen muss. Genausowenig ist es so, dass man jetzt Angst vor dem nächsten Spiel haben müsste, selbst wenn mit Frankfurt ein ähnlich unangenehmer Gegner kommt wie es die "alte Dame" heute (ungewohnterweise) war. 

Der Gegner hat uns heute vor Augen geführt, wo die Schwächen von Strobl und Co liegen. Das war auch schon gegen Leverkusen, Augsburg und Schalke zu sehen (ich schrieb darüber), nur ging es da glimpflicher aus als heute. Was heute schief ging, lässt sich relativ leicht abstellen, wenn man die Gegentore gut analysiert und vor allem die Szenen davor mit den unnötigen Ballverlusten sowie den Fehlern in der Rückwärtsbewegung und in den Zweikämpfen, die zu den Hertha-Toren führten.

Doch der Reihe nach. Die Mannschaft von Pal Dardai hat heute viel richtig gemacht. Sie hat die Räume geschickt eng gemacht und mit dem schnellen Spiel nach vorne über die Außen ein gutes Mittel gefunden, Borussia in Schwierigkeiten zu bringen. Das lag natürlich auch daran, dass Nico Elvedi auf rechts heute nicht seinen besten Tag hatte und aus meiner Sicht am Ende nicht mehr fit war. Nach einem unglücklichen Ausfallschritt in der zweiten Halbzeit gegen Kalou schien er nicht mehr voll sprinten zu können, was sich beim vorentscheidenden 2:4 im Sprintduell entscheidend auswirkte. Man kann monieren, dass Hecking ihn nicht früher ausgewechselt hat, aber andererseits wäre dies relativ früh der letzte mögliche Wechsel gewesen. Elvedi war auch nicht der einzige, der hinter seinen Möglichkeiten blieb, er ist also auch nicht als Sündenbock für dieses Spiel geeignet.
Die Probleme auf der rechten Abwehrseite waren auch nicht der Hauptgrund für die Niederlage. Dies lag vor allem daran, dass die Berliner die Zweikämpfe über die 90 Minuten deutlich besser geführt und so die meisten auch gewonnen hatten, logischerweise dann auch die für das Spiel entscheidenden. 

Der VfL kam nur in der letzten halben Stunde und nach vielen personellen Umstellungen besser in die Zweikämpfe und dann auch flüssiger ins eigene Kombinationsspiel. So sprangen auch ein paar ganz gute Chancen heraus, die sogar mit Glück noch für einen Punkt hätten reichen können. Das zweite Tor etwa fiel so, nach Herrmanns feiner Flanke und dem bildschönen Kopfballtor von Alassane Plea - ich betone das so, weil es für uns Gladbach-Fans in den vergangenen Jahren ein so seltener Anblick war, wie sich ein Stürmer in die Höhe schraubt und derart gekonnt vollendet.

Aber zurück zum Thema: Das Mittelfeld war heute nicht in der Lage den blau-weißen Gegenübern ihren Willen und ihr Spiel aufzuzwingen, weil die Gegner geschickter und zwingender agierten. Das war anders als in den bisherigen Spielen. Da waren Hofmann und seine Nebenleute viel zwingender und enger an den Gegnern und sie fanden ihre Räume - nicht über die gesamte Spielzeit, aber doch öfter und länger als der Gegner. Was heute positiv zu Buche schlägt, ist, dass die Mannschaft nicht aufsteckt. Sie kämpfte sich nach den Rückständen zurück ins Spiel, sie versuchte ihre Spielphilosophie auch weiter durchzubringen, wenn es auch nicht gereicht hat. 

Kein Grund also, den Rückschlag zu dramatisieren. Ein Erfolg heute hätte vielleicht sogar eine gefährlichere Wirkung gehabt, weil er erneut vorhandende Schwächen ein wenig übertüncht hätte. Es ist gleichwohl ein deutlicher Warnschuss, dass man nie auch nur einen Deut nachlassen darf. Sonst wird aus einem guten Start in die Saison schnell eine unsanfte Landung. Nach Frankfurt folgen vor der nächsten Länderspielpause schließlich die Spiele in Wolfsburg und gegen München. Ratzfatz steht man da auch mal ohne Punkte da, wenn man nicht aufpasst. Ich habe aber ein gutes Gefühl, dass Mannschaft und Trainerstab darauf gut reagieren können.

Was wohl nicht über Nacht abzustellen sein wird, sind die Schwächen bei Standardsituationen in der Defensive. Hertha ist zwar mit Ibisevic immer gefährlich, hat aber ansonsten eigentlich keine besonders herausragenden Spezialisten für die Verwertung von Ecken und Freistößen. Dennoch brannte es heute immer wieder lichterloh im Strafraum, wenn ein Ball in die Mitte geflankt wurde. Ohne Yann Sommer wäre es noch bitterer geworden. Gerade Strobl, Ginter, Jantschke und Elvedi strahlen mir da noch zu wenig Präsenz und Kompromisslosigkeit aus. Im übrigen ist auch das eine Beobachtung, die man schon bei den ersten Spielen machen konnte.

Hier besteht schnell Handlungsbedarf, und es ist insofern für mich etwas überraschend, weil ich vor allem die Aufstellung von Strobl auch so interpretiere, dass Hecking gerade für den Defensivkopfball einen zusätzlichen starken und großen Spieler auf dem Platz haben will. Das klappte heute gar nicht, was auch daran lag, dass die Herthaner Strobl sehr effektiv bearbeiteten und er auch dadurch häufig überfordert wirkte. Am offensichtlichsten war das vor dem 1:3 zu sehen, wo er auf außen Kalou mit einem taktischen Foul stoppen wollte und musste, ihm aber selbst das Foul an der Außenlinie misslang.

Zum Schluss noch die angekündigte Schiedsrichterschelte. Nach zwei in dieser Hinsicht ereignislosen Spielen schlägt das Pendel nun bereits zum zweiten Mal deutlich gegen den VfL aus. Schön war zwar, dass Markus Schmidt den berechtigten Elfmeter auch ohne Videoassistenz aus Köln erkannt hatte. Wie gegen Schalke hätte es aber zwingend einen frühen Platzverweis gegen den Gegner geben müssen. Niklas Stark war bei seinem Foul an Johnson der letzte Mann und verhinderte eine klare Torchance. Somit wäre statt Gelb die einzig richtige Entscheidung die rote Karte gewesen und somit eine Stunde Überzahl für Borussia. Eine Szene übrigens, bei dem der VAR hätte eingreifen dürfen. 
Doch das war nicht das einzige Problem. Zwei äußerst schwache, weil völlig falsche Abseitsentscheidungen des Assistenten gegen Ibisevic (1. Halbzeit, als Sommer parierte) und Hazard in der zweiten Hälfte (wo er allein aufs Tor gelaufen wäre) heben sich zwar quasi gegenseitig auf. 
Allerdings ging dem Kopfballtor zum Ausgleich von Ibisevic ein deutlich sichtbares Foul an Jantschke voraus, den Grujic im Gladbacher Strafraum in Ballnähe mit beiden Händen zu Fall brachte. Und nur wenig später, im Spielzug zum 1:2, ahndete Schmidt bei Borussias Ballverlust am gegnerischen Strafraum ein klares Foul gegen Hofmann nicht. Zu der unglücklichen Leistung passte, dass es auch am Schiri lag, dass es überhaupt zu der Szene kam, in der Patrick Herrmann Grujic mit seiner Grätsche unabsichtlich verletzte. Auch da war wenige Sekunden vorher ein Gladbacher im Mittelfeld deutlich gefoult worden, aber Schmidt ließ weiterlaufen. Die Bemessung der Nachspielzeit war ebenfalls viel zu knapp. Von der Ankündigung vor der Saison, dass konsequent nachgespielt würde, ist bei den Spielen des VfL bislang nichts zu merken. Auch seltsam.

Man hat natürlich keinen Einfluss darauf, ob der Schiri einen schlechten Tag hat. Man kann aber die eigene Leistung beeinflussen. Darauf kommt es in den wenigen Tagen bis zum Spiel am Mittwoch gegen Frankfurt an. Und ich bin zuversichtlich, dass wir da wieder einen anderen VfL zu Gesicht bekommen als heute. Denn es war längst nicht alles schlecht.

Bundesliga 2018/19, 4. Spieltag: Hertha BSC - Borussia Mönchengladbach 4:2 (Tore für Borussia: 0:1 Hazard FEM, 3:2 Plea)

Kommentare:

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