2018-11-05

Fürs erste gut erholt

Wieder Zweiter, wieder vor den Bayern. Das ist ein Spieltagsabschluss, wie man ihn sich nur wünschen kann. Bravo, Borussia! Berufsbedingt konnte ich das Spiel heute nicht so aufmerksam verfolgen wie sonst. Das macht aber nichts, denn es gibt heute nicht so viele Worte zu machen, Anlass für Kritik besteht nur in Kleinigkeiten. Der Sieg war auch in der Höhe verdient, hätte auch noch höher ausfallen können und dürfen. 

Aber: Damit Borussia auf die Siegerstraße kam, brauchte es erst einen Elfmeter, den ich nie und nimmer gepfiffen hätte. Da der VfL ja auch schon oft Leidtragender von solchen Entscheidungen war, will ich mich darüber nicht beklagen. Aber ich verstehe den Ärger der Gäste vollkommen, vor allem, weil es der Führungstreffer war, dem sich die Fortunen  zuvor tapfer (und nicht so unfair, wie ich befürchtet hatte), entgegen gestellt hatten. 

Mein Problem mit dieser Art Elfmeter ist die fehlende Einheitlichkeit bei der Beurteilung solcher Szenen. Vergrößerung der Körperfläche? Ja, minimal. Sähe das jeder Schiri so? Ich glaube nicht. Andererseits versucht der Spieler ja gerade, den Arm - bewegungsuntypisch - hinter den Körper zu bekommen. Und der Ball wird ihm aus einem Meter an den Arm geschossen. Es gibt also viel, was dagegen oder auch dafür sprechen könnte. Und das ist das Problem. Denn letztlich hängt die endgültige Entscheidung für oder gegen den Elfmeter daran, ob der Schiedsrichter in dieser Szene pfeift oder ob er weiterlaufen lässt, und somit dem Kölner Keller die Überprüfung überlässt. 
Das Ergebnis ist grundsätzlich verschieden. Denn: Es soll ja nur bei klaren Fehlentscheidungen aus Köln korrigiert werden. Das war bei Brychs Pfiff nicht der Fall, denn man KANN den Elfer geben. Hätte er es nicht so gesehen oder wäre sich nicht sicher gewesen, wäre das Veto aus Köln aber ebenfalls zwingend ausgeblieben. Denn man MUSS den Elfer ja nicht pfeifen. Das bedeutet: Es ist eine genauso willkürliche Entscheidung wie vor der Einführung des VAR, als Schiris noch keine Möglichkeit zur Korrektur einer einmal getroffenen Entscheidung hatten. 
Ich weiß zwar nicht, wie man das ehrlicher und gerechter lösen soll. Aber es wird immer deutlicher, dass der VAR bei knappen Ermessensentscheidungen wie Handspiel keinen Nutzen bringt, sondern eher für mehr Verdruss sorgt.

Aber zurück zum Spiel. Es war eine aus meiner Sicht sehr konzentrierte Leistung aller Spieler. Der Defensivabteilung gebührt dabei das Lob, die nicht ungefährlichen Angreifer des Gegners relativ sicher im Griff gehabt zu haben. Düsseldorf kam nur ganz selten in wirklich gute Abschlusspositionen. Das war eine Verbesserung zu den vergangenen beiden Spielen, allerdings auch gegen einen deutlich schwächeren Gegner.

Schade war heute, dass Florian Neuhaus gegen die alten Kollegen heute sein erneut hervorragendes Spiel nicht mit einem Tor krönen konnte. Verdient hätte er es gehabt, aber er stellte sich dabei, obwohl mehrfach hervorragend freigespielt, heute etwas ungeschickt an. Dafür hatte Thorgan Hazard einen herausragenden Tag erwischt. So viele Läufe in die Tiefe, so viele Spielankurbelungen und Torabschlüsse wie heute hat der Belgier zwar häufiger. Aber heute nutzte er seine Chancen endlich wieder besser. Schade, dass ihm das am Mittwoch so gar nicht gelungen war. In dieser Form ist Hazard auf jeden Fall wieder etwas für die Notizbücher der großen Clubs, das ist die Kehrseite der Medaille.

Welchen Mehrwert Alassane Plea für Borussias Angriff (und die Verteidigung) bietet, sollte inzwischen jeder verstanden haben, nicht zuletzt, nachdem er zuletzt eineinhalb Halbzeiten schmerzlich vermisst wurde. Auch heute brachte er nicht nur seine Physis und hervorragende Ballbehauptung ein, sondern auch Torgefahr außerhalb des Strafraums, auf die sich Borussias Gegner jahrelang nicht einstellen mussten, weil vernünftige Schüsse von außerhalb nahezu nicht vorkamen. Überdeutlich wurde sein Wert aber auch in dre Szene zum 3:0, als Plea durch geschicktes Kreuzen seinen Gegenspieler mit aus dem Zentrum zog und Thorgan Hazard so im Sturmzentrum den direkten Weg zum Tor öffnete. Es sind solche Kleinigkeiten, die auch in engen Spielen und auf höherem Niveau als heute den Unterschied machen können. Und deshalb bin ich so unendlich froh, dass uns dieser Stürmer zur Verfügung steht. 
Das gilt nicht zuletzt auch, weil Raffael heute an dem schnellen Passkreisel, den Hazard, Hofmann, Neuhaus und Plea mitunter aufziehen, nicht immer so ganz teilnahm - weil er selbst den Ball gern länger am Fuß in die gewünschte Position trägt. Bis uns der Maestro wieder in alter (Kombinations-)Stärke zur Verfügung steht, dauert es wohl noch ein bisschen. Das war zumindest heute mein Eindruck.

Natürlich hatte Düsseldorf bis zum Rückstand auch einige gute Angriffe, die die Defensive um den umsichtigen Tobi Strobl heute gemeinsam mit Yann Sommer aber ganz gut beherrschen konnte. Auffällig war allerdings, wie schon in den Spielen zuvor, dass fast alle Angriffe der Gegner über Oscar Wendts Abwehrseite laufen - offenbar gezielt. Denn dort sieht der Routinier gegen schnelle Spieler wie Lukebakio oder Bellarabi leider manchmal ganz schon alt und langsam aus. Wo er gegen die Bayern noch sehr aufmerksam, bissig und nah dran an den Gegnern war, fehlte ihm zuletzt doch einiges zu dieser Topform. Es scheint, als ob die Worte von Dieter Hecking, dass sein Konkurrent Andreas Poulsen im Training noch oft mit großen Augen zuschaue, bei Oscar einen schlechten Widerhall gefunden haben. 
Wie früher auch schon mal, scheint er immer dann fahrig zu werden, wenn ihm keiner im Nacken sitzt.

Das ist etwas, was sich die Mannschaft aber nicht leisten kann, wenn sie wirklich in den Sphären bleiben will, in denen sie derzeit unterwegs ist.
Denn Platz 2 nach 10 Spieltagen sagt zwar für die Saison noch nichts aus. Es ist dennoch ein beeindruckender Zwischenstand, zumal endlich mal wieder auch die Zahl der geschossenen Tore zu einem breiten Grinsen einlädt: Borussia ist auch da zweitbester hinter Dortmund. Das kann sich sehen lassen. Und es lässt mich der nächsten Aufgabe etwas gelassener entgegensehen. Natürlich kann man auch in Bremen verlieren. Aber sofern sich keiner verletzt, sollte die Mannschaft in der Lage sein, an der Weser zu bestehen.


Bundesliga 2018/19, 10. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Fortuna Düsseldorf 3:0 (Tore für Borussia: 1:0 Hazard HEM, 2:0 Hofmann, 3:0 Hazard)

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