2019-02-09

Ein Schock mit Folgen

Das es irgendwann so weit sein würde, war klar. Nun ist der Borussia Park nach langer Zeit mal wieder gestürmt worden. Eine (für das Abschneiden in der Liga allerdings völlig unwichtige) Rekordjagd nach Heimsiegen ist damit beendet. Schade drum.
Das "Wie" war nicht schön. Bei allen drei Gegentoren wurde so schwach verteidigt wie seit langem nicht mehr. Und das Spielglück, das in den vergangenen Wochen doch häufiger mit Borussia im Bunde war als mit dem Gegner, war heute in den entscheidenden Duellen, etwa vor den Toren, auf der Gästeseite zuhause.

All das kann man sich nicht aussuchen. Aber es gibt weit größere Katastrophen, zumal sich trotz der Niederlage die Gesamtsituation nicht dramatisch verändert hat. 
Und ja, wenn schon, dann gönne ich es Pal Dardai mehr als anderen, gegen uns zu gewinnen. Weil er in seiner Analyse auch in der Niederlage stets fair bleibt und nicht, wie unsere anderen Gegner zuletzt, die Schuld bei anderen sucht.
Das am Ende deutlich verlorene Spiel ist eine vielleicht gar nicht so unwillkommene Warnung, vor allem nach dem unsäglichen Gladbach-ist Meisterschaftkandidat-Hype diese Woche in den Medien. Klar ist: Eine Leistung wie heute reicht für gehobene Ansprüche - etwa auf einen europäischen Startplatz - einfach nicht aus. Der Sieg der Hertha war hochverdient, wenn er auch (durch das Tor aus dem Nichts) eher glücklich aufs Gleis gehievt wurde.

Zwanzig spielerisch sehr ansehnliche Minuten zu Beginn des Spiels ließen jedenfalls nicht darauf schließen, dass Hertha heute Stiche bekommen würde. Gladbach kombinierte sicher, bestimmte Tempo und Spiel, hatte gute Chancen, die zu eigensinnig vergeben wurden. 
Doch der frühe Tritt von Grujic auf den Knöchel von Jonas Hofmann änderte das - mit etwas Verzögerung. Hofmann, bis dahin Pulsgeber und Herz des Gladbacher Spiels, musste nach einer guten halben Stunde raus. Das war bitter, weil er in der Anfangsphase defensiv viele Bälle abgelaufen und vorne immer wieder intelligente Pässe in die offenen Räume zwischen dem Berliner Mittelfeld und der Abwehr gespielt hatte. Dies brachten die Hertha enorm ins Schwimmen. Seinen Kollegen wollten solche gefahrbringenden Pässe im Anschluss jedenfalls nicht mehr gelingen. 
Das Pendel neigte sich ab da zugunsten der Gäste. Das lag sicher auch daran, dass Dardai reagiert hatte und sein Team deutlich besser verteidigte als zu Beginn - und dies mit allen Mitteln (was der wenig konsequente Schiedsrichter Petersen leider nicht immer mitbekam).  

Aber noch mehr hatte der Umschwung im Spiel damit zu tun, dass die Heimmannschaft erst von dem von Kalou hervorragend herausgedribbelten 0:1 und dann von Hofmanns Aus wie gelähmt wirkte. Bis zur Halbzeit ging im Anschluss nichts mehr, selbst dem sonst so chirurgisch genau verteidigenden Nico Elvedi unterliefen leichte Fehler. 
Der neu aufs Feld geschickte Mickael Cuisance war allerdings die traurige Gestalt, die das Aus-der-Hand-gleiten des Spiels quasi "in persona" darstellte. Sichtlich gehemmt ging er ins Spiel, spielte erst nur vorsichtige Quer- und Rückpässe und versemmelte dann gleich die erste Aktion, in der er kreativ werden wollte, kläglich - einen überrissenen Pass in den Strafraum. Es blieb nicht das letzte Missverständnis. Später kam noch der fahrlässige Ballverlust am gegnerischen Strafraum dazu, der zum 0:2 führte. Von dem frechen mutigen jungen Kerl, der uns schon so viel Spaß gemacht hat, ist derzeit nicht viel übrig. Schade für ihn, schade für uns. Aber auch das kann passieren. 
Auch über die "Leistung" von Alassane Plea deckt man besser heute den Mantel des Schweigens. Unerklärlich, wie fehlerhaft und verunsichert der Stürmer im Moment agiert. Hoffentlich fangen sich unsere beiden Franzosen schnell wieder.

Doch damit nicht genug. Denn die Berliner verstanden es wie schon im Hinspiel, eine der Stärken Borussias heute zu einer Achillesferse zu machen: die Mittelfeldzentrale und die Rückwärtsbewegung im Defensivverbund. Dort sah Tobi Strobl auch heute mehrfach schlecht aus. Immer wieder wurde der Sechser überspielt, Strobl musste hinter Mann und Ball herlaufen, dazu kamen Stellungsfehler (Kopfballchance von Hertha zu Beginn) und vor allem beim 0:2 ein ganz schwaches Verteidigungsverhalten. Erst joggte er nach Cuisance' Ballverlust nur zurück. Erst als er erkannte, dass Ginter Selke nicht halten konnte, setzte er zum Sprint an, verlor dabei aber Duda aus dem Auge, der sich in seinem Rücken frei lief und unbedrängt einschießen konnte. 
Auch Matthias Ginter und Michael Lang hatten keinen guten Tag erwischt, nicht nur vor dem 0:2. Auch das muss man Spielern mal zubilligen, es sind schließlich Menschen. Wenn aber am Ende nur Sommer und mit  Abstrichen Elvedi, Stindl und Hazard Normalform bescheinigt werden kann, dann ist das zu wenig für einen Erfolg - selbst gegen einen Gegner, der noch 120 Minuten gegen die Bayern vom Mittwochabend in den Knochen hatte.

So bleibt positiv nur festzuhalten, dass wenigstens das Gladbacher Publikum auf der Höhe war, zumindest in der zweiten Halbzeit. In der Schockphase in Hälfte eins hätte ich mir zwar mehr und lautere Unterstützung der Fans gewünscht. Doch die Reaktion auf den Knockout zum 0:3 war ganz groß. Denn die Mannschaft von Dieter Hecking hat es sich wirklich verdient, dass man ihr die Wertschätzung über das bisher Geleistete gerade in einem solchen Moment vor Augen führt. Und dass sie an diesem Tag dennoch alles versucht hat, kann man ihr durchaus abnehmen. Dicker Daumen hoch für die "Die Seele brennt" und die "Elf vom Niederrhein" von den Rängen und die großartige Unterstützung in dieser Phase! 
Und sonst: Spiel abhaken, draus lernen - weiter geht's!
  


Bundesliga 2018/19, 21. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC 0:3

Kommentare:

  1. Jo, passender Kommentar zu einem Spiel, wo nach 25 Min. nicht mehr viel passte. Schade eigentlich. Bis dahin zerlegte die Borussia die gegnerische Abwehr, bis man sich dann im 16er selbst verlegt, zerlegt und querlegt. Wenn da der Ball reingefallen wäre, hätte man über so viel Umständlichkeit hinweg gesehen und auch den Hochkaräter von Berlin in der Anfangsphase abgewunken. So bleibt die Frage, warum die Mannschaft vom feinem Passspiel so schnell auf die sinnlosen Flanken umstellt, die fast ausnahmslos von den Berlinern weg geköpft wurden?? Auch eine HZ-Pause konnte daran nichts ändern. Der Ausfall von Hofmann schlimm, aber da müßte mehr kommen vom Rest der Mannschaft; heute zu viele Ausfälle - kleine Trotzreaktion wäre schön gewesen. Schlimm der Skyreporter, der gefühlt ewig auf der gelben Karte beim Hofmann-Foul rumgeritten hat, dass der SR sich unter Zugzwang setzt und so schlimm sei es ja nicht gewesen... Lindemann emotionslose Analyse im Fußballnirvana. Da befinden sich jetzt auch die Punkte - die kann er nun statistisch sauber analysieren. Für uns sind sie weg. Mist, aber kein Beinbruch.
    Und geht das Spiel auch mal verloren... dann fahren wir zum Auswärtsspiel und machen Einen drauf !!!

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  2. Schade, aber ich hatte es irgendwie erwartet - wie meistens, wenn ich zur Abwechslung mal ein "gutes" Gefühl habe. Aber nun heißt es aufstehen, Mund abputzen, weiter von Spiel zu Spiel denken - alle sind jetzt hoffentlich wieder wach und - um das gute, alte Mantra wieder einmal herauszukramen - wissen wieder, "wo wir herkommen". Von daher ist diese Niederlage zwar ärgerlich, aber die Enttäuschung hält sich irgendwie auch in Grenzen. Gruß, Fohlen

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