2019-03-09

Auf dem Weg zurück in die Spur

Wer die Spieler mit der Raute auf der Brust nach Schlusspfiff heute beobachtet hat, weiß, wie wichtig das hart erkämpfte 1:0 in Mainz war - klar, auch für uns Fans, vor allem aber für die in der Woche hart kritisierten Profis. Die halbe Mannschaft riss beim Abpfiff jubelnd die Arme in die Höhe, als hätte sie die nächste Runde im Europapokal erreicht. Und die erleichterten Gesichter sprachen Bände.

Nicht ohne Grund, denn dieser Sieg tat nach den schlimmen Erlebnissen der Vorwochen nicht nur sehr gut. Er kam zum absolut notwendigen Zeitpunkt. Denn wie es in den Köpfen der Borussen arbeitete, war in der ersten Halbzeit überdeutlich zu sehen. 

Ein entschlossener Beginn mit der wieder einmal verpassten Mega-Chance, in Führung zu gehen, das zeigte nach und nach Wirkung. Zwar lief der Ball in der guten Anfangsphase ganz gefällig, aber als sich die Mainzer in der Abwehrformation besser fanden und selbst aktiver wurden, legte das die Verunsicherung bei Gladbach schonungslos offen. Einige gruselige Fehlpässe, reihenweise ins Aus geschlagene Bälle von Yann Sommer, ein immer behäbiger werdender Spielaufbau und immer wieder unpräzise Zuspiele in die Spitze ließen den guten Eindruck aus den ersten Minuten verfliegen.

Das Glück der VfL war heute aber, dass auch der Gegner es nicht so mit dem Toreschießen hatte. Zwar räumte die Abwehr um den wieder in gewohnter Form auftretenden Nico Elvedi und Mr. Zuverlässig Tony Jantschke kompromisslos auf und ließ im Strafraum nahezu nichts zu. Den Mainzern boten sich dennoch immer wieder Schusschancen von der Strafraumgrenze, die sie aber dankenswerterweise weit am Tor vorbei sendeten bzw. so aufs Tor brachten, dass Yann Sommer (heute mal im Feldspieler-Trikot - Sachen gibt's!) dabei nicht ins Schwitzen geriet. Eine richtig anspruchsvolle Parade verlangten ihm die Mainzer heute jedenfalls nicht ab.

Das Manko des FSV galt auch für die Mannschaft von Dieter Hecking - trotz einiger sehr schön vorgetragener Angriffe. Aber da es Hofmann und Hazard dann doch einmal mit einer schnell ausgeführten Ecke gelang, die Mainzer Abwehr zu überrumpeln, reichte die unter dem Strich überschaubare Offensivleistung zum Sieg. Dass der Flankenball mit etwas Glück von Strobl zu Elvedi kam - geschenkt. Wichtig war, dass der Schweizer nicht erst darüber nachdachte, wie er denn jetzt aufs Tor schießen könnte, sondern dass er einfach schoss und traf. Das befreite die Spieler sichtbar von dem Ballast, den sie über weite Strecken des Spiels mit sich herumschleppten.

Es gab also noch viel Stückwerk auf dem Weg zurück in die richtige Spur. Das wundert nicht, nach der verheerenden Bilanz der letzten vier Spiele. Positiv ist, dass die Null hinten heute wieder stand, und das verdient, aufgrund einer geschlossenen und konzentrierten Defensivleistung der ganzen Mannschaft. 
Gut auch, dass einige Spieler sehr aufsteigende Tendenz zeigten. Rückkehrer Tobias Strobl überzeugte mit einer soliden Leistung, Elvedi war fast fehlerlos, vor allem mit bärenstarken Zweikämpfen. 
Denis Zakaria, der heute häufig über den rechten Flügel kam, hatte zwar Licht und Schatten in seinen Aktionen, er bewegte nach vorn aber unheimlich viel. Nicht zuletzt führte sein Sprint zum Eckball vor dem 1:0. 
Selbst Alassane Plea war um Längen verbessert. Er kam zwar noch nicht so recht zum Abschluss, leitete aber eine Reihe guter Angriffe ein, bei denen er endlich auch wieder eine gesunde Zweikampfhärte bewies. Dass er von seinen Gegenspielern einiges einstecken musste, sollte er als Beleg nehmen, dass er auf dem richtigen Weg ist, zurück zu alter Klasse. Wie das gesamte Team. 
Doch ob das reicht, gilt es gegen Freiburg erst noch zu bestätigen. Und es ist zu erwarten, dass die Streich-Elf noch mehr Kampf und Geschwindigkeit in die Waagschale zu werfen weiß als der heutige Gegner. Ob Borussia sich fürs erste aus dem Tief herausgekämpft hat, werden wir also erst nach diesem Spiel am Freitag wissen. Heute war nur der erste Schritt, um die jüngsten Negativerlebnisse abzuschütteln.   

Bundesliga 2018/19, 25. Spieltag: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 0:1 (Tor für Borussia: 0:1 Elvedi)

Kommentare:

  1. Endlich mal kein Gemecker über die Schiedsrichter … ;-)

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    1. Was soll das? Wenn es auf diesem Blog eins nicht gibt, dann ist es dumpfe Schiedsrichter-Schelte als Entschuldigung für Niederlagen. Sollte mir die Ironie des Kommentars entgangen sein, entschuldige ich mich. Gruß, Fohlen

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  2. Danke für die Verteidigung, Fohlen. Ich interpretiere den Zwinkersmiley als konstruktive Kritik. Und ich bin mir dessen auch bewusst. Wenn mich Schiedsrichterleistungen aufregen, muss ich es loswerden. Ich versuche aber immer, das auch einzuordnen. Schiris verlieren keine Spiele, sie tragen höchstens dazu bei. Und zuletzt war da (für mich) leider das eine oder andere zu viel, was mich gestört hat. Wen es stört, bitte einfach beim Lesen überspringen. ;-)

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