2020-01-16

Noch einmal von vorn

So, Borussia scheint bereit für die zweite Saisonhälfte - ich bin es auch. Die Ausgangslage ist klar - so klar wie im vergangenen Januar, als der VfL aus einer vergleichbar guten Position in die Rückrunde ging. 
Die Parallelen zur ersten Halbserie unter Marco Rose sind natürlich da. Und die Befürchtungen, dass am Ende ein ähnlicher Einbruch wie unter Dieter Hecking stehen könnte, kann wohl kein Gladbach-Fan so ganz von sich schieben. 
Aber ich finde, es ist jetzt auch genug darüber philosophiert worden. Der VfL hat es selbst in der Hand, sich am 34. Spieltag zu belohnen - mit einem Europa-Startplatz oder mehr. Die Mannschaft ist, das wissen wir inzwischen, noch besser besetzt als vergangene Saison, sie ist flexibler und schwerer auszurechnen. Das Selbstbewusstsein (auch nach außen) ist ein anderes und die Mannschaft ist um ein erfahrungsreiches Jahr weiter. Warum also sollte sie also diesmal die günstige Situation nicht besser für sich nutzen können?

Um Unzufriedenheit im recht großen Kader bei vergleichsweise wenigen Spielen gar nicht erst aufkommen zu lassen, hat der Verein im Winter aus meiner Sicht sehr umsichtig gehandelt. Die Leihen von Julio Villalba, Andreas Poulsen und Jordan Beyer sind sinnvoll und teils überfällig (wobei die Verletzungshistorie bei Villalba und die fehlende Alternative auf Poulsens Position vor Bensebainis Verpflichtung eine frühere Leihe sicher verhindert hat). Gut wäre es auch, wenn es bei Keanan Bennetts noch klappen würde. 
Als vorsichtiger Mensch bin ich dennoch leicht beunruhigt, weil die "falschen" Verletzungen sich nun durchaus zu einem Risiko im Kampf um die europäischen Plätze auswachsen könnten. Denn natürlich sind viele Spieler auf mehreren Positionen einsetzbar. Doch allein Bensebainis Ausfall zum Rückrundenbeginn zeigt, wie schnell das Makulatur sein kann. Plötzlich ist Wendt ohne gleichwertigen Backup, eine Option in der Innenverteidigung oder Dreierkette fällt damit ebenfalls weg. Johnson, der zudem in den vergangenen Jahren sehr verletzungsanfällig, mutiert so schon zum Backup für beide Außenpositionen, Tobi Strobl zum vierten Innenverteidiger oder dritten Rechtsverteidiger. Es kann also im ungünstigsten Fall schnell eng werden mit der Kaderherrlichkeit der Vorrunde. Aber meine Güte: Warum sollen wir nicht auch das nötige Glück haben, was das betrifft? Und warum sollte unser Pechvogel Doucouré nicht im richtigen Augenblick zur Verfügung stehen? Verdient hätte er es, und der Verein, der sich so gut um ihn gekümmert hat, auch.

Was zählt, ist ohnehin noch etwas anderes: Man muss sich jetzt davon lösen, was war. Klar, die Spieler wissen aus der Hinrunde, was sie können und wozu sie gemeinsam in der Lage sind. Doch das darf nicht ablenken. "Noch einmal ganz von vorn", das muss stattdessen das Motto sein. Genauso konzentriert in die restlichen 17 Spiele zu gehen wie zu Saisonbeginn, so als wären die 35 Punkte aus der Hinrunde noch nicht im Sack. Das ist leicht gesagt, aber es ähnelt der Erfolgsformel des "von Spiel zu Spiel denken" nicht von ungefähr. Ich hoffe, dass Thuram und Co. diesen Fokus behalten, sich nicht auseinanderdividieren und auch nicht von außen kirre machen lassen, egal ob man sie medial in den Himmel heben oder bei Niederlagen als nicht reif genug vorführen will.

Ich freue mich jedenfalls auf die Rückrunde und bin zugleich äußerst angespannt und nervös. Denn dieses Jahr ist erstmals seit Jahrzehnten etwas möglich, was man besser nicht aussprechen sollte. Es ist nicht wahrscheinlich, und das eigentliche Ziel, mit dem man am Ende von der Saison ebenfalls hochzufrieden sein kann, liegt einige Plätze darunter. Halten wir uns den Traum dennoch warm und hegen ihn, solange es geht. 
Und wer weiß: Wer hätte denn auch bei der Eroberung der Tabellenführung schon gedacht, dass wir sie dann so lange nicht mehr abgeben würden? Und dass wir auch jetzt noch näher dran sind als alle Teams, die viel größere Ambitionen haben als unser kleiner Verein vom Niederrhein. 
In diesem Sinne, haut rein, gebt alles für Borussia, auf und neben dem Platz, vor dem Fernseher oder dem (Fohlen-)Radio. Volle Kraft nach vorn, alle positive Energie gebündelt - dann wird es am 16. Mai auch einen Grund zu feiern geben.

Kommentare:

  1. Am 16. Mai 2020 wird es etwas zu feiern geben... - ... "und wir sind dabei"

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