Steckengeblieben

Was fängt man mit einem solchen 0:0 an? Sind es zwei verlorene Punkte, weil ein Sieg uns an diesem Spieltag auf Platz drei hätten vorrauschen lassen? Ein Dämpfer zur richtigen Zeit, der wieder einmal zeigt, dass man im Kopf niemals nie auch nur eine Winzigkeit abschalten darf, auch wenn es gegen die vermeintlich leichteren Gegner in der Bundesliga geht?
Ich entscheide mich dafür, den Punkt als gewonnen zu verbuchen. Sicher wäre ein Sieg gegen den Bundesliga-Neuling FC Ingolstadt nach der Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit und angesichts einiger erstklassiger Torgelegenheiten verdient gewesen. Aber dass nach sechs Siegen am Stück gegen einen unangenehmen Gegner der Angriffswirbel auch mal steckenbleibt - das muss man manchmal einfach hinnehmen. Doch passiert ist nichts Schlimmes. Noch immer ist der VfL unter Schubert in der Bundesliga unbesiegt, wir sind in der Tabellenregion, wo wir hin wollten und dieses nervende Gequatsche von Interimstrainer-Rekorden hat auch endlich ein Ende.

Klar, solchen Fußball, wie ihn die Schanzer heute vorgeführt haben, braucht in der Bundesliga kein Mensch. Aber werden wir uns deshalb auf das Niveau des FC Bayern herunter begeben, die sich eine Überübermannschaft zusammenbasteln und sich dann darüber beklagen, dass die Gegner angesichts dieser Spielklasse sich lieber gleich am eigenen Strafraum eingraben? Nein, das sollten wir nicht tun.
Was die Ingolstädter heute im Borussia Park gezeigt haben, war in den Zweikämpfen oft eklig, in der provozierenden Art sehr ärgerlich, nerv- und zeitraubend - und schöner Fußball war es schon gar nicht. Aber es ist auch nicht verboten, seine Punkte für den Klassenerhalt auf diese Weise zu sammeln. Und auch wenn die Liga wieder einmal einen Schiedsrichter geschickt hatte, der mit einem solchen Spiel sichtbar nicht umgehen konnte: Raffael, Johnson und Hazard hatten es mit ihren Top-Chancen in der Hand, diesen Auftritt der Gäste aus eigener Kraft zu "bestrafen".

Dass Granit Xhaka das Spiel nicht regulär beenden würde, wurde schon in der Anfangsphase klar, als er sich in verbale Scharmützel mit dem Ingolstädter Morales einließ. In solchen Spielen wäre es schön, wenn ein Schiedsrichter unseren Kapitän auch mal gegen die durchaus auch von außen erkennbaren Provokationen der Gegner schützen würde. Doch der in den vergangenen Jahren erworbene Ruf eilt dem Schweizer zu seinem großen Nachteil voraus. Allerdings muss man auch kritisch anmerken, dass die Gelb-Rote Karte insgesamt in Ordnung ging. Sowohl beim Reklamieren in der ersten Hälfte als auch im Zweikampf, der zum Platzverweis führte, hätte er sich geschickter anstellen müssen. Schade ist das, weil er sich in dieser Beziehung zuletzt deutlich reifer gezeigt hatte. Seit er die Kapitänsbinde trägt, bekam er in sechs Spielen nur zwei Verwarnungen (das heutige Spiel nicht mitgerechnet). Nun muss er schon das zweite Mal in dieser Saison gesperrt aussetzen.

Zwei weitere Lichtblicke hatte das Spiel für mich neben Schuberts aufrechterhaltenem Unbesiegt-Nimbus aber auch noch. Zum einen Nico Elvedis Bundesliga-Debüt, zum anderen der Auftritt seines Schweizer Landsmanns Josip Drmic. Ich weiß, es klingt ein wenig wie gesundbeten, aber auch wenn auch diesmal vieles Stückwerk blieb, zeigte er wieder ein bisschen mehr Präsenz im Sturm und bereitete Johnsons Chance mit einer feinen Einzelleistung vor. An dieser Szene sieht man, das ist kein hölzerner Stoßstürmer, der nur den Ball über die Linie stolpern kann, sondern ein technisch beschlagener Angreifer, der sich auf engstem Raum behaupten kann. Ich sage Euch: Das wird noch was.

Bundesliga 2015/16, 12. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - FC Ingolstadt 0:0 (7.11.15)

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