Aus dem Gröbsten noch nicht raus

Wieder einmal ein gebrauchter Tag in Mainz. Man muss sich ärgern, dass ein Spiel trotz solch großer Chancen am Ende mit 0:1 verloren geht, aber das war in der Hinrunde gegen Mainz auch schon so. Aber es ist (noch) kein Beinbruch, weil die Leistung zumindest über 60 Minuten recht gut war. Auch defensiv - wobei die Mainzer die Abwehr der Borussia auch nicht oft vor Probleme stellen konnten.

Einmal allerdings mit Folgen, und das war erneut ein dummes Gegentor, wieder eingeleitet durch einen überflüssigen Ballverlust von Ibo Traoré, der wie Fabian Johnson einen schwachen Tag erwischt hatte. Vier Gladbacher begleiteten Jairo in der Folge durchs Mittelfeld, ohne ihn (notfalls mit einem Foul) vom Ball zu trennen, und dafür war dann keiner mehr nah genug bei Clemens, der mutterseelenallein vor dem Strafraum das 1:0 erzielte: Das Toreschießen gegen Borussia ist im Moment einfach zu leicht.
Der VfL ist nicht in der Krise, aber es ist noch viel zu tun. Das hat auch das zweite Rückrundenspiel gezeigt. Zumindest stand das Team deutlich stabiler als gegen Dortmund - Mainz war aber auch ein viel schwächerer Gegner. "Strafmildernd" muss man berücksichtigen, dass in Xhaka und Dahoud das Herzstück des Spiels fehlte und damit der gesamte Spielaufbau lahmte. Nordtveit ist ein tapferer Kämpfer, aber er war nicht ansatzweise in der Lage, diese Rolle zu übernehmen. Das wiederum muss zu Sorgenfalten führen, denn für den Ausfall von Xhaka und Dahoud ist Borussia personell nicht gewappnet. Weder Stindl noch Raffael noch Johnson können die defensive Zentrale dicht machen, Marvin Schulz und Nico Elvedi fehlt wohl auch noch etwas, sonst hätte Schubert sie sicher gebracht.

Nach der Schwächephase Mitte der ersten Halbzeit lief es insgesamt aber hinten recht gut, zumindest im Vergleich mit den vorherigen Spielen. Martin Hinteregger machte einen recht passablen Eindruck, mit einigen gelungenen Bällen nach vorne und robusten Zweikämpfen hinten. Allerdings merkt man schon, dass er sich noch an das Tempo der Bundesliga gewöhnen muss. Manchmal lässt er sich am Ball noch zu viel Zeit, das kann zu gefährlichen Ballverlusten führen. Dass er beim Gegentor zu weit weg war, will ich ihm nicht ankreiden. Da war der größere Fehler, dass der Vorlagengeber nicht gestoppt werden konnte.

Vorne ist immer etwas möglich, das war gegen Dortmund so und das war es am Freitag auch. Dass es Spiele gibt, in denen die glasklarsten Chancen vergeben werden, damit muss man leben. Das geht auch wieder andersherum. Festzuhalten ist allerdings, dass der VfL erneut (wie gegen Darmstadt und Ingolstadt) über weite Strecken von einem fußballerisch unterlegenen, aber giftigeren und lauffreudigeren Gegner erfolgreich an seinem gewohnten Spiel gehindert wurde. Auch darauf muss André Schubert eine Antwort finden, denn mittlerweile dürfte es sich in der Liga herumgesprochen haben, welches Rezept gegen Gladbachs Kombinationsfußball am besten wirkt.

Meine Warnung vom letzten Mal ist trotz der verbesserten Leistung in Mainz nach wie vor aktuell. Die beiden Niederlagen haben die Mannschaften hinter Borussia zum Glück nicht erheblich näher herankommen lassen, der Blick nach vorne ist derzeit eher nicht angebracht, aber auch da ist noch Kontakt zu Platz 4 vorhanden. Allerdings sind es auch "nur" 10 Punkte bis zum Relegationsplatz und 8 zu Platz 15. Dass Borussia ganz hinten reinrutschen könnte, wie Frankfurt in unserer "Rettungssaison"), will ich zwar nicht für möglich halten. Doch es zeigt, dass unter Umständen schon eine kleine Fortsetzung der Misserfolge in die zweite Tabellenhälfte führen kann.

Bundesliga 2015/16, 19. Spieltag: FSV Mainz - Borussia Mönchengladbach 1:0 (29.1.16)

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