Befreiend

5:1 gegen Werder Bremen: Das war ein sehenswerter Befreiungsschlag gegen den Negativtrend der vergangenen Wochen. Dass dieses Spiel hochverdient gewonnen wurde, ist keiner Rede wert. Wäre das Heimteam im Ausnutzen der Chancen ein wenig besser gewesen, hätten am Ende gut auch 8 oder 9 Tore auf der Habenseite stehen können. Das wäre dann aber dem Gegner auch nicht angemessen gewesen, der jedoch über weite Strecken der ersten Halbzeit durch Raffael, Stindl und Co. von einer Verlegenheit in die nächste gestürzt wurde. An diesen Szenen sieht man, dass der VfL an guten Tagen neben den Bayern und dem BVB über die spielerisch beste und kombinationssicherste Offensive der Liga verfügt. Viele Spielzüge an diesem Freitag waren schlicht Weltklasse.

Aber auch in diesem Spiel gibt es bei aller Freude mehrere "Aber" zu notieren. Die Gäste taten ihren Teil dafür, dass Gladbach glänzen konnte. Die Skripnik-Elf ließ sich von Borussias aggressivem Forechecking ziemlich leichtfertig überraschen und brauchte die Halbzeitpause, um das Spiel einigermaßen in den Griff zu bekommen. Die Bremer hatten ihre Taktik auch nicht danach ausgerichtet, wie es für den VfL am unangenehmsten wäre. Und wenn doch, scheiterten sie daran grnadios. Sie ließen sich herauslocken, anstatt das Spielfeld eng zu machen und den Fohlen auf den Füßen zu stehen, wie es Ingolstadt vorgemacht hatte.
Diesmal waren es eher die Borussen, die in den Zweikämpfen auf robust machten und auch die meisten zweiten Bälle eroberten. Insofern hatten Schuberts Schützlinge auch Glück, dass in Schiedsrichter Stegemann ein Unparteiischer angesetzt war, der bemüht war, viel durchlaufen zu lassen.
Das größte "Aber" gilt der Phase nach der Pause. Selbst das 3:0 gab nicht genug Sicherheit, als dass das Spiel nicht noch hätte kippen können. Nach dem unbeabsichtigten, aber letztlich dummen Elfmeterfoul des ansonsten sehr stabil verteidigenden Martin Hinteregger verhinderte Elvedis letzter Einsatz vor der Linie bravourös das fast sichere 2:3, mit dem das Spiel - ähnlich wie im Pokal - unverdienterweise nochmals hätte kippen können. In dieser Phase waren die Borussen zu weit weg von ihren Gegnern, liefen hinterher, wurden nervös und spielten mit dem Feuer. Verständlich ist ein solches Konzentrationstief schon, wenn man betrachtet, mit welch beherztem Einsatz in der ersten Halbzeit gekämpft wurde. Gegen eine cleverere Mannschaft allerdings kann das trotz hoher Führung am Ende noch Punkte kosten.

Aus einer durchweg guten Mannschaft sollte man eigentlich niemanden herausheben. Bemerkenswert war dennoch das eine oder andere. Zum einen, wie sicher die Jungspunde Christensen, Elvedi und auch Hinteregger in der Abwehr die erfahrenen Stürmer Pizarro und Ujah abkochten. Zu sehen war auch, dass Nico Elvedi im Moment außen deutlich besser zurecht kommt als in der Abwehrmitte. Schon gegen Manchester und Bayern München zeigte er sich in den Zweikämpfen auf der rechten Abwehrseite und an der Außenlinie am stärksten, gegen Bremen ließ er auf dieser Seite kaum etwas zu. Auch im Spielaufbau war zu sehen, was die Jungs da hinten können. Schade, dass das verdiente "Zu-Null" durch einen eher unbeabsichtigten Fehltritt verhindert wurde.
Nach vorne glänzten eigentlich alle, Thorgan Hazard durfte ein bisschen Selbstvertrauen tanken, wollte aber sichtbar noch zu viel au einmal. Ohne den Dreh- und Angelpunkt Mo Dahoud aber wäre in dieser Saison vieles nicht denkbar gewesen - man erinnere sich an die eher biedere Vorstellung in Mainz ohne ihn. Der junge Mittelfeldmotor ist immer anspielbar, kann jeden noch so krumm zugespielten Ball binnen kürzester Zeit unter Kontrolle und zum nächsten Mitspieler bringen, er läuft oft am meisten, spielt traumhafte Pässe und ist selbst torgefährlich. Wer bei Borussia nach möglichen lohnenden Spielern scoutet, kann kaum übersehen, dass Dahoud im Vergleich mit Granit Xhaka das größere Talent ist. Ein Glück, dass wir am nächsten Sonntag in Hamburg wohl wieder beide gemeinsam auf dem Platz stehen haben werden.


Bundesliga 2015/16, 20. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 5:1 (5.2.16)
(Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:0 Christensen, 3:0 Christensen, 4:1 Raffael, 5:1 Nordtveit)

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