So, wie es sich gehört

Gewonnen, den Rivalen klar in die Schranken gewiesen, zu Null gespielt, kämpferisch wie spielerisch überzeugt: Es gibt am Verlauf des Derbys gegen Köln nicht viel zu bekritteln. Das war Borussia, wie wir sie sehen wollen. Und das Ergebnis war so, wie es sich für das rheinische Derby gehört. Die Punkte gehen an Borussia, die vor dem Spiel schon leise geäußerten Uefa-Cup-Träume des FC sind erstmal geplatzt.
Einziges Manko gestern war, das Spiel nicht früher entschieden zu haben. Denn dass die Gäste, in Halbzeit eins noch hoffnungslos unterlegen, in der zweiten Halbzeit stärker aufkamen und ihrerseits genug (Weit-)Schusschancen bekamen, um noch den Ausgleich zu machen, sollte einmal mehr Warnung sein, vorne die Chancen einfach effektiver auszuspielen. An der Gesamtleistung gibt es hingegen nichts auszusetzen. Das fängt beim starken Yann Sommer an, der mit guten Paraden einen Kater zum Derby verhinderte, ging weiter über die sehr konzentrierten Innenverteidiger Christensen und Nordtveit, die Modeste völlig aus dem Spiel nahmen und die lauffreudigen Außen Oscar Wendt und Nico Elvedi, der mit einigen tollen Vorstößen gefiel.
Xhaka und der glänzend aufgelegte Mo Dahoud harmonierten sehr gut, das Offensivquartett Johnson, Hazard, Rafael und Stindl war mit seinem Wechselspiel für die Kölner Defensive ein ums andere Mal zu schnell. Einzig bei Thorgan Hazard lässt sich beobachten, dass sein Bemühen, sich für die Stammelf aufzudrängen, bisweilen in zuviel Eigensinn mündet. Es wäre ihm zu gönnen, dass er mal ein Erfolgserlebnis hat - ein Tor erzielt oder dass eine so herausragende "Torvorbereitung" wie in der ersten Halbzeit gegen Köln dann auch genutzt und nicht wie von Stindl mit einer luschigen "Rückgabe" zum Kölner Torwart versaut wird.
Ich bin gespannt, wie André Schubert nächste Woche den gelbgesperrten Lars Stindl ersetzen wird. Setzt er dann Hazard auf dessen Lieblingsposition zentral mit Raffael ein oder gibt er Hrgota mal eine Chance für ein ganzes Spiel? Da in Traoré und Patrick Herrmann wieder zwei Alternativen für die Rechtsaußenposition zur Verfügung stehen, glaube ich persönlich eher an die erste Variante.

Die Stimmung im Park fand ich gestern - vom Fernseher aus gesehen - recht gut, vielleicht etwas wilder als sonst und nicht ganz so mächtig. Aber das kann auch täuschen. In jedem Fall war es dem Derby angemessen. Kein Verständnis habe ich dafür, dass jetzt Diskussionen zwischen den Fans ausbrechen nach dem Motto: "Wir brauchen die Ultras jetzt nicht mehr." Ein bisschen Abgeklärtheit täte der Diskussion gut und wenn es den Wunsch gibt, dass sich die Sangeskultur ändert, wie das von vielen geäußert wird, dann sollte man das gemeinsam diskutieren - nicht über die Köpfe des jeweils anderen hinweg.
Der Protest gestern richtete sich auch nicht, wie immer wieder falsch behauptet wurde, gegen die Mannschaft, er war auch nicht pro Köln oder pro Gewalttäter/Randalierer unter den Fans. Er richtete sich gegen den willkürlichen Ausschluss von Fans von Auswärtsspielen, indem man die Kontingente einfach herunterfährt, ohne das Verursacherprinzip zu berücksichtigen. Er richtet sich auch gegen die Personalisierung von Tickets. Auch das trifft völlig unbescholtene Fans, die sich eine Karte für den Auswärtsblock kaufen wollen. Jeder Auswärtsfan steht so unter Generalverdacht - ich zum Beispiel will mir das nicht gefallen lassen. Angesichts der Tatsache, dass man mit dem Stadionbesuch ohnehin schon sehr viele Rechte am Drehkreuz abgibt, ist Protest gegen eine ständige Verschärfung der Regeln aus meiner Sicht gerechtfertigt. Wie man den Support der Mannschaft im Stadion organisiert und ob man damit zufrieden ist, wie das von Vorsängern gestaltet wird, ist ein anderes Thema und sollte auch so behandelt werden.

Ach, und einen Seitenhieb auf den "Ich-will-ohne-Karten-durch-das-Derby-kommen"-Schiedsrichter Knud Kircher kann ich mir doch nicht verkneifen. Über 60 Minuten ging seine Taktik des Beschwichtigens ja gut auf. Doch als er anfing, minutenlang Kölner Fouls nicht mehr zu ahnden und damit nicht nur Stindl, sondern auch Raffael (!!!!) so in Rage brachte, dass letzterer sich gar nicht mehr beruhigen wollte, drohte ihm das Spiel zu entgleiten. Zum Glück blieb es im Rahmen, trotz vieler Zweikämpfe im Ringerstil. Warum er allerdings den ständig provozierenden Maroh nach Schubser-Gelb und einem üblen Foul mit gestrecktem Bein kurz vor Schluss nicht vom Platz stellte, bleibt sein Geheimnis. Denn bei diesem Foul gab es keinen Ermessensspielraum mehr.

Bundesliga 2015/16, 22. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - 1. FC K*** 1:0 (20.2.16)
(Tor für Borussia: 1:0 Dahoud)

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