Bloß nicht kirre machen lassen

Ich habe dieses Blog vor einiger Zeit - nicht vorrangig -, aber unter anderem auch deswegen gestartet, um dem einen oder anderen dümmlichen Berichten rund um Borussia etwas aus (journalistisch vorgebildeter) Fansicht entgegenzusetzen. Denn weil ich mich für Borussia interessiere, lese ich natürlich auch sehr viel von und über den VfL. Und was von (Regenbogen-)Schreibern und Möchtegern-Journalisten im Netz täglich so abgesondert wird, ist manchmal schwer erträglich.

Ein Paradebeispiel ist die seit Monaten immer wieder aufgewärmte Debatte um den Trainer. Ich weiß nicht, ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt Kontakt mit Markus Weinzierl gegeben hat, ob sich André Schubert in manchen Situationen vereinsintern fragwürdig verhalten hat oder ob man mit seiner Trainingsarbeit oder Taktik im Vorstand oder an sonst einer maßgeblichen Stelle des Vereins unzufrieden ist oder nicht. Ich glaube aber nicht, dass dies, wenn es das gegeben haben sollte, über alltägliche Konflikte hinausgegangen wäre.

Was ich weiß, ist, dass es völlig irrsinnig und unlogisch wäre, einen Trainer zu entlassen, der eine solche Bilanz vorzuweisen hat, nachdem er eine sieglose und vom Favre-Rücktritt überraschte Mannschaft vorgefunden hat. Es wäre umso unlogischer, ihn durch einen Trainer zu ersetzen, der höchstens eine gleichwertige Erfahrung aufzuweisen hat, und dabei keine nachweislichen Erfolge mit einem qualitativ so hochwertigen Kader wie ihn Gladbach bietet. Das Risiko, dass das nach hinten losgeht, ist bei aller behaupteten Freundschaft von Eberl und Weinzierl (die ich ebenfalls nur aus medialen Behauptungen kenne) zu hoch. Und das weiß zu allererst Max Eberl, dem man sicher eins nicht vorwerfen kann: dass er unbequeme Entscheidungen nicht trifft, weil sie ihm persönlich vielleicht anders besser gefallen würden (Entlassung von Frontzeck, keine Verträge mehr für Hanke, Arango, Brouwers).
Es ist für mich darüber hinaus auch eigentlich undenkbar, dass eine Mannschaft, deren Verhältnis zum Trainer gestört wäre, eine solche Saison spielt und auf den letzten Metern noch bis ins Letzte motiviert scheint.

Mag sein, dass Eberl Weinzierl als Favre-Nachfolger geholt hätte, wenn er damals sofort verfügbar gewesen wäre. War er aber nicht. Und damit hat sich das Thema für einen verantwortungsbewussten Manager auch schon erledigt. Man kann auch nicht jedem geplatzten Transfer ewig nachtrauern. Und mit der Vorgeschichte der kolportierten früheren Favre-Rücktrittsdrohungen ist es geradezu logisch, dass Eberl in Schubert einen möglichen, im Ernstfall schnell verfügbaren Ersatztrainer und excellenten Fachmann durchaus im Sinn gehabt hat. Dass die Zeit bis zu dem Ernstfall dann so kurz war, dass man sich bis dahin noch nicht endgültig Schuberts Fähigkeiten versichert hatte, macht auch das Zögern bis zur Beförderung verständlich. Seitdem aber hat im Verein niemand öffentlich je Schubert irgendetwas vorgeworfen geschweige denn seine Ablösung betrieben.

Es wäre auch schlimm, wenn sich ein Hans Meyer oder Rainer Bonhof (als erfahrene Ex-Trainer) sich für so etwas hergeben würden. Ich glaube, auch von den Fans schätzt Eberl niemand so ein, dass er persönliche Vorlieben vor die sportliche Vernunft setzen würde. Das eweist seine Arbeit in den vergangenen Jahren eindrucksvoll - und deshalb ist seine Frage, warum man ihm medial in der Trainerfrage immer wieder von neuem seine Glaubwürdigkeit abspricht, auch gerechtfertigt.
 Vor diesem Hintegrund ist der Versuch der Bild-Zeitung, erneut das Thema Weinzierl anzufeuern, ziemlich plump. Weil sich bei den Bekloppten in Gelsenkirchen auf diese Weise stets prima zündeln lässt, wollte man das jetzt wohl auch mal bei den so skandalarmen Gladbachern probieren, so scheint es.
Und als reichte es nicht aus, dass man eine solche Falschmeldung in die Welt setzt und immer wieder befeuert: Nachdem Eberl sein Dementi dann beim dritten oder vierten Mal so klar formulierte, dass es selbst der Geißbockfreundliche "Express" als unmissverständlich bezeichnete, blieb der Blöd-Redakteur unbelehrbar.
Deshalb heißt es bei Bild heute dann in unfassbarer Hartleibigkeit: "Überraschende Wende" und "Borussia Mönchengladbach wird doch mit Trainer André Schubert (44) in die neue Saison gehen!" (bild.de). Das ist ein Punkt, wo mir als Berufskollege vor Wut dann wirklich der Hals anschwillt. Denn das ist der schlechte Journalismus, der in anderem Zusammenhang durch Verallgemeinerungen dann allen Medien vorgeworfen wird.
Leider ist es dann auch oft so, dass andere Medien den Mist einer Quelle gerade dann ungeprüft weiterblasen, wenn es um Fußball-Spekulationen geht. So wird bei der WAZ, die Eberls klares Statement ebenfalls wiedergibt, das bewertende Schlagwort von der "Trainer-Posse bei Borussia" geprägt, basierend offenbar auf der dünnen Faktenlage der Bild, auf die die WAZ dann noch ebenso blumig "Informationen ihrer Redaktion" draufpackt, dass Weinzierl und Eberl ja Freunde seien und "es regen telefonischen Kontakt gegeben" habe - zwischen wem auch immer, das geht aus dem Satz nämlich nicht hervor. Weiter fabuliert der WAZ-Autor davon, dass das "emotionale" 2:1 gegen Leverkusen, die fast sichere CL-Quali, "vermutlich aber auch ein mahnendes Wort aus dem Vorstand" Eberl bewogen hätten, das Bekenntnis zu Schubert abzugeben. Au weia.

Und als wäre das noch nicht genug der journalistischen Fragwürdigkeit, findet sich jedes Gerücht, sei es dieses oder eins über wechselwillige Spieler auf diversen Seiten wie 90min oder Borlife nochmal in meist schlechterer Darstellung widergekäut und auf die nächste Runde durchs Netz gehustet. Gruselig. Musste ich einfach mal loswerden. Man darf sich davon nur nicht kirre machen lassen.
 auch noch im Internet auf Warum Schubert kommende Saison Gladbach-Trainer bleibt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/warum-andre-schubert-kommende-saison-gladbach-trainer-bleibt-id11812159.html#plx579113522
vermutlich aber auch ein mahnendes Wort aus dem Vorstand bewogen Eberl nun zum Bekenntnis zu Schubert.

Warum Schubert kommende Saison Gladbach-Trainer bleibt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/warum-andre-schubert-kommende-saison-gladbach-trainer-bleibt-id11812159.html#plx579113522
vermutlich aber auch ein mahnendes Wort aus dem Vorstand bewogen Eberl nun zum Bekenntnis zu Schubert.

Warum Schubert kommende Saison Gladbach-Trainer bleibt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/sport/fussball/gladbach/warum-andre-schubert-kommende-saison-gladbach-trainer-bleibt-id11812159.html#plx579113522

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