Verluste (II): Martin Stranzl

Die Saison ist vorbei, erneut verlassen einige Spieler die Borussia. Einen Verlust stellen sie alle dar, auch wenn man persönlich an dem einen mehr hängen mag als an dem anderen. In einer losen Folge zeichne ich nach, was dem Team mit den Abgängen verloren geht und wie man Xhaka, Stranzl, Brouwers, Nordtveit, Hrgota und Hinteregger ersetzen sollte. Heute geht es um Martin Stranzl.
 
Borussia hat - unfreiwillig - schon eine fast komplette Saison geübt, wie es ist, wenn der unumstrittene Leitwolf Martin Stranzl mal die Fußballschuhe an den Nagel hängt. Dass er das bald tut, hatte er ja von Jahr zu Jahr immer wieder in Aussicht gestellt.
Doch obwohl der Österreicher in der abgelaufenen Runde seiner Statistik nur noch vier Saisonspiele hinzufügen konnte, ist es für das Team ein großer Verlust, wenn er ab Juli nicht mehr mit auf dem Trainingsplatz steht.
In der Vorsaison noch bester Zweikämpfer der Liga, kopfballstark, genial in der Tacklinggenauigkeit, dazu einer, der sagt, wo es lang geht: Das hat Borussia allerdings in der verrückten Saison 2015/16 auch nur zu Beginn so richtig gefehlt.
Im Laufe der Spielzeit hat sich das Team damit arrangiert, dass hinten nicht mehr Martin Stranzl abräumt, sondern Andreas Christensen. Der zudem noch die deutlich bessere Spieleröffnung bietet. Mit dem Wechsel von Favre zu Schubert hielt auch eine andere Art von Abwehrarbeit Einzug. Möglich, dass ein einsatzfähiger Martin Stranzl damit mehr gefremdelt hätte als es dem Spiel gutgetan hätte. Aber das ist Spekulation.
In der kommenden Saison wird der 35-Jährige aus heutiger Sicht deshalb weniger sportlich fehlen, sondern als Mensch, als Typ und als erfahrener Spieler, von dem junge Profis lernen können. Christensen hat das ganz offensichtlich nicht so gebraucht, aber an Stranzls Seite sind seit dessen Wechsel zu Borussia schon einige Spieler gewachsen - ein Julian Korb und ein Tony Jantschke gehören genauso dazu wie Havard Nordtveit oder Granit Xhaka.
Also muss demnächst jemand aus der Mannschaft - oder ein Neuzugang - die Anführerrolle annehmen, die Stranzl innehatte, und die an seiner Statt dann Granit Xhaka an den Tag legte und nun mit nach London nimmt. 
Das ist nicht so einfach, wie es klingt, aber auch nicht unmöglich. Denn offensichtlich scouten die Experten im Verein ja auch ganz gezielt mit Blick auf wichtige Charaktereigenschaften der Spieler. Und: Borussia hat in den vergangenen Jahren immer wieder Spieler abgegeben, von denen man gedacht hatte, sie seien "unersetzlich" - zumindest ein bisschen. Bei Hanke, Arango, auch bei Filip Daems war es nicht so, der VfL steht heute auch ohne diese verdienstvollen Spieler insgesamt stärker da. Hoffen wir, dass es auch bei Martin Stranzl nicht anders ist. Der Verlauf der Saison hat angedeutet, dass es so sein wird.

Kommentare