Keine Angst vor blauen Flecken

"Wir haben verstanden" - dieser Werbeslogan passt derzeit auf den VfL wie die Faust aufs Auge. Schwierigkeiten hat die Schubert-Elf natürlich noch immer mit Gegnern, die schon in Borussias Hälfte den Spielaufbau konsequent zerstören wollen. Doch der Lernprozess ist sichtbar - auch dieses System ist zu entschlüsseln - und er ist inzwischen auch an der Punkteausbeute ablesbar. Vier Punkte gegen die kratzbürstigen Leipziger und Ingolstädter und der Sieg gegen die Leverkusener Pressingmaschine, die man ebenfalls in dieser Hinsicht zu den unangenehmen Gegnern zählen muss: Das ist eine gute Ausbeute. Dagegen steht nur das 1:3 in Freiburg, das sich - durch die gute Bilanz seitdem - aber leichteren Herzens unter "Lehrgeld" abhaken lässt.

Nun muss man sich deswegen aber nicht gleich einbilden, dass man einen Gegner wie Ingolstadt mal eben mit 5:0 nach Hause schickt - und deshalb war das vernehmbare Gemurre auf den Rängen in der ersten Halbzeit auch ziemlich daneben. Noch immer steckt viel Arbeit, Willen und Zweikampfhärte dazu, solche Spiele erfolgreich zu gestalten. Und da zählt ein erspielt und erkämpftes 2:0 vielleicht sogar mehr als ein zu leichtgemachtes 4:1. Zum Ende des Spiels in Leipzig und gestern war erstmals zu sehen, dass die Borussen diese Art "Blaue-Flecken-Fußball" anzunehmen bereit sind, nicht mehr zurückzucken und auch nicht der Tatsache nachtrauern wollen, dass sie an solchen Tagen weniger Zauberfußball bieten können als sie gern wollen.
Vorneweg geht da sichtbar der kantige André Hahn, der diese Art Fußball perfekt verkörpern kann, aber auch Kapitän Lars Stindl. Man sieht es im Spiel oft gar nicht so, aber was er in den Zweikämpfen abbekommt und doch unbeirrt immer wieder genau die Bewegungen macht, bei denen ihm die Abwehrspieler weh tun können - das ist wirklich bemerkenswert. Denn immer wieder sind es auch diese Bewegungen, die Gladbacher Chancen und Tore einleiten.

Dass dem VfL gestern das erste Tor und der erste Sieg gegen die Audistädter gelang, lag allerdings auch an Mo Dahoud, der seine aufsteigende Form in diesem Spiel eindrucksvoll bestätigte. Mit seinen schnellen Richtungswechseln und mit den wieder präziser werdenden Pässen machte er an diesem Tag zusammen mit dem ebenfalls sehr konzentriert auftrumpfenden Christoph Kramer den Unterschied in diesem Spiel. Denn das zentrale Mittelfeld, in den Spielen zuvor oft noch Ausgangspunkt vieler gegnerischer Angriffe, dominierte gestern die Partie und sorgten für die entscheidenden Impulse in der Bewegung nach vorne. Wenn sie diese gute Abstimmung auch gegen spielerisch stärkere und schnellere Gegner hinbekommen, könnte die zu Anfang der Saison so schmerzlich vermisste Stabilität im zentralen Mittelfeld zurück und die Xhaka-Nordtveit-Lücke vorerst geschlossen sein. Davon, Barca stoppen zu können, will ich deshalb aber noch nicht gleich reden.

Bundesliga 2016/17, 5. Spieltag (24.9.16): Borussia Mönchengladbach - FC Ingolstadt 2:0 (Tore für Borussia: 1:0 Stindl, 2:0 Wendt)

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