Bester in der falschen Tabelle

In der Rangliste der "Spiele, die du nicht verlieren darfst", ist der VfL in dieser Saison sicher mit Abstand Tabellenführer. Gleiches gilt in der Statistik "Spiele, die du gewinnen musst". Und am deutlichsten führt die Mannschaft natürlich in der Kategorie "Chancen, die du nicht versemmeln darfst".Eine bittere Erkenntnis, denn das verträgt sich leider nicht so gut mit der in der Fußball-Bundesliga geltenden Tabellenrechnung, in der es vor allem um gewonnene Spiele und die meisten Punkte in einer Saison geht.
Ja, es bleibt im Moment eigentlich nur noch Galgenhumor. Und immerhin wurden heute mal nicht Pfosten oder Latte des Gegners getestet. Und selbst unserem Lieblingsschiedsrichter Deniz Aytekin kann man heute eine rundum gute Leistung bescheinigen. Es hängt also alles an der Effektivität der Borussia beziehungsweise an deren Fehlen.

Egal wie man es dreht und wendet: Jedem, der auch heute wieder eine gute, in der ersten Halbzeit sogar hervorragende Gesamtleistung der Borussia gesehen hat, fehlen langsam die Argumente, warum unser Verein nicht dort steht, wo er nach den erarbeiteten Torchancen stehen könnte und sollte. Und so empfinde (wohl nicht nur) ich den einen Punkt gegen eine (ziemlich gute und abgeklärt auftretende) Hoffenheimer Mannschaft am Ende eher als Niederlage denn als Fingerzeig für den Aufwärtstrend - was es vom Spielverlauf her aber zweifellos war.

In fast allen Dingen zeigt die Tendenz nach oben. Zuletzt formschwächere Spieler wie Wendt, Dahoud, Christensen und Sommer zeigen sich stabiler, das Spiel nach vorne funktioniert gut, die Torchancen sind da. Die Defensive steht in den allermeisten Fällen sehr sicher und zeigt sich vor allem besser gewappnet gegen aggressives Pressing - das zeigten die beiden Spiele gegen Manchester und Hoffenheim deutlich. Nico Elvedi entwickelt sich immer mehr zum Antreiber auch nach vorne, und er raubt dazu noch mit geschicktem Zweikampfverhalten den gegnerischen Angreifern den Nerv. Heute hatte der junge Schweizer wieder einen richtig guten Tag erwischt. Auch Jannik Vestergaard wächst immer besser in das Mannschaftgefüge hinein. Es wird sichtbar besser, ob nun im 4-3-3, mit dem Schubert sein Team aufs Feld schickte oder mit der Dreierkette, die am Ende des Spiels die Geschicke in der Defensive leitete.

Dass es nichts wurde mit dem ersten Bundesligasieg seit dem Ingolstadt-Spiel, das lag an zwei Dingen: Eine grobe Fehlleistung der gesamten Defensive beim Gegentor, als Amiri vor dem Tor völlig aus den Augen verloren wurde. Und das leidlich bekannte Problem, den Ball erfolgreich über die Torlinie des Gegners zu bugsieren. Hazard, Stindl, Johnson ließen heute die besten Chancen aus, und man kann sich nicht erklären, wieso. Vor einigen Wochen waren es doch genau diese Spieler, die genauso eiskalt vollstrecken konnten wie sie jetzt vor dem Tor die jeweils falsche Entscheidung treffen.

Was bleibt uns übrig? Nichts, außer weiter auf den platzenden Knoten zu warten - auf einen Frustlöser wie im vergangenen Jahr der Sieg gegen Augsburg nach Favres Rücktritt. Ob das in Dortmund der Fall sein kann, daran wagt man nicht zu denken. Aber man weiß ja nie. Fürs erste bin ich allerdings ernüchtert, auch wenn ich weiterhin nicht den Trainer und nur in Maßen die Mannschaft verantwortlich mache. Zumindest scheint der Schulterschluss mit dem Publikum heute gelungen, schöne Choreo, gute Unterstützung und eine gute Leistung des VfL, die sich nur leider nicht in den Punkten widerspiegelt.

Bundesliga 2016/17, 12. Spieltag (26.11.16): Borussia Mönchengladbach - TSG Hoffenheim 1:1 (Tor für Borussia: 1:0 Dahoud)

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