Zähne zusammenbeißen

Was soll man nach so einem Spiel noch sagen? Deutlich verloren, phasenweise die Übersicht verloren, sodass es auch noch höher hätte ausgehen können - trotz früher und gleich wieder hergeschenkter Führung. Das befürchtete Ergebnis in einem Spiel, von dem man keine Trendwende erwarten musste?
So blöd es klingt, in diesem Spiel war mehr drin als in vielen anderen Spielen gegen die schwarz-gelbe Namenskusine. Weil die Schubert-Elf trotz der beiden Gegentore in der ersten Halbzeit defensiv viel besser stand als zum Beispiel beim 0:4 vergangene Saison noch unter Favre. Und weil die wahre Borussia zu Beginn der zweiten Hälfte fast 20 Minuten lang genau das Spiel aufzuziehen begann, mit dem man den Dortmundern weh tun kann. Während die Mannschaft in der ersten Halbzeit den Dortmundern viel Ballbesitz überließ und sich in einer massiven Deckung versuchte, spielten Kramer und Co. zu Beginn der zweiten Hälfte konsequenter nach vorn und setzten die Gastgeber früher unter Druck. Das drückte sich in einigen guten Angriffen aus, die auch Schwächen und Unsicherheiten der BVB-Defensive aufzeigten.
Doch das riskantere Spiel führte auch zu gefährlichen Kontern der Tuchel-Elf, sodass das in der Entstehung unglückliche dritte Gegentor über kurz oder lang zu befürchten war. Es sei denn, der VfL hätte mal ein wenig von dem Matchglück gehabt wie es so viele seiner Gegner in dieser Saison schon hatten. Zu nennen wären da beim Stand von 1:2 Raffaels feine Hereingabe, die Sokratis fast zu einem hübschen Eigentor verwandelt hätte. Oder Christensens Kopfball nach einer Ecke (!) und natürlich die Fehlentscheidung des Tages durch den einmal mehr im Spiel häufig mit zweierlei Maß messenden Schiedsrichter Marco Fritz. Der ignorierte komplett, dass Sokratis Thorgan Hazard an der Strafraumgrenze umriss, als Raffael diesem gerade einen tollen Pass in den freien Raum servierte. Man kann darüber streiten, ob das nun Elfmeter oder Freistoß gewesen wäre (Gelb wäre es in jedem Fall gewesen) - aber weiterspielen zu lassen war einfach ein krasser Fehler. Und dass im Gegenzug fast ein Tor gefallen wäre, passt dazu.

Doch hätte, wenn und aber: Gladbach hat heute nicht wegen des fehlenden Glücks verloren, sondern weil sie gute Leistungen nicht über 90 Minuten abrufen können und - einmal mehr - die entscheidenden Szenen nicht gut genug verteidigt wurden. Und da zeigt sich eine bedenkliche Entwicklung. Dass mal eine Ballannahme missglücken kann wie  Elvedi beim 1:3 - geschenkt. Aber dass das nach einem harmlosen Befrieiungsschlag aus der BVB-Abwehr geschieht und dann sowohl Elvedis grätschender Rettungsversuch ins Leere geht als auch drei andere Gladbacher Verteidiger nicht in der Lage sind, Dembelé am Schuss zu hindern, das sind die entscheidenden Dinge. Oder das: Kurz vor Schluss läuft Dortmunds Pulisic über das halbe Feld vier oder fünf Gladbachern weg. Alle stören ihn ein bisschen, aber keiner stoppt ihn. Erst Yann Sommer pariert den Schuss.
Diese heiklen Szenen sehen wir in unserer Hälfte derzeit zu oft, genauso wie die gerade noch haarscharf geklärten Bälle wie heute gegen die durchgebrochenen Aubameyang, Reus oder Schmelzer. Souverän ist anders. Das gleiche Manko zeigt sich beim 1:4, wo Dahoud einen von Stindl erlaufenen Ball mit einem schlampigen Fehlpass in der eigenen Hälfte wieder abgibt und danach die Szene abhakt und nicht mehr aktiv am Spiel teilnimmt, sondern gehend zuschaut, wie das Unheil seinen Lauf nimmt. Dass bei der feinen Kombination zwischen Reus und Aubameyang dann Christensen noch ausrutscht, ist bezeichnend für die momentane Situation.

Aber aus der kommt man nur raus, wenn man um jeden Ball kämpft, wie es die knackig in die Zweikämpfen gehenden Dortmunder heute gemacht haben. Ja, Dortmund hatte heute die Bissigkeit und die Schnelligkeit in den Zweikämpfen, die letztlich den Unterschied machten. Beide Teams hatten vor dem Spiel Druck, aber beim BVB hat man heute gesehen, dass sie mit aller Macht das Spiel in ihre Richtung biegen wollten.
Das letzte Mal, dass ich unsere Mannschaft so kompromisslos in den Zweikämpfen gesehen habe, war gegen Ingolstadt - und das war der letzte Sieg in der Bundesliga. Es war kein schöner Sieg, aber es war einer.
Es ist jetzt an der Zeit, die Situation so anzunehmen, wie sie ist: Es ist bis auf Weiteres Abstiegskampf. Bislang haben Raffael und Co immer den spielerischen Weg gesucht, um aus der Krise zu kommen. Doch die nötige Leichtigkeit dafür ist abhanden gekommen. Jetzt muss dementsprechend der Erfolg über die Konzentration auf die einfachen Dinge zurückerkämpft werden. Standardsituationen als Torchance begreifen (und üben). Kompromisslos verteidigen, klar, einfach und ohne Schnörkel nach vorne spielen. Nicht in Schönheit sterben, sondern klar machen, wer auf dem Platz das Sagen hat. Und vielleicht einfach mal draufhalten, statt im Strafraum noch zwei Doppelpässe ansetzen zu wollen. Dass die Fans diesen steinigen Pfad mitgehen, haben sie heute eindrucksvoll bewiesen. Tolle Anfeuerung während des Spiels und Trost und Anerkennung nach der Partie. Das ist wieder das Gladbacher Publikum, das ich liebe. Danke dafür!

Ein schwacher Trost ist bei all den Nackenschlägen, dass wenigstens die größte Narrenkappe heute nicht ein Gladbacher war, sondern der Sky-Schwätzer Tom Bayer. Drei Minuten lang feierte er ein Tor von Marco Reus, das wegen Abseitsstellung zurückgepfiffen worden war. Es ließ ihn weder stutzen, dass das Spiel mit Freistoß für Gladbach fortgesetzt wurde, noch, dass weder Stadiontafel noch sein eigener Sender das vermeintliche 3:1 anzeigten. Da er auch ansonsten fast ausschließlich dummes Gesülze absonderte, hat er sich für die Nachfolge von Fritz von Dumm und Dämlich, der ja am Ende der Saison aufhört, schon mal eindrucksvoll in Stellung gebracht. Bringt uns natürlich trotzdem nicht weiter.



Bundesliga 2016/17, 13. Spieltag (3.12.16): Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 4:1 (Tor für Borussia: 0:1 Raffael)

Kommentare

  1. Hoffenheim wird heute im WIRSOL Rhein-Neckar-Arena auf den Borussia Dortmund treffen. Bei ihrem letzten Aufeinandertreffen gewann Borussia Dortmund das Spiel mit 3:1. Ich frage mich, ob uns das Team von T. Tuchel heute überraschen wird. Basierend auf den vergangenen Ergebnissen der beiden Teams, erwarte ich, dass Borussia Dortmund gut spielen wird und dieses Spiel gewinnen wird. Es könnte interessant sein, zu sehen, ob Pierre-Emerick Aubameyang in diesem Spiel ein Tor schießt, da er einen gute Durchschnitt bezüglich der erzielten Tore pro Spiel hat. Wenn Sie etwas Wissen über Fußball haben, können Sie Ihre Meinung mit dem Unibet rezensieren.

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