Gewonnen

Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um mich von diesem Sieg zu erholen. Der erste Bundesliga-Dreier seit September! Durchatmen, kurz Luft holen: Gewonnen!
Nicht schön, aber ein schon irgendwie verdientes 1:0. Ein Sieg in einem Spiel, das zum schnellen Vergessen einlädt. Und so kam zurück, was über den Versuch, immer mit gepflegtem Fußball spielerisch zum Ziel kommen zu wollen, in Gladbach lange nur noch ein seltener Gast war: der "dreckige Sieg", die optimale Ausbeute aus einer der schlechtesten Gladbacher Saisonleistungen. Und der war dringend nötig.

Fakt ist, der Sieg hätte eigentlich ein Unentschieden hätte sein müssen, weil der Schiedsrichter de Blasis' Tor kurz vor Schluss nicht anerkannte. Das war nachvollziehbar - aus seiner Perspektive war er sich offenbar sicher und zögerte nicht mit dem Pfiff - aber letztlich war die Entscheidung falsch, weil Yann Sommer die Hand noch nicht auf dem Ball hatte, als der Stürmer einschoss. So fair muss man sein. Nach vielen mit Borussia erlittenen Fehlentscheidungen und nach zuletzt auch einigen unverdient verlorenen Spielen, nehme ich diese unbeabsichtigte freundliche Unterstützung des Unparteiischen aber auch ohne schlechtes Gewissen an.
Vor allem in der Situation, in der der Verein derzeit steckt. Denn es lief auch am dritten Advent wieder viel auf einen späten Nackenschlag für Borussia hinaus.
Die Spieler im Aufbau oft fahrig, unpräzise, oft zu bedacht darauf, sich bloß keine Blöße zu geben. Und wenn es erfolgversprechend nach vorne ging, gänzlich ohne Esprit unterwegs.
Eben so unsicher, wie man angesichts der jüngsten Misserfolge und des Theaters im Umfeld, in den Medien und Teilen der Anhängerschaft auch sein kann. Bisweilen wirkten die Spieler des VfL diesmal wirklich angeknockt. Das war anders als noch vor ein, zwei Wochen, als alle Rautenträger noch sichtbar an ihre Fähigkeiten glaubten. Das heute war eine Mannschaft, die ins Grübeln gekommen ist und das nicht so einfach aus den Füßen schütteln konnte.
Ausgerechnet der spätere Held Andreas Christensen machte in der ersten Hälfte mehrere gravierende Fehler, die er nur mit Mühe selbst wieder ausbügeln konnte. Raffael und Stindl waren erneut wenig effektiv, insgesamt gingen viele Pässe ins Nichts und Torchancen waren Mangelware, weil jeder gute Angriffsversuch irgendwie vorher versandete. Und so schwangen sich heute der von mir schon oft kritisierte Oscar Wendt, Jannik Vestergaard, Nico Elvedi und mit Abstrichen Tobias Strobl und Tony Jantschke - allesamt Defensivkräfte - zu "besten Spielern" auf. Vielleicht hat der Ruf nach Führungspersönlichkeiten in dieser Woche ja auch den einen oder anderen Anwärter aufgeweckt, wenn andere die ihnen zugedachte Funktion im Moment einfach nicht ausfüllen können.

Dafür, dass nach vorne wenig Sinnvolles zusammenlief und auch das goldene Tor eher dem Zufall geschuldet war, ließen Sommer und Co. in der Defensive mit konsequentem Spiel vergleichsweise wenig zu. Gut, Mainz ist nicht Dortmund und nicht Barca, doch auch gegen Malli und Onisiwo muss man auf der Hut sein. Nun ging Mainz nie voll ins Risiko, spielte ebenfalls äußerst unterdurchschnittlich und schien von Beginn an mit einem Remis zu liebäugeln. Aber die Null stand, die Hintermannschaft auch, und das ist die Grundvoraussetzung, um sich aus dem Tabellenkeller wieder heraus - zu  - arbeiten. Dieses Arbeiten, das war heute vorbildlich zu sehen und es war ein Schlüssel zum Erfolg.

Darauf darf und wird man sich nichts einbilden, aus dem Schneider ist man mit diesem einen Erfolgserlebnis noch lange nicht. Aber es ist vielleicht der erhoffte Drucklöser für die verfahrene Situation. Die Schubert-Schützlinge betätigten sich heute mit Glück und Geschick als Schubert-Schützer. Und das finde ich gut so. Ob die Diskussionen um den Trainer wieder durch Erfolge und gute Leistungen zu ersticken sind, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Bewerten muss man heute auf jeden Fall zu 99 Prozent das Ergebnis, und weniger die Art und Weise, wie es zustande kam. Würdigen sollte man den Einsatz der Mannschaft, um diesen Erfolg zu erzwingen und festzuhalten. Alles weitere ist tägliche harte Arbeit, die das Team ganz offensichtlich mit dem derzeitigen Trainerstab zusammen weiter machen will. Und wohl auch die Mehrzahl der Fans, wie das heute überwiegend sehr fein reagierende Publikum nahelegte, das auch in kritischen Situationen die Spieler gut unterstützte.

Bundesliga 2016/17, 14. Spieltag (11.12.16): Borussia Mönchengladbach - FSV Mainz 05 1:0 (Tor für Borussia: 1:0 Christensen)

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