Stets bemüht

Die Champions-League-Gruppenphase endet für Borussia so ernüchternd, wie sie begann: Ein 0:4 gegen einen in allen Belangen besseren Gegner und die bittere Erkenntnis, dass der VfL auf diesem Niveau nicht mithalten kann. "Sie waren stets bemüht", diese Formel trifft die Leistung ganz gut. Und wohl jeder weiß, dass diese Wertung in der Zeugnissprache keine gute Bewertung ist. Man war vielleicht fleißig, hat etwas versucht, aber es kam nichts dabei raus. Dass auch die Spieler das wussten, sah man förmlich am Frustlevel schon auf dem Feld.
Wenn man 90 Minuten hinterherläuft, im Mittelfeld kaum in Zweikämpfe kommt, dementsprechend dem Gegner auch nicht wirklich (im wahrsten Sinn des Wortes) wehtun oder ihn am sicheren Spielaufbau hindern kann, dann hat man viel falsch gemacht. Dass es besser geht, haben die Borussen schon gegen den gleichen Gegner bewiesen. Mildernde Umstände gibt es, weil sich Messi und Co. auch besseren Gegnern immer wieder auf diese unnachahmliche Art und Weise entziehen können und des öfteren so selbstverständlich herausgespielte Tore erzielen wie heute Abend. Das hilft uns gegen den nächsten Gegner in der Bundesliga allerdings - nichts. Und gegen die Verunsicherung wohl noch weniger.

Was kann man also an Mutmachendem aus dem Nou Camp mitnehmen? Dass Christensen und Co. trotz aller Unterlegenheit doch auch sehr viele Torchancen und "tödliche" Pässe entschärfen konnten. Dass Yann Sommer sich mal wieder auszeichnen konnte. Dass ein paar ganz brauchbare Konter angesetzt wurden, die zu etwas hätten führen können - wenn sie nicht durch fehlende Passgenauigkeit steckengeblieben, von dem völlig neben sich stehenden Hazard oder dem eingewechselten Johnson verbaselt oder durch auch mal durch grenzwertigen Körpereinsatz der Gegner (gegen Hahn) verhindert worden wären. Und so wurde es dann doch mehr als das Bonusspiel, mit dem man sich von dem Bundesligafrust ein wenig ablenken wollte. Im negativen Sinne.

Doch das war es ja noch nicht mit den schlechten Nachrichten an diesem Abend. Viel mehr als der Ausgang dieses eigentlich von uns allen herbeigesehnten, aber letzlich wertlosen Ausnahmespiels bewegt mich, dass Alvaro Dominguez verletzungsbedingt seine Karriere beenden muss. Es muss ein Loch in das Herz eines jeden Borussen reißen - nicht nur, weil er ein netter Kerl und ein wichtiger Teil des Aufschwungs auf dem Rasen und ein Hoffnungsträger für die Abwehr war - sondern auch, weil er sich mit dem Verein und den Fans zu 100 Prozent identifiziert hat. Wieviele ausländische Profis haben so schnell und so gut deutsch gelernt wie er? Welcher Profi sonst hätte "Die Elf vom Niederrhein" so nett vor der Webcam seines Computers eingesungen, wie er es tat? Sein verzweifeltes, aber vergebliches Bemühen um ein Comeback steht auch ein bisschen für die Entwicklung der Borussia in diesem Jahr. Für Alvaro gibt es offenbar kein Happyend auf dem Rasen. Hoffen wir, dass sich nun wenigstens die Mannschaft schüttelt, den Frust abwirft, die Ärmel aufkrempelt und bedingungslos um die Wende zum Positiven kämpft.

Champions League, Gruppenphase, 6. Spieltag (6.12.16): FC Barcelona - Borussia Mönchengladbach 4:0

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