2020-08-18

Saisonvorbereitung III: Das letzte Puzzleteilchen?

Da ist er also, pünktlich zum Trainingslager. Und mit dem von mir zuletzt noch in Unkenntnis seines Namens "Mister X" genannten zweiten Neuzugangs ist Max Eberl wieder einmal ein echter Coup gelungen. Als letzte Woche die ersten Gerüchte auftauchten, dass Valentino Lazaro bei Borussia im Gespräch sein könnte, war wahrscheinlich wie üblich das meiste schon längst eingetütet - Überraschung perfekt. 
 
Nicht der junge Pedri vom FC Barcelona ist demnach die noch angekündigte (Leh-)Verstärkung, sondern der österreichische Ex-Herthaner, mit dem Gladbach auch schon vor dessen Wechsel nach Italien vor einem Jahr in Verbindung gebracht worden war. 
Der Preis damals: Viel zu hoch. Der Preis heute: auch noch zu hoch, deshalb wird es wie bei Hannes Wolf eine Leihe mit einer entsprechenden Kaufoption, die der Verein nächstes Jahr ziehen kann, aber nicht muss. 
Denn: Zündet er nicht, kann man sich nächstes Jahr umorientieren. Hat der Verein dann weiterhin nicht genug Geld für große Transfers, kann man eine kostengünstigere Lösung suchen. Und erfüllt er die Hoffnungen, ist Lazaro die kolportierten 15 bis 20 Millionen Euro für die Kaufoption dann auch wert. Einziger Risikofaktor für eine Verpflichtung wäre vielleicht das Gehalt, denn der Spieler wird da sicher dauerhaft keine großen Abstriche machen wollen, was die Ausgewogenheit im Gehaltsgefüge schon etwas herausfordern könnte. Andererseits kommt Lazaro auch nicht als Stammspieler (und damit Spitzenverdiener) von Inter an den Niederrhein.
 
Unabhängig davon ergibt diese Personalie für mich aber auch sportlich total Sinn.
Er ist auf allen Positionen auf der rechten Seite einsetzbar, also als Rechtsaußen, als rechter Mittelfeldspieler oder als Außenmann in Dreier- wie Viererkette. Laut Kicker ist er auch als offensiver zentraler Spieler denkbar, wobei dies sicher nur eine eher untergeordnete Option für das Trainerteam darstellt, dafür gibt es auf der Acht, Neun oder Zehn einfach zu viele "Spezialisten" bei Borussia. 

Valentino Lazaro hat mich mit seinen Fähigkeiten in der Offensive schon damals bei der Hertha beeindruckt (ich habe mich damals ein wenig näher mit ihm beschäftigt, weil ich ihn in meiner Comunio-Mannschaft hatte ;-)). Und wie es guter Brauch ist, hat er natürlich auch schon gegen Gladbach getroffen, bei der 2:4-Niederlage der Fohlen im September 2018 in Berlin.
Lazaro ist ein ganz starker Flügelspieler, der enorm Druck auf die Abwehr machen kann, weil er nicht nur klasse Flanken schlägt (und hier aus meiner Sicht gegenüber Stevie Lainer noch ein bisschen mehr Präzision bietet), sondern weil er auch im 1-gegen-1 stark ist und somit für Abwehrspieler kaum auszurechnen ist. 
Schwächen hatte er damals ein wenig in der kontinuierlichen Defensivarbeit, aber daran sollte er inzwischen auch gearbeitet haben. Dass Lazaro auch aus dem RB-Salzburg-Stall kommt und die Spielweise verinnerlicht hat, ist sicher hilfreich, sollte man aber nicht überbewerten. Schließlich haben auch die Gladbacher Spieler, die vor Marco Rose schon da waren, dessen Vorstellungen vom Spiel schnell adaptiert.
 
Somit bringt der 24-Jährige neben Bundesliga- und internationaler Erfahrung (mit Salzburg und Inter) die nötige Polyvalenz mit, um sowohl auf der Position von Lainer oder Ginter wie auf der von Herrmann oder Thuram den Backup zu geben - oder sich auf einer dieser Positionen auch festzuspielen. Und erweitert damit eben auch die taktischen Möglichkeiten des Trainerstabs.
 
Wenn man den früheren Aussagen von Max Eberl Glauben schenkt, wäre mit Wolf und Lazaro das Transfergeschehen auf der Zugangseite dann erst einmal abgeschlossen. Erst einmal bedeutet, dass es zu einem späteren Zeitpunkt durchaus noch Bedarf für eine Ergänzung geben könnte. Mit Blick darauf, dass derzeit mit Thuram und Plea schon zwei Topstürmer wohl noch für eine Weile fehlen, auch Zakaria noch Zeit braucht und mögliche Abgänge aus der "zweiten Reihe" nicht ausgeschlossen bis wahrscheinlich sind, könnte also nochmals Handlungsbedarf bestehen. Und international ist das Transferkarussell ja noch lange nicht heißgelaufen. All das kann auch noch Einfluss auf Borussia haben, was wir natürlich nicht hoffen.
 
Aber nehmen wir mal an, dass es bei diesem Kader bleibt und dieser auch in voller Kraft in die Saison starten kann. Dann hätte der VfL eine Topmannschaft zusammen, deren erste Elf in jeder Zusammensetzung beeindruckend klingt:
 
Zum Beispiel so: 
Sommer - Bensebaini, Elvedi, Ginter, Lainer - Zakaria, Kramer, Neuhaus - Plea, Thuram, Lazaro.
 
Oder so:
Sommer - Elvedi, Ginter, Bensebaini (Wendt) - Zakaria, Hofmann, Lainer, Wolf - Plea, Embolo, Herrmann.
 
Oder so:
Sommer - Bensebaini, Elvedi, Ginter, Lainer - Zakaria - Neuhaus, Stindl, Embolo, Wolf - Thuram.

Oder, oder, oder. Und damit habe ich viele gleichwertige oder nahezu gleichwertige Spieler wie Tony Jantschke, Beyer, Benes oder Traoré ja noch gar nicht genannt - von den jungen Wilden ganz zu schweigen. Vielleicht ein Luxusproblem, aber auf der reinen Sechserposition wäre auch mit Lazaro der Abgang von Strobl nicht komplett ausgeglichen, wie ich im letzten Teil beschrieb. Allerdings sollten neben "Zak" und Kramer mit Benes, Hofmann, Stindl, Neuhaus oder gar Ginter (sowie Quizera oder dem in den Testspielen ganz gefällige Rocco Reitz) genügend taugliche "Aushilfen" zur Verfügung stehen.

Borussia hat also zum jetzigen Zeitpnkt ihre Hausaufgaben gemacht und steht damit voraussichtlich noch ein Stückchen stärker da als vergangene Saison. Doch das ist nur ein Teil der Rechnung. 
Was diese Stärken auf dem Papier wert sind, können wir uns ungefähr ausrechnen. Doch wie es auf dem Platz klappt, vor allem wenn die zweite Unbekannte in der Gleichung dazu kommt - der Gegner -, das ist wie immer offen. 
 
Aber das ist ja auch der Thrill, wenn es in eine neue Saison geht: Dass die Träume, die unser Team verspricht, erst mit der Realität abgeglichen werden müssen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich jedenfalls mit dem Zwischenstand gut leben. Und das bedeutet: Bei mir steigt - endlich - langsam wieder die Ungeduld, ungeachtet der weiterhin unvermeidlichen und freudeschmälernden Einschränkungen. Die Bundesliga kann kommen - immerhin vier Wochen sind es bis zum Auftakt-Knaller gegen den BVB noch. Aber egal, was die anderen machen - wir sind auf einem guten Weg!

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